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vernetzt Vernetzt - Johnny Mnemonic (USA, 1995)
DVD - Regionalcode 2, Columbia Tristar Home Entertainment
FSK: 18
Laufzeit: ca. 93 Minuten

Extras
"Behind the Scenes" - Interviews mit Schauspielern und Regisseur. U.S.-Kinotrailer. Filmografien: Schauspieler, Regisseur (Texttafeln)

Regie:
Robert Longo

Hauptdarsteller:
Keanu Reeves (Johnny Mnemonic)
Dina Meyer (Jane)
Ice-T (J-Bone)
Takeshi (Takahashi)
Dennis Akayama (Shinji)
Dolph Lundgren (Der Prediger)
Henry Rollins (Spider)




Inhalt:

Im Jahre 2021 beherrschen anstelle von Politikern einige wenige Großkonzerne die Welt. Die Menschen verwenden (wenn sie es sich leisten können) implantierte Chips, biomechanische Implantate und andere Upgrades, um ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu verbessern. China ist das einflußreichste Land der Erde, die USA bestehen fast nur noch aus Ghettos. Vor allem hier leiden die Menschen an einer neuen, scheinbar unheilbaren Krankheit, die "Das Schwarze Zittern" genannt wird und sich unkontrolliert wie eine Seuche ausbreitet. Eine Gruppe von unabhängigen Hackern, die "Lo-Techs", versuchen das unmenschliche System aus dem Untergrund zu sabotieren, indem sie immer wieder die allgegenwärtigen TV-Sendungen mit eigenen Botschaften überlagern und Daten, die eigentlich von den Konzernen unter Verschluß gehalten werden, allen Menschen zugänglich machen. Das weltweite Datennetz ist zu einer gigantischen Virtuellen Realität geworden, die viel zu unsicher ist, als daß man sensible Daten auf diesem Wege verschicken könnte. Zu diesem Zweck werden sogenannte Datenkuriere eingesetzt. Das sind Menschen, die in ihrem Schädel ein Implantat zur Datenspeicherung mit sich herumtragen.

Johnny Mnemonic ist einer der besten Datenkuriere, die es gibt. Sein Implantat hat eine Kapazität von 160 Gigabyte. Um das zu erreichen, hat er etwas Platz in seinem Schädel schaffen müssen - seine Kindheitserinnerungen wurden gelöscht. Er möchte die Erinnerungen zurückhaben, was durch eine spezielle Operation durchaus erledigt werden könnte. Diese Operation ist jedoch sehr teuer. Um den noch fehlenden Betrag zu verdienen, nimmt Johnny von seinem Mittelsmann Ralfi einen letzten Auftrag an. Er soll Daten aus Beijing nach Newark transportieren. Aus diesem Job ergeben sich jedoch zwei Probleme. Zunächst einmal übersteigt die Datenmenge seine Kapazität um mehrere hundert Gigabyte. Wenn es ihm nicht gelingt, die Daten innerhalb von 48 Stunden wieder herunterzuladen, wozu ein ganz bestimmter Code benötigt wird (von dem Johnny aus Sicherheitsgründen nur einen Teil erfährt) werden die Synapsen seines Gehirns zerstört, was sein Tod wäre. Außerdem stürmen Yakuza-Killer das Hotelzimmer, in dem Johnny seine Auftraggeber getroffen hat, und töten alle Anwesenden - nur Johnny selbst kann entkommen. Als er in Newark seinen Mittelsmann zur Rede stellt, gerät er in eine Falle: Shinji, der Anführer der Yakuza, hat mit Ralfi zusammengearbeitet und möchte jetzt Johnnys Kopf sicherstellen - und zwar nur den Kopf...

Gerettet wird Johnny im letzten Moment von der biomechanisch aufgerüsteten und am "Schwarzen Zittern" leidenden Jane, die einen Job als Bodyguard sucht. Jane bringt Johnny mit dem Arzt Spider zusammen, doch bevor der einen Versuch unternehmen kann, die Daten aus Johnnys Kopf zu holen, wird er von dem sogenannten "Prediger" umgebracht. Der "Prediger" arbeitet zur Finanzierung seiner Kirche als Auftragskiller - auch er ist biomechanisch aufgerüstet, er ist eine kaum zu besiegende Mordmaschine. Hinter dem "Prediger" und hinter den Yakuza steht der Chef des Konzerns Pharmacom. Den Grund erfährt Johnny, als er mit Jane zum in einer zerstörten Brücke untergebrachten Hauptquartier der Lo-Techs flieht: Die von ihm transportierten Daten sind nichts anderes als eine Formel für ein Medikament, mit dem das "Schwarze Zittern" endgültig geheilt werden könnte. Pharmacom will verhindern, daß das Heilmittel unter die Leute gebracht wird, denn die Behandlung der Symptome ist langfristig viel lukrativer als die Heilung der Krankheit! Ein Angriff der Yakuza auf das Lo-Tech-Hauptquartier kann gerade noch abgewehrt werden und auch der "Prediger" findet seine gerechte Strafe. Johnny erhält den fehlenden Teil des Zugangscodes vom Pharmacom-Chef persönlich und hackt sich mit Hilfe eines bei den Lo-Techs "gestrandeten" intelligenten Delphins in den Cyberspace, so daß zu guter Letzt die Daten noch rechtzeitig den Weg aus Johnnys Hirn heraus und in die öffentlichen Informationsnetze finden. Das ist der Beginn einer Revolution der von den Konzernen unterdrückten Menschen...

Der Film:

Der Film hat eigentlich alles, was man sich wünschen kann: Ein Drehbuch, das von William Gibson, dem Begründer des Cyberpunk, persönlich nach einer seiner Kurzgeschichten geschrieben wurde. Ein Ensemble von bekannten Schauspielern. Eine Menge Action. Explosionen und Special Effects. Und trotzdem wirkt er vom Anfang bis zum Ende wie ein billiger B-Movie, wie eine Low-Budget-Produktion. Die Schauspieler - allen voran Keanu Reeves - agieren hölzern und lustlos, erstaunlicherweise bietet ausgerechnet Dolph Lundgren, an den man sich ja kaum wegen seiner schauspