Die Zeitmaschine


Die Zeitmaschine (USA, 1960)
- The Time Machine -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 99 Minuten

Extras
- Original-Dokumentation "Time Machine: The Journey Back"
- Trailer

Regie:
George Pal

Hauptdarsteller:
Rod Taylor (H. George Wells)
Yvette Mimieux (Weena)
Alan Young (David Filby/James Filby)




Story:

Das Jahr 1900 ist erst wenige Tage alt, als sich einige Freunde des jungen Wissenschaftlers George Wells in dessen Haus zum Abendessen treffen. Der Gastgeber verspätet sich allerdings. Als er dann endlich - arg verdreckt, derangiert und offensichtlich zutiefst verwirrt - doch noch auftaucht, tischt er ihnen etwas ganz anderes auf als ein leckeres Essen, denn er hat eine ziemlich unverdauliche Geschichte zu erzählen.

Diese Geschichte beginnt einige Tage früher, am Silvesterabend im Jahre 1899, im selben Zimmer, mit denselben Personen. George und seine vier Freunde lassen das geschichtsträchtige Jahr gemütlich ausklingen. George bringt einen Misston in das Beisammensein, als er seine neueste Erfindung vorführt: Ein kleines Gestell mit einem Sitz und einer rotierenden Scheibe, das von George mit einer Zigarre "bemannt" wird und kurz nach der Aktivierung wie von Zauberhand verschwindet. Die Männer glauben an einen billigen Taschenspielertrick, doch der sichtlich zufriedene George behauptet steif und fest, dass er eine Zeitmaschine konstruiert habe. Die Zigarre sei jetzt ein Zeitreisender, der immer weiter in die Zukunft fahre. Teils erbost, teils erheitert verabschieden sich die Freunde. Erbittert über ihren Unglauben betritt George sein Labor. Dort steht eine viel größere Ausgabe der kleinen Zeitmaschine, ein Gerät, das einen Menschen anstelle einer Zigarre aufnehmen kann. Kurz entschlossen nimmt George in der Maschine Platz und drückt den Steuerhebel nach vorn. Prompt beginnt sich der Lauf der Sonne zu beschleunigen, Wolken rasen über den Himmel und im Bekleidungsgeschäft gegenüber wechselt die Schaufensterpuppe ihre Kleidung schneller als ein Model bei einer Modenschau. Die Zeitmaschine funktioniert tatsächlich! George kann mit dem Steuerhebel selbst bestimmen, wie schnell die Reise in die Zukunft vonstatten gehen soll, ebensogut könnte er auch in die Vergangenheit reisen. George legt Pausen in den Jahren 1917 und 1966 ein, doch was er in der Zukunft sieht, gefällt ihm nicht: Jedes Mal, wenn er aus dem inzwischen verlassenen Haus tritt, herrscht Krieg! Der letzte dieser Kriege bringt derart entsetzliche Zerstörungen über die Welt, dass George die Zeitmaschine so stark "beschleunigt", wie es nur geht.

Der Zeitreisende beobachtet, wie Jahrzehntausende innerhalb weniger Augenblicke vergehen. Als er am Horizont gewaltige Bauten von erstaunlicher Schönheit entstehen sieht, hofft er, dass die Menschheit das furchtbare Zeitalter der Kriege hinter sich gelassen habe. Er stoppt die Maschine, aber er schießt über das Ziel hinaus. Als er wieder im "Jetzt" materialisiert, ist rings um ihn her nichts als dichter Dschungel, die schönen weißen Gebäude haben sich in Ruinen verwandelt. Der Zähler der Zeitmaschine zeigt das Jahr 802701 an. Doch auch in dieser fernen Zukunft leben Menschen auf der Erde. Scheinbar sorgenfrei spielen sie unter den bunten Blumen des Dschungels. Wenn ein bestimmtes Signal ertönt, ziehen sie sich in die immer noch schön anzuschauenden gigantischen Ruinen zurück, wo üppige Mahlzeiten und bequeme Sitzpolster schon auf sie warten. Doch etwas stimmt nicht in diesem Paradies. Als eine junge Frau in einen Fluss fällt, macht niemand auch nur den geringsten Versuch, ihr zu helfen - George rettet die Schöne vor dem Ertrinken, doch das Mädchen scheint den Vorfall im nächsten Moment schon wieder vergessen zu haben. Keiner der jungen Leute (alte Menschen sind nirgends zu sehen), denen George in einen zerborstene Kuppelbau folgt, reagiert auf seine Fragen. Alle menschlichen Eigenschaften wie Neugier oder Mitgefühl scheinen den Leuten abhanden gekommen zu sein. Nur Weena, die junge Frau, die von George gerettet wurde, gesellt sich zu ihm. Sie erweist sich als recht anhänglich.

