Yakuza Apocalypse


Yakuza Apocalypse (Japan, 2015)
- Gokudou daisensou -

Blu-ray, Koch Media
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 125 Minuten

Extras:
- Making of (61:54 Min.)
- Trailer

Regie:
Takashi Miike

Hauptdarsteller:
Hayato Ichihara (Akira Kageyama)
Lily Franky (Genyo Kamiura)
Denden (Hougan)
Riko Narumi (Kyoko Anan)
Yayan Ruhian (Kyoken)




Story

Der Yakuza-Boss Genyo Kamiura hat sein Stadtviertel voll im Griff. Wenn Feinde aus dem Weg geräumt werden müssen, erledigt er das höchstpersönlich, denn niemand kann ihm etwas anhaben. Kamiura ist ein Vampir! Mit normalen Waffen kann er nicht getötet werden. Er hält dies geheim, nicht einmal seine Gefolgsleute wissen Bescheid. Nur sein alter Freund Hougan ist eingeweiht. Kamiura vergreift sich niemals an rechtschaffenen Bürgern, obwohl deren Blut besonders gut schmeckt. Stattdessen hält Hougan stets ein Dutzend Gefangene im Keller seines Restaurants für den Boss bereit. Kamiura ist bei den Bürgern hoch angesehen, denn er sorgt für Schutz und unterstützt die Menschen in Krisenzeiten. Der junge Yakuza Akira Kageyama ist Kamiuras größter Bewunderer und loyalster Anhänger. Kamiura denkt sogar darüber nach, ihn zu seinesgleichen zu machen. Kageyama verliebt sich in Kyoko Anan, eine junge Frau, die er aus den Händen von Vergewaltigern befreit hat und die auf Kamiuras Kosten behandelt wird. Seine Gefühle werden erwidert.

Eines Tages wird Kamiura von seiner Vergangenheit eingeholt. Ein Killerpriester (Bateren) und ein Kampfkünstler namens Kyoken erscheinen in der Stadt. Sie fordern Kamiura auf, zu seinem alten Syndikat zurückzukehren, das er vor vielen Jahren verlassen hat. Als er sich weigert, wird er mit einer Energiewaffe niedergeschossen. Anschließend reißt Kyoken ihm den Kopf ab. Ein Quantum Blut wird dem sterbenden Vampir abgezapft. Kageyama kommt hinzu und versucht seinen Boss zu beschützen, wird jedoch von Kyoken zusammengeschlagen. Als Kageyama wieder zu sich kommt, steckt noch ein Rest Leben in Kamiuras Kopf. Er beißt Kageyama und macht ihn zu einem Yakuza-Vampir. Der junge Mann weiß zunächst nicht, was mit ihm geschehen ist. Er verspürt großen Durst, den er stillt, indem er ein unschuldiges Ehepaar aussaugt. Auch die beiden werden zu Yakuza-Vampiren und fallen über andere Bürger her, die sich dann ihrerseits als Blutsauger erheben. So verbreitet sich die "Infektion" allmählich über die ganze Stadt. Nur die menschlichen Yakuza werden verschont, denn ihr Blut ist fast ungenießbar und nicht nahrhaft genug. Auch Kageyama beißt weitere Menschen. Nur bei Kyoko hält er den Blutdurst im Zaum. Von Hougan erfährt er schließlich, was geschehen ist. Mit einer Armee von Yakuza-Vampiren an seiner Seite schickt sich Kageyama an, den Boss zu rächen.

