Warm Bodies


Warm Bodies (USA, 2013)

Blu-ray, Concorde
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 98 Minuten

Extras:
- Audiokommentar
- Roman und Filmentwicklung (9:25 Min.)
- R & J (15:41 Min.)
- Das Schauspielerensemble (16:00 Min.)
- Zombie-Make-up (9:45 Min.)
- Produktionsdesign & Montreal (14:22 Min.)
- Waffen & Stunts (9:43 Min.)
- Visuelle Effekte (6:46 Min.)
- Hinter den Kulissen mit Teresa Palmer (12:06 Min.)
- "Wie man einen Zombie spielt" mit Robb Corddry (4:31 Min.)
- Entfallene Szenen mit optionalem Audiokommentar (11:01 Min.)
- Outtakes (4:54 Min.)
- Trailer

Regie:
Jonathan Levine

Hauptdarsteller:
Nicholas Hoult (R)
Teresa Palmer (Julie Grigio)
John Malkovich (Colonel Grigio)
Rob Corddry (M)
Analeigh Tipton (Nora)




Story

Die Welt wurde von Zombies überrannt. Aus unbekannten Gründen haben sich die Menschen vor acht Jahren in lebende Tote ohne Verstand und Gefühle verwandelt, die nur von ihrem Hunger nach frischem Fleisch angetrieben werden. Irgendwann tritt jeder Zombie in das nächste "Entwicklungsstadium" ein und wird zum "Boney". Diese an Mumien erinnernden Kreaturen haben keinerlei menschliche Züge mehr und machen Jagd auf jedes Lebewesen mit schlagendem Herzen. R, einst ein gutaussehender junger Mann, ist ein Zombie. Seit seiner Verwandlung kann er sich nicht einmal mehr an seinen Namen erinnern. Er verbringt die Tage damit, zwischen unzähligen anderen Zombies in einem Flughafengebäude umherzuwanken. Nachts sitzt er schlaf- und traumlos in seinem Versteck, einem Passagierflugzeug, das er wohnlich eingerichtet hat. R tötet nicht gern, aber er kommt nicht gegen den Hunger an. Besonders lecker findet er menschliche Gehirne, denn wenn er eines verspeist, kann er die Erinnerungen des vorherigen Besitzers "sehen" und sich somit ein wenig menschlicher fühlen.

Es gibt nur noch wenige lebende Menschen. Colonel Grigio hat es geschafft, zahlreiche Bewohner einer Stadt rechtzeitig zu evakuieren. Der Stadtkern wurde durch eine gewaltige Mauer gesichert. In diesem Gebiet können die Menschen ein einigermaßen normales Leben führen. Seit dem Tod seiner Frau ist Grigio zum gnadenlosen Zombiejäger geworden. Eines Tages gehen seine Tochter Julie und deren Freund Perry mit einer Sammlergruppe auf die Suche nach dringend benötigten Vorräten außerhalb der Mauer. Dort werden sie von einer Zombie-Horde, zu der auch R gehört, angegriffen und dezimiert. Unbemerkt von Julie tötet R Perry, labt sich an dessen Gehirn und sieht Julie in den Erinnerungen des jüngst Verblichenen. Er verliebt sich auf der Stelle in Julie und beschützt sie vor der Herde. Er bringt sie in sein Versteck und gibt sich alle Mühe, die entsetzte junge Frau zu beruhigen. Julie kennt Zombies nur als gnadenlose Tötungsmaschinen und kann es nicht fassen, dass R sie verschont und es sogar schafft, mit ihr zu sprechen. Als Julie einen Fluchtversuch macht, der wegen der überall herumstreunenden Zombies fast zum Desaster wird, kommt dies R sehr gelegen. Er möchte Julie bei sich behalten, rettet sie ein weiteres Mal und kann sie davon überzeugen, dass sie einige Tage im Flugzeug verbringen muss, bis die Zombies ihre Anwesenheit vergessen haben.

Die Nähe zu einem menschlichen Wesen hat verblüffende Auswirkungen auf R; sein körperlicher Zustand bessert sich. Julie erkennt, dass R ihr zugetan ist und fühlt sich bei ihm sicher. Dennoch möchte sie nach Hause zurück. R erfüllt ihr diesen Wunsch, allerdings werden die beiden von Boneys angegriffen. Rs Freund M, der Julie zuvor ebenfalls kennengelernt hat, steht ihnen bei. Während die beiden Richtung Stadtzentrum fahren, bemerkt M, dass auch er sich verändert. Er kann sich sogar wieder an seine Vergangenheit erinnern. Damit ist er nicht allein. Praktisch allen Zombies im Flughafen ergeht es so. Dadurch geraten sie in große Gefahr, denn den Boneys bleibt der Wandel nicht verborgen. Schließlich sind M und die anderen Zombies gezwungen, das Gebäude zu verlassen. Auf dem Weg zur Stadt müssen R und Julie in einem verlassenen Haus übernachten. R gesteht, dass er Perry auf dem Gewissen hat. Am nächsten Morgen ist Julie verschwunden; sie ist allein weitergefahren. Durch das Wechselbad der Gefühle wird R immer menschlicher. Er irrt ziellos umher und stößt auf Ms Gruppe. Ihm wird klar, dass die bloße Anwesenheit eines freundlich gesinnten Menschen ausgereicht hat, um einen Heilungsprozess bei seinesgleichen in Gang zu setzen. M berichtet, dass sich die Boneys auf Rs und Julies Spur gesetzt haben. R eilt zur Stadt, um die Menschen zu warnen und ihnen zu zeigen, dass die Zombies geheilt werden können.

