Watchmen


Watchmen: Die Wächter - Special Edition (USA, 2009)
- Watchmen -

BluRay, Paramount
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 162 Minuten

Extras
- "Mechanik: Technologien einer fantastischen Welt" - 16:49 Min.
- "Das Phänomen: Der Comic, der die Comics änderte" - 28:48 Min.
- "Wahre Superhelden, echte Wächter" - 26:19 Min.
- Webisodes
- Virales Video: "NBS Nightly News" - 3:03 Min.
- Musikvideo "Desolation Row" von My Chemical Romance - 3:17 Min.

Regie:
Zack Snyder

Hauptdarsteller:
Jackie Earle Haley (Walter Kovacs - "Rorschach")
Patrick Wilson (Daniel Dreiberg - "Nite Owl II")
Malin Akerman (Laurie Juspeczyk - "Silk Spectre II")
Billy Crudup (Dr. Jon Osterman - "Dr. Manhattan")
Matthew Goode (Adrian Veidt - "Ozymandias")
Jeffrey Dean Morgan (Edward Morgan Blake - "Comedian")




Inhalt:

Immer mehr Kriminelle begehen ihre Verbrechen maskiert, was es der Polizei noch schwerer macht, gegen sie vorzugehen. Deshalb beschließen einige amerikanische Privatleute in den Dreißiger- und Vierzigerjahren, einfach den Spieß umzudrehen. Sie gehen kostümiert, maskiert und unter so klangvollen Namen wie Hooded Justice, Nite Owl, Captain Metropolis, Comedian, Mothman, Dollar Bill, Silk Spectre und Silhouette auf Verbrecherjagd. Man nennt sie die Minutemen. Sie sind zwar sehr erfolgreich, aber nach und nach fallen sie ihrem außergewöhnlichen Lebensstil zum Opfer oder setzen sich zur Ruhe. Viele Jahre später übernimmt eine zweite Gruppe von "Superhelden" - Watchmen genannt - das Szepter. Von den ursprünglichen Minutemen ist nur noch der Comedian aktiv, ein desillusionierter, zynischer und mit rücksichtsloser Brutalität vorgehender Mann, der nebenbei als Attentäter für die Regierung arbeitet. Zu den Watchmen gehören neben dem Comedian: Ein ehemaliger Atomphysiker namens Dr. Manhattan. Die unter demselben Decknamen wie ihre Mutter agierende Tochter Silk Spectres. Ein Nachfolger von Nite Owl. Ozymandias, der intelligenteste Mensch der Welt. Ein geheimnisvoller Mann namens Rorschach, dessen wahre Identität selbst seine Gefährten nicht kennen, da er im Verborgenen lebt und seine Maske (ein Überzug, der ständig changierende Fleckenmuster zeigt) niemals abnimmt.

Keiner der Minutemen und Watchmen hatte je übermenschliche Fähigkeiten - bis auf eine Ausnahme: Dr. Manhattan. Dieses Wesen war einst ein normaler Mensch namens Jon Osterman, ein Physiker, der während eines Experiments mit intrinsischen Feldern in seine Atome aufgelöst worden war. Seinem freigesetzten Bewusstsein war es gelungen, einen neuen Körper zu erschaffen, und seitdem besitzt er unvorstellbare, fast göttliche Kräfte. Er kann Zukunft und Vergangenheit (soweit er selbst betroffen ist) gleichzeitig wahrnehmen, besitzt totale Kontrolle über Materie und Energie, kann sich selbst und jedes beliebige Objekt über gewaltige Entfernungen teleportieren und ist unverwundbar. Er beendet für die USA den Vietnamkrieg und dient in den folgenden Jahrzehnten als ultimatives Mittel der Abschreckung im Kalten Krieg mit der Sowjetunion, wodurch aber das beiderseitige Wettrüsten nicht verhindert wird. In den Achtzigerjahren nehmen die internationalen Spannung immer mehr zu, die Angst vor der globalen nuklearen Vernichtung wächst. Die Watchmen sind nicht bei jedermann beliebt. Die Polizei fordert die Abschaffung der Watchmen und legt die Arbeit nieder. Die Watchmen können die ausbrechenden Unruhen nicht lange in Schach halten. Daraufhin wird die Gruppe vom US-Senat für illegal erklärt. Nite Owl II (Daniel Dreiberg) führt künftig das Leben eines normalen Durchschnittsbürgers, bewahrt aber seine umfangreiche High-Tech-Ausrüstung im Keller seines Hauses auf. Dr. Manhattan und Ozymandias (Adrian Veidt), der ein Firmenimperium aufgebaut hat, arbeiten zusammen an der Entwicklung eines revolutionären Generators, der Dr. Manhattans Energie kopieren und somit die Energieversorgung der Menschheit für alle Zeiten sicherstellen soll. Silk Spectre II (Laurie Juspeczyk) ist die Geliebte Dr. Manhattans, sie lebt mit ihm zusammen in einer Forschungseinrichtung. Der Comedian (Edward Blake) führt weiterhin Geheimaufträge für die USA aus. Nur Rorschach (Walter Kovacs) betätigt sich immer noch als maskierter Wächter.

