Wyrmwood


Wyrmwood (Australien, 2014)

Blu-ray, Tiberius Film
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 98 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Wyrmwood Diaries (49:28 Min.)
- Deleted Scenes (19:08 Min.)
- Wyrmwood Chapter One (8:13 Min.)
- Crowdfunding Videos: Indigogo Production Pitch (6:13 Min.), Indigogo Post Production Pitch (4:15 Min.)
- Storyboards (1:25 Min.)
- Trailer

Regie:
Kiah Roache-Turner

Hauptdarsteller:
Jay Gallagher (Barry)
Bianca Bradey (Brooke)
Leon Burchill (Benny)




Story

In einer Nacht mit außergewöhnlich vielen Sternschnuppen verwandeln sich alle Bewohner Australiens, die nicht Blutgruppe A negativ haben, in Zombies. Die nach frischem Fleisch gierenden Kreaturen haben nichts Menschliches mehr an sich. Sie greifen jeden gesund gebliebenen Menschen an und können nur getötet werden, wenn man ihr Gehirn vernichtet oder den Kopf abtrennt. Auch Immune verwandeln sich, wenn sie von einem Zombie gebissen werden. Das Blut der Zombies ist brennbar. Tagsüber atmen sie leicht entzündliche Gase aus. Nach Sonnenuntergang geschieht dies nicht; dann gewinnen die Untoten infolge der Atemgase extreme Körperkraft und Schnelligkeit. Außerdem verlieren Treibstoffe wie Benzin oder Alkohol einige Zeit nach dem Meteoritenschauer ihre Wirksamkeit und brennen nicht mehr.

Die Künstlerin Brooke wird von ihren zombiefizierten Assistentinnen angegriffen, verschanzt sich im Atelier und ruft ihren Bruder Barry an, um ihn zu warnen. In Barrys Haus befindet sich bereits ein Zombie, weitere Untote machen die ganze Nachbarschaft unsicher. Barry flieht mit seiner Frau Annie und der Tochter Meganne, doch beide verwandeln sich. Barry ist gezwungen, seine Liebsten mit einer Nagelpistole zu erschießen. Danach will er Selbstmord begehen, hat jedoch keinen Nagel mehr für sich selbst übrig. Er begegnet einem anderen Überlebenden und will sich mit dessen Gewehr erschießen, wird von dem Mann aber daran gehindert. Barry will nun schnellstens zu Brookes Atelier in Bulla fahren, doch der Wagen bleibt stehen, weil der Treibstoff nicht mehr wirkt. Die beiden Männer hören einen Schuss und dringen in den Busch ein. Da wird Barrys Begleiter vom Aborigine Benny erschossen. Benny war mit seinem Bruder und einem Freund unterwegs im Outback, musste beide nach deren Verwandlung töten und hat Barrys Begleiter für einen Zombie gehalten. Wenig später begegnen Barry und Benny weiteren Überlebenden. Nachdem sie erkannt haben, was es mit dem Zombie-Blut auf sich hat, machen sie einen Truck flott, den sie mit Gittern, Rammbügeln und einer Luftdruck-Harpune ausstatten. Beim Kampf gegen die Zombies kommt es zu weiteren Verlusten. Schließlich brechen nur Barry, Benny und Frank Richtung Bulla auf.

Dort ist Brooke aber schon nicht mehr. Sie wurde von Soldaten entführt, die für einen Wissenschaftler arbeiten. Dieser führt Experimente sowohl an Infizierten als auch an Gesunden durch. Den Gesunden wird Zombie-Blut injiziert und nach einigen Dosen wird ihnen Gehirnflüssigkeit entnommen, was unweigerlich zum Tod führt. Das steht auch Brooke bevor. Nachdem sie einige Injektionen erhalten hat, stellt sie fest, dass sie Zombies per Gedankenkontrolle steuern kann. So gelingt es ihr schließlich, den Wissenschaftler zu töten und sich zu befreien. Als Barrys Truck in der Nacht liegenbleibt, wird Frank von einem Zombie gebissen. Auf eigenen Wunsch wird er von Barry erschossen, bevor er sich verwandelt. Da Frank Katholik ist, kann er keinen Selbstmord begehen. Am nächsten Tag begegnen Barry und Benny einem großen Lastwagen mit Elektroantrieb. Zwei Soldaten steigen aus und behaupten, Brooke befinde sich in einem nahen Militärstützpunkt. Barry ist misstrauisch - zu Recht, wie sich herausstellt, als Brooke die Hecktüren des Lastwagens öffnet. Das Labor des Wissenschaftlers befindet sich im Container auf der Ladefläche! Brooke flieht mit Barry und Benny, aber die Militärs bleiben ihnen auf den Fersen. Benny wird angeschossen. Als Barry vergeblich versucht, seinem Freund zu helfen, wird er von den Soldaten überwältigt.

