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Vidocq Vidocq (Frankreich, 2001)

DVD - Regionalcode 2, Sunfilm Entertainment
FSK: 16
Laufzeit: ca. 94 Minuten

Extras
Musikvideo von Apokalyptica, Trailer

Regie:
Pitof

Hauptdarsteller:
Gerard Depardieu (Vidocq)
Guillaume Canet (Etienne Boisset)
Inés Sastre (Préah)
André Dussollier (Lautrennes)
Moussa Maaskri (Nimier)




Inhalt:

Paris im Jahre 1830. Chaos herrscht in der Stadt, ein Aufstand liegt in der Luft. Der Privatdetektiv Vidocq verfolgt eine Kreatur, die eine spiegelnde Maske trägt, bis in eine unterirdische Glasbläserei. Es kommt zum Kampf, Vidocq unterliegt und droht in einen von Flammen erfüllten Schacht zu stürzen. Er bittet seinen Gegner darum, vor seinem Tod wenigstens dessen Gesicht sehen zu dürfen, und dieser Wunsch wird ihm erfüllt. Dann stürzt Vidocq ab. Der von der Presse reißerisch verkündete Tod Vidocqs heizt die Stimmung noch mehr an. Der junge Journalist Etienne Boisset sucht Vidocqs Partner Nimier auf. Er will eine Biografie des berühmten Detektivs schreiben und den Mörder entlarven, um Vidocqs Tod zu rächen. Nachdem er von Nimier erste Informationen über Vidocqs letzten Fall erhalten hat, beginnt Boisset selbst zu ermitteln und begegnet dabei auch der Tänzerin Préah, die nicht ganz unbeteiligt an den Geschehnissen war.

Rückblende: Als Belmont und Veraldi, zwei Waffenproduzenten, auf bizarre Weise ermordet werden, glaubt Polizeipräfekt Lautrennes an ein politisches Komplott. Er beauftragt Vidocq mit der Klärung des Falles. Die Ermittlungen führen aber schnell in eine andere Richtung, denn alle Spuren weisen auf den "Alchimisten" hin, eine mysteriöse Figur, die der Legende nach im Quartier du Temple ihr Unwesen treibt. Die Menschen erzählen von einem gesichtslosen Mörder, der die Seelen seiner Opfer raubt. Dann ereignet sich ein dritter Mord. Vidocq findet heraus, dass alle drei Ermordeten eine Gemeinsamkeit hatten: Sie waren in sich selbst verliebt und wollten ihre Jugend zurückgewinnen. Zu diesem Zweck sind sie einen Pakt mit dem Alchimisten eingegangen. Sie haben ihm jungfräuliche Mädchen zugeführt, im Gegenzug sollte er das Elixier der Jugend für sie herstellen. Doch sie wurden betrogen: Der Alchimist braucht die Jungfrauen nur, um aus ihrem Blut das Material für seine Masken herzustellen und sich von ihren Seelen zu nähren. Seiner Mitwisser entledigt er sich durch Mord. Vidocq stellt das Ungeheuer - und wird scheinbar im Zweikampf von ihm getötet.

Wenn ihr euch den Spaß nicht verderben wollt, dann lest ihr jetzt nicht weiter.

Spoilerwarnung!

Boisset folgt Vidocqs Spuren und nimmt dessen Ermittlungen ein zweites Mal vor. Er sucht alle Zeugen auf, um mehr über die Geschichte zu erfahren. All diese Menschen werden wenig später ermordet. Den letzten Zeugen sucht Boisset zusammen mit Nimier und Préah in der Glasbläserei auf. Auch Lautrennes kommt hinzu. Der alte Glasbläser hat den Zweikampf Vidocqs und des Alchimisten beobachtet und berichtet, was er gesehen hat - das Gesicht des Alchimisten ist ihm verborgen geblieben. Und genau das ist es, was Boisset wissen wollte, denn er selbst ist der Alchimist und hat Vidocqs Spuren nur verfolgt, um alle Zeugen zu beseitigen.

Doch er hat nicht mit Vidocq gerechnet. Der ist keineswegs tot! Bei seinem vermeintlichen Absturz hat er sich in einen Seitenschacht gerettet, den er in der Spiegelmaske des Alchimisten gesehen hat. Jetzt hat er den Mörder in der Falle. Der Alchimist gibt aber nicht so leicht auf, es kommt zum Kampf. Dabei wird Nimier getötet. In einem Raum voller Spiegel erfüllt sich das Schicksal des Alchimisten. Geblendet von den Reflektionen seiner eigenen Maske ist er hilflos und unterliegt dem wütenden Vidocq. Von einem Glassplitter durchbohrt stürzt er in die Tiefe. Allerdings wird seine Leiche nie gefunden - und vielleicht ist er wirklich unsterblich...

