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Casino Royale Casino Royale (GB/USA, 2006)

DVD - Regionalcode 2, Sony Pictures Home Entertainment
FSK: 12
Laufzeit: ca. 139 Minuten

Extras
Trailer

Regie:
Martin Campbell

Hauptdarsteller:
Daniel Craig (James Bond)
Eva Green (Vesper Lynd)
Mads Mikkelsen (Le Chiffre)
Judi Dench (M)
Jeffrey Wright (Felix Leiter)
Giancarlo Giannini (René Mathis)
Jesper Christensen (Mr. White)
Simon Abkarian (Alex Dimitrios)




Inhalt:

Der britische Geheimagent James Bond verdient sich seinen Doppelnull-Status, indem er den korrupten MI6-Sektionsschef von Prag und dessen Kontaktmann tötet. Während eines gewagten Einsatzes auf Madagaskar, bei dem er zum Entsetzen seiner Chefin "M" in eine Botschaft eindringt, um einen Terroristen ausschalten zu können, findet 007 Hinweise auf Le Chiffre. Dieser Privatbanker versorgt Terroristen in aller Welt mit jederzeit und überall verfügbarem Geld, das sie bei ihm anlegen, und nutzt gleichzeitig seine Kenntnisse über ihre geplanten Aktionen und die zu erwartenden wirtschaftlichen Folgen für Börsenspekulationen. Bond reist auf die Bahamas, um sich dort an Alex Dimitrios heranzumachen, einen Handlanger Le Chiffres. Er folgt ihm nach Miami, wo er Dimitrios in einem Handgemenge tötet und einen Plan Le Chiffres durchkreuzt: Der Prototyp des größten Flugzeugs der Welt, der am selben Tag seinen Jungfernflug absolviert, sollte vernichtet werden. Durch diesen Coup wollte der Spekulant weitere Gewinne machen, doch Bond verhindert den Anschlag. Er sorgt so dafür, dass Le Chiffre 100 Millionen Dollar verliert und unter großen Druck gerät, da seine "Kunden" ihr Geld zurückhaben wollen. Le Chiffre organisiert im Casino Royale in Montenegro einen Poker-Wettkampf der besonderen Art, bei dem die Einsätze sich im Millionenbereich bewegen. Da er sich allen anderen Pokerspielern überlegen fühlt, glaubt Le Chiffre, das verlorene Geld zurückgewinnen und noch einen dicken Bonus hinzuverdienen zu können.

Der britische Geheimdienst ist über Le Chiffres Probleme im Bilde. James Bond erhält den Auftrag, ihn am Spieltisch zu besiegen und ihm anschließend den Schutz des MI6 vor seinen Gläubigern anzubieten. M hofft, auf diese Weise brisante Informationen über die "Kunden" des Bankers gewinnen zu können. Das erforderliche Geld erhält Bond von Vesper Lynd, einer Mitarbeiterin des Schatzamtes. Der Agent fühlt sich trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihrer scharfen Zunge zu Vesper hingezogen. Vor Ort wird er von René Mathis unterstützt. Das Spiel verläuft nicht gut für Bond; er verliert in kurzer Zeit Millionen an Le Chiffre und finanziert somit, wie Vesper ihm klar macht, direkt den internationalen Terrorismus. Sie will ihm deshalb keine weiteren Mittel zur Verfügung stellen. Da tritt Felix Leiter an Bond heran, ein weiterer Pokerspieler, in Wahrheit aber CIA-Agent mit ähnlichem Auftrag. Dieser überlässt ihm die Millionen, die Bond zur Fortsetzung des Spiels benötigt. Zwischendurch muss Bond zwei Gläubiger Le Chiffres beseitigen, die ihren Bankier mit brutaler Gewalt an seine Verpflichtungen erinnern wollten. Vesper wird in den Kampf verwickelt. Dieses Erlebnis bringt die beiden einander näher. Le Chiffre greift nun zu anderen Mitteln: Seine Gespielin verabreicht dem britischen Agenten ein tödliches Gift. Bond überlebt nur mit Hilfe Vespers und seiner High-Tech-Ausrüstung.