Brooke soll geköpft werden; für die Forschung wird nur ihr Schädel benötigt. Benny, der sowieso im Sterben liegt, lässt sich von einem Zombie beißen, so dass er sich verwandelt und unbemerkt von Brooke übernommen werden kann. Es gelingt ihm, alle Soldaten bis auf den Captain zu töten. Dieser schießt Benny in den Kopf. Auch Brooke wird niedergeschossen. Der Soldat macht sich einen Spaß daraus, Barry zusammenzuschlagen. Als der Captain einen Zombie erschießt, spritzt dessen Blut in sein Gesicht. Barry nutzt die Gelegenheit und zündet das Blut mit einem Streichholz an. Da erhebt sich Brooke - sie ist ebenso unempfindlich für Körpertreffer wie die Zombies, die sie nun telepathisch herbeiruft, um den Captain endgültig unschädlich zu machen. Gemeinsam fahren Barry und Brooke weiter. Als sie dem von zwei Soldaten gesteuerten Labor-Lkw begegnen, setzt Brooke ihre untote Armee ein, um die Soldaten zu töten.


Kringels Meinung

Erspart euch mein folgendes Gefasel und kauft einfach diesen köstlichen Film. Abraten kann ich nur, wenn ihr keine Zombies mögt.

In Kapitel 8, Vers 10 bis 11 der Offenbarung meines Namensvetters steht in der mir vorliegenden E-Bibel folgender Text: "Und der dritte Engel blies seine Posaune; und es fiel ein großer Stern vom Himmel, der brannte wie eine Fackel und fiel auf den dritten Teil der Wasserströme und auf die Wasserquellen. Und der Name des Sterns heißt Wermut (engl.: Wormwood). Und der dritte Teil der Wasser wurde zu Wermut, und viele Menschen starben von den Wassern, weil sie bitter geworden waren." Das, so meint Frank in diesem Film, könnte die Erklärung für die Zombie-Seuche sein. Das Ende der Welt ist da! Mit Erklärungsversuchen, Figurenexposition und so weiter hält sich der Film ansonsten aber kaum auf. Einige häusliche Szenen mit Barrys Familie müssen zur Einführung der Hauptfigur reichen, die sind aber durchaus nicht schlecht gemacht. Jedenfalls wird von Anfang an in die Vollen gegangen! Zombies greifen an, Brooke überlebt nur knapp und wird von den Soldaten gekidnappt, Barrys Familie flieht panisch aus der Stadt. In dieser Phase unterscheidet sich "Wyrmwood" nicht allzu sehr vom allseits bekannten Zombie-Apokalypse-Schema: Allgegenwärtige Gefahr, drastische Gewaltdarstellung, hektische Flucht, traumatische Verluste. Es kommt zu eindrucksvollen emotionalen Momenten, als sich Meganne verwandelt, woraufhin Annie erkennt, dass es ihr bald genauso ergehen wird. Barrys Verzweiflung ist glaubwürdig und sein Todeswunsch nachvollziebar.

Der Film beginnt also sehr düster, beklemmend und authentisch, wozu der durch digitales Color Grading erzeugte irgendwie "ausgewaschen" wirkende Look nicht unerheblich beiträgt. Doch nicht lange nach dem Ende von Annie und Meganne kommt es zu einem Wechsel in der Tonart. Jetzt geht es nur noch um schräge Ideen und Gemetzel. Von beidem wird wirklich was geboten! Die Action kann sich definitiv sehen lassen, zumal die von Barry und seinen Freunden verwendete Ausrüstung sehr an Mad Max erinnert. Beim Kampf gegen die Zombies bleibt kein Auge trocken. Da platzen die Schädel, das Gehirn verteilt sich auf Boden und Wänden, Körperteile werden auf verschiedene Art und Weise abgetrennt, Blut spritzt literweise durch die Gegend und es wird des Öfteren auf Fleisch herumgekaut. Das alles ist vermutlich größtenteils handgemacht. Manche Blutspritzer, die Atemwolken der Zombies und verschiedene andere Details sind wahrscheinlich digitaler Natur, das fällt aber nicht störend auf. Die Untoten sehen angemessen bedrohlich, verrottet und eklig aus; an den Leistungen der Komparsen und den maskenbildnerischen Effekten gibt's ebenfalls nichts auszusetzen.

Aber obwohl das Geschehen nicht auf "witzig" getrimmt ist und obwohl zum Glück auf den Einsatz "lustiger" Musik vollständig verzichtet wurde, so merkt man doch ganz deutlich, dass es sich hier um Fun-Splatter handelt. Da schießt Benny dem unglücklichen Begleiter Barrys den Kopf weg und fragt "Geht's ihm gut?", nachdem er seinen Irrtum bemerkt hat. Ein zombiefizierter Kollege Franks liegt in derselben Kühltruhe auf Eis, aus der sich die Freunde ein paar leckere Steaks holen. Der verrückte Wissenschaftler im Truck hat wirklich Spaß bei der Arbeit; im Ganzkörper-Schutzanzug tanzt er zu flotter Discomusik, während er einem bedauernswerten Probanden eine Sonde durch die Nase ins Gehirn rammt... Auf die Idee, Zombies als Energiequelle für Autos einzusetzen, muss man auch erstmal kommen! In "Wyrmwood" jagt eine wahnwitzige Situation die andere, Stillstand gibt es praktisch nie, eine Story ist leider ebenso wenig vorhanden. Spaß macht der Film aber trotzdem, spannend ist er auch. Wenn ich jetzt noch bedenke, dass es sich um ein Regiedebüt mit Minimalbudget handelt, kann ich nur sagen: Hut ab!