Der Film:

Dies ist einer jener Filme, die man im Laden immer an der gleichen Stelle findet, nämlich in der Ramsch-Ecke. Schade, kann ich da nur sagen, denn dieses Schicksal hat er nicht verdient. Die Geschichte mag zwar nicht besonders originell oder logisch sein, aber der Film ist ein visueller Genuß. Zunächst einmal ist er unglaublich üppig und detailreich ausgestattet. Es handelt sich aber nicht um einen Historienfilm jener Art, in denen es nur gepflegte, glückliche Leute zu sehen gibt. Im Gegenteil. Armut und Elend der damaligen Zeit werden deutlich gezeigt. Man glaubt fast, den Dreck in den Gassen des Paris von 1830 zu riechen oder die Hitze in der Glasbläserei zu spüren. Die Kenntnis der politischen Wirren, die seinerzeit geherrscht haben, wird offenbar vorausgesetzt. Diese Geschehnisse spielen sich allerdings nur am Rande ab und sind für die eigentliche Story nicht von Bedeutung.

Kulissen, Kostüme und Requisiten sind also schon einmal sehr beeindruckend. Darüber hinaus wurde aber praktisch jede Szene digital bearbeitet und aus ungewöhnlichen Kameraperspektiven gedreht. Extreme Nahaufnahmen (vor allem von Gesichtern) sind ein häufig verwendetes Stilmittel, manche besonders stilisierte oder farbenprächtige Szene wirkt fast wie ein surrealistisches, zum Leben erwecktes Gemälde. Außerdem ist der Film unheimlich rasant. Keine Spur von der Behäbigkeit, die Kostümfilme üblicherweise auszeichnet. Da rasen Pferdegespanne durch die Nacht, Kontrahenten bekämpfen sich, dass die schweren weiten Mäntel nur so fliegen. Besonders die unnatürlich wirkenden Bewegungen des Alchimisten sind gut gelungen. Überraschenderweise macht auch Gerard Depardieu trotz (oder gerade wegen) einer gewissen wuchtigen Schwerfälligkeit in seinen Kampfszenen eine sehr gute Figur! Insgesamt entsteht trotz der Fantasy-lastigkeit der Geschichte ein überzeugendes Bild der damaligen Zeit. Inwieweit dieses Bild historisch genau ist, kann ich nicht sagen.

Jedenfalls ist Vidocq eine in Frankreich sehr bekannte historische Figur. Er hat von 1775 bis 1857 in Frankreich gelebt, war zunächst ein Krimineller, dann ein Kriminaler. Er gilt als Begründer der modernen Kriminalistik und war erster Direktor der Sûreté. Er hat tatsächlich eine Zeit lang eine Art Detektivbüro geführt und war ein Meister der Verkleidung. Diese Informationen machen das Verständnis vieler Szenen leichter. Immer wieder findet man im Film kleine Anspielungen auf den echten Vidocq. Zum Beispiel ist er im Film als Frau verkleidet, als er von Lautrennes den Auftrag erhält, die beiden Morde aufzuklären. Der echte Vidocq soll angeblich einmal in einer solchen Verkleidung sogar den König genarrt haben.

"Vidocq" ist ein ungewöhnlicher, hoch interessanter Film mit tollen Schauspielern und einer beeindruckenden düsteren Atmosphäre. Und noch dazu wie gesagt billig zu haben. Da kann ich nur sagen: Zugreifen!

Die DVD:

Es gibt meines Wissens drei verschiedene DVD-Versionen des Films, die sich aber nur im Umfang des Bonusmaterials unterscheiden. Ich besitze nur die einfachste Version, und die enthält neben dem Trailer lediglich ein Musikvideo der Gruppe "Apokalyptica". Das sind die Jungs, die mit dem Gehabe einer Heavy Metal - Band auf Cellos oder ähnliche Instrumente einwämsen, als koste es ihr Leben. Der Musiktitel stammt natürlich aus dem Film und ist durchaus eingängig.

J. Kreis, 20.08.2006
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