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videodrome Videodrome (Kanada, 1982)
DVD - Regionalcode 2, Universal
FSK: 18
Laufzeit: ca. 84 Minuten

Extras
Original-Trailer

Regie:
David Cronenberg

Hauptdarsteller:
James Woods (Max Renn)
Deborah Harry (Nicki Brand)
Sonja Smits (Bianca O'Blivion)





Inhalt:

Max Renn betreibt in Toronto einen kleinen Kabel-TV-Sender, dessen Programm praktisch nur aus Sex und Gewalt besteht. Harlan, ein Techniker des Senders, schneidet zufällig (wie er behauptet) eine Piratensendung aus unbekannter Quelle mit, die den Titel Videodrome trägt. Es werden ausschließlich brutale Folterszenen ohne jeglichen Handlungsrahmen vorgeführt, die überraschend realistisch wirken. Harlan zeigt Max das Band, und dieser ist völlig fasziniert. Er wittert eine einmalige Gelegenheit, denn in der hart umkämpften, von Einschaltquoten regierten TV-Branche muß man seiner Meinung nach auffallen um jeden Preis. Und die ultrabrutalen Videodrome - "Filme" sind wirklich etwas noch nie da gewesenes. Harlan soll versuchen, den Standort des Piratensenders zu lokalisieren, Max möchte mit den Verantwortlichen ins Geschäft kommen. Ungefähr zur gleichen Zeit lernt Max die Radiomoderatorin Nicki Brand kennen und geht eine bizarre sadomasochistische "Liebes"-Beziehung mit ihr ein. Als Nicki bei Max ein Videoband mit Videodrome-Szenen entdeckt, ist sie ebenfalls fasziniert und möchte gern bei Videodrome "mitspielen".

Von einer Kollegin Masha erfährt Max, daß Videodrome keine Spielszenen enthält, sondern daß es sich um Snuff-Videos handelt, in denen reale Folterungen und sogar Morde gezeigt werden. Auf der Suche nach den Hintermännern stößt Max auf den geheimnisvollen Brian O'Blivion, der nie persönlich in Erscheinung tritt. Er ist immer nur in TV-Übertragungen zu sehen. Auch bei O'Blivions Tochter Bianca kommt Max nicht wirklich weiter. Max gerät mit der Zeit immer tiefer in den Bann der Videodrome-Sendungen. Er hat Halluzinationen von pulsierenden Videocassetten und lebendig gewordenen Fernsehern... Von Bianca O'Blivion erfährt er schließlich, daß ihr Vater schon seit geraumer Zeit tot ist. Angeblich ist er an einem Gehirntumor gestorben, der von den Videodrome-Signalen verursacht worden ist. Auch Max ist schon von den schädlichen Signalen betroffen: Seine Halluzinationen werden ebenfalls von einem Hirntumor ausgelöst. Dann meldet sich ein gewisser Barry Convex bei Max und bietet ihm an, mit einem speziellen Gerät eine Aufzeichnung von seinen Halluzinationen anzufertigen, um diese auszuwerten. Als Max aus dieser Halluzination erwacht, findet er sich im Bett wieder - und neben ihm liegt die tote Masha! Als Max allerdings Harlan herbeiruft, ist die Leiche verschwunden. Noch eine Hallzuination?

