Küss mich, Zombie!


Küss mich, Zombie! (USA, 2008)
- Make-out with Violence -

Blu-ray, Sunfilm Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 106 Minuten

Extras
- Audiokommentar
- Behind the Scenes (34:06 Min.)
- Deleted Scenes (29:52 Min.)
- Deleted Score (2:17 Min.)
- Soundtrack Videos
- My Saturday is ruined (5:04 Min.)
- Lightning 100 Interview & Performance with the Non-Cons (6:20 Min.)
- Radio Spots
- Trailer

Regie:
The Deagol Brothers

Hauptdarsteller:
Eric Lehning (Patrick Darling)
Cody DeVos (Carol Darling)
Shellie Marie Shartzer (Gwendolyn "Wendy" Hearst)
Leah High (Adelaide "Addy" Greer)
Brett Miller ("Beetle" Darling)




Inhalt:

Die Zwillingsbrüder Patrick und Carol Darling sind unglücklich verliebt: Patrick in Wendy Hearst, Carol in deren Freundin Addy Greer. Beide Mädchen sind bereits anderweitig liiert. Im Alter von siebzehn Jahren, im letzten College-Schuljahr, verschwindet Wendy spurlos. Acht Monate später wird die Suche nach ihr eingestellt. Man veranstaltet einen symbolischen Trauergottesdienst, da von ihrem Tod ausgegangen wird. Beetle, der jüngere Bruder der Zwillinge, möchte danach auf Zikadenjagd gehen. In der Nähe eines Flusses finden er und Carol Wendys Leiche, die zu gespenstischem Leben erwacht. Sie spricht nicht, atmet nicht und befindet sich in einem lethargischen Dämmerzustand - sie ist ein Zombie. Da die Untote nicht aggressiv zu sein scheint, nehmen die Jungen sie mit. Sie weihen Patrick ein und verstecken Wendy in einem leerstehenden Nachbarhaus. Die Jungen schließen einen Pakt und schwören, ihren Fund geheim zu halten.

Patrick, der Wendy wirklich geliebt hat und nicht über ihr Verschwinden hinweggekommen ist, ist fasziniert von der schönen Toten. Ihr Zustand verschlechtert sich jedoch zusehends; die Verwesung schreitet fort. Dennoch kann sich Patrick nicht von ihr trennen. Da Carol mehr damit beschäftigt ist, bei Addy zu landen, als sich um Wendy zu kümmern, ist Patrick meist mit der Untoten allein. Er verliert allmählich den Bezug zur Realität und entfremdet sich immer mehr von seinem Bruder. Nur der kleine Beetle erkennt, dass es so nicht weitergehen kann. Er bricht den Pakt und führt Addy in das Zimmer der Untoten, die gerade zwei Hunde zerfleischt hat. Es kommt zu einer heftigen Auseinandersetzung zwischen Addy, Patrick und Carol. In einem unbemerkten Moment führt Beetle Wendy in den elterlichen Swimmingpool. Patrick folgt ihr. Er lässt zu, dass sie ihn unter Wasser hält und beißt, als er sie küsst. Carol und Addy können nichts mehr für ihn tun.

Der Film:

Romantische Komödien mit Zombies - ein neues Sub-Genre? Begründet wurde es, würde ich sagen, von Shaun of the Dead. Dort gibt es zwar Romantik, aber nicht zwischen Zombies oder zwischen Menschen und Zombies. Die Zombies sind im Grunde nur eine Randerscheinung, eine Bedrohung, durch die ein Pärchen eine Beziehungskrise überwindet. In "Küss mich, Zombie" dagegen steht die Romantik im Mittelpunkt. Allerdings auch wieder nicht vorwiegend die zwischen Mensch und verwesenden Leichen. Denn dummerweise konnten sich die Regisseure bzw. die Drehbuchautoren nicht entscheiden, welche Geschichte sie eigentlich erzählen wollten. Im Grunde geht es die meiste Zeit nur um Carols Versuch, bei Addy zu landen, die sich aber mehr für Wendys Freund interessiert, und um ein anderes Mädchen, das Carol anhimmelt, von ihm aber links liegen gelassen wird. Dass sich der Film viel Zeit mit der Charakterzeichnung lässt, ist ja in Ordnung, aber irgendwie ist man bald von den diversen Beziehungskisten genervt und wünscht sich, die Story möge mal auf den Punkt kommen. Die Geschichte um Zombie-Wendy will sich da irgendwie nicht so richtig einfügen, sie wirkt wie Beiwerk, das einem ansonsten ziemlich uninteressanten Film über Teenager mit Liebeskummer aufgepfropft wurde. Das ist schade, denn der Film hat seine (wenigen) starken Momente ausschließlich dann, wenn Zombie-Wendy ins Spiel kommt. Hut ab vor der Schauspielerin, die es wirklich schafft, die kaum noch zu irgendwelchen Handlungen fähige lebende Leiche glaubwürdig darzustellen. Wenn sie unerwartet aus ihrer Lethargie erwacht und sich mit bizarren Bewegungen erhebt, dann entsteht endlich mal kurzzeitig Grusel-Atmosphäre.

