Wolfman


Wolfman (Extended Director's Cut) (USA, 2010)
- The Wolfman -

Blu-ray, Universal
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 102 Min. (Kinoversion) bzw. ca. 119 Min. (Director's Cut)

Extras
- Alternative Enden (7:58 Min.)
- Unveröffentlichte und erweiterte Szenen (11:17 Min.)
- "Wiederkehr des Wolfman" (12:20 Min.)
- "Der Schöpfer des Untiers" (12:05 Min.)
- "Geheimnisse der Verwandlung" (15:15 Min.)
- "Der entfesselte Wolfman" (8:45 Min.)
- U-Control
- BD Live

Regie:
Joe Johnston

Hauptdarsteller:
Benicio del Toro (Lawrence Talbot)
Anthony Hopkins (Sir John Talbot)
Emily Blunt (Gwen Conliffe)
Hugo Weaving (Francis Aberline)
Art Malik (Singh)




Inhalt:

Im Jahre 1891 werden in der Gegend von Blackmoor zwei Menschen von einem Unbekannten ermordet. Gleichzeitig verschwindet Ben Talbot, Sohn des Adligen Sir John Talbot. Bens Verlobte Gwen Conliffe bittet dessen Bruder Lawrence um Hilfe, der Talbot Hall schon vor vielen Jahren verlassen hat, in Amerika als Shakespeare-Schauspieler gefeiert wird und jetzt auf Tournee in England unterwegs ist. Lawrence kehrt in seine alte Heimat zurück, obwohl er keine guten Erinnerungen an seine Kindheit hat: Er musste den Selbstmord seiner Mutter mit ansehen und wurde danach wegen angeblicher Wahnvorstellungen von seinem Vater in eine Nervenheilanstalt gesteckt. Lawrence kommt jedoch zu spät. Ben ist bereits tot, er wurde offensichtlich von einem wilden Tier zerfleischt. Lawrence verspricht Gwen, die Umstände des Todes seines Bruders aufzuklären. Die Dorfbewohner glauben, die seit zwei Wochen in der Gegend kampierenden Zigeuner hätten etwas mit dem Mord zu tun. Als Lawrence deren Lager trotz der Warnungen seines Vaters in einer Vollmondnacht aufsucht, wird er Zeuge, wie eine nur schemenhaft erkennbare Bestie ein grausiges Massaker anrichtet. Lawrence versucht einen kleinen Jungen zu schützen und wird von der Kreatur angefallen. Die Zigeuner vertreiben das Ungeheuer. Lawrence hat zwar eine schreckliche Bisswunde am Hals erlitten, überlebt jedoch wider Erwarten. Er wird von Gwen gesund gepflegt und verliebt sich in sie.

Schon nach weniger als einem Monat ist die Wunde völlig verheilt. Lawrence fühlt sich sogar stärker als je zuvor. Inspektor Aberline von Scotland Yard begibt sich nach Blackmoor, um die Vorfälle zu klären. Er hält Lawrence für verdächtig, da er dessen Vergangenheit kennt, hat aber wenig für den Aberglauben der Dorfbewohner übrig. Diese sind inzwischen davon überzeugt, ein Werwolf verstecke sich in Talbot Hall. Lawrence, der unter erschreckenden Visionen leidet, beginnt diese Gerüchte zu glauben. Er schickt Gwen sicherheitshalber zurück nach London. Als wieder ein Vollmond am Himmel steht, folgt Lawrence seinem Vater in die Krypta seiner Mutter. In einem unterirdischen Raum findet er einen Sessel mit eisernen Hand- und Fußfesseln. Sir John erscheint und schließt sich in der Krypta ein, während sich Lawrence draußen in einen Werwolf verwandelt. Lawrence verliert völlig die Kontrolle über sich, fällt über einige Dorfbewohner her, die dem Werwolf im Wald eine Falle stellen wollten, und tötet die Männer. Aberline trifft zu spät am Schauplatz des Geschehens ein. Er kann Lawrence jedoch festnehmen, als dieser am nächsten Tag verwirrt und blutbeschmiert, aber wieder in menschlicher Gestalt, in der Nähe von Talbot Hall erwacht. Sir John selbst liefert seinen Sohn dem Inspektor aus. Lawrence wird in dieselbe Nervenheilanstalt eingeliefert, in der er als Kind schon behandelt worden ist.