Am 12. Oktober 1985 wird der inzwischen 67-jährige Comedian von einem Unbekannten ermordet. Rorschach untersucht den Fall und führt Tagebuch über seine Erkenntnisse. Er vermutet, irgendjemand habe es auf die ehemaligen Watchmen abgesehen. Er warnt Dr. Manhattan und Dreiberg, der daraufhin Veidt informiert. Tatsächlich wird später auch ein Mordanschlag auf Veidt verübt, den dieser aber selbst vereiteln kann. Rorschach verfolgt eine Spur, die ihn zu Edgar Jacobi führt, besser bekannt als "Moloch". Dieser Mann ist ein ehemaliger Superschurke und Erzfeind des Comedian. Moloch beteuert seine Unschuld, aber er muss etwas mit der Firma Pyramid International zu tun haben, für die auch Veidts Attentäter gearbeitet hat. Als er Moloch ein zweites Mal aufsucht, tappt Rorschach in eine Falle. Jemand hat Moloch erschossen. Die Polizei hat das Haus bereits umstellt. Rorschach wird festgenommen, demaskiert und in ein Gefängnis gesteckt, in dem zahlreiche Verbrecher einsitzen, die er selbst dorthin gebracht hat. Derweil verlässt Laurie Dr. Manhattan, da dieser allmählich jeden Bezug zur Menschlichkeit und zu ihr verliert. Sie zieht bei Dan Dreiberg ein. Die beiden verlieben sich ineinander. Trotz des Verbots ziehen sie wieder ihre Kostüme an und gehen auf einen nächtlichen Streifzug. Als sie erfahren, dass Rorschach verhaftet wurde, beschließen sie, ihn zu befreien. Da Dr. Manhatten wegen Lauries Weggang keinen Grund mehr hat, auf der Erde zu bleiben, und da man ihn außerdem öffentlich beschuldigt, bei allen Menschen, mit denen er jemals zu tun hatte, Krebs ausgelöst zu haben, teleportiert er sich auf den Mars, wo er die absolute Ruhe genießt und einen gewaltigen Palast aus Glas erschafft. Durch sein Verschwinden eskaliert der Ost-West-Konflikt auf der Erde dramatisch. Präsident Nixon steht kurz davor, einen nuklearen Präventivschlag zu befehlen.

Im Gefängnis bricht eine Revolte aus, als ein Mann stirbt, der Rorschach angegriffen hatte und von diesem schwer verletzt worden ist. Die Häftlinge versuchen Rorschach zu töten, sind ihm aber nicht gewachsen. Als Nite Owl und Silk Spectre eintreffen, hat er sich bereits selbst befreit. Nachdem die drei in Dans Versteck zurückgekehrt sind, taucht dort Dr. Manhattan auf. Er holt Silk Spectre zu sich auf den Mars, um mit ihr über die Frage zu diskutieren, ob er den Atomkrieg verhindern sollte oder nicht. Rorschach und Nite Owl finden in der Zwischenzeit heraus, dass Pyramid International zu Veidts Firmenimperium gehört. Sie reisen zu Veidts Forschungszentrum in der Antarktis, wo der Supergenerator bereits in Betrieb genommen worden ist. Sie konfrontieren ihren ehemaligen Kameraden mit ihren Erkenntnissen und versuchen ihn zu überwältigen, doch er ist ihnen überlegen. Veidt gesteht, dass er hinter allem steckt. Sein Plan besteht darin, mit Hilfe des Supergenerators eine Bedrohung für die Menschheit zu erschaffen, die so groß ist, dass alle Nationen zusammenarbeiten müssen. So will er den Krieg für alle Zeit verhindern. Der Comedian hatte dies durchschaut und musste deshalb sterben. Da ihm klar war, dass die anderen Watchmen der Sache nachgehen würden, hat Veidt versucht, einen nach dem anderen kaltzustellen. Veidt hat Moloch erschossen und dafür gesorgt, dass alle Dr. Manhattan nahestehenden Personen an Krebs erkranken. Den Anschlag auf sich selbst hat Veidt ebenfalls inszeniert, um jeglichen Verdacht von sich abzulenken.

Es dauert eine Weile, bis Dr. Manhattan im Gespräch mit Silk Spectre begreift, dass das Leben an sich ein Wunder ist, das es zu erhalten gilt. Nachdem er Silk Spectre enthüllt hat, dass der Comedian ihr Vater ist, kehrt er mit ihr zur Erde zurück. Doch er kommt zu spät: Mehrere Großstädte, darunter New York, wurden bereits vernichtet. Abermillionen Menschen sind gestorben. Doch nicht feindliche Atomraketen haben dies angerichtet, sondern Dr. Manhattan - jedenfalls soll es so aussehen. Tatsächlich hat Veidt den Supergenerator eingesetzt, um diesen Effekt zu erzielen und gleichzeitig Dr. Manhattans hellseherische Kräfte zu stören. Da alle Explosionen Dr. Manhattans Energiesignatur tragen, tritt der erwünschte Effekt ein. Die Mächtigen der Welt rücken zusammen, der Krieg ist kein Thema mehr. Dr. Manhattan teleportiert sich und Silk Spectre in Veidts Versteck. Veidt setzt ein intrinsisches Feld ein, um Dr. Manhattan zu vernichten, doch dieser ist zu mächtig, als dass ihm noch irgend etwas schaden könnte. Er verzichtet jedoch darauf, Veidt zu bestrafen, denn er sieht ein, dass nur die Angst vor einem gemeinsamen Feind für dauerhaften Frieden auf der Erde sorgen kann. Er beschließt, die Erde endgültig zu verlassen. Zuvor tötet er Rorschach, der im Gegensatz zu den anderen nicht bereit ist, die Wahrheit für sich zu behalten. Dan und Laurie legen ihre Superheldenkostüme ab und leben zusammen. Laurie versöhnt sich außerdem mit ihrer Mutter.

Einige Zeit später suchen die Zeitungen verzweifelt nach neuen Sensationsnachrichten, denn in der Welt herrscht Frieden und es gibt keine Katastrophen, über die man berichten könnte. Da greift ein Redakteur auf den Stapel jener Einsendungen zurück, die offensichtlich von Verrückten stammen und die man bis jetzt ignoriert hat. Darunter ist auch Rorschachs Tagebuch...

Der Film:

Dies ist die Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel von Alan Moore und Dave Gibbons, die schon Mitte der Achtziger erschienen ist. Ich habe die Graphic Novel (bei einem Werk dieser Tiefe und Schlagkraft scheut man sich unwillkürlich, das Wort "Comic" zu verwenden) erst kurz vor dem Start der Verfilmung gelesen, nachdem ich den Trailer gesehen und mich gefragt hatte, was zum Geier es wohl mit diesen seltsamen Gestalten auf sich haben mochte, die da zu sehen waren. Nach der Lektüre war ich begeistert, aber auch skeptisch: Wie sollte man ein so komplexes Werk verfilmen? Die Graphic Novel enthält nicht nur zahlreiche Rückblenden, Passagen aus einem fiktiven, von Hollis Mason (dem ersten Nite Owl) geschriebenen Buch und andere Einschübe, sondern auch noch einen zweiten, scheinbar in keinem Zusammenhang mit der eigentlichen Geschichte stehenden Comic, der die dortigen Geschehnisse jedoch reflektiert: Es ist die Story eines Schiffbrüchigen, der entsetzliche Dinge tun muss, um zu überleben und zu den Seinen zurückzukehren. Der Film "Watchmen" klammert diesen zweiten Comic zwar aus, er wurde aber ebenfalls verfilmt, wenn auch nicht als Realfilm. Die Geschichte heißt "Tales of the Black Freighter" und ist als gesonderte DVD erhältlich. Auch sonst wurde die Graphic Novel nicht vollständig umgesetzt. Viele Handlungselemente (z.B. Hollis Masons Tod) fehlen. Sie sind in einem Director's Cut des Films enthalten, der noch nicht in Deutschland veröffentlicht wurde. Trotz allem würde ich sagen: Die Verfilmung ist durchaus gelungen, und sie ist auch für Leute geeignet, die die Graphic Novel noch nicht kennen. Langwierige Erklärungen sind nicht nötig; man versteht auch so, welchen Hintergrund die Watchmen haben und was aus ihren Vorgängern wurde. Die Zusammenhänge werden durch eine genial gemachte Montage zu Beginn des Films verdeutlicht. Rückblicke während des Films erledigen den Rest.

Die vielleicht größte Abweichung von der Graphic Novel betrifft das Ende. Ich finde: Die im Film gewählte Lösung ist viel naheliegender, einleuchtender und in ihrer Einfachheit dem genialen Geist Veidts angemessener als die etwas arg weit hergeholte Idee, mit der er die Großmächte in der Graphic Novel zusammenschweißen will: Darin teleportiert er ein gigantisches, von ihm selbst erschaffenes Wesen mitten in die Großstadt hinein, das infolge des Transports stirbt und die Hälfte der Bevölkerung durch die dabei freigesetzte mentale Schockwelle tötet. Die USA und die Sowjetunion glauben plangemäß, dass Außerirdische eine Invasion vorbereiten, und schließen sich gegen diesen gemeinsamen Feind zusammen. Warum in die Ferne schweifen, wenn eine viel besser geeignete Bedrohung zum Greifen nahe ist? Dr. Manhattan ist den Menschen wohlbekannt. Jeder kennt seine gottgleichen Kräfte, und jeder weiß, dass er sich geistig so weit von der Menschheit entfernt hat, dass ihm deren Schicksal egal ist. Was liegt also näher, als ihn zum großen Feind aufzubauen? Das ist weit glaubwürdiger als ein aus dem Nichts erschienenes Monster, das die Ereignisse noch nicht einmal überlebt.

Die Frage, ob der Zweck die Mittel heiligt, ist eines der zentralen Themen der Graphic Novel und des Films. Vielleicht wird sie im Film nicht deutlich genug in den Vordergrund gestellt. Eine eindeutige Antwort wird sowieso nicht gegeben. Außerdem geht es um die Fragen, warum jemand maskiert auf Verbrecherjagd gehen sollte, was dieses Leben aus ihm machen würde und welcher Art die Reaktion der Gesellschaft darauf wäre. Die Bandbreite ist groß: Silk Spectre II will es lediglich ihrer Mutter und Vorgängerin Recht machen (bei der Mutter mag Geltungssucht der Grund dafür gewesen sein, sich in ein sexy Kostüm zu zwängen), Rorschach macht es wegen seines bis zur faschistoiden Paranoia übersteigerten Gerechtigkeitssinns, der Comedian möchte offensichtlich seine Gewaltphantasien ausleben und so weiter. Ozymandias treibt die Selbstjustiz der Watchmen auf die kaum noch steigerungsfähige Spitze, indem er Millionen von Menschen "für den guten Zweck" tötet. Natürlich werden all diese mehr oder weniger gestörten Personen nicht automatisch zu besseren Menschen oder Helden, sobald sie sich kostümieren. Man könnte eher sagen: Ihre diversen Probleme werden eher noch gesteigert. Nachdem die Begeisterung der Öffentlichkeit über die schicken Kostüme und die Erfolge der Superhelden abgeklungen ist, macht sich Ernüchterung breit und man würde sie gern wieder loswerden. Also erklärt man sie kurzerhand für illegal. Nur Dr. Manhattan ist zu nützlich, als dass man auf ihn verzichten könnte. Der einzige Superheld mit echten Superkräften wird zum ultimativen Mittel der Abschreckung im Ost-West-Konflikt. Ganz im Gegensatz zu anderen Comichelden (vor allem zum Superman der frühen Jahre) ist Dr. Manhattan aber nicht etwa ein Patriot. Ihm ist die ganze Menschheit einfach schon so gleichgültig geworden, dass er sich an diesem Missbrauch nicht stört, solange man ihn in Ruhe forschen lässt - womit er unwissentlich Veidt in die Hände arbeitet und sich selbst einen Streich spielt. Düsterer, bitterer und genialer kann eine Comic-Story kaum noch sein.