Als George zu seiner Maschine zurückkehrt, ist diese hinter dem Metalltor eines riesigen, unheimlichen Sphinx-Standbilds verschwunden, wohin sie von Unbekannten gezerrt worden sein muss. Von Weena erfährt George, dass die Gegend von den Morlocks unsicher gemacht wird, denen man besser nicht im Dunkeln begegnet. Die Morlocks überfallen George und Weena, doch mit Feuer kann George sie vertreiben. Es gibt noch Archive, die mit Büchern vollgestopft sind, aber da sich seit Ewigkeiten niemand mehr um sie gekümmert hat, zerfallen sie bei der leisesten Berührung zu Staub. Erst als George ein noch funktionierendes Tonaufzeichnungssystem in der Form sprechender Ringe entdeckt, wird ihm einiges klar. Die Stimme aus der Vergangenheit berichtet, dass die einst hochstehende Zivilisation der Menschen allmählich in Degeneration versunken ist. Ein Teil der Menschheit, die Morlocks, hat sich in den Untergrund zurückgezogen, der Rest - Eloi genannt - lebt noch an der Oberfläche. Die Morlocks halten die Eloi wie Vieh, füttern sie und halten sie in einem Zustand tumber Teilnahmslosigkeit. In regelmäßigen Abständen treiben sie einige der Eloi in den Untergrund.

George verzweifelt fast an den sorglosen Eloi, die nur in den Tag hinein leben und gar nicht daran denken, ihm zu helfen. So macht er sich allein auf den Weg in die Unterwelt der Morlocks, wo er den letzten Beweis für seinen Verdacht findet: Abgenagte menschliche Knochen. Die Morlocks, mutierte, lichtscheue Wesen, sind Menschenfresser. Kaum ist George wieder an die Erdoberfläche zurückgekehrt, beginnen Sirenen zu heulen. Wie hypnotisiert folgen die Eloi diesem Ruf und strömen durch das jetzt offen stehende Tor der Sphinx. Diesmal ist auch Weena unter den Opfern. George folgt ihr und stürzt sich mutig auf die bestialischen Morlocks, doch er droht ihrer Übermacht zu unterliegen. Da allerdings regt sich doch der Funke des Widerstands in einigen jungen Eloi und sie greifen in den Kampf ein. George führt die Eloi an die Oberfläche und legt Feuer. Die Maschinen, mit denen die Morlock-Höhlen vollgestopft sind, explodieren und vernichten das ganze unterirdische Reich. George nimmt an, dass er jetzt endgültig in der Zukunft gestrandet ist. Doch die Zeitmaschine ist nun intakt und erreichbar; die Tore der Sphinx stehen noch offen. George will in seine eigene Zeit zurückkehren und Weena mitnehmen. Doch bevor sie George folgen kann, schließt sich das Tor. George muss allein ins Jahr 1900 zurückkehren, wo er mit seiner Geschichte mitten ins Abendessen seiner Freunde hineinplatzt.