Kageyama muss nicht nur gegen den Bateren und Kyoken antreten, sondern auch gegen die mit den beiden unter einer Decke steckenden ehemaligen Gefolgsleute Kamiuras. Die menschlichen Yakuza sind erbost, denn ohne rechtschaffene Bürger versiegen ihre Geldquellen. Kommandantin Sosuke Zemba verliert deshalb allmählich den Verstand. Die Übeltäter erhalten Verstärkung durch den Kappa-Dämon Gataro und ein Mensch-Frosch-Mischwesen namens Kaeru-kun, dem selbst die Yakuza-Vampire nicht gewachsen sind. Nachdem sich Yakuza, Vampire und Dämonen gegenseitig dezimiert haben, kommt es zum Entscheidungskampf zwischen Kageyama und Kaeru-kun. Kageyama bleibt siegreich, doch das sterbende Hybridwesen stößt einen Ruf aus, durch den ein monströs großer Artgenosse herbeigerufen wird. Bevor dieser eintrifft, muss sich Kageyama noch Kyoken stellen, der inzwischen Kamiuras Blut getrunken hat. Kyoko fleht den schon angeschlagenen Kageyama an, sich an ihrem Blut zu laben, um neue Kraft zu gewinnen, doch er verzichtet. Kageyama und Kyoken prügeln solange aufeinander ein, bis letzterer tot zusammenbricht. Anschließend schlägt Kyoko den Gong zur nächsten Runde. Kageyama lässt sich Klauen, Flügel und Reißzähne wachsen, um es mit dem Riesenfrosch aufnehmen zu können.


Kringels Meinung

Wer aufgrund der Zusammenfassung glaubt, "Yakuza Apocalypse" sei ein ziemlich schräger Film, liegt völlig richtig. Dabei habe ich die wirklich abgedrehten Details gar nicht erwähnt. Als da wären:

Die von Hougan im Keller gefangen gehaltenen Typen werden umerzogen und gemaßregelt, weil dem Vampir nur das Blut rechtschaffener Bürger mundet. Also müssen alle schön brav und friedlich sein. Sie sitzen im Kreis und stricken. Wenn Hougan ihnen mit Schmackes auf einen Fuß tritt (man beachte: Er trägt Geta-Holzsandalen!), dann dürfen sie nicht sauer werden, sondern müssen auch noch den anderen Fuß hinhalten!

Der arme Kageyama wird von den Yakuza-Mitbrüdern gedisst, weil er sich nicht die traditionellen Tätowierungen stechen lassen will. Kageyama kann einen vernünftigen Grund anführen, aber den wollen seine Kollegen nicht gelten lassen: Er hat doch so empfindliche Haut ...

Alle von einem Vampir gebissenen Menschen fangen an, sich wie Klischee-Yakuza aufzuführen. Auch Frauen, Kinder, Schulmädchen und Krankenschwestern zeigen dann einen betont coolen Gesichtsausdruck, latschen extrem breitbeinig umher und machen einen auf dicke Hose!

Zemba hört immer ein unerklärliches und für andere unhörbares Tröpfeln. Wie sich herausstellt, kommt es aus ihrem Kopf. Aus den Ohren spritzt immer wieder weiße Flüssigkeit hervor. Als die Yakuza unter Geldmangel leiden, weil es keine normalen Stadtbewohner mehr gibt, die man aussaugen (!) könnte, verfällt sie dem Wahn, sie könne rechtschaffene Bürger wie Pflanzen in einem Gewächshaus züchten. Das mündet in eine Szene, in der dieser Wahn in Form eines kunterbunten Traumes für den Zuschauer visualisiert wird.