Trotz des fiktiven Szenarios einer alternativen Realität (Nixon ist US-Präsident in dritter Amtszeit, Kennedy wurde vom Comedian erschossen usw.) ist "Watchmen" sehr viel realistischer als alle bisherigen Superheldenfilme. In der Realität würde man "maskierten Rächern" auch nicht unbedingt zujubeln - man würde sie eher wegen Selbstjustiz hinter Schloss und Riegel bringen. Aber nicht nur die Story kann überzeugen, sondern auch der Look des Films. Er hält sich diesbezüglich sehr eng an die Graphic Novel. Kostüme, Kulissen usw. - alles ist genau so, wie Fan es kennt. Das gilt selbst für Details, die dem unkundigen Zuschauer nicht auffallen, den Fan aber erfreuen. Da essen die Leute schonmal im Gunga Diner, ein junger Mann liest ein ganz bestimmtes Comicheft an einem Kiosk, Hollis Masons Buch "Under the Hood" liegt in dessen Wohnung herum... Man muss aber sagen, dass Schlägereien und sonstige Kämpfe vielleicht etwas zu genüsslich zelebriert werden (in Zeitlupe - was immer noch besser ist als Wackelkamera), und dass man im Film mehr als in der Graphic Novel den Eindruck hat, die Watchmen seien doch nicht ganz so "normale" Menschen wie ihre Gegner. Schließlich scheinen sie ihnen himmelweit überlegen zu sein. Die Gewaltdarstellung ist ziemlich heftig, da werden auch schonmal offene Brüche und abgesägte Arme gezeigt. Highlights sind neben Nite Owls Fluggerät natürlich die Szenen auf dem Mars oder die verschiedenen Ausprägungen der Kräfte Dr. Manhattans. Nur der CGI-Manhattan selbst kann nicht immer hundertprozentig überzeugen. Obwohl die Designer sich nicht gescheut haben, ihm ein (natürlich wie der Rest des Körpers blau leuchtendes) Gemächt zu verpassen...

Soll ich noch mit dem Loblied auf die Schauspieler anfangen, allen voran Jackie Earle Haley als Rorschach? Obwohl er die meiste Zeit maskiert ist, entfaltet er durch Stimme und Körpersprache eine Präsenz, die ihresgleichen sucht. Wenn er dann - demaskiert - seinen Mitgefangenen klarmacht, dass er nicht mit ihnen eingesperrt ist, sondern sie mit ihm (ein kleiner, aber entscheidender Unterschied), dann nimmt man diesem kleinen Mann problemlos ab, dass die anderen Knackis ihm tunlichst aus dem Weg gehen sollten! Aber auch die anderen Schauspieler sind perfekte Besetzungen für die jeweiligen Rollen.

Insgesamt könnte man "Watchmen" als ultimativen Superheldenfilm und gleichzeitig als schwärzeste Superhelden-Parodie aller Zeiten bezeichnen. Ob der Film der Graphic Novel wirklich gerecht wird, kann ich nicht beurteilen. Aber selbst wenn der Film nur an der Oberfläche kratzt, so ist er doch immer noch gehaltvoller als die meisten anderen Superheldenverfilmungen.

BluRay-Features:

Das komplette Bonusmaterial befindet sich auf Disc 2. Es ist in drei längere Featurettes und eine Reihe kurzer Clips unterteilt. Die Featurettes haben nur bedingt etwas mit dem Film zu tun, interessanterweise enthalten sie aber einzelne kurze Szenen, die nur im Director's Cut vorkommen.