Endlich beginnt Bond zu gewinnen. Ein Straight Flush macht alles klar: 150 Millionen Dollar gehen in Bonds Besitz über. Le Chiffre ist pleite, doch er gibt nicht auf. Vesper wird entführt, bei der anschließenden Verfolgungsjagd fällt Bond seinem Gegner in die Hände. Le Chiffre foltert ihn, um an das Passwort zu kommen, das er benötigt, um sich das von Bond gewonnene Geld doch noch unter den Nagel reißen zu können. Bond verrät jedoch nichts. Da erscheint der geheimnisvolle "Mr. White", einer der wahren Hintermänner des Terror-Netzwerks. Er tötet Le Chiffre, da dieser sein Vertrauen verspielt hat, lässt Bond und Vesper jedoch am Leben. Während die beiden sich am Comer See erholen, werden sie ein Paar. Bond ist sogar bereit, den Dienst zu quittieren, um mit Vesper leben zu können, und verbringt eine schöne Zeit mit ihr in Venedig. Er wird jedoch betrogen: Vesper transferiert die 150 Millionen, nachdem er ihr das Passwort verraten hat, nicht auf das Konto des britischen Schatzamtes, sondern hebt das Geld ab und verschwindet. Bond folgt ihr bis zu einem einsturzgefährdeten Haus, wo Vesper sich mit ihren Kontaktleuten trifft. Es kommt zum Kampf, bei dem das Haus in der Lagune versinkt. Vesper schließt sich absichtlich in einem Fahrstuhlkäfig ein und ertrinkt, Mr. White entkommt mit dem Geld.

Erst jetzt erfährt Bond, dass Vesper von den Terroristen zur Mitarbeit gezwungen worden ist. Diese hatten Vespers Geliebten entführt und sie erpresst. Tatsächlich hatte sie der Geldübergabe nur unter der Bedingung zugestimmt, dass Bond am Leben gelassen wird. Ihre Liebe zu ihm war also echt. Sie hat ihm außerdem einen Hinweis auf Mr. White hinterlassen. So kann Bond den Mann aufspüren und gefangen nehmen.

Der Film:

Dies ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Ian Fleming. "Casino Royale" (der Roman) ist, soweit ich weiß, James Bonds erstes Abenteuer. Der Film gibt die Handlung trotz kleinerer Abweichungen bzw. "Modernisierungen" und vieler Hinzudichtungen recht genau wieder. Im Roman sitzt der Feind noch im Osten (er ist 1953 erschienen), anstelle von Poker wird Bakkarat gespielt und die ganze Vor- und Hintergrundgeschichte des Films (Bonds Einsatz zum Erwerb des Doppelnull-Status, die Sache mit dem Bombenbauer und dem Flugzeug) kommt im Roman nicht vor. Andere Details wurden ziemlich genau übernommen, zum Beispiel die Folterszene. Zwar verwendet Le Chiffre im Roman einen Teppichklopfer, im Prinzip verfährt er aber genauso - angesichts dessen, was Bonds "Kronjuwelen" da widerfährt, muss man es als mittleres Wunder bezeichnen, dass er in all seinen späteren Abenteuern noch in der Lage war, zahlreiche Frauen zu beglücken...

Der Film ist ein gutes Beispiel für den gelungenen "Neustart" einer ins Stocken geratenen Serie. Weitere Beispiele sind Batman Begins und die neue Battlestar Galactica-Fernsehserie. "Star Trek XI" ist zwar auch so ein Neustart, aber den halte ich nicht für gelungen. Nach wie vor agiert Bond an Schauplätzen in aller Welt, logiert in Nobelhotels, trägt schicke Klamotten, fährt rassige Autos und hat es mit schönen Frauen zu tun. Viele (von manchen Zuschauern allerdings auch lieb gewonnene) Eigenheiten der älteren Filme werden dagegen über Bord geworfen. Q kommt ebenso wenig vor wie die von ihm bereitgestellten, meist futuristischen und oft völlig unrealistischen Agenten-Gadgets. Bond hat nicht den ansonsten üblichen Frauenverschleiß und es gibt keine Flirterei mit Moneypenny (diese Figur kommt im Film nicht vor). Es ist ihm egal, ob sein Drink geschüttelt oder gerührt wird. Slapstick-Elemente, übertriebene Stunts und exzessiver Einsatz von Pyrotechnik usw. fehlen völlig (OK, OK, die eine odere andere Explosion gibt's schon noch), stattdessen werden realistische, dafür aber extrem schnelle und knallharte Actionszenen wie die schwindelerregende Verfolgung eines bösen Burschen über Baugerüste sowie "schmutzige" Kämpfe geboten, die klar machen, dass Gewalt weder schön noch harmlos ist. Auch Bonds Missionen haben einen realistischeren Ansatz. Hier geht es nicht um größenwahnsinnige Superschurken, die die Welt erobern oder vernichten wollen, sondern um Terrorismus und wirtschaftliche Interessen. "Casino Royale" ist also nicht mit Sean Connerys Abenteuern und erst recht nicht mit den teilweise fast schon humoristischen Filmen der Roger Moore - Ära zu vergleichen. Über die Altersfreigabe kann man geteilter Ansicht sein. Gewalt wird zwar nicht verherrlicht oder verharmlost, aber sie wird sehr deutlich gezeigt. Deshalb ist dies meiner Meinung nach kein Film für zwölfjährige Kinder.

