Yatterman


Yatterman (Japan, 2009)
- Yattaman -

BluRay, 8-films
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 112 Minuten

Extras
- Behind-the-Scenes (32:12 Min.)
- Making of Yatterman-Dance (8:19 Min.)
- Yatta-Synchro (3:47 Min.)
- Conventions (12:01 Min.)
- Deleted Scene (1:41 Min.)
- Promo-Clip, Teaser, Trailer, TV-Spots

Regie:
Takashi Miike

Hauptdarsteller:
Sho Sakurai (Gan Takada)
Saki Fukuda (Ai Kaminari)
Kyoko Fukada (Lady Doronjo)
Anri Okamoto (Shoko Kaieda)
Katsuhisa Namase (Boyacky)
Kendo Kobayashija (Tonzura)
Sadao Abe (Dr. Kaieda)




Inhalt:

Gan Takada, Erbe eines Spielzeugfabrikanten, und seine Freundin Ai Kaminari sind das Yatterman-Duo. Immer Dienstags ab 17:30 Uhr kämpfen sie in Superhelden-Kostümierung und ausgestattet mit diversen technischen Gimmicks, die Gan selbst herstellt, gegen die von ihnen so genannten "Grenzdebilen": Die Dorombo-Gang. Diese aus Lady Doronjo sowie ihren beiden Schergen Boyacky und Tonzura bestehende Diebesbande huldigt dem "Schädelmeister", einem geheimnisvollen Meisterdieb, der stets nur über einen ferngesteuerten Roboter mit ihnen kommuniziert. Sie finanzieren ihre Kampfmaschinen, mit denen sie gegen das Yatterman-Duo antreten, indem sie überteuerte Hochzeitskleider und Sushi-Teller verkaufen. Nachdem Gan und Ai wieder einmal die Oberhand in einem Kampf behalten haben (Lady Doronjo hat versehentlich den Selbstzerstörungsknopf ihres Riesen-Mechs betätigt), begegnen sie der jungen Shoko Kaieda. Das Mädchen bittet die beiden um Hilfe bei der Suche nach ihrem Vater bzw. den drei noch fehlenden Fragmenten eines magischen Kristallschädels. Eines dieser Fragmente besitzt Shoko bereits. Ihr Vater, der Archäologe Dr. Kaieda, wollte die restlichen Bruchstücke finden, ist dabei aber verschwunden. Der Legende nach wurde der Schädel vor langer Zeit zerstört, und wenn er wieder zusammengesetzt wird, soll angeblich ein Wunder geschehen. Gan, Ai und Shoko machen sich auf nach Ögypten, denn dort soll ein Schädel-Fragment versteckt sein.

Die Dorombos erhalten vom Schädelmeister den Auftrag, die Bruchstücke zu bergen. Eines davon befindet sich schon im Besitz des Schädelmeisters. In einer Pyramide stoßen die beiden Gruppen zusammen. Es kommt zum Kampf, und dabei stürzt das Bauwerk ein. Gan rettet Lady Doronjos Leben. Zu Ais Missvergnügen verlieben sich der Held und die Schurkin ineinander. Das Schädelfragment bleibt in Gans Besitz. Nachdem alle nach Tokyoyo zurückgekehrt sind, spioniert Ai Lady Doronjo hinterher und erfährt, dass ein weiteres Schädel-Fragment in den südlichen Ulpen zu finden sein soll. Bevor sie dorthin aufbrechen, bemerken Gan, Ai und Shoko, dass überall in der Welt beliebige Gegenstände spurlos verschwinden, als würden sie sich in Luft auflösen. Wie es scheint, ist der Kristallschädel für dieses Phänomen verantwortlich. Wenn die Einzelteile zusammengesetzt werden, entsteht eine Störung des Zeitflusses. Wäre der Schädel wieder vollständig, würde womöglich der ganze Planet verschwinden. Der Schädel müsste im Moment seiner Neuentstehung vernichtet werden, damit das verhindert werden kann.