Natürlich glaubt keiner dem Zeitreisenden auch nur ein Wort dieser Geschichte, obwohl er einen Beweis dabei hat: Eine Blume, die es auf der Erde nicht gibt - noch nicht. Die Männer verabschieden sich. Nur Georges engster Freund Filby kehrt noch einmal um. Er hört Lärm im Labor: George ist wieder einmal mit der Zeitmaschine aufgebrochen, hat diese zuvor jedoch an ihren alten Platz zurückgezerrt. Somit kann er genau den Platz im Jahre 802701 erreichen, an der Weena auf ihn wartet...


Der Film:

Man möge mich korrigieren, wenn ich falsch liege. Wenn ich mich nicht irre, ist "Die Zeitmaschine" der erste Zeitreise-Film, den es je gegeben hat. Jedenfalls der erste, in dem per Zeitmaschine gereist wird und nicht nach einem Schlag auf den Kopf usw.! Für das Science-Fiction-Genre ist er schon deshalb ein absoluter Klassiker. Ich habe ihn als kleiner Junge erstmals im Fernsehen gesehen und war tief beeindruckt. Eine Reise in eine so weit entfernte Zukunft, dass es das menschliche Begriffsvermögen sprengt, das war schon etwas Besonderes. Gar nicht so einfach für ein Kind, die paradoxen Auswirkungen einer Zeitreise zu begreifen - es kann sein, dass ich durch diesen Film erstmals mit dieser Thematik konfrontiert wurde. Aber am meisten haben mich diese widerlichen Morlocks mit ihren komischen Mäulern und ihren weißen Haaren fasziniert.

Auch heute sehe ich mir den Film immer wieder gern an, auch wenn ich über die Uralt-Special-Effects und die allzu deutlich als solche erkennbaren Kulissen und Matte-Paintings nur lächeln kann. Das Design der Zeitmaschine allerdings halte ich heute noch für perfekt. Sie entspricht genau der Vorstellung, die man Ende des 19. Jahrhunderts von Produkten einer zukünftigen Wissenschaft hatte und sie wirkt nicht allzu übertrieben - schließlich muss George die Maschine ja ganz allein gebaut haben können. Es wird gar nicht erst der Versuch einer pseudowissenschaftlichen Erklärung ihrer Funktionsweise gemacht, und trotzdem "begreift" jedes Kind, wie sie funktioniert. Rod Taylor wirkt in der Rolle des Wissenschaftlers für meinen Geschmack ein bisschen zu robust und zu draufgängerisch, aber er bleibt immer sympathisch. Yvette Mimieux gibt als unschuldige Schönheit, die permanent gerettet werden muss, ein sehr nettes Bild ab und passt mit ihrer Naivität natürlich bestens in die nur scheinbar heile Welt der Eloi.

Im zur Zeit der Jahrhundertwende erschienenen Roman von H.G. Wells, auf dem der Film basiert, sind es interessanterweise eigentlich die Eloi, die als herrschende Rasse die Morlocks unterdrückt und ausgebeutet haben, bis diese wegen ihrer Fähigkeit, die Maschinen zu bedienen, die Oberhand gewinnen konnten. Das Ganze war nichts anderes als eine Allegorie für den verweichlichten Adel und die Arbeiterklasse. Ich würde dennoch sagen, dass der "Geist" des Buches gut in den Film hinübergerettet wurde. Auch im Film herrscht diese besondere Wundergläubigkeit der Menschen des viktorianischen Zeitalters in Bezug auf die moderne Technik vor.


DVD-Features

Die Original-Dokumentation ist ungefähr eine Dreiviertelstunde lang und wirklich sehenswert. Dieser Beitrag wird von einem deutlich gealterten und rundlicher gewordenen Rod Taylor moderiert und ist in mehrere Kapitel unterteilt, die einzeln angewählt werden können. Da wird nicht nur ausführlich auf das Design der Zeitmaschine eingegangen, es wird auch dem weiteren "Lebensweg" dieses Requisits in der Zeit nach dem Film nachgespürt. Einmal hat George Pal selbst darauf Platz genommen. Heute steht die restaurierte Maschine in einem Filmmuseum, aber der Weg dorthin war lang und steinig. Interessant ist auch ein Abschnitt, der sich der Visualisierung der Zeitreise-Effekte widmet. Wenn man den Film sieht, macht man sich gar nicht so viele Gedanken darüber, wie man es damals z.B. geschafft hat, die Kerze so schnell abbrennen zu lassen. Hinter diesen kleinen Effekten steckt eine Menge Arbeit. Ein weiteres Kapitel ist eine Art Hommage an George Pal.