Die Typen aus Kamiuras Vergangenheit sind alle äußerst merkwürdig. Der Killerpriester trägt eine Halskrause, einen Sarg auf dem Rücken, ein großes Kreuz auf der Brust und spricht (obwohl er anscheinend Japaner ist) mit französischem Akzent. Kyoken läuft herum wie ein Otaku (ein Nerd). Der Kappa (ein Wasserdämon aus der japanischen Mythologie) hat einen Schnabel, einen Rückenschild und Froschhände. Noch bizarrer ist der Mensch-Frosch-Hybrid. Er wird als größter Terrorist der Welt angekündigt und erscheint in einem grellbunten Frosch-Plüschkostüm! In diesem Outfit vermöbelt er unzählige Yakuza-Vampire und erschlägt die Gefangenen im Keller. Er wird von zwei Gatling-Guns unter Beschuss genommen, von einem LKW überfahren und mit einer Handgranate in die Luft gesprengt, was ihm aber alles nichts ausmacht. Nur beim Treppensteigen braucht er Hilfe. Er kann seine Gegner mit einem Blick hypnotisieren. Sie beginnen dann hin und her zu pendeln, können aber sonst nichts tun. Als der Frosch das Kostüm endlich auszieht, kommt ein drahtiger Mann mit nach Plastik aussehendem Froschkopf zum Vorschein. Das von ihm herbeigerufene Riesenwesen trägt ebenfalls ein Plüschkostüm, stapft wie Godzilla durch eine Puppenstuben-Landschaft und spuckt Feuer. WTF?!?

Die Aufzählung ist längst nicht vollständig! Ich muss das wohl nicht mehr kommentieren, oder? Ihr solltet jetzt wissen, welche Art von Film euch erwartet. Ich kann nur sagen: Takashi Miike hat sich mal wieder selbst übertroffen! "Yakuza Apocalypse" ist von Anfang bis Ende unvorhersehbar und zum Teil urkomisch, doch das Übermaß verrückter Ideen geht zu Lasten der Story, das heißt, eine Geschichte wird eigentlich überhaupt nicht erzählt. Der Film besteht aus einer wahllosen Aneinanderreihung mehr oder weniger durchgeknallter Szenen, wobei die Schauspieler - allen voran Hayato Ichihara, der eine sehr beeindruckende Leistung abliefert - meist mit dem größten Ernst bei der Sache sind. Es sollte beachtet werden, dass die Gewaltdarstellung absolut nicht so harmlos ist, wie man es angesichts des Auftretens von Plüschmonstern vermuten könnte. Schon der Auftakt, bei dem sich Kamiura unaufhaltsam durch die Schergen eines Rivalen metzelt, ist sehr blutig. "Yakuza Apocalypse" ist an Absurdität kaum noch zu überbieten. Leider nutzt sich der Effekt in der zweiten Hälfte des Films ab, zumal der Humor für meinen Geschmack manchmal allzu albern daherkommt. Irgendwann hat sich bei mir wegen des Dauergekloppes sogar Langeweile eingestellt. Das Ende ist offen. Vielleicht gibt's ja bald eine Fortsetzung?


Blu-ray-Features

Das "Making of" ist eine unstrukturierte Zusammenstellung von Interviews (vor allem mit Takashi Miike), viel Hinter-den-Szenen-Material und ein paar Filmausschnitten. Es wird kaum etwas kommentiert oder erläutert, aber gerade dadurch wird die recht lange Featurette interessant. Man kann nämlich ganz gut erkennen, wie bei den Dreharbeiten gearbeitet wurde. Man sieht, wie sich die Schauspieler auf bestimmte Szenen vorbereiten, wie Kämpfe geprobt werden und wie Takashi Miike Regieanweisungen gibt. Dabei legt er sich eifrig ins Zeug und demonstriert persönlich, wie er sich bestimmte Bewegungsabläufe usw. vorstellt. In den Interviews erklärt der Regisseur unter anderem, dass er mit "Yakuza Apocalypse" zu einen Wurzeln als Independent-Filmemacher zurückkehren wollte. Ich finde, dass ihm das gelungen ist. Das Making of enthält übrigens eine Szene, von der im fertigen Film nur der Schluss zu sehen ist. Da kippt sich der von Kamiura in der Eröffnungssequenz attackierte Gangsterboss einen Drink hinter die Binde. Im Making of seht man, woraus dieser Drink besteht: Sperma plus Alkohol. Wie der Bandenchef an das Sperma herankommt? Das überlasse ich eurer Phantasie ...


J. Kreis, 04.08.2016




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