World War Z


World War Z - Extended Action Cut (USA, 2013)

Blu-ray, Paramount
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 123 Minuten

Extras:
- Der Ursprung (8:21 Min.)
- Blick auf die Wissenschaft (7:28 Min.)
- WWZ: Die Produktion (36:18 Min.)

Regie:
Marc Forster

Hauptdarsteller:
Brad Pitt (Gerry Lane)
Mireille Enos (Karen Lane)
Fana Mokoena (Thierry Umutuni)
Daniella Kertesz (Segen)




Story

Der in Philadelphia lebende ehemalige UN-Krisenmanager Gerry Lane sieht im Fernsehen beunruhigende Nachrichten über eine unbekannte Krankheit, die sich in verschiedenen Ländern ausbreitet. Die Infizierten werden tobsüchtig und greifen ihre Mitmenschen ohne Grund an. In den USA war bisher noch alles ruhig, doch als Lane mit seiner Familie in einem Verkehrsstau feststeckt, entsteht plötzlich Panik. In den Straßen wird offensichtlich mit schweren Waffen gekämpft. Lane sieht, wie Infizierte über Passanten herfallen und diese fressen. Wer gebissen wird, verwandelt sich innerhalb weniger Sekunden ebenfalls in eine extrem aggressive Fressmaschine. So verbreitet sich die Infektion mit exponentieller Geschwindigkeit. Lane, seine Frau Karen und seine beiden kleinen Töchter entkommen dem Massaker nur knapp. Sie fliehen nach Newark und finden bei einer Familie in einem Hochhaus Unterschlupf, wo sie bis zum nächsten Morgen ausharren müssen. Dann werden sie per Hubschrauber evakuiert. Lane wurde bereits telefonisch von seinem alten Freund, dem stellvertretenden UN-Generalsekretär Thierry Umutuni, um Hilfe gebeten. Der Hubschrauber landet auf einem Schiff der US-Navy, das als provisorisches Hauptquartier dient, denn der Präsident ist tot und die Hauptstadt ist - ebenso wie die meisten großen Städte - schon bald nicht mehr erreichbar. Tatsächlich wurde bereits die ganze Welt von den Infizierten überrannt, für die jetzt nur noch der Begriff "Zombies" verwendet wird.

Man nimmt an, dass die Pandemie ihren Ursprung in Südkorea hat. Lane und eine Handvoll Soldaten sollen einen Virologen dorthin begleiten. Man hofft, den ersten Infizierten zu finden, um ein Gegenmittel entwickeln zu können. Lane will seine Familie nicht verlassen, wird aber unter Druck gesetzt. Nur wenn er sich als nützlicher Mitarbeiter erweist, dürfen seine Angehörigen in der Sicherheit des Schiffes bleiben. Der Virologe kommt bei der Landung in einer südkoreanischen US-Militärbasis durch einen Unfall ums Leben. Lane kann hier nichts ausrichten, erfährt aber von einem nicht ganz zurechnungsfähigen CIA-Agenten, der in der Basis gefangen gehalten wird, dass die Israelis schon früh über die Seuche informiert gewesen sein müssen, denn es ist ihnen rechtzeitig gelungen, eine gewaltige Mauer rund um Jerusalem zu errichten. Lane fliegt weiter nach Israel. Auch in Jerusalem weiß niemand, woher die Seuche wirklich kommt; man hat lediglich die ersten Nachrichten über "Zombies" ernster genommen als in anderen Ländern. Doch auch die riesige Mauer ist kein Schutz vor den Infizierten. Angelockt vom Lärm bestürmen sie das Bauwerk in unglaublichen Massen und überwinden es. Im entstehenden Chaos wird Lane von einigen israelischen Soldaten zu seinem Flugzeug eskortiert, das jedoch ohne ihn startet. Als die junge Soldatin Segen von einem Infizierten in die Hand gebissen wird, hackt Lane ihr den Unterarm ab. So kann er die Ausbreitung der Infektion stoppen - Segen verwandelt sich nicht. Außerdem konnte Lane zum wiederholten Mal beobachten, dass einzelne Menschen von den Infizierten verschont werden. Er nimmt an, dass diese Menschen krank sind und ignoriert werden, weil sich das Virus nur in gesunden Wirtskörpern verbreiten will.