Die Nekrophilie bleibt übrigens rein platonisch. Kein Vergleich mit Deadgirl, einem sehr ähnlichen Film, der aber eine völlig andere Richtung einschlägt. Auch in "Deadgirl" finden zwei Jungs ein schönes untotes Mädchen. Die beiden gehen aber keineswegs so pfleglich und liebevoll mit ihrem Fund um wie Patrick und Carol. Die Untote ist in "Deadgirl" nur ein Objekt, das zur Triebbefriedigung benutzt wird. So weit geht Patrick vermutlich nicht. Ebenso wenig wie in "Deadgirl" wird erklärt, wie Wendy gestorben ist und wodurch ihre Erweckung zur Untoten bewirkt wurde. Der Film hat zudem ein offenes Ende. Treiben Wendy und Patrick jetzt für immer im Swimmingpool? Wird Patrick durch den Biss zum Zombie? Warum ist Beetle überhaupt auf die Idee gekommen, Wendy in den Pool zu führen?

Leider wird durch die Vermarktung von "Küss mich, Zombie" der Eindruck erweckt, es handele sich um eine Zombie-Komödie. Gut, ein untotes Wesen kommt darin vor, und die eine oder andere situationskomische Szene ist vorhanden. Man könnte den Film aber höchstens als viel zu langatmige Tragikomödie bezeichnen. Es dauert geraume Zeit, bis die Untote gefunden wird, und sie hat leider viel zu wenig Bildschirmzeit bzw. gerät eine Zeitlang sogar fast in Vergessenheit. Schockmomente, Splatter und dergleichen darf man von diesem Film jedenfalls nicht erwarten. Dass die Story von Beetle per Voice-over-Kommentar erzählt wird, tut dem Film auch nicht gerade gut. Hätte man auf diverse Subplots verzichtet und Zombie-Wendy mehr Aufmerksamkeit gewidment, dann hätte durchaus was draus werden können. Denn allein Zombie-Wendy macht den Film noch sehenswert. Bei alldem darf man natürlich nicht vergessen, dass es sich bei diesem Film um das Erstlingswerk einer Studentengruppe handelt, die noch dazu praktisch ohne Budget auskommen musste.

Blu-ray-Features:

Die Blu-ray ist recht üppig mit Zusatzmaterial ausgestattet. Einziger Kritikpunkt: Es sind keine deutschen Untertitel dafür vorhanden. Den Audiokommentar habe ich mir noch gar nicht zu Gemüte geführt, aber allein die 13 nicht verwendeten Szenen sind incl. Erläuterungen der Schauspieler schon eine halbe Stunde lang. Sie wurden zu Recht herausgeschnitten, denn sie tragen zwar zur weiteren Charakterentwicklung bei, hätten den Film aber nur noch mehr aufgebläht.

Die Featurette "Behind the Scenes" beantwortet zunächst einmal die Frage, wer die "Deagol Brothers" überhaupt sind: Chris Doyle und Andy Duensing fungieren als Regisseure, das Drehbuch wurde u.a. von Eric Lehning geschrieben, und auch Leah High, Cody DeVos sowie andere Studenten gehören zu dieser Gruppe. Shellie Marie Shartzer und eine andere Schauspielerin hatten auch Jobs hinter der Kamera. Lehning und andere haben die Band "Non-Commissioned Officers" gegründet, um Geld für die Filmproduktion zu sammeln und das Filmprojekt bekannt zu machen. Der Soundtrack stammt größtenteils von dieser Band. Man sieht, wie Make-up und Bewegungs-Choreografie für Zombie-Wendy entwickelt wurden und man erfährt, dass sich die Dreharbeiten und die Post-Production über je zwei Jahre hingezogen haben. Dabei scheint so manche Freundschaft in die Brüche gegangen zu sein... In der Featurette sind außerdem Ausschnitte älterer Kurzfilme der Deagol-Brothers zu sehen, die als Studienprojekte produziert worden sind. Die meisten Akteure arbeiten inzwischen gar nicht mehr als Schauspieler, wie man am Ende der Featurette erfährt.

Hinzu kommen vier Aufnahmen von Live-Auftritten der "Non-Commissioned Officers" und einer von "The Glib" - richtig netter Indi-Pop! Würde ich mir sofort kaufen, wenn's denn als CD erhältlich wäre. Zwei Stücke der Band "How I became the Bomb" wurden aus rechtlichen Gründen nicht für den Soundtrack verwendet. In einer Featurette sieht man die entsprechenden Szenen mit dieser Musik. "Lightning 100", ein Indie-Radiosender in Nashville, hat seinerzeit Werbung für die "Non-Commissioned Officers" ausgestrahlt. Ein Interview sowie sechs kurze und ziemlich schräge Nur-Ton-Clips findet man ebenfalls beim Bonusmaterial. In "My Saturday is ruined" erklärt ein gewisser Ed O'Brian, wie die Posterentwürfe zum Film entstanden sind.


J. Kreis, 17.05.2011




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