Als Sir John ihn einige Zeit später besucht, erfährt Lawrence endlich die Wahrheit. Sir John ist ebenfalls ein Werwolf - und das seit 25 Jahren. Er ist während einer Expedition von einem verwilderten Kind gebissen worden und verwandelt sich seitdem jeden Monat bei Vollmond in eine reißende Bestie. Er hat seiner Frau in einer solchen Nacht die Kehle herausgebissen - und diese Tat, nicht etwa den angeblichen Selbstmord seiner Mutter, hat Lawrence seinerzeit beobachtet. Seither hat sich Sir John stets kurz vor der Verwandlung von seinem Diener Singh in der Krypta einschließen lassen. Durch unglückliche Umstände hat diese Vorsichtsmaßnahme vor einigen Wochen nicht funktioniert. In Werwolfsgestalt hat Sir John Ben getötet, der Talbot Hall zum Missfallen seines Vaters mit Gwen verlassen wollte. Sir John hat Gefallen an seinem Zustand gefunden und denkt gar nicht daran, sich erneut einsperren zu lassen - und in Lawrence hat er den perfekten Sündenbock gefunden. Lawrences Arzt kommt allerdings auf die leichtsinnige Idee, seinen Patienten in einer Vollmondnacht im Hörsaal zu präsentieren. So will er ihm und dem Auditorium (in dem auch Aberline sitzt) beweisen, dass der Werwolfsmythos Unsinn ist. Prompt verwandelt sich Lawrence, tötet seine Peiniger, flieht und richtet ein Blutbad in Londons Straßen an. Aberline, der nun mit eigenen Augen sehen konnte, womit er es zu tun hat, ruft Verstärkung herbei. Aber selbst Dutzende bewaffnete Männer können den Werwolf nicht aufhalten, denn mit normalen Kugeln kann man ihn nicht töten.

Am nächsten Morgen sucht Lawrence bei Gwen Zuflucht und erzählt ihr alles, was er weiß. Er muss jedoch erneut fliehen, als Aberline das Haus durchsucht. Gwen, die Lawrence liebt, sucht verzweifelt nach einem Heilmittel. Sie muss jedoch erkennen, dass der Fluch nicht aufgehoben werden kann; Lawrence kann nur von jemandem, der ihn liebt, durch den Tod erlöst werden. Sie folgt Lawrence, der nach Blackmoor zurückgekehrt ist, um seinen Vater zu töten. Auch Aberline und seine Kollegen sind dorthin unterwegs. Diesmal sind ihre Waffen mit Silberkugeln geladen. Lawrence tritt seinem Vater entgegen. Beide verwandeln sich in Werwölfe. Lawrence tötet seinen Vater im Kampf. Dabei geht das Anwesen in Flammen auf. Aberline trifft ein, um Lawrence zu erschießen, wird aber von Gwen daran gehindert. Lawrence beißt den Inspektor, tötet ihn aber nicht, sondern folgt Gwen in den Wald. Er überwältigt sie, aber als sie ihn anspricht, scheint er sie zu erkennen. Er zögert, so dass sie mit einer Silberkugel auf ihn schießen kann. Er verwandelt sich in einen Menschen zurück und dankt ihr, bevor er stirbt. Doch der Fluch des Wolfsmenschen wurde weitergegeben...

Der Film:

Werwölfe sind im Horrorfilm-Genre nicht so zahlreich vertreten wie Vampire und Zombies, sie sind in den letzten Jahren aber ähnlich modernisiert worden wie ihre untoten Kollegen. Man denke nur an die ersten beiden Underworld-Filme oder die "Twilight"-Reihe, die ich allerdings nicht aus eigener Anschauung kenne. Gegen diese Modernisierung alter Mythen habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden, aber manchmal wünsche ich mir doch auch mal wieder Filme nach "klassischem" Vorbild. Und so fand ich die Idee eines Remakes des 1941'er Films "Der Wolfsmensch" recht interessant. Leider kann das Ergebnis nicht auf ganzer Linie überzeugen. Auf der Habenseite kann der Film einige Schauwerte verbuchen. Ein düsteres, von zunehmendem Verfall geprägtes Anwesen, von waberndem Nebel erfüllte Wälder, ein recht heruntergekommenes Irrenhaus, in dem die Patienten unmenschlichen Behandlungen unterzogen werden, London Ende des 19. Jahrhunderts und natürlich das explizit gezeigte blutige Gemetzel, das der Wolfsmensch anrichtet - das ist alles sehr nett. Es wird eine schön romantisch-unheimliche Gruselfilm-Atmosphäre erschaffen, und man sieht, dass hier nicht gekleckert, sondern geklotzt wurde. Das Budget kann nicht gering gewesen sein! Auch an den schauspielerischen Leistungen gibt es nichts auszusetzen. Anthony Hopkins strahlt schon zu Beginn des Films, als man noch gar nicht weiß, dass er ein Werwolf ist, eine unterschwellige Bedrohlichkeit aus. Hugo Weaving ist charismatisch wie immer und Benicio del Toro nimmt man die gequälte Kreatur jederzeit ab.