Da R inzwischen nicht mehr ganz so tot aussieht und in Perrys Erinnerungen gesehen hat, dass es einen in die Stadt führenden Geheimgang gibt, kann er ungehindert bis zu Julie vordringen. Die ist sich inzwischen ihrer Liebe zu R bewusst geworden und hat ihre Freundin Nora eingeweiht, die ihr und R nun hilft. Alle drei versuchen dem Colonel klarzumachen, dass es Hoffnung für die Untoten gibt. Julies Vater bleibt unnachgiebig, zumal ihm gemeldet wurde, dass große Schwärme von Zombies und Boneys auf die Stadt zuströmen. Ein aussichtsloser Endkampf scheint unausweichlich zu sein. Grigio will R töten. Nora hält den Colonel mit einer Waffe in Schach, so dass R und Julie fliehen können. M und die anderen Zombies versuchen ihnen Zeit zu verschaffen, doch die Boneys sind jetzt überall. Als die Soldaten angreifen, können sie ihren Augen nicht trauen: Zombies kämpfen gegen Boneys und versuchen den Menschen zu helfen. Bald kämpfen Zombis und Menschen Seite an Seite, so dass es ihnen gelingt, die meisten Boneys zu vernichten. R und Julie werden immer noch von Boneys gejagt. R rettet Julie ein weiteres Mal, indem er aus großer Höhe in einen Pool springt und Julie mit dem eigenen Körper deckt. Seine Rückverwandlung in einen lebenden Menschen ist nun abgeschlossen, was sich deutlich zeigt, als er von Grigio angeschossen wird: Er blutet! Endlich begreift Grigio, dass Julie die Wahrheit gesagt hat. R erholt sich vollständig, er und Julie werden ein Paar. Die ehemaligen Zombies werden in die menschliche Gemeinschaft integriert. M weiß nun wieder, dass sein Name Marcus lautet. Da die übrigen Boneys von selbst eingehen, wird die Mauer gesprengt.


Kringels Meinung

Eine romantische Komödie mit Zombies (RomComZom) - kann das gutgehen? Inzwischen gibt es ziemlich viele Zombie-Komödien, einige habe ich mir schon zu Gemüte geführt. Die meisten fand ich bestenfalls mäßig witzig, größtenteils aber eher grottig - siehe Deadheads, Wasting away, Dead and Breakfast, Boy eats Girl und Küss mich, Zombie. Wirklich gefallen haben mir nur Shaun of the Dead und Zombieland. Keinen der genannten Filme würde ich allerdings als Zombie-Liebesfilm bezeichnen. "Shaun of the Dead" wurde als RomComZom bezeichnet, Romantik und Zombies sind dort jedoch strikt getrennt. Zugegeben: In "Wasting away" kommt ein Zombie-Pärchen vor, in "Boy eats Girl" begeht ein liebeskranker Schüler Selbstmord und wird aufgrund eines nicht vollständig durchgeführten Wiederbelebungsrituals zum Untoten, in "Küss mich Zombie" läuft es quasi umgekehrt. In keinem der genannten Filme steht die Liebesgeschichte wirklich im Mittelpunkt - egal ob zwischen Menschen und Menschen, Zombies und Zombies oder Menschen und Zombies.

