X-Men: Erste Entscheidung


X-Men: Erste Entscheidung (USA, 2011)
- X-Men: First Class -

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 131 Min.

Extras
- Children of the Atom: Filming "X-Men First Class" (69:49 Min.)
- Deleted Scenes (14:07 Min.)
- Cerebro: Mutant Tracker
- Composer's isolated Score
- BD-Live-Extras

Regie:
Matthew Vaughn

Hauptdarsteller:
James McAvoy (Charles Francis Xavier)
Michael Fassbender (Erik Lehnsherr / Magneto)
Kevin Bacon (Dr. Klaus Schmidt / Sebastian Shaw)
Jennifer Lawrence (Raven Darkholme / Mystique)
Rose Byrne (Moira MacTaggert)
January Jones (Emma Frost)
Nicholas Hoult (Hank McCoy / Beast)
Caleb Landry Jones (Sean Cassidy / Banshee)
Lucas Till (Alex Summers / Havok)
Edi Gathegi (Armando Munoz / Darwin)
ZoŽ Kravitz (Angel Salvadore)
Jason Flemyng (Azazel)
Alex Gonzalez (Janos Quested / Riptide)




Inhalt

Polen, 1944. Erik Lensherr, Gefangener in einem KZ, entwickelt besondere Fähigkeiten. Er kann Metall anziehen und abstoßen wie ein Magnet, ohne es zu berühren. Er wird zum Forschungsobjekt des KZ-Wissenschaftlers Klaus Schmidt, der erkannt hat, dass Erik ein Mutant ist - ein neuer Schritt in der Evolution, den es auszunutzen gilt. Als es Erik nicht gelingt, seine Kräfte gezielt einzusetzen und eine Münze zu bewegen, richtet Schmidt eine Waffe auf Eriks Mutter und zählt bis drei. Doch erst nachdem Schmidt die Frau erschossen hat, werden Eriks Kräfte entfesselt. Schmidt weiß nun, dass Hass und Schmerz der Schlüssel zur Erweckung der Parafähigkeiten sind. Ungefähr zur selben Zeit überrascht der junge Charles Xavier des Nachts seine Mutter, die sich am Kühlschrank zu schaffen macht. Auch Charles ist ein Mutant. Er kann Gedanken lesen, seine eigenen Gedanken ins Bewusstsein anderer Menschen projizieren und ihren Geist beeinflussen. So erkennt er, dass er keineswegs seiner Mutter gegenübersteht, sondern der etwa gleichaltrigen Raven Darkholme. Die kleine Einbrecherin ist ein Gestaltwandler. Mit ihrem natürlichen Aussehen kann sie sich nicht öffentlich zeigen. Sie hat blaue, teilweise geschuppte Haut und gelb leuchtende Augen. Beide Kinder sind überglücklich, da sie geglaubt haben, sie seien die einzigen ihrer Art. Raven lebt künftig bei Charles, der sie als seine Schwester ausgibt.

Sechzehn Jahre später ist Erik Lensherr auf der Suche nach Klaus Schmidt, der inzwischen den Namen Sebastian Shaw angenommen hat. Erik ist zu allem bereit, um sich an seinem einstigen Peiniger zu rächen, und folgt Shaws Spur durch verschiedene Länder. Er ist nicht der einzige, der Shaw jagt. Die CIA-Agentin Moira MacTaggert belauscht ein Gespräch zwischen Shaw und einem ranghohen US-Offizier, in dem letzterer gezwungen wird, die Stationierung von Nuklearwaffen in der Türkei zu befürworten. Damit würden die USA die Sowjetunion unmittelbar bedrohen. Shaw wird von drei Mutanten unterstützt: Dem Teleporter Azazel, der Telepathin Emma Frost und einem "Riptide" genannten Mann, der Wirbelstürme erzeugen kann. Natürlich glauben Moiras Vorgesetzte kein Wort von dieser Geschichte. Sie wendet sich deshalb an jemanden, der ihre Behauptung wissenschaftlich unterstützen kann: Charles Xavier, inzwischen habilitierter Doktor der Genetik. Charles liest Moiras Gedanken und ist begeistert von der Erkenntnis, dass es noch viel mehr Mutanten gibt als gedacht. Charles und Raven demonstrieren ihre Fähigkeiten vor den CIA-Chefs. Sie werden umgehend in eine geheime Einrichtung zur Erforschung paranormaler Phänomene eingeladen. Dort arbeitet der geniale Wissenschaftler Hank McCoy - ein Mutant, wie Charles sofort erkennt. Der junge Mann hat übermenschliche Körperkräfte, aber deformierte Füße, für die er sich schämt. Nicht zuletzt aufgrund dieser Gemeinsamkeit kommen sich Hank und Raven bald näher. Auch zwischen Charles und Moira entwickeln sich zarte Bande.

Inzwischen hat Erik Shaw in Miami aufgespürt. Erik stellt den ehemaligen KZ-Arzt auf dessen Yacht, doch er ist ihm und seinen Helfershelfern nicht gewachsen. Shaw ist ebenfalls ein Mutant. Er kann jegliche Energie absorbieren und gezielt wieder freisetzen. Dadurch bleibt er außerdem jung. Während Erik noch gegen Shaws Leute kämpft, greift die CIA die Yacht an. Charles kann nicht helfen, denn seine Kräfte werden von Emma Frost abgeblockt. Später erhält Shaw einen Helm, der denselben Effekt hat. Shaw und seine Leute entkommen mit einem U-Boot, das über einen Kernreaktor verfügt. Erik versucht das Schiff aufzuhalten, wird aber davon unter Wasser gezogen. Charles springt ihm hinterher, rettet ihm das Leben und bringt ihn zur Besinnung. Erik wird ins Team aufgenommen. Zwischen ihm und Charles entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Er teilt jedoch nicht die Meinung seines Freundes, wonach Menschen und Mutanten friedlich zusammenleben können. Für Erik steht fest, dass die Mutanten - sollte ihre Existenz öffentlich bekannt werden - gnadenlos verfolgt werden würden. Gemeinsam suchen die beiden nach weiteren Mutanten. Die Fähigkeiten des Telepathen werden zu diesem Zweck durch eine von Hank entwickelte Apparatur namens Cerebro extrem verstärkt. So werden nach und nach vier junge Leute rekrutiert, die sich später passende Decknamen geben: Angel hat Libellenflügel und kann Feuerbälle spucken, Havoc kann vernichtende Energiestrahlen erzeugen, Banshee kann Ultraschall-Schreie ausstoßen und Darwins Körper kann sich jeder erdenklichen Umweltbedingung anpassen. Nur bei einem gewissen Logan blitzen Charles und Erik ab.

Danach folgen sie Shaws Spur nach Russland, können dort aber nur Emma Frost festnehmen. Immerhin erfahren sie, welchen Plan Shaw wirklich verfolgt. Die Sowjetunion soll Atomwaffen auf Kuba stationieren. Dadurch soll ein Weltkrieg ausgelöst werden, in dem die Menschheit untergeht - stattdessen sollen die Mutanten, mit Shaw an der Spitze, die Macht auf der Erde übernehmen. Die Mutanten-Rekrutierung ist Shaw nicht verborgen geblieben. Er dringt mit Azazel und Riptide in die CIA-Basis ein, tötet alle Agenten und bietet den jungen Mutanten einen Seitenwechsel an. Angel geht darauf ein. Darwin stellt sich Shaw entgegen und wird von ihm ermordet. In den folgenden Wochen trainieren Charles und die Seinen hart, um Shaw Paroli bieten zu können. Es gelingt Charles, das wahre Potential seiner Freunde zu wecken. Nicht zuletzt Erik profitiert davon; seine "magnetische" Kraft wird enorm gesteigert. Hank entwickelt derweil ein Serum, welches allen Mutanten ein normales Erscheinungsbild geben, ihre Kräfte aber nicht beeinträchtigen soll. Er nimmt es selbst und bietet es Raven an. Sie lehnt jedoch ab, denn unter Eriks Einfluss ist sie zu der Überzeugung gelangt, dass es falsch ist, sich zu verstecken. Sie behält deshalb stets ihr natürliches Aussehen bei. Ihr neuer Name lautet "Mystique". Allerdings hat das Serum nicht den gewünschten Effekt. Tatsächlich verstärkt es alle Mutanteneigenschaften. Hank verwandelt sich in ein kraftstrotzendes Wesen mit blauem Fell. Er erhält den passenden Namen "Beast".

Als sich eine russische Flotte Kuba nähert, reagieren die USA mit einem eigenen Truppenaufgebot. Aus Moskau kommt zwar der Befehl zum Umkehren, aber der Frachter mit den Atomwaffen ist längst in der Hand von Shaws Leuten und fährt weiter. Shaw selbst versteckt sich in seinem getauchten U-Boot. Charles, seine Mutanten und Moira fliegen mit einem experimentellen Senkrechtstarter zum Einsatzgebiet. Charles dringt in den Geist eines sowjetischen Offiziers ein und bringt ihn dazu, den Raketenfrachter zu vernichten. Banshee setzt seinen Schrei ein, um das U-Boot zu orten, so dass Erik es aus dem Wasser heben kann. Riptide greift an, woraufhin sowohl das U-Boot als auch der Senkrechtstarter auf den Strand stürzen und zerbersten. Erik dringt in das U-Boot ein. Dort ist Shaw dabei, sich am Kernreaktor mit Energie aufzuladen. Erik ist ihm nicht gewachsen, kann ihm aber den Helm entreißen, so dass Charles Shaw lähmen kann. Erik setzt den Helm selbst auf, vollzieht ungestört seine Rache und tötet Shaw. Als Waffe benutzt er die Münze, mit der sein Martyrium seinerzeit begonnen hat. Nun scheinen sich Eriks Befürchtungen zu bestätigen. Amerikaner und Russen sind sich einig geworden, dass die Mutanten eine Bedrohung darstellen und vernichtet werden müssen. Alle Schiffe nehmen den Strand unter Feuer. Erik lenkt die Geschosse und Raketen zu den Flotten zurück. Da Charles ihn nicht aufhalten kann, schießt Moira mit einer Pistole auf Erik. Dieser lenkt alle Projektile ab und verwundet dabei versehentlich Charles so schwer, dass dieser von der Hüfte abwärts gelähmt ist. Entsetzt eilt Erik zu seinem Freund. Die Raketen fallen ins Meer, ohne Schaden anzurichten.

Erik verschwindet mit Azazel, Riptide, Angel und Mystique. Im Grunde teilt er Shaws Ansichten und will eine eigene Organisation aufbauen. Charles, Beast, Havoc und Banshee kehren zum Xavier'schen Familiensitz zurück. Charles will dort eine Schule für "besonders begabte" Jugendliche einrichten. Um die Existenz der Mutantenschule geheim zu halten, nimmt er Moira alle Erinnerungen an die letzten Ereignisse. Emma Frost wird immer noch in einem CIA-Gefängnis festgehalten. Eines Tages erscheinen Erik und seine Mutanten, um sie zu befreien. Erik hat einen neuen Namen - er nennt sich "Magneto".

Kommentar

X-men war der Auftakt für die seit über zehn Jahren rollende Welle meist sehr guter Superhelden-Verfilmungen aus dem Hause Marvel. "Erste Entscheidung" ist ein Prequel und spielt noch vor X-Men Origins: Wolverine. Zentrales Thema ist die gescheiterte Freundschaft zwischen Charles Xavier und Erik Lensherr, außerdem werden die fast allen X-Men-Filmen eigenen gesellschaftskritischen Töne auch hier wieder angeschlagen. Charles und Erik stehen für zwei Standpunkte, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Integration und Fremdenfeindlichkeit. Charles musste die Schlechtigkeit der Menschen nie am eigenen Leib erfahren. Er glaubt daher naiverweise an die Möglichkeit eines friedlichen Miteinanders von Menschen und Mutanten. Charles meint, die Mutanten könnten dies erreichen, indem sie den Menschen helfen. Erik hat ganz andere Erfahrungen gemacht als der in besten Verhältnissen aufgewachsene Charles, und kommt deshalb zu einem wohl realistischeren Weltbild. Für ihn steht fest, dass sich die Menschen immer von den Mutanten bedroht fühlen werden, und dass es den Mutanten deshalb genauso ergehen wird wie dem jüdischen Volk im Dritten Reich, wenn sie sich nicht selbst schützen. Beide Meinungen sind durchaus nachvollziehbar. Erik ist zwar alles andere als ein Gutmensch - seinen Rachefeldzug zieht er brutal und gnadenlos durch - aber man kann verstehen, warum er so handelt. Er wird in diesem Film noch keineswegs als Bösewicht abgestempelt, und so wird diesem Charakter viel mehr Tiefe verliehen als in den bisherigen X-Men-Filmen.

Die beiden Hauptdarsteller (sowie Kevin Bacon als wunderbar hinterhältiger Gegenspieler) tragen den Film mühelos. McAvoy und Fassbender ergänzen sich prächtig und liefern Glanzleistungen ab. Sie überzeugen hundertprozentig in ihren Rollen und werden so sympathisch, dass das Scheitern ihrer Freundschaft nur umso tragischer erscheint. Fassbender spricht übrigens im englischen Original mehrmals deutsch, und zwar sehr gut. Ganz im Gegensatz zu Bacon, der sich in der Eröffnungsphase (im KZ) ebenfalls an der deutschen Sprache versucht, aber mit grässlichem Akzent! Die anderen, meist jugendlichen Schauspieler machen ihre Sache ebenfalls gut, wobei Jennifer Lawrence nochmal hervorzuheben ist. Jetzt erst, d.h. durch ihre Darstellung, erhält Mystique eine richtige Charakterisierung. Sie war in den früheren Filmen einfach nur ein Magneto-Sidekick. Was die verschiedenen Mutantenfähigkeiten des Ensembles angeht, so reicht die Palette von unspektakulär bis genial: Der kreischende Banshee und die spuckende Angel stehen als nicht so gut gelungene Beispiele dem düsteren Azazel und der sehr schick anzuschauenden Emma Frost gegenüber. Azazel demonstriert eindrucksvoll, wozu ein Teleporter in der Lage ist - dummerweise gab's so etwas schon in X-men 2 zu sehen. Schade, dass sich Wolverine nicht von Charles und Erik rekrutieren lassen wollte, aber die Szene, in der ein gewohnt knurriger Logan (Hugh Jackman) den beiden rät, sie sollten sich selber f***en, ist einfach köstlich.

Der Film spielt in den Sechzigerjahren, was der Optik einen besonderen Reiz verleiht. Man fühlt sich manchmal fast in einen alten James-Bond-Film mit Sean Connery versetzt. Allerdings hätte man aus diesem Szenario sicher mehr herausholen können; im Grunde könnte der Film in den meisten Szenen auch heute spielen. Der War Room, in dem die US-Militärs ihre Krisensitzungen abhalten, ist übrigens eine aufwändig gestaltete Hommage an Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben. Insgesamt macht der Film einen guten Eindruck: Action und Spezialeffekte bieten nette, wenn auch nicht übermäßig beeindruckende Schauwerte. Ich behaupte einfach mal, dass "X-Men: Erste Entscheidung" der beste Film der Reihe ist. Das ist aber zum größten Teil den beiden charismatischen Hauptdarstellern zu verdanken.

Blu-ray-Features

Diese Ausgabe enthält den Film auf Blu-ray und DVD, zusätzlich ist eine Digital Copy dabei. Der Film ist auf Blu-ray und DVD identisch.

Die Dokumentation "Kinder des Atoms" ist in sieben Einzel-Featurettes unterteilt, die einzeln oder alle zusammen abgespielt werden können. Sie gehen recht ausführlich und unterhaltsam auf die verschiedenen Phasen des Produktionsprozesses ein. So erfährt man, unter welch hohem Zeitdruck der Regisseur arbeiten musste, und dass das Drehbuch mehrmals umgeschrieben wurde. Die Entstehung der Masken von Beast, Mystique und Azazel wird im Detail gezeigt und die Logik hinter den X-Men-Uniformen wird erklärt. Es handelt sich um Fliegerkombis, die teilweise aus Kevlar bestehen - und dieses Material ist nun einmal gelb. Interessant: Es wurde zwar recht viel mit CGI gearbeitet, aber weniger, als ich angenommen hatte. Zum Beispiel wurden die Schauspieler in der Szene, in der sich Banshee und Angel fliegend verfolgen, nicht etwa vor einem Greenscreen gefilmt. Stattdessen hat man die armen Leute an Hubschrauber gehängt, die dann mit einem Affenzahn übers Meer gedonnert sind!

Die 13 nicht verwendeten Szenen (5 davon sind nochmal auf der DVD vorhanden) zeigen unter anderem sehr viel mehr vom Training der jungen Mutanten. Außerdem wird mehr auf die Beziehung zwischen Charles und Moira eingegangen. Charles blitzt zunächst ab, kann dann aber doch bei Moira landen. Man sieht, dass Charles nicht in der Lage ist, Tiere telepathisch zu kontrollieren. Highlight ist eine verlängerte Version der Szene mit Angels Rekrutierung. Charles demonstriert seine telepathischen Kräfte, indem er es für Angel so aussehen lässt, als liege Erik mit bunter Perücke und Damenunterwäsche im Bett! Die Szene ist gut für einen Lacher, aber dem Film hätte sie geschadet.

Neben der isolierten Filmmusik gibt's noch den "interaktiven Mutantendetektor". Man kann sich zu zahlreichen Mutanten die entsprechenden Filmausschnitte (auch aus früheren X-Men-Filmen) anzeigen lassen. Zusätzlich werden Textinformationen angeboten. Es sind aber längst nicht alle Mutanten aus den insgesamt fünf Filmen verfügbar. Schaut man sich alle Mutantenprofile an, so werden irgendwelche BD-Live-Features freigeschaltet. Keine Ahnung, welche das sind, denn BD-Live kann ich nicht nutzen.


J. Kreis, 21.02.2012




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