In "Mechanik: Technologien einer fantastischen Welt" zum Beispiel erklärt der Physiker James Kakalios (Professor an der Universität von Minnesota) auf ebenso versierte wie humorvolle Weise, welche der Superkräfte und Technologien von "Watchmen" mehr oder weniger plausibel sind, und welche als pure Science Fiction bezeichnet werden müssen. So sind praktisch alle Superkräfte Dr. Manhattans mit der Quantentheorie erklärbar, Nite Owls Schiff dagegen müsste schon über eine revolutionäre neue Energiequelle verfügen, um sich überhaupt in die Luft erheben zu können. Kakalios hat zum Thema "Die Physik der Superhelden" übrigens auch ein Buch geschrieben und war wissenschaftlicher Berater bei der Filmproduktion.

Die Featurette "Das Phänomen: Der Comic, der die Comics änderte" beschäftigt sich ganz mit der Graphic Novel. Genauer gesagt: Der Beitrag ist ein einziges großes Loblied. Immerhin erfährt man so einiges über die Entstehungsgeschichte, den Stil, die Aussage und die Wirkung der Graphic Novel. Das Lob ist natürlich gerechtfertigt. Nicht umsonst hat "Watchmen" unter anderem den Hugo-Award gewonnen und wurde vom Time Magazine als einzige Graphic Novel in die Liste der 100 besten Romane seit 1923 aufgenommen.

In Kick-Ass fragen sich ein paar jugendliche Comic-Nerds, warum eigentlich in der realen Welt noch niemand auf die Idee gekommen ist, im Superheldenkostüm auf Verbrecherjagd zu gehen. Die Featurette "Wahre Superhelden, echte Wächter" beantwortet diese Frage auf verblüffende Weise: Es gibt reale Superhelden! Oder jedenfalls Leute, die sich dafür halten. Zwei solche Jungs (einer maskiert, der andere nur kostümiert) kommen in dieser Featurette zu Wort. Wenn man ihnen glauben darf, dann machen sie im Prinzip dasselbe wie Batman: Sie laufen herum und verhindern Verbrechen. Die Existenz der ebenfalls in dieser Featurette vorgestellten "Guardian Angels" war mir dagegen bereits bekannt. Curtis Sliwa, der Gründer dieser Bürgerinitiative, wird interviewt. Schließlich wird noch Bernhard Goetz erwähnt. Ihr erinnert euch vielleicht: Dieser Mann hat im Jahre 1984 vier angebliche U-Bahn-Räuber erschossen. All diese Personen und Organisationen haben eines gemeinsam: Sie nehmen das Recht, oder das, was sie dafür halten, in die eigenen Hände. Einige Juristen nehmen in der Featurette Stellung zu dieser Art der Selbstjustiz. Auch in der Realität kann man sich also fragen: "Who watches the Watchmen?"

Die elf Webisodes (Videoblogs) sind alle zwischen drei und gut vier Minuten lang. Sie bestehen aus Interviews, Hinter-den-Szenen-Material und Filmausschnitten. Im Gegensatz zu den drei längeren Featurettes stehen hier die verschiedenen Aspekte der Filmproduktion im Mittelpunkt. Man erhält Einblick in den gewaltigen Aufwand, der beim Bau der Sets, der Herstellung der Kostüme usw. betrieben wurde. Look und Atmosphäre der Graphic Novel sollten so genau wie möglich umgesetzt werden. Nite Owls Schiff wurde sogar im Originalmaßstab gebaut, es war fünf Tonnen schwer! Dann wieder geht's um Dave Gibbons, den Zeichner der Graphic Novel. Die Entstehung des digitalen Dr. Manhattan wird thematisiert usw. - insgesamt wird erkennbar, mit wieviel Liebe zum Detail bei der Erschaffung dieses Films vorgegangen wurde. Eine "Alles abspielen"-Funktion fehlt leider.

Abgerundet wird das wirklich sehenswerte Bonusmaterial durch eine liebevoll im Stil (und in der Bildqualität) der Sechzigerjahre gestaltete Fake-Nachrichtensendung über Dr. Manhattan sowie ein Musikvideo.


J. Kreis, 11.11.2010


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