Das ist in "Warm Bodies" ganz anders. Man könnte sogar sagen, der Film sei eine eigenwillige Interpretation von William Shakespeares Tragödie "Romeo und Julia" - komplett mit der berühmten Balkonszene! Natürlich sind Zombies, die keineswegs nur hirnlose Fressmaschinen sind, sondern sich sogar verlieben können, ziemlich gewöhnungsbedürftig. In einem (wunderbar lakonischen) Voice-Over-Kommentar schildert R die Ausgangssituation. Hierbei handelt es sich nicht um eine rückblickende Erzählung, sondern quasi um einen Live-Kommentar, der deutlich macht, dass dieser Untote durchaus Gedanken und Gefühle hat. Warum sonst sollte er sein Versteck mit Gegenständen vollräumen, die er unterwegs findet und die ihn an seine verlorene Menschlichkeit erinnern sollen? Er hört gern Musik und seine Feinmotorik reicht zur Bedienung eines Plattenspielers aus. Rs bester Freund ist der Zombie M. Die beiden treffen sich regelmäßig an der Flughafenbar. Manchmal bringen die Untoten bei ihren aus Gestöhn, Gebrumm und Gegrunze bestehenden Unterhaltungen sogar einzelne annähernd verständliche Worte zustande. Das alles steht in krassem Widerspruch zu den Regeln des Zombiefilm-Genres. Zombies denken und fühlen nicht, sie können keine Werkzeuge benutzen und sprechen können sie schon gar nicht. Somit wird mancher Fan des Genres womöglich mit Ablehnung reagieren - erst recht, wenn R und seine Freunde sozusagen von Julies Lebendigkeit angesteckt werden und sich in ganz normale Menschen zurückverwandeln.

Wer bereit ist, diese Hürde zu nehmen, wird feststellen, dass die Liebesgeschichte wirklich funktioniert. Zunächst einmal ist die Darstellung der Welt acht Jahre nach der Zombie-Apokalypse hervorragend gelungen. Hier muss sich der Film vor Hollywood-Großproduktionen nicht verstecken! Design, maskenbildnerische und computergenerierte Effekte, Kulissen - alles bestens. Nur die CGI-Boneys wirken nicht immer hundertprozentig überzeugend. Dass das Szenario nicht aus dem Blickwinkel der Überlebenden vorgestellt wird, sondern aus Sicht eines Zombies, ist ebenso ungewöhnlich wie amüsant. Denn im Grunde tun die Zombies nichts anderes als wir Menschen. Sie schleppen sich demotiviert durch den Tag, wiederholen stumpfsinnig immer dieselben Tätigkeiten und wissen mit ihrer Freizeit nichts anzufangen. Rs Interesse für Julie entsteht durch die fremden Erinnerungen, die er sich angeeignet hat, dann wirkt sich ihre Anwesenheit heilsam aus und endlich beginnt sogar sein Herz wieder zu schlagen - wenn auch nur einmal pro Tag. Vielleicht lautet die Botschaft des Films somit: Wir sind alle Zombies und werden erst durch die Liebe zu Menschen... Leider verläuft die Heilung der anderen Untoten zu schnell. Anders als Nicholas Hoult bringt Rob Corddry (M) das Kunststück, einen Untoten glaubhaft zu verkörpern, schon nicht so gut fertig und seine Rückverwandlung zum Menschen verläuft zu abrupt.

Wie dem auch sei: Ich kann die eingangs gestellte Frage mit einem lauten JA beantworten. In "Warm Bodies" verschmelzen Romantik, ironischer Humor und Zombie-Action zu einem ebenso spannenden wie warmherzigen Film!


Blu-ray-Features

Zusammengenommen ergeben die zahlreichen maximal viertelstündigen Featurettes eine umfassende Filmdokumentation. Es würde zu weit führen, wollte ich auf jede einzeln eingehen - alle enthalten Interviews mit Cast & Crew, Filmausschnitte sowie viel Hinter-den-Szenen-Material und sind durchaus interessant. So wusste ich nicht, dass der Film auf einem Roman des jungen Schriftstellers Isaac Marion basiert (hierzulande als Roman zum Film mit demselben Titel sowie als "Mein fahler Freund" erschienen), der noch gar nicht veröffentlicht war, als die Filmrechte gekauft wurden. Rob Corddry hat recht viele Faxen bei den Dreharbeiten gemacht, was man nicht nur bei den Outtakes gut sehen kann. Er hatte auch einen Auftritt bei "Screen Junkies", einem Online-Filmmagazin, das man auf Youtube anschauen kann. Dort ist er als Zombie maskiert aufgetreten und hat so getan, als sei er völlig in seiner Rolle aufgegangen und hätte sich auch außerhalb der Dreharbeiten wie ein Zombie benommen. Die anderen Schauspieler haben dabei todernst mitgemacht. Teresa Palmer ist mit einer kleinen Digitalkamera (und Schoßhund unter dem Arm) durch die Kulissen gelaufen, hat alles und jeden gefilmt und kommentiert. Offensichtlich war davon nicht jeder restlos begeistert...

Die nicht verwendeten Szenen lassen erkennen, dass vor allem die Endphase des Films ursprünglich etwas anders geplant war. Unter anderem wäre es den Boneys gelungen, in die Stadt einzudringen, und am Ende hätte Colonel Grigio persönlich für die Zusammenführung von Menschen und nicht mehr ganz so toten Untoten gesorgt.


J. Kreis, 21.01.2015




Gastkommentare


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Jörg Scheffler (22.01.2015):

Undead or Alive - Ist ebenfalls eine nette (Western-)Zombie-Komödie mit einem aus meiner Sicht überraschenden Happy End ; )



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