Allmählich kommt Max dahinter, daß Videodrome Bestandteil einer Verschwörung ist. Jemand versucht, mit den geheimen Signalen, die in jeder Sendung enthalten sind, die totale Kontrolle über die Fernsehzuschauer auszuüben. Scheinbar will man Max und seinen Sender mit in die Verschwörung hineinziehen. Auch Harlan ist in die Angelegenheit verwickelt, er hat Max mit Videoaufzeichnungen geködert - in Wirklichkeit ist Videodrome noch gar nicht ausgestrahlt worden, zu diesem Zweck wird die Firma benötigt, von der Max ein Teilhaber ist. Allmählich verwischen sich die Grenzen zwischen Realität und Halluzination für Max völlig. Sein Körper scheint zu mutieren oder sich sonst irgendwie zu verändern - Convex schiebt eine Videocassette in Max' Bauch... Unter dem hypnotischen Einfluß der Verschwörer tötet er die Teilhaber seiner Firma und soll auch Bianca O'Blivion ermorden. Sie kann die Hypnose jedoch wieder aufheben, daraufhin bringt Max Convex und Harlan um. Danach versteckt Max sich in einem abgewrackten Schiff. Dort steht eines jener "lebendigen" Fernsehgeräte, auf dem Bildschirm ist Nicki zu sehen, die Max überreden will, sich mit der Pistole, die inzwischen mit seiner Hand verwachsen ist, zu erschießen. Das Fernsehgerät zeigt sogar schon, wie er es tut. Mit den Worten "Es lebe das neue Fleisch" führt Max die Pistole an den Kopf...

Der Film:

Videodrome ist einer jener Filme, bei denen ich mich nicht scheue zuzugeben, daß ich nicht alles verstanden habe. Vordergründig scheint es vor allem um Medienkritik zu gehen: Realitätsverlust durch exzessiven TV-Konsum, Manipulation des Zuschauers durch gefälschte Informationen und so weiter. Wie Brian O'Blivion schon sagte, wird das Fernsehen zu einem Ersatz für echte Erfahrungen, das Fernsehen ersetzt die Realität und ist sogar wichtiger als diese. Nicht umsonst betreibt O'Blivion (sein Name bedeutet "Vergessen" bzw. "Vergessenheit"...) eine Art Armenspeisung, bei der aber vor allem solche Leute bedient werden, die sich keinen Fernseher leisten können - sie dürfen bei O'Blivion gratis fernsehen. Für O'Blivion ist das Fernsehgerät als neues Sinnesorgan bereits zum Bestandteil des menschlichen Körpers geworden. Die ziemlich explizite Gewaltdarstellung in diesem Film wird dadurch relativiert, daß sie nicht Selbstzweck ist und daß sich alles aus der "Egoperspektive" von Max Renn ereignet, d.h. es könnte sich alles auch um reine Halluzinationen handeln. Nur wer Realität und Fiktion nicht mehr unterscheiden kann wie Max Renn, läuft Gefahr, selbst zum Gewalttäter zu werden. Der Regisseur war seiner Zeit voraus, denn die brutalen Videodrome-Sendungen, die Max Renn noch für revolutionär hält, unterscheiden sich nur noch graduell von den Ekel-Gameshows und Jackass-Kapriolen unserer Tage...

Was ich nicht verstanden habe, ist der Sinn der "Mutations-Szenen", in denen Max verschiedene Stadien körperlicher Veränderung durchläuft. Es bildet sich eine Öffnung in seinem Bauch, in die er Videocassetten und eine Pistole hineinsteckt, die Pistole verwächst später mit seiner Hand. Was will uns der Künstler damit sagen? Keine Ahnung. Vielleicht wird der Mensch nach Cronenbergs Meinung so sehr von der "Medienwelt" vereinnahmt, daß er sich in so etwas wie einen lebendigen Videorecorder verwandelt oder daß er, wenn er seine körperliche Existenz aufgibt, eine andere Existenz in der "Medienwelt" erreichen kann... Übrigens bekommt man Max Renns letzte Worte ("Es lebe das neue Fleisch") auch in anderen Filmen Cronenbergs zu hören.

Die DVD:

Der Film liegt zwar in mehreren Sprachen auf der DVD vor, aber nur in Mono und mit recht dumpfem Klang. Ich konnte übrigens nicht herausfinden, ob meine Version des Films uncut ist (die FSK-Einstufung und einige heftige Szenen lassen darauf schließen), oder ob es doch noch eine längere Version gibt, wofür die geringe Lauflänge sprechen würde. Wer genaueres über unterschiedliche Schnittversionen weiß, möge es mir bitte mitteilen.

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