Nachdem das letzte Fragment gefunden ist, erscheint der Schädelmeister persönlich. Er inszeniert einen finalen Kampf zwischen dem Yatterman-Duo und den Dorombos. Lady Doronjo ist sauer, weil Gan ihr Herz gestohlen hat. Sie greift Ai an, doch Gan rettet seine Freundin und beendet damit ihren Zwist. Es stellt sich heraus, dass der Schädelmeister mit Dr. Kaieda identisch ist. Der Archäologe ist von einem Dämon besessen und würde sogar seine eigene Tochter töten. Das wird jedoch von Lady Doronjo verhindert, die enttäuscht vom Schädelmeister ist und ihr ehemaliges Idol attackiert. Nachdem Dr. Kaieda vom Dämon befreit wurde, reißt dieser die vier Schädelfragmente an sich und vereinigt sie. So entsteht ein Portal, durch das der Schädelmeister sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit gelangen könnte, um dort auf Raubzug zu gehen. Er will Lady Doronjo mitnehmen. Boyacky (der Lady Doronjo schon immer geliebt hat) und Tonzura können das nicht verhindern. Ai und Gan ziehen die drei Bösewichte im letzten Moment aus dem Portal heraus, denn was wären Helden ohne Antagonisten? Der Schädel wird vernichtet. Nachdem der Dämon verschwunden ist, können alle nach Hause gehen. Doronjo und ihre Handlanger trennen sich voneinander, denn die Lady träumt insgeheim von einem ganz normalen Familienleben.

Der Film:

Ich könnte zu meiner Verteidigung behaupten, ich hätte diesen Film nur gekauft, damit in der Liste meiner Sammlung endlich auch mal etwas beim Buchstaben Ypsilon steht. Aber das stimmt natürlich nicht. In Wahrheit war ich einfach nur neugierig auf Takashi Miikes jüngsten Streich. Ich konnte nämlich nicht glauben, dass jener Regisseur, dem wir verstörende Werke wie Audition oder den abgedreht-brutalen Yakuza-Thriller Dead or Alive zu verdanken haben, einen Kinderfilm gedreht haben soll! Tatsächlich ist Yatterman die Realverfilmung einer japanischen Anime-Serie aus den Siebzigerjahren. Aber warum eigentlich "Verteidigung"? Merkwürdig mag der Film ja sein, aber schlecht ist er ganz sicher nicht. Ich muss aber gestehen, dass ich dem Film einigermaßen hilflos gegenüberstehe, denn ich kenne die Anime-Serie nicht. Außerdem fehlt mir der kulturelle Hintergrund, d.h. ich kenne Japan nicht gut genug, als dass ich begreifen könnte, was es mit rätselhaften Szenen wie z.B. der Sushi-Verkaufsaktion auf sich hat. Ich kann viele Anspielungen und Seitenhiebe also nicht würdigen und manchmal verstehe ich auch überhaupt nicht, was da eigentlich vor sich geht.

Was ich jedoch verstehe: Obwohl man auf den ersten Blick meinen könnte, Yatterman sei uneingeschränkt für Kinder geeignet (er ist ja schon frei ab 12), so muss man beim näheren Hinschauen sagen: Dies ist kein Kinderfilm! Gut, man sieht hauptsächlich niedliche, bunt kostümierte japanische Jungs und Mädels (vor allem Kyoko Fukada ist sehr netter Eye Candy in knappen Korsagen - allein dafür würde sich der Film schon lohnen) und kunterbunte, meist aus überdimensionierten Spielsachen bestehende Mechs, zum Beispiel lustige Blechhunde und eine Kampf-Küchenmaschine. Das Ganze ist womöglich noch greller und schriller als Cutie Honey und wirkt trotz ausufernder Prügeleien erst einmal harmlos. Aber vieles ist doch ziemlich doppeldeutig oder fast schon obszön. Sei es die Mecha-Brautjungfer, die lustvoll stöhnend Raketen aus den Brustwarzen abfeuert und später vom Mecha-Hund begattet wird... Ai, die buchstäblich ein endlos langes Rohr zwischen die Beine kriegt... Boyacky, der sich in einen Berg von Schulmädchen hineinträumt, deren Fußnägel er hingebungsvoll lackiert... Lady Doronjo in der Badewanne... Bei all diesen eindeutig-zweideutigen Szenen habe ich mich gefragt: Kann man das noch als Anime-Verfilmung betrachten, oder ist es eine schlüpfrige Persiflage? Ich kann es nicht beurteilen.