Trotzdem hat mich der Film nicht wirklich gefesselt. An der in manchen Kritiken bemängelten flachen Charakterzeichnung kann's eigentlich nicht liegen, denn die ist im ca. 17 Minuten längeren Director's Cut erheblich besser gelungen als in der Kinoversion. Schon die Eröffnungssequenz ist viel länger. In der Kinoversion erhält Lawrence lediglich einen Brief, in dem Gwen um Hilfe bittet. Im Director's Cut sucht sie ihn persönlich in London auf. Lustigerweise erwähnt Gwen ihren Brief später auch im Director's Cut, obwohl sie ihn in dieser Version gar nicht geschrieben hat. Jedenfalls werden Lawrence und Gwen im Director's Cut wesentlich besser eingeführt als in der Kinoversion. Die problematische Vater-Sohn-Beziehung wird ebenfalls deutlicher herausgearbeitet. Wenn man berücksichtigt, dass all diese Elemente in der Kinoversion nicht enthalten sind, dann wird die Kritik verständlich - nur mit diesen Szenen ergibt der Film an vielen Stellen erst richtig Sinn. Leider wird viel Potential verschenkt. Das altbekannte Thema (der Konflikt zwischen dem beherrschten "Ich" mit dem triebhaften Unterbewussten) wird zwar angedeutet, aber nicht weiter vertieft. Auch die Liebesbeziehung zwischen Lawrence und Gwen hat keine Möglichkeit, sich richtig zu entfalten.

Leider haben die Spezialeffekte schwankende Qualität. Solange maskenbildnerische Effekte und andere handwerkliche Tricks eingesetzt werden, ist alles in bester Ordnung. Da bekommt man abgetrennte Gliedmaßen, herausgerissene Eingeweide und eindrucksvoll aggressive Werwolf-Fratzen mit tropfendem Blut/Geifer zu sehen. Die Verwandlungsszenen sind schon weniger gut, da man ihnen die (teilweise) Entstehung im Computer manchmal zu sehr ansieht. Sie können trotzdem noch als akzeptabel bezeichnet werden. Viele komplett computergenerierte Szenen können dagegen nicht wirklich überzeugen.

Ich bin unschlüssig, wie ich den Film bewerten soll. Er hat die nötige Härte, eine gute Atmosphäre und eine beeindruckend opulente Ausstattung. Die Handlung ist aber recht flach und irgendwie ist mir insgesamt doch zu wenig Spannung und Horror vorhanden.

Blu-ray-Features:

Die Blu-ray bietet sowohl die Kinofassung als auch den ca. 17 Minuten längeren Director's Cut zur Auswahl. Letzterer enthält wie oben schon gesagt viele neue Handlungsszenen, aber nicht mehr Gewalt. Wer sich also ein noch größeres Gemetzel erhofft hat, der wird enttäuscht sein. Dem Director's Cut ist aber auf jeden Fall der Vorzug zu geben, weil er den Film erst "rund" macht.

Das Bonusmaterial kann sich sehen lassen. Das geht mit den fünf nicht verwendeten Szenen los. Man erfährt unter anderem, warum Singh treu zu Sir Talbot hält: Dieser hat ihm einst das Leben gerettet. Die erste Verwandlungsszene ist in einer längeren Version zu bestaunen. In weiteren Szenen mischt der Lawrence-Werwolf einen Maskenball auf und erschreckt die Besucher eines Puppentheaters. Außerdem ist der Endkampf der beiden Werwölfe erheblich länger. Hinzu kommen zwei alternative Enden: In einem beißt der Werwolf Gwen, wird dann aber getötet und Gwen überlebt. Somit wären am Ende wieder zwei "Infizierte" übrig: Gwen und Inspektor Aberline. Im zweiten Ende wird Gwen ebenfalls gebissen, stirbt aber wahrscheinlich - stattdessen überlebt der Werwolf.

In vier kurzen Dokumentationen werden einige interessante Informationen über die Entstehung der Spezialeffekte, der Stunts usw. vermittelt, obwohl sie wie die üblichen Werbe-Featurettes gestaltet sind: Interviewfetzen, Filmausschnitte und Hinter-den-Szenen-Material in schneller Schnittfolge. Besonders gut hat mir der Beitrag über Rick Baker gefallen ("Der Schöpfer des Untiers"). Baker hat schon für zahlreiche Filme als Maskenbildner gearbeitet; unvergesslich ist mir seine Arbeit für American Werewolf geblieben. Wie ich oben schon schrieb: Sein Beitrag zu "Wolfman" ist wirklich gut gelungen. Witzig: Benicio del Toro hat sich so sehr in seine Rolle hineingesteigert, dass essbare "menschliche" Körperteile hergestellt werden mussten, damit er so richtig hineinbeißen konnte!

Doch damit nicht genug. Während des gesamten Films kann man über das "U-Control"-Feature zwei Tracks mit unterschiedlichen Zusatzinformationen einblenden. Das sind einerseits Textinfos und Ausschnitte aus dem Original-Film aus 1941, zum anderen Bild-im-Bild-Einblendungen mit zusätzlichem Hinter-den-Szenen-Material. Kommentiert wird letzteres von Rick Baker und anderen Mitgliedern des Produktionsteams.


J. Kreis, 26.10.2011




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