The Woman


The Woman (USA, 2011)

Blu-ray, Capelight Pictures
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 103 Min.

Extras
- Making of (24:46 Min.)
- Hinter den Kulissen (4:12 Min.)
- Entfallene Szenen (5:33 Min.)
- Kurzfilm "Burro Boy" (6:37 Min.)
- Kinotrailer

Regie:
Lucky McKee

Hauptdarsteller:
Sean Bridgers (Chris Cleek)
Pollyanna McIntosh (Die Frau)
Angela Bettis (Belle Cleek)
Lauren Ashley Carter (Peggy Cleek)
Zach Rand (Brian Cleek)
Shyla Molhusen (Darlin Cleek)
Carlee Baker (Genevieve Raton)




Inhalt

Der erfolgreiche Anwalt und Hobby-Jäger Chris Cleek hat seine Familie fest im Griff. Vor allem Belle, Brians Frau, und die älteste Tochter Peggy sind ängstlich bemüht, Chris alles recht zu machen. Er erwartet totalen Gehorsam und schlägt zu, wenn etwas nicht nach seinem Kopf geht. Sohn Brian ist auf dem besten Wege, ebenfalls zu einem tyrannischen Sadisten zu werden. Nur die kleine Darlin ist noch zu jung, um zu begreifen, was in der Familie wirklich vorgeht. Eines Tages entdeckt Chris bei einem Jagdausflug im Wald eine völlig verwilderte Frau. Nachdem er nach Hause zurückgekehrt ist, um den Vorratskeller für den neuen "Gast" vorzubereiten, fängt er die Frau mit einem Netz ein, schlägt sie nieder und kettet sie im Keller an. Die Frau spricht nicht und hat vermutlich schon immer in der Wildnis gelebt. Dass man sich ihr nur mit größter Vorsicht nähern sollte, stellt Chris fest, als er die vermeintlich Bewusstlose untersucht: Sie beißt ihm ein Fingerglied ab. Sie bleibt deshalb rund um die Uhr gefesselt.

Chris stellt die Frau seiner Familie von, deren gemeinsames "Projekt" nun darin bestehen soll, der Frau zivilisiertes Benehmen beizubringen, damit sie in die Gesellschaft eingegliedert werden kann. Nachdem sie vom gröbsten Schmutz befreit wurde, findet Chris Gefallen an der Frau und vergeht sich an ihr. Auch Brian entwickelt ein besonderes Interesse an der wehrlosen Gefangenen. Er quält sie mit einer Zange. Dies wird jedoch von Peggy beobachtet. Belle kann es nicht fassen, dass Chris diesen Vorfall für völlig normal hält. Sie hat genug und will Chris mit ihren beiden Töchtern verlassen. Chris schlägt sie daraufhin brutal zusammen. In diesem Moment klingelt es an der Tür. Peggys Lehrerin Genevieve Raton will mit Chris sprechen, denn ihr ist eine beunruhigende Veränderung in Peggys Verhalten aufgefallen. Sie eröffnet Chris, dass sie glaubt, Peggy verheimliche eine Schwangerschaft. Diese Annahme ist richtig, aber Genevieve konnte nicht ahnen, wer der Vater ist: Peggy wurde von ihrem eigenen Vater missbraucht.

Chris kann nicht zulassen, dass dies bekannt wird, und schleppt Genevieve in den Hundezwinger. Dort haust ein weiteres Familienmitglied der Cleeks wie ein Tier mit den beiden Hunden: Ein ohne Augen zur Welt gekommenes Mädchen. Während Genevieve von den Hunden und dem blinden Mädchen zerfleischt wird, wobei Chris und Brian interessiert zuschauen, befreit Peggy die Frau. Diese tötet zuerst Belle, dann zerlegt sie Brian mit einer Rasenmäherklinge und weidet Chris aus. Einen Teil der Innereien verfüttert sie an das blinde Mädchen, das ihr daraufhin nicht mehr von der Seite weicht. Peggy und Darlin haben der Frau nie etwas zuleide getan und werden verschont. Die Frau gibt Darlin etwas vom Blut ihrer Verwandten zu kosten und nimmt sie mit, als sie zusammen mit dem blinden Mädchen Richtung Wald davongeht. Peggy schließt sich dem Trio nach kurzem Zögern an.