Ernst gemeint ist hier rein gar nichts, und das ist auch gut so. Die Handlung kann man getrost vergessen, auch darf man bis auf Over-Acting und Posing keine großen schauspielerischen Leistungen erwarten. Schließlich sind die Jungs und Mädels meist hinter ihren Masken verborgen. Aber es wird ordentlich was für's Auge geboten: Knallige CGI-Effekte, verrückte Roboter und Waffen, grotesk überdrehte Action, phantasievolle Kostüme, der eine oder andere eingeschobene Song oder Tanz, und sehr schöne (meist wohl ebenfalls komplett am Computer entstandene) Sets. Alles wurde mit viel Liebe zum Detail designt und wirkt in sich stimmig, wenn man wegen der Farbgebung auch manchmal das Gefühl hat, die Handlung finde in einem Kinderzimmer statt. Ab und zu wird's sogar wirklich witzig und es kommen Miike-typische bizarre Szenen vor wie z.B. jene, in der Dr. Kaieda aus der Schädeldecke seines dämonischen Alter Ego herausgezerrt wird. Es schleichen sich zwar ab und zu leichte Längen ein, wenn Helden und Möchtegern-Schurken etwas zu lang in abwechselnd coolen und lasziven Posen verharren oder mit Augenaufschlag in die Kamera gucken, trotzdem macht dieses irrwitzige Spektakel unterm Strich doch genug Spaß für einen bierseligen Heimkino-Abend.

BluRay-Features:

Das Bonusmaterial entspricht nicht der Auflistung auf der BluRay-Hülle. Tatsächlich ist mehr vorhanden. Die Extras bestehen hauptsächlich aus unkommentierten Aufnahmen von den Dreharbeiten und Proben, ab und zu gibt ein Schauspieler hinter den Kulissen mal ein kurzes Statement ab. Man sieht vorwiegend Szenen mit den Dorombos, zum Beispiel die Entstehung ihres Tanzes sowie ihren Erkennungssong in voller Länge. Die drei Schurken sind ja auch viel interessanter als die etwas blassen Helden. Lady Doronjo ist mir derart ans Herz gewachsen, dass ich sofort die Actionfigur bestellt hätte, wenn sie denn noch erhältlich wäre... Köstlich: Man sieht, wie Katsuhisa Namase (Boyacky) wirklich inmitten von Dutzenden kichernden Studentinnen liegt und hinterher nass geschwitzt ist. Witzig auch ein kurzer Einblick in die Synchronisationsarbeiten. Die Schauspielerin Chiaki Takahashi verleiht dem kleinen Roboter Omotchama ihre Stimme. Ich hatte gedacht, der Ton sei künstlich verfremdet worden, aber nein: Die Dame hat wirklich so ein Quietschstimmchen!

In einer weiteren Featurette werden die Schauspieler und der Regisseur zu verschiedenen Comic-Cons sowie zu den Filmpremieren in New York und Tokyo begleitet. Man sieht, dass die Fans ziemlich begeistert waren - der Film war in Japan wohl sehr erfolgreich. Eine nicht verwendete Szene rundet das zwar nicht besonders umfangreiche, aber nett gemachte Bonusmaterial ab: Man sieht, welchen teuflischen Plan die Dorombos mit dem Verkauf von Hochzeitsmode verfolgt haben: Die Brautkleider bestehen nur aus einer Vorderseite. Hintenrum stehen die Mädels im Freien.


J. Kreis, 08.12.2010




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