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Visitor Q Visitor Q (Japan, 2001)
DVD - Regionalcode 0, Tartan Video
FSK: Ungeprüft
Laufzeit: ca. 86 Minuten

Extras
Trailer zu "Visitor Q" und anderen Filmen

Regie:
Takashi Miike

Hauptdarsteller:
Kenichi Endo (Kiyoshi Yamazaki)
Shungiku Uchida (Keiko Yamazaki)
Kazushi Watanabe (Visitor Q)
Jun Muto (Takuya Yamazaki)
Fujiko (Miki Yamazaki)
Shoko Nakahara (Asako Murata)




Inhalt

Der nicht sonderlich erfolgreiche Fernsehreporter Kiyoshi Yamazaki dreht mit seiner Handkamera einen Film über Jugend und Sittenverfall in Japan. Als er einige junge Leute auf der Straße interviewen will, wird er mißhandelt und erniedrigt - unter anderem wird ihm das Mikrofon rektal eingeführt. Danach kommt Yamazaki auf die Idee, nur noch Mitglieder seiner eigenen Familie zu filmen. Als erstes sucht er seine Tochter Miki auf, die von zu Hause ausgerissen und Prostituierte geworden ist. Sie ist bereit, vor der Kamera mit ihm zu schlafen. Auf dem Rückweg wird Yamazaki zweimal von einem Unbekannten mit einem Stein niedergeschlagen. Er nimmt den Namenlosen mit nach Hause, wo sein Sohn, der von Mitschülern tagein tagaus drangsaliert und gedemütigt wird, gerade die unterwürfige Mutter durch die Wohnung prügelt. Für dieses tägliche Ritual, mit dem er seine Aggressionen auslebt, hat der Junge eine Auswahl an Teppichklopfern und anderen Schlagwerkzeugen ordentlich im Schrank aufgehängt. Keiko, die Mutter, spritzt sich Heroin, um ihr Martyrium zu ertragen. Um Geld für die Drogen zu verdienen, betätigt sie sich ebenfalls als Prostituierte - Männer, die Gefallen an ihrem narbenbedeckten Körper finden, gibt es genug.

Während Yamazaki seinen Sohn Takuya filmt, der wieder einmal von anderen Jungen drangsaliert wird, entdeckt Keiko unter dem Einfluß des namenlosen Besuchers, der das völlig zerrüttete Familienleben kommentarlos betrachtet, daß sie - ohne schwanger zu sein - zur Laktation fähig ist. Dies bereitet ihr einen enormen Lustgewinn, und so überflutet sie die Küche mit Milch und anderen Körperflüssigkeiten. Derweil stößt Yamazaki mit seinen Reportage-Ideen auf wenig Gegenliebe bei seiner Programmchefin Asako Murata. Voller Zorn erwürgt er sie und schleppt die Leiche nach Hause, um sie in einem Gartenhäuschen zu zersägen. Allerdings weckt die Tote Gefühle in ihm, die er zum Beispiel bei seiner Tochter nicht hatte. Vergnügt schändet er die Tote, bis deren Schließmuskel erschlafft. Da er sich nicht selbst aus der erstarrenden Leiche befreien kann, muß Keiko einschreiten: Sie badet ihren Mann in Essig und spritzt ihm zur Entspannung etwas Heroin. Da wird Takuya von seinen Mitschülern in den heimischen Garten getrieben. Vater und Mutter greifen zu diversen Haushaltswerkzeugen und metzeln die lästigen Jugendlichen nieder. Die Leichen werden in einem Müllcontainer entsorgt.

Als Takuya gelobt, fortan wolle er ordentlich lernen, ist bei Familie Yamazaki fast alles wieder im Lot. Fehlt nur noch Tochter Miki. "Visitor Q" stattet auch ihr einen Besuch ab und schlägt sie mit seinem Stein nieder. Daraufhin kehrt Miki geläutert ins elterliche Heim und im wahrsten Sinne des Wortes an die Mutterbrust zurück, an der ihr Vater bereits saugt.

Der Film:

Von Takashi Miike bin ich ja einiges gewöhnt (siehe zum Beispiel Audition), aber "Visitor Q" setzt seinem Werk dann doch die Krone auf - wenn man das so formulieren kann angesichts eines Films, der zu einem großen Teil unter die Gürtellinie zielt. Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt etwas zu diesem Film schreiben sollte, denn ich muß gestehen, daß ich ihn nicht verstanden habe. Wahrscheinlich ist mein Kunstverständnis nicht ausgeprägt genug oder ich weiß einfach zu wenig über die japanische Kultur, um den Film richtig würdigen zu können. Meine Meinung wird man wohl der obigen Zusammenfassung ansatzweise entnehmen können, die übrigens noch nicht einmal die Hälfte der bizarren (wie ich es mal diplomatisch bezeichnen möchte) Szenen enthält, mit denen der Zuschauer in "Visitor Q" konfrontiert wird. Natürlich sind mir die diversen Symbole nicht entgangen, aber wenn der Film gesellschaftskritisch oder satirisch sein soll, dann ist mir das nur zum Teil klar geworden.

Was sich da in der Familie Yamazaki so alles abspielt, ist extrem starker Tobak, zumal man in Anbetracht der (ausbleibenden) Reaktionen zum Beispiel des Familienvaters auf die Mißhandlung seiner Frau durch den eigenen Sohn den Eindruck erhält, als sei das alles völlig normal. Auch die Bordellszene zwischen Vater und Tochter fällt in diese Kategorie: Für die Tochter ist das Ganze offenbar nichts Besonderes - genau genommen ist sie es, die ihren Vater erst zum Beischlaf animiert. Schließlich kann sie das Geld gut gebrauchen.

Für die Dreharbeiten wurden Handkameras und digitales Videomaterial verwendet. Der Film erhält dadurch den Look eines Amateur-Heimvideos und wirkt so nur noch realistischer. Die Szenen werden allerdings ab der Hälfte des Films immer absurder und irrealer - das macht die expliziten Darstellungen in gewisser Weise erträglich.

Ich weiß nicht, ob es an diesen Darstellungen liegt oder was sonst der Grund dafür ist, daß ich keinen Zugang zu diesem Film gefunden habe - ich weiß bis heute nicht, was der Regisseur mir mit seinem Werk eigentlich sagen wollte. Oder wollte er einfach nur diverse Tabus brechen? Das ist ihm auf jeden Fall gelungen. Ich schenke mir daher jegliches Werturteil - vielleicht kennt ihr den Film ja und könnt mich aufklären.

Die DVD:

Die DVD stammt aus Großbritannien und hat lediglich die japanische Original-Tonspur. Es sind nur englische Untertitel vorhanden. Da der Film kaum Dialog enthält, ist das aber kein Problem. Extras sucht man - bis auf Trailer zu diversen japanischen und koreanischen Filmen - leider vergeblich. Da muß man schon das (englische) Booklet bemühen, wenn man ein paar Erklärungen zum Film haben will.

Lustiges Detail am Rande: Sobald die privatesten Körperteile (aber nur die allerprivatesten) im Bild zu sehen sein müßten, sind die entsprechenden Stellen digital verfremdet: Außer einem grauschwarzen Schatten sieht man da nichts...

J. Kreis, 28.02.2006
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