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Zeit der Wölfe Zeit der Wölfe (USA, 1984)
- The Company of Wolves -

DVD - Regionalcode 2, Concorde
FSK: 16
Laufzeit: ca. 90 Minuten

Extras
Fotogalerie, Trailer, Produktionsnotizen, Biografien und Filmografien, Werwolf-Special (alles Texttafeln)

Regie:
Neil Jordan

Hauptdarsteller:
Sarah Patterson (Rosaleen)
Angela Lansbury (Großmutter)




Inhalt:

In ihrem unruhigen Schlaf träumt die junge Rosaleen von einem märchenhaften, altertümlichen Land. Dort wird ihre Schwester im Wald von Wölfen angefallen und getötet. Danach hält ihre Großmutter, die mitten in diesem Wald lebt, die Zeit für gekommen, das heranwachsende Mädchen über die wahre Natur mancher Wölfe aufzuklären. Sie ermahnt Rosaleen, im Wald stets auf dem Weg zu bleiben, warnt sie vor Männern mit zusammengewachsenen Augenbrauen und erzählt ihr Geschichten über Werwölfe.

Eine der Geschichten handelt von einem Mann, der in der Hochzeitsnacht spurlos verschwindet und den man für ein Opfer von Wölfen hält, bis er einige Jahre später völlig verwahrlost zurückkehrt. Als er sieht, dass seine Ehefrau einen anderen Mann geheiratet und Kinder bekommen hat, verwandelt er sich vor Zorn in einen Wolf und wird getötet. In einer anderen Geschichte geht es um den unehelichen Sohn eines Pfarrers, der im Wald dem Teufel begegnet und von ihm ein Elixier erhält, das ihn verändert. Die dritte Geschichte dreht sich um eine junge Frau, die von einem Edelmann verführt, dann aber schwanger sitzengelassen wird. Die Frau erscheint auf dem Hochzeitsfest des Edelmanns und verflucht die gesamte Gesellschaft: Alle werden zu Wölfen.

Doch auch in der Umgebung von Rosaleens Dorf gibt es Werwölfe. Einer wird in einer Fallgrube gefangen und getötet, ein anderer macht sich in der Gestalt eines herausgeputzten Jägers an Rosaleen heran, als diese wieder einmal im Wald herumstreunt. Er wettet mit ihr um einen Kuss, er werde die Hütte der Großmutter vor Rosaleen erreichen. Der Jäger gewinnt die Wette und verschlingt die alte Frau, bevor Rosaleen eintrifft. Das furchtlose Mädchen ist zwar fasziniert von dem Werwolf, schießt jedoch mit dessen Gewehr auf ihn. Vor Schmerz verwandelt der Mann sich. Rosaleen tröstet den Wolf, indem sie ihm eine weitere Geschichte erzählt. Sie handelt von einem weiblichen Werwolf aus der Unterwelt, der verletzt und von einem Pfarrer wieder geheilt worden ist. Als Rosaleens Eltern und einige Dorfbewohner am nächsten Tag voller Sorge zur Hütte der Großmutter kommen, fliehen zwei Wölfe in den Wald...

Möglicherweise erwacht Rosaleen daraufhin, vielleicht träumt sie aber auch noch - Wölfe dringen in ihr Schlafzimmer ein.

Der Film:

Dies ist ein recht untypischer Werwolf-Film, denn es geht nicht um eine oder mehrere dieser Kreaturen, die diverse Leute verspeisen und daraufhin gejagt werden. Vielmehr ist es, wie man schon an der Zusammenfassung erkennen kann, ein episodenhafter Traum voller Symbole. Es geht auch nicht so sehr darum, Spannung in dem Sinne zu erzeugen, dass man sich fragt, wen es wohl als nächsten erwischen wird und ob der Werwolf am Ende besiegt werden kann. Rosaleen hat ja auch (bis zu dem Moment, als sie erwacht) offenbar nicht die geringste Angst vor den Kreaturen, stattdessen begegnet sie all den eigenartigen Dingen, die sich im Wald verbergen, mit freudiger Neugier.

Das Ganze ist wohl einerseits als Konglomerat bekannter Volksmärchen (die Parallelen zu Rotkäppchen sind im wahrsten Sinn des Wortes nicht zu übersehen), andererseits als Allegorie für das Heranwachsen zu verstehen: Die sichere Welt der Kindheit verändert sich und wird zu etwas Bedrohlichem und Unverständlichem (zum finsteren Wald). Rosaleen wird gewarnt, ja nicht vom rechten Pfad (der Tugend) abzuweichen, weil sie sonst den Wölfen (den Männern) in die Hände fallen wird, die sie buchstäblich vernaschen wollen. Nun - das gute Rotkäppchen scheint gar nichts dagegen zu haben, eine solche Erfahrung zu machen. Gut für sie, denn anders als im Märchen sind Jäger und Wolf ein und dieselbe Person! Allerdings besteht ihre Furchtlosigkeit nur im Traum: Als sie aufwacht, sehen die Dinge in der Realität offenbar ganz anders aus.

"Zeit der Wölfe" ist also eigentlich kein Horrorfilm, sondern besteht aus einer Serie fantasievoller Bilder aus der Traumwelt einer Pubertierenden. Eben weil er nicht nur ein weiterer Monsterfilm ist, finde ich ihn besonders interessant. Allerdings geizt der Film auch nicht mit recht blutigen Spezialeffekten. Wenn der "betrogene Ehemann" sich etwa schreiend die Haut vom Gesicht reißt und wenig später enthauptet wird, woraufhin der Kopf in einen Eimer Milch fällt, oder wenn ein Wolf aus der Haut des Jägers hervorspringt, dann ist das schon recht starker Tobak. Ich habe schon Filme mit weniger Gore gesehen, die erst frei ab 18 waren...

Die DVD:

Die Extras lesen sich zwar interessant und erstrecken sich stets über mehrere Seiten, aber es handelt sich nun einmal nur um Text. Das gilt leider auch für die Produktionsnotizen und das so genannte "Werwolf-Special". Letzteres behandelt mögliche Ursprünge des Werwolf-Mythos und geht auf Freuds Traumdeutungen ein. Außerdem ist der Text des Märchens "Rotkäppchen" abgedruckt.

J. Kreis, 09.07.2006
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