Lane und Segen entkommen mit einer Passagiermaschine aus Jerusalem. Lane bringt die Piloten dazu, nach Wales zu fliegen, wo es ein WHO-Forschungszentrum gibt. Ein Infizierter befindet sich im Flugzeug und beißt eine Stewardess. Nur Minuten später sind fast alle Passagiere infiziert. Mit einer Handgranate sprengt Lane ein Loch in die Außenhülle, so dass die Infizierten nach draußen gerissen werden. Das Flugzeug stürzt über England ab. Lane und Segen überleben. Obwohl Lane schwer verletzt wurde, schlagen sich beide bis zum Forschungszentrum durch. Dort verliert Lane das Bewusstsein und wacht erst drei Tage später wieder auf. Da man Lane in der US-Kommandozentrale für tot hält, wird seine Familie nach Nova Scotia in ein Flüchtlingslager gebracht. Mit Hilfe der überlebenden WHO-Wissenschaftler verifiziert Lane seine Theorie, indem er sich selbst den Erregern einer schweren, aber heilbaren Krankheit aussetzt. Zu diesem Zweck muss er zu einem Lagerraum in einem Gebäudetrakt voller Zombies gelangen, was ihm schließlich auch gelingt. Als vor der Glastür des Lagerraums ein Infizierter erscheint, hat Lane keine andere Wahl, als sich einen unbekannten Erreger zu spritzen. Nach einiger Zeit öffnet er die Tür. Tatsächlich wird er von der Kreatur vollkommen ignoriert und kann problemlos zurück ins Hauptgebäude gelangen.

Während Lane zu seiner Familie zurückkehrt, werden seine Erkenntnisse per Funk in die ganze Welt vermittelt. Die WHO entwickelt einen Impfstoff, mit dem sich die Überlebenden quasi unsichtbar für die Infizierten machen können. So können sie sich in Sicherheit bringen oder zum Gegenangriff übergehen...

Kringels Meinung

Der Film basiert auf dem mir nicht bekannten Roman "Operation Zombie" von Max Brooks, dem Sohn von Mel Brooks. Einen zweiten Band gibt es meines Wissens nicht, aber wer weiß? Der Film ist recht erfolgreich gelaufen, vielleicht wird er ja fortgesetzt. Ich hätte nichts dagegen, wenn dabei wieder so spannende Action herauskommt wie diesmal! Vor allem die erste halbe Stunde ist unglaublich intensiv. Nach einer ganz kurzen Einführung der Hauptfiguren (Brad Pitt ist als Sympathieträger zum Mitfiebern bestens geeignet) geht es sofort ordentlich zur Sache, und man merkt gleich, dass die Infizierten von ähnlichem Kaliber sind wie ihre "Artgenossen" in Zack Snyders Dawn of the Dead - Remake oder in 28 Days later. Sie stürmen wie rasende Tollwütige voran, ohne sich im Geringsten um ihr eigenes Wohl zu kümmern. Sie rammen ihre Köpfe in Autofenster, um diese zu zerbrechen, lassen sich selbst durch schwere Verletzungen nicht aufhalten, und springen ohne zu zögern dem Hubschrauber hinterher, mit dem Lanes Familie evakuiert wird, so dass sie vom Hochhausdach stürzen. Die Konsequenzen eines solchen Verhaltens wurden folgerichtig zu Ende gedacht, und so dauert es nur ein paar Stunden oder Tage, bis praktisch das gesamte Land überrannt wird. Als Zuschauer kommt man nicht umhin, sich zu sagen, dass es in der Realität wahrscheinlich genauso ablaufen würde. Polizei und Militär wären absolut machtlos, man könnte selbst so gut wie nichts tun, Überleben wäre reine Glückssache. Das totale Chaos dieser Situation wird im Film hervorragend rübergebracht.