Auch in der Figur des James Bond selbst zeigt sich eine deutliche Abkehr von so mancher "Tradition". Bond ist nicht mehr der ironische, elegante Gentleman früherer Tage, sondern eine kantige, wenn auch hochintelligente Kampfmaschine. Damit ist er übrigens viel näher an seinem literarischen Vorbild als je zuvor, denn auch Ian Fleming beschreibt Bond als brutalen Killer, als Bestie im Smoking. Vielen Fans hat gerade das nicht gefallen - ich finde diese Neuinterpretation gut und richtig. Das hat auch etwas mit dem in früheren Bond-Filmen vorhandenen Problem der Gewaltverharmlosung zu tun. Wo Roger Moore völlig unversehrt, mit hochgezogener Augenbraue oder einem flotten Spruch aus einer Kampfszene hervorgeht, da blutet, schwitzt und keucht Daniel Craig vor Anstrengung und muss sich hinterher erst einmal erholen. Überhaupt halte ich Craig für eine sehr gute Besetzung. Hat man je zuvor einen so sportlichen und dynamischen Bond gesehen? Ich glaube nicht. Gleichzeitig vereint er Brutalität mit Intelligenz, Zynismus und Lässigkeit, ohne je (wie Moore oder Pierce Brosnan) zum Dandy zu werden. Außerdem darf er Gefühle zeigen. Eine anrührendere Szene als die, in der Bond die nach dem Kampf im Hotel total verstörte Vesper zu trösten versucht, hat es noch in keinem Bond-Film gegeben. Insgesamt ist der neue Bond eine weit vielschichtigere Figur als der unbesiegbare Superagent, den wir bisher kannten. Hat er sich etwa irgendwann früher einmal die Frage gestellt, ob er wegen seines Jobs nicht auf dem besten Wege ist, seine Menschlichkeit zu verlieren? Derartige Selbstzweifel sind dem neuen Bond nicht fremd. Am Ende hat er seine Lektion gelernt: "Vertraue niemandem".

Die wunderbare Eva Green verleiht als ebenso schöne wie spröde und bissige Vesper Lynd auch dem Begriff "Bond-Girl" eine neue Definition. Sie ist alles andere als eine hilflose Gespielin, die dauernd aus irgendwelchen Gefahren gerettet werden muss und dann zum Dank mit Bond unter die Laken schlüpft. Bis zum Schluss bleibt sie undurchsichtig und man hätte Bond gern mehr Zeit mit dieser Partnerin gegönnt. Selten war das Ende einer Beziehung in einem Bond-Film so tragisch (schnüff!), nicht mal in Im Geheimdienst ihrer Majestät. Mads Mikkelsen (Le Chiffre) ist ein würdiger Gegenspieler mit nachvollziehbarer Motivation (für ihn geht es ums nackte Überleben), der die Dinge selbst in die Hand nimmt und nicht auf Horden von Schergen zurückgreifen kann.

"Casino Royale" ist ein glaubwürdiger, packender Agenten-Thriller mit geschliffenen Dialogen und knackiger Action, der genau die Portion Härte enthält, die nötig ist, um James Bond neu zu "erden". Ein sehr gelungener Neuanfang!

Die DVD:

Abgesehen von einem Trailer keine Extras - daher kein Kommentar.

J. Kreis, 02.08.2009


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