Am kuriosesten ist eine in die Dokumentation eingebettete zusätzliche Filmszene (eine Art alternatives Ende) die viele Jahre nach dem Film speziell für die Dokumentation gedreht wurde. Darin treten Rod Taylor sowie Alan Young auf und spielen noch einmal ihre alten Rollen. Der Zeitreisende kehrt aus der Zukunft zurück und will versuchen, seinen Freund Filby zu retten. Durch seine Zwischenstopps in den Zeiten der Weltkriege weiß der Zeitreisende ja, dass Filby in einem dieser Kriege getötet worden ist - bzw. getötet werden wird. Er will jetzt verhindern, dass Filby überhaupt am Krieg teilnimmt. Das gelingt ihm zwar nicht, es kommt also nicht zu einem Zeitparadoxon, aber der Zeitreisende ist entschlossen, es bei einer anderen Gelegenheit wieder zu versuchen - durch die Maschine steht ihm ja alle Zeit der Welt zur Verfügung...


J. Kreis, 23.01.2013 (überarbeitet)




Gastkommentare


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Hans (27.05.2016):

Bin immer wieder fasziniert, was ich alles nicht wußte. Die Morlocks als die Arbeiterklasse und die Eloi als der Adel, zumindest im Buch, das ich leider nie gelesen habe. Hab den Film grade nochmal angesehen auf VHS. Bin auch als Kind zum ersten Mal durch den Film mit Zeitreise konfrontiert worden und das Thema hat sich bei mir eingeprägt seither. 'Als Zeitreise noch unschuldig und jung war' würde ich den Film beschreiben wollen, keine Paradoxa und ähnliches. Wie sich die Idee des Visionärs H.G. Wells über rund 120 Jahre in Büchern, Filmen und Romanserien fortentwickelt hat dürfte jedem SciFi-Fan nur allzu bekannt sein. Ich hab letztes Jahr mal versucht ins Dr. Who-Universum einzusteigen und es sehr schnell maximal frustriert sein gelassen nach 2 oder 3 Episoden aus der vorletzten Staffel. Das war mir zu konfus und unverständlich. Beides ist britischen Ursprungs aber dazwischen liegen Welten. Habe immer auf eine Fortsetzung der Zeitmaschine gehofft aber es gab wohl keine des Autors sondern nur jede Menge Epigonen über etliche Jahrzente hinweg auf die ich gut und gerne verzichten kann. Was würde ich tun wenn mir eine Zeitmaschine zur Verfügung stünde? In 100-Jahressprüngen in die Zukunft reisen und dort anhalten wo es mir gefällt und dann die Maschine zerstören. Visionäre die recht behalten erkennt man erst im Nachhinein. Wells hat die kommenden Weltkriege wohl vorhergesehen und der Regisseur Pal hat ein zeitloses Meisterwerk geschaffen. Wird dieser Film und das Buch von Wells in 1000 Jahren noch bekannt sein? Wenn ich eine Zeitmaschine hätte könnte ich das beantworten. So bleibt nur die Hoffnung, daß sich die Menschheit nicht selbst auslöscht. Eine wikipedia-Kurzrecherche sagt mir, daß der Autor den Zeitreisenden im Buch auch noch in eine Zeit schickte als auf der Erde nur noch krabbenähnliche Wesen vorhanden sind und in eine weitere in der känguruhähnliche Wesen die dominante Spezies sind. Teile des Buches wurden auf Wunsch des Verlages anfangs entfernt. Davon abgesehen scheint mir der Film ziemlich werkgetreu zu sein. Er gehört für mich in die Liste der 30 besten Filme aller Zeiten.



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