Nach diesem furiosen Auftakt wird nur vorübergehend etwas Tempo herausgenommen. Sobald Lane in Südkorea angekommen ist, geht es wieder Schlag auf Schlag weiter. Natürlich wird auch die dortige Militärbasis angegriffen, die Eroberung Jerusalems durch riesige Zombieschwärme folgt wenig später. Wie kann man auch so dumm sein, lautsprecherverstärkten Gesang direkt hinter der Mauer zu dulden, die alles ist, was einen von den insbesondere auf Geräusche reagierenden Zombies trennt? Die Massenszenen sind etwas, das man in diesem Genre zuvor noch nicht gesehen hat! Die um- und übereinander wimmelnden Infizierten schwappen buchstäblich wie eine Flutwelle über die Mauer von Jerusalem hinweg und reißen alles mit in den Untergang, was ihnen im Weg steht. "World War Z" erreicht in diesen Momenten eine wirklich packende Dynamik, da sieht man dem Film sein 200-Millionen-Dollar-Budget definitiv an. Aber auch - oder gerade - im kleineren Rahmen funktioniert das Bedrohungsszenario perfekt: Was tun, wenn man in einem Flugzeug voller Zombies sitzt? Dass ausgerechnet Lane und Segen das Ganze überleben, ist natürlich ein bisschen unwahrscheinlich, aber egal. Die Inszenierung des Zombie-Kriegs ist einfach perfekt. Mal ist man mit Lane mittendrin im Getümmel, mal wird das apokalyptische Panorama in der Totalen gezeigt, so dass das ganze Ausmaß der Bedrohung sichtbar wird.

Bei all der mitreißenden Action fällt es fast gar nicht auf, dass die Story etwas dünn ist. Woher kommt die Infektion denn nun? Ist sie einfach so entstanden, handelt es sich um eine außer Kontrolle geratene Biowaffe oder um ein schiefgegangenes Experiment? Sind die Infizierten wirklich Untote oder doch "nur" kranke Menschen, die man vielleicht sogar heilen könnte? Gerade letztere Frage wird überhaupt nicht gestellt. Der entmenschte Gegner kann bedenkenlos mit allen Mitteln bekämpft werden und natürlich darf der Satz "das sind keine Menschen mehr" nicht fehlen. Natürlich ist das der einzige Weg, wie man in einer solchen Situation reagieren kann. Aber es wäre schön gewesen, wenn zumindest am Ende der Versuch gemacht worden wäre, doch noch ein Heilmittel zu finden, und nicht nur eine "Tarnung", mit deren Hilfe man die Infizierten noch besser niedermetzeln kann.

Die Blu-ray enthält eine Fassung des Films, die ca. sieben Minuten länger ist als die Kinoversion. Um keine zu hohe Altersfreigabe zu riskieren, wurde die Kinoversion um zahlreiche Gewaltszenen "erleichtert". Die wurden im Extended Action Cut wieder eingefügt, und sie verleihen dem Film genau die nötige Härte. Ironischerweise sind beide Fassungen frei ab 16 Jahren. Während man die Kinoversion als eher zahnlos bezeichnen muss, was gerade bei einem Zombiefilm natürlich überhaupt nicht geht, so enthält der Extended Action Cut einiges mehr an Kämpfen, Kopfschüssen, Bissen und dergleichen. Die eine oder andere zusätzliche Dialogszene ist aber auch dabei. Trotz der wieder eingefügten Gewaltszenen wird "World War Z" allerdings noch lange nicht zu einem Splatterfilm.

Blu-ray-Features

Die Extras haben zwar eine insgesamt recht lange Laufzeit, sind aber nicht besonders interessant. Sie bestehen vor allem aus Filmausschnitten und ein paar Interviews. In der aus vier kürzeren Featurettes bestehenden Kurzdoku "WWZ: Die Produktion" wird wenigstens ein bisschen auf den Roman von Max Brooks eingegangen, es gibt etwas mehr Hinter-den-Szenen-Material zu sehen und man kann ganz gut erkennen, wie intensiv mit CGI gearbeitet wurde - im Film fällt das nur selten auf. David Hughes, ein Evolutionsbiologe der Pennsylvania State University, erläutert die hinter der Zombieplage stehenden Überlegungen. Die Infizierten sind nichts anderes als Träger eines Parasiten, der ausschließlich das Ziel verfolgt, sich so schnell wie möglich zu verbreiten. Der Parasit ist quasi so etwas wie ein Kollektivwesen, deshalb weisen die Zombies ein so deutliches Schwarmverhalten auf.

Leider sind keinerlei Deleted Scenes vorhanden. Schließlich muss zumindest eine Rohfassung mit einem vollkommen anderen Ende existieren. Da wäre gezeigt worden, wie sich Lane durch Moskau metzelt. Dieses Ende wurde entfernt, stattdessen wurden die Szenen mit dem WHO-Labor in Wales verwendet. Ich hätte doch gern mal gesehen, wie der Film ursprünglich hätte ausgehen sollen.


J. Kreis, 20.11.2013




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