Kommentar

Der Film hält, was das blutige Cover verspricht, allerdings wurden 90 Prozent der physischen Gewalt in die letzte Viertelstunde des Films gepackt. Was bis dahin gezeigt wird, ist ein Szenario der psychischen Gewalt, das weit wirkungsvoller ist als das allzu übertriebene Gemetzel am Ende. Als reines Psychodrama hätte "The Woman" meiner Meinung besser funktioniert. Der finale Gewaltausbruch wäre eigentlich gar nicht nötig gewesen. Von Anfang an merkt man, dass zwischen Chris, seiner Frau und seinen Kindern so einiges nicht stimmt. Alle lächeln und sind nett zueinander, solange Chris in der Nähe ist. Aber das Lächeln gefriert, wenn er nicht hinschaut. Die Blicke, die sich Belle und Peggy zuwerfen, sprechen Bände. Ebenso die Körpersprache: Alle bewegen sich so vorsichtig wie möglich, um Chris ja nicht zu erzürnen, und scheinen permanent fluchtbereit zu sein. Trotzdem sieht es so aus, als könnte die Familie ganz gut zusammenleben. Chris wird nie laut, er benimmt sich scheinbar freundlich - aber man ahnt, aus welchem Grund seine Familie so prompt pariert. Von der Existenz der blinden Schwester ahnt man noch nichts und was mit Peggy wirklich los ist, wird nur nach und nach angedeutet. Wenn Chris seine Frau sofort wie aus heiterem Himmel ohrfeigt, als sie auch nur den Hauch eines Widerspruchs riskiert, dann ist das wie ein Schock. Aber spätestens ab diesem Moment weiß man Bescheid. Der blutige Showdown kommt mir fast wie ein Fremdkörper vor, die plakative und absurd übertriebene Gewalt wirkt selbstzweckhaft.

Die Schauspieler liefern wirklich sehenswerte Leistungen ab. Chris wirkt anfangs durchaus nicht unsympathisch, fast wie ein höchstens etwas überprotektiver Vater. Irgendwie erinnert er mich außerdem an den jungen Michael Palin. Dennoch bleibt immer ein Gefühl des Unbehagens. Nach und nach zeigt sich dann das wahre Gesicht eines Mannes, für den alle anderen Menschen entweder Objekte zur Triebbefriedigung sind, die am besten allesamt im Keller eingesperrt werden würden, oder aber willenlose Befehlsempfänger. Sean Bridgers verkörpert diesen unberechenbaren Psychopathen absolut glaubwürdig. Pollyanna McIntosh beweist Mut zu extremer Hässlichkeit. Die von ihr verkörperte Figur der "Wolfsfrau" ist nicht einfach nur irgendein Monster, das gezähmt werden soll und am Ende ausbricht. Sie ist auf ihre Art "menschlicher" als ihre Peiniger, und obwohl sie keine einzige Textzeile hat - sie gibt nur manchmal unverständliches Kauderwelsch von sich - weiß man immer, was in ihr vorgeht. Angela Bettis brilliert als permanent bis zum Zerreißen angespannte, total unter der Fuchtel ihres Gatten stehende Ehefrau. Sie versucht den Schein einer Vorzeigefamilie zu wahren, obwohl sie von Anfang an alles weiß, was der Zuschauer erst ganz am Ende erfährt. Man hätte ihr zwar ein gnädigeres Schicksal gewünscht, aber die "Wolfsfrau" tötet sie nicht grundlos. Belle hätte die Möglichkeit gehabt, ihr zu helfen, aber sie hat es vorgezogen, Chris auf einen gelockerten Haken in der Fesselung aufmerksam zu machen. Selbst die Kinder der Familie bis hin zur bezaubernden kleinen Shyla Molhusen wissen zu überzeugen.

Wer glaubt, der Film sei frauenfeindlich und sexistisch, der irrt. Es ist immer klar, wer hier der "Wilde" ist und wo die Sympathien liegen. Kaum ein Zuschauer dürfte traurig sein, wenn Chris und der in seine Fußstapfen tretende Brian ihr verdientes Ende finden. Der Film ist wahrhaft starker Tobak, der durch ein gerüttelt Maß bitterbösen, zynischen Humors kaum entschärft wird. Der Indie-Soundtrack ist hörenswert; die Titel passen meist zur jeweiligen Situation. Insgesamt ist "The Woman" ein beeindruckender Film, den man so schnell nicht vergisst, der durch das Ende meiner Meinung nach aber ein bisschen entwertet wird.

Die "Wolfsfrau" ist übrigens die letzte Überlebende eines Kannibalenclans aus dem Film "Beutegier". Dieser basiert wie "The Woman" auf einem Roman des Schriftstellers Jack Ketchum, wurde aber von einem anderen Regisseur inszeniert. "The Woman" kann vermutlich als Fortsetzung von "Beutegier" betrachtet werden.

Blu-ray-Features

Das Making of und die Hinter-den-Kulissen-Featurette sind teilweise redundant, in letzterer sind immerhin (sehr kurze) Ausschnitte aus "Beutegier" zu sehen. Insgesamt erhält man einen ganz guten Einblick in den Produktionsprozess bis hin zur Premiere beim Sundance Film Festival 2011. Ich hätte zum Beispiel nicht gedacht, dass der Vorratskeller nur ein Bühnenbild ist, das in einer Turnhalle aufgebaut wurde. Außerdem bekommt man Pollyanna McIntosh mal ganz ohne ihr gruseliges Makeup zu sehen. Ich war überrascht, wie hübsch, witzig und sympathisch die Frau ist. Die vier nicht verwendeten Szenen sind nicht weiter erwähnenswert, wohl aber der kurze Animationsfilm "Burro Boy" - eine ziemlich schräge und in eigenwilligem Stil gestaltete Geschichte um einen kleinen mexikanischen Jungen, der von seinem versoffenen Esel ausgenutzt wird...


J. Kreis, 24.01.2012




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