Walhalla Rising


Walhalla Rising (Dänemark / GB, 2009)
- Valhalla Rising -

Blu-ray, Sunfilm Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 92 Minuten

Extras
- Audiokommentar des Regisseurs
- Interview (18:15 Min.)
- Trailer

Regie:
Nicolas Winding Refn

Hauptdarsteller:
Mads Mikkelsen (Einauge)
Maarten Stevenson (Are)
Ewan Stewart (Eirik)
Gary Lewis (Kare)




Inhalt:

Im 11. Jahrhundert ist die Christianisierung Europas weit fortgeschritten, aber noch nicht abgeschlossen. Weit im Norden leben noch heidnische Stämme. Sie sehen sich der Verfolgung durch die Christen ausgesetzt, die gerade den ersten Kreuzzug zur Befreiung des Heiligen Landes vorbereiten. Einer der heidnischen Häuptlinge besitzt einen Sklaven, mit dem er gutes Geld verdienen kann: Einen einäugigen, stummen Krieger, der zur Teilnahme an mörderischen Zweikämpfen gezwungen wird. Einauge wird mit extremer Vorsicht behandelt, denn er ist praktisch unbesiegbar. Nur Are, ein Junge, den Einauge aus unbekannten Gründen nicht anrührt, wagt sich in seine Nähe. Keiner weiß, woher der Fremde kommt und niemand ahnt, dass Einauge immer wieder Visionen hat, in denen er zukünftige Ereignisse vorhersehen kann. Auf diese Weise kann er sich eines Tages befreien. Er tötet den Häuptling und den gesamten Clan. Dann verlässt er die Gegend. Er duldet, dass Are ihn begleitet. Die beiden begegnen christlichen Kriegern, die am Kreuzzug teilnehmen wollen. Eirik, ihr Anführer, möchte Einauge in die Gruppe aufnehmen. Den meisten Kreuzfahrern geht es nur darum, Ruhm und Reichtum zu erwerben. Vom besonders gläubigen Kare erfährt Einauge jedoch, dass in Jerusalem alle Sünden vergeben werden. Daraufhin schließen sich Einauge und Are den Kreuzfahrern an.

Die Schiffsreise droht zum Debakel zu werden. Nach langer Flaute in dichtem Nebel haben die Kreuzfahrer jegliche Orientierung verloren. Einige beginnen an einen Fluch zu glauben, für den Are verantwortlich sein soll. Da erkennt Einauge, dass das Wasser, in dem das Schiff treibt, trinkbar ist. Als sich der Nebel hebt, wird klar, dass das Schiff unbemerkt einen Fluss hinaufgefahren ist. Allerdings ähnelt die unbekannte Küste keiner Beschreibung des Heiligen Landes. Die Gegend ist bewohnt, aber die Eingeborenen zeigen sich nie. Sie schlagen aus dem Hinterhalt zu und töten einige Männer. Erneut wenden sich die Kreuzfahrer gegen Einauge. Sie glauben, er stamme aus der Hölle und habe sie genau dorthin geführt. Als einige Männer Einauge angreifen, tötet er sie und verschwindet mit Are in der Wildnis. Kare will Einauge folgen und wird von Eirik für diesen Verrat so schwer verwundet, dass er später stirbt. Eirik verfällt dem Wahn, ganz allein ein neues Jerusalem aufbauen zu können. Er stirbt, durchbohrt von den Pfeilen der Eingeborenen. Einauge und Are erreichen die Küste. Dort endlich zeigen sich die Eingeborenen. Einauge tritt ihnen unbewaffnet entgegen und wird erschlagen. Are wird aufgrund seines Opfers verschont.

Der Film:

Ebenso gut hätten die Indianer - denn um die Ureinwohner Nordamerikas handelt es sich bei den geheimnisvollen Eingeborenen - Are auch töten können, denn welche Überlebenschancen sollte der kleine Junge allein in der Wildnis wohl haben? Egal: Man darf die Handlung dieses merkwürdigen Films wahrscheinlich nicht "wörtlich" nehmen, und tatsächlich ist so manches in obiger Zusammenfassung meine Interpretation der Geschehnisse, die so stimmen kann - oder auch nicht. Zum Beispiel werden Einauges Motive und Ziele (falls er überhaupt welche hat) nie erklärt. Man erfährt nicht, wer er ist, woher er kommt und wohin er will. Er ist keine Heldenfigur, mit der sich der Zuschauer identifizieren könnte. Einauge selbst spricht kein einziges Wort, und auch sonst ist der Film ausgesprochen dialogarm. Es bleibt also dem Zuschauer überlassen, sich einen Reim auf das Gezeigte zu machen. Und das ist gar nicht so einfach.

Zuallererst muss man aber wissen, dass man es hier nicht mit einem Historienfilm nach dem Vorbild von Königreich der Himmel, King Arthur oder gar Centurion zu tun hat. Eher wären Vergleiche mit Aguirre, der Zorn Gottes angebracht, während die Bildersprache deutlich an Stalker erinnert. Der Regisseur macht von Beginn an eine seltsame Gratwanderung zwischen Action und Arthouse. Da wird gezeigt, wie Einauge seine Gegner in den Zweikämpfen blutig tötet, gleichzeitig gibt es lange Einstellungen mit Landschaftsaufnahmen, in denen gar nichts geschieht. Schön choreografierte Kampfszenen werden hier nicht geboten. Stattdessen ringen die Kämpfer im Dreck miteinander, bis einer liegenbleibt. Natürlich macht das diese Szenen nur noch eindrucksvoller. Übrigens muss ich mich angesichts gebrochener Genicke, offener Schädel-Hirn-Traumata und herausgerissener Eingeweide wieder einmal über die FSK-16-Freigabe wundern! Ich kenne Filme, die wegen harmloserer Gewaltdarstellungen indiziert worden sind.

Auch bei der Schiffsreise und nach der Ankunft an der nordamerikanischen Küste: Viele ruhige Szenen, fast kein Dialog. Die Kreuzfahrer irren umher, sind verloren in der gewaltigen, möglicherweise gefährlichen Wildnis und haben keine Ahnung, was sie jetzt tun sollen. Dann wird ihnen ein Trank verabreicht, der Visionen und bizarre Reaktionen verursacht - rätselhafte Szenen, in denen praktisch jeder (sogar Einauge) mehr oder weniger durchdreht. Der Titel hilft (mir zumindest) bei der Entschlüsselung des vermutlich sehr symolträchtigen Films auch nicht. Walhalla ist in der nordischen Mythologie ein Ort, zu dem nur die tapfersten Krieger gelangen. Dort residiert Odin, der einäugige Gott. Einauge = Odin, der seine Begleiter nach Walhalla führt? Die dort natürlich nicht überleben können, weil sie Christen sind? Hm. Faszinierend ist der Film aber auf jeden Fall. Eindringliche Bilder, ein trotz seiner Schweigsamkeit und praktisch nicht vorhandener Mimik äußerst präsenter Hauptdarsteller, fesselnde Atmosphäre, immer wieder Ausbrüche brutalster Gewalt und dazu ein Soundtrack mit harten Gitarrenriffs - ich konnte mich dem Reiz des Ganzen nicht entziehen, auch wenn ich nicht behaupten kann, verstanden zu haben, was mir der Regisseur damit sagen will...

Blu-ray-Features:

...und deshalb werde ich mir sicher irgendwann mal den Audiokommentar reinziehen. Das Interview mit dem Regisseur und Mads Mikkelsen ist nämlich auch nicht besonders aufschlussreich. Man erfährt ein wenig über die Dreharbeiten und über die Zusammenarbeit des Schauspielers mit dem Regisseur, zur Bedeutung des Films wird aber recht wenig gesagt. Dem Regisseur zufolge ist Einauge übrigens nicht Odin.

Die Bildqualität der Blu-ray lässt leider in den vielen nebligen und dunklen Szenen arg zu wünschen übrig. Da sieht man viel zu deutliche Übergänge zwischen den Grautönen - das stört den ansonsten guten Eindruck nicht unerheblich.


J. Kreis, 05.10.2011




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