Blu-ray-Features

Selten so ein witziges Making of gesehen - die "Wyrmwood Diaries"! Im Abspann dieser Kurzdoku wird erwähnt, das Produktionsteam habe ohne Gage gearbeitet. Das hat sie nicht daran gehindert, sich Mühe zu geben, vollen Einsatz zu zeigen und viel Spaß dabei zu haben! Jedenfalls wird in den knapp 50 Minuten dieser Featurette praktisch pausenlos herumgealbert und man sieht, wie sich das Team ins Zeug gelegt hat, um mit zum Teil einfachsten Mitteln den maximalen Effekt zu erzielen. Man kann genauere Blicke auf die verschiedenen Zombies werfen. Schlamm wird im Küchenmixer hergestellt. Untote überreichen eine Geburtstagstorte. Der Bau eines Krans erweist sich als besonders schwierig, weil die Anleitung nur in deutscher Sprache vorliegt. Bei einer Testfahrt mit Barrys Truck bleibt das Auto schon nach 20 Minuten liegen, der Pannendienst muss kommen. Weil der Truck ein ziemlich altes Modell ist, gibt es Schwierigkeiten bei der Ersatzteilsuche ... Besonders bizarr: Beim Dreh der Flucht von Barry & Familie kommt die Polizei, weil wohl jemand dachte, dass die Handgreiflichkeiten echt seien. Man hört, wie jemand sagt: "Wir haben doch gar nichts gemacht - wir drehen hier nur einen Zombiefilm". Darauf der Polizist nur: "Ach so." Es wird auch nicht verschwiegen, dass ein Stunt beinahe katastrophale Folgen gehabt hätte. Die Stuntfrau sollte aus einem fahrenden Lkw auf die Motorhaube des folgenden Trucks springen, aber der Sprung war zu kurz. Man sieht, wie die Frau unter dem Truck verschwindet! Zum Glück hat sie richtig reagiert und es ist nichts passiert.

Die nicht verwendeten Szenen sind allesamt fertig produziert, d.h. es fehlen keine Spezialeffekte oder dergleichen. Man bekommt mehr Zombie-Kämpfe mit Barry und den Soldaten sowie Laborszenen mit Brooke zu sehen, aber tatsächlich hätten die den Film nur ausgebremst. Dazu gehört auch ein längerer Monolog des Captains gegen Ende des Films. Die Rede hätte nur gestört, enthält allerdings eine wichtige Information. Der Captain sagt, mit der Hirnflüssigkeit eines Menschen mit Blutgruppe A negativ könne man zahlreiche Menschen auf Lebenszeit gegen die Zombieplage immunisieren. Dadurch wird die Rücksichtslosigkeit verständlicher, mit der die Soldaten Immune einfangen, aber die Vorgehensweise des verrückten Wissenschaftlers wird dadurch nicht erklärt. Zu guter Letzt ist noch eine Szene vorhanden, in der Barry kurz nach dem Ausbruch der Seuche mit seinem Bruder (Schwager?) telefoniert. Der Mann wurde gebissen. Kurz bevor er sich verwandelt, fleht er Barry an, nach Brooke zu suchen.

"Wyrmwood Chapter One" wurde vermutlich als überlanger Teaser gedreht, denn das Filmteam war auf Spenden (heutzutage nennt man das "Crowdfunding") angewiesen, und die Förderer sollten sehen können, wofür sie ihr Geld locker machen. Der Kurzfilm zeigt Barry und einen anderen Typen, die irgendwo unterwegs sind und neuen "Treibstoff" brauchen. Ein Zombie wird gefangen, aber dann geht die Sache gründlich schief. Humor ist hier nicht im Spiel, dafür umso mehr herrlich eklige lebende Leichen. Und es wird klar, warum Barry in einer der nicht verwendeten Szenen unter dem Truck nachschaut, ob sich da nicht etwa ein Untoter versteckt. Hinzu kommen zwei weitere Crowdfunding-Werbeclips. Im ersten Clip erklären die Gebrüder Roache-Turner (Regisseur und Produzent), dass sie schon seit langer Zeit einen Mad-Max-Film mit Zombies drehen wollten, zuvor aber etwas üben mussten. Kurze Ausschnitte aus ihren früheren Filmprojekten sind zu sehen. Im zweiten Clip treten die beiden wieder auf, diesmal als Zombies. Sie bedanken sich für die schon eingegangenen Spenden und zeigen, was mit dem Geld gemacht wurde. Zwischendurch kauen sie ein bisschen auf blutigem Fleisch herum. Beide Clips sind so genial gemacht, dass wohl niemand, der sie gesehen hat, noch Zweifel am Filmprojekt haben konnte!


J. Kreis, 20.08.2015




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