The Zero Theorem


The Zero Theorem (GB/Rumänien, 2013)

Blu-ray, Concorde Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 106 Minuten

Extras:
- Hinter den Kulissen (17:43 Min.)
- Die visuellen Effekte (6:25 Min.)
- Die Kostüme (27:17 Min.)
- Die Sets (17:29 Min.)
- Interviews (9:16 Min.)
- Location Featurettes (57:39 Min.)
- London Film Festival Q&A mit Terry Gilliam (9:37 Min.)
- Die Ratten (12:57 Min.)

Regie:
Terry Gilliam

Hauptdarsteller:
Christoph Waltz (Qohen Leth)
Melanie Thierry (Bainsley)
Lucas Hedges (Bob)
David Thewlis (Joby)
Matt Damon (Management)
Tilda Swinton (Dr. Shrink-ROM)




Story

Qohen Leth, ein bei der Softwarefirma Mancom arbeitender genialer Programmierer, lebt in selbstgewählter Isolation. Eine quälende innere Leere raubt ihm jegliche Lebensfreude. Leth scheut den Kontakt mit Menschen und möchte am liebsten immer zu Hause bleiben, zumal er glaubt, in der Nähe des Telefons bleiben zu müssen. Vor langer Zeit ist Leth von einem Unbekannten angerufen worden. Dieser hat kein Wort gesagt, dennoch hatte Leth das untrügliche Gefühl, dass er gleich erfahren werde, welchen Sinn seine Existenz hat, so dass er glücklich werden könnte. In seiner Aufregung hatte Leth den Hörer fallen gelassen, wodurch die Verbindung unterbrochen worden war. Seitdem wartet Leth auf einen weiteren Anruf. Sein Antrag auf Heimarbeit wird abgelehnt. Als er sich krank meldet, wird er von den Betriebsärzten für körperlich gesund erklärt. Mit seinem Geisteszustand sieht es ihrer Meinung nach anders aus. Man händigt ihm das Programm "Dr. Shrink-ROM" aus, eine virtuelle Psychiaterin, von der Leth sich in den eigenen vier Wänden therapieren lassen kann, was ihm allerdings auch nicht weiterhilft.

Leths letzte Hoffnung auf einen Telearbeitsplatz ist der geheimnisumwitterte und nur unter dem Namen "Management" bekannte Inhaber von Mancom. Leth besucht eine von seinem Vorgesetzten Joby veranstaltete Party, obwohl er solche Veranstaltungen hasst, denn Management wird als Gast erwartet. Nachdem er eine junge Frau namens Bainsley kennengelernt hat, die sich sehr für ihn interessiert, steht Leth tatsächlich Management gegenüber und kann seine Geschichte erzählen. Management hält Leth für verrückt, erfüllt seinen Wunsch jedoch, denn von zu Hause aus kann Leth viel effektiver arbeiten. Leth wird sogar in das große Projekt eingeweiht, an dem die Beschäftigten von Mancom arbeiten, ohne es zu wissen. Ihre Ergebnisse werden in ein Neurales Netzwerk eingespeist, einen in der Firmenzentrale stehenden riesigen Supercomputer. Leths neuer Auftrag hat mit dem "Zero-Theorem" zu tun. Er soll eine extrem komplexe Formel lösen, deren Ergebnis Null sein muss. An dieser Aufgabe sind schon viele Spezialisten gescheitert und auch Leth schafft es in monatelanger fast ununterbrocher Arbeit nicht, das gewünschte Ergebnis zu erzielen.

Frustriert und völlig ausgebrannt zerschlägt Leth die Arbeitsstation. Er bekommt Besuch von Joby, dem er sein Leid klagt. Wenig später taucht Bainsley bei Leth auf. Allmählich gelingt es ihr, Zugang zu dem Einsiedler zu erlangen. Die beiden treffen sich regelmäßig am Strand einer virtuellen Realität, in der sie mittels spezieller VR-Anzüge volle Immersion erleben. Sie werden dort ein Liebespaar. Leth ist sogar bereit, seine Arbeit aufzugeben, um mit Bainsley zusammensein zu können. Sie wirft ihn jedoch aus der virtuellen Realität, als er das vorschlägt. Leths VR-Anzug wird beschädigt und er hat keinen Kontakt mehr mit Bainsely. Leth erkennt, dass Bainsley ein von der Firma bezahltes Camgirl ist. Mit verantwortlich für diese Erkenntnis ist Bob, Managements Sohn, der lediglich Leths Computer reparieren sollte. Bob besucht Leth aber auch danach noch und hilft ihm beim Codeknacken. Bob weist Leth auf die überall im Haus verteilten Überwachungskameras hin und erklärt, was es mit dem Zero-Theorem auf sich hat. Damit soll bewiesen werden, dass sich das Universum zusammenzieht und eines Tages vollständig verschwinden wird. Außerdem konstruiert Bob einen neuen VR-Anzug für Leth.

Bainsley hat sich wirklich in Leth verliebt. Sie sucht ihn auf und bittet ihn, mit ihr durchzubrennen. Diesmal ist er es, der sie abweist. Wenig später erleidet Bob einen Zusammenbruch und wird abgeholt. Leth sieht ihn nicht wieder. Zur Strafe für Leths Taten wird Joby gefeuert. Als Leth den neuen VR-Anzug anlegt und sich mit dem Computer verbindet, kommt es zu einer Art Kurzschluss. Leth befindet sich übergangslos im Computerraum von Mancom. Management ist ebenfalls anwesend. Er sagt, Leth sei nun Teil des Neuralen Netzwerks. Er habe Leth zum Projekt hinzugezogen, weil er aufgrund seines beharrlichen Glaubens an den Telefonanruf quasi die Antithese zum Zero-Theorem ist, welches besagt, dass es keinerlei Sinn im Universum gibt. Managements Ziel war es, Ordnung ins Chaos zu bringen beziehungsweise zu verkaufen. Jetzt werden Leths Dienste nicht mehr gebraucht. Management verschwindet. Leth zerstört den Zentralcomputer. Im Inneren findet er dieselbe Leere - ein Schwarzes Loch - die in seiner Seele herrscht. Willig stürzt er sich hinein. Er findet sich allein am virtuellen Strand wieder.


Kringels Meinung

Während des Abspanns hört man Bainsleys Stimme. Sie ruft Qohens Namen und lacht. Sind Qohen und Bainsley also in der Virtualität wiedervereint? Oder bildet sich Qohen alles nur ein? Ich tendiere zu letzterem, das heißt, ich gehe davon aus, dass die Geschehnisse spätestens ab der Szene, in der Qohen den neuen VR-Anzug erstmals einsetzt, nur noch in Qohens Einbildung stattfinden - ähnlich wie in Terry Gilliams Meisterwerk Brazil (1985). Es wäre unfair, "The Zero Theorem" an "Brazil" zu messen, wenn Gilliam nicht selbst geagt hätte, der Film solle eine moderne Version von "Brazil" sein. Tatsächlich sind Parallelen unübersehbar. Zum Beispiel Qohens sinnlos wirkende Tätigkeit in der Mancom-Zentrale, die allgegenwärtige Überwachung und die bereits erwähnte Flucht in eine irreale Welt. Der Film trägt eindeutig Gilliams Handschrift und ist vollgepackt mit abgedrehten Ideen, absurden Begebenheiten, skurrilen Figuren sowie schwarzem Humor. "The Zero Theorem" ist allerdings ebenso wenig wie "Brazil" als Komödie zu bezeichnen. Im Vergleich mit dem unerreichten Vorbild fehlt ihm jedoch etwas ganz entscheidendes, nämlich die surreale, kafkaeske Atmosphäre, die den Zuschauer in "Brazil" jenen Alptraum miterleben lässt, in dem sich die Hauptfigur befindet. Im Gegensatz dazu ist Qohen einfach ein trauriger, einsamer Typ, der so sehr auf die Suche nach dem Sinn des Lebens fixiert ist, dass er zu leben vergisst.

Viel mehr hat "The Zero Theorem" inhaltlich nicht zu bieten. Ähnlich wie sein biblischer Namensvetter Qoheleth ("Kohelet" in der deutschen Fassung des Alten Testaments) ist Qohen sozusagen ein Nihilist, der sich vom nichtigen weltlichen Sein abgewandt hat und trotz all seiner Weisheit nur zu dem Ergebnis kommt, dass jegliches menschliche Streben sinnlos ist. Das von ihm zu beweisende Zero-Theorem ist die Quintessenz dieser Weltsicht. Schön, das sind philosophische Untertöne, über die nachzudenken sich lohnen kann. Aber welche Geschichte wollte uns Gilliam mit seinem Film erzählen? Dass Qohen durch die Liebe zu Bainsley zu einem normalen Leben und zum Aufbegehren gegen Management hätte finden können, wenn diese Liebe nicht auf einer Lüge basierte? Ich weiß es nicht.

Die "gilliamesken" Bilder und Situationen sowie die Spielfreude des Hauptdarstellers - von seinem Mut zur Hässlichkeit ganz zu schweigen - reißen es zumindest teilweise wieder heraus. Trotz eines niedrigen Budgets wurde in "The Zero Theorem" eine visuell beeindruckende und durchaus glaubwürdige Zukunftswelt entwickelt. Hinzu kommen Seitenhiebe auf unsere von allgegenwärtiger Medienpräsenz, Werbung und Verliebtheit in das mobile Internet geprägte Gesellschaft. In Sachen Dystopie wird "Brazil" aber wiederum nicht annähernd erreicht.


Extras

Das Bonusmaterial ist umfangreich, allerdings wiederholen sich einzelne Inhalte in den verschiedenen Beiträgen. Abgesehen von kürzeren Featurettes mit der üblichen Mischung aus Filmszenen, nicht sehr aussagekräftigen Interviews und etwas Hinter-den-Szenen-Material werden sechs so genannte "Location Featurettes" mit einer Gesamtlaufzeit von einer knappen Stunde geboten, die ich sehr interessant finde. Jeder Schauplatz des Films wird eingehend präsentiert. Zunächst wird eine Texttafel mit Erläuterungen, Hinweisen für die Dreharbeiten usw. gezeigt. Hier muss man die Pause-Taste drücken, wenn man alles lesen möchte. Es folgen Konzeptzeichnungen, Baupläne, Zeitrafferaufnahmen von den Bauarbeiten sowie Testaufnahmen. Man sieht, wie Terry Gilliam die Drehorte in Augenschein nimmt und Regieanweisungen gibt. Komparsen warten auf ihren Einsatz. Dann beginnen die eigentlichen Dreharbeiten und schließlich sieht man Filmszenen mit dem Endergebnis. Das Ganze läuft ohne erklärenden Kommentar.

Etwas aus dem Rahmen fallen Aufnahmen von einer Frage-und-Antwort-Stunde (vermutlich anlässlich einer Filmaufführung in London), in denen Gilliam ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert, sowie Testaufnahmen mit Ratten. Im Film sind diese possierlichen Tierchen, die sich in Qohens Haus (einer ehemaligen Kapelle) eingerichtet haben, immer wieder mal zu sehen. Das Bonusmaterial zeigt, wie oft diese kurzen Szenen wiederholt werden musste, bis sie zufriedenstellend im Kasten waren. Witzig: Angeblich haben die Ratten so gut mitgearbeitet, dass sie öfter als geplant im fertigen Film zum Einsatz kamen.


J. Kreis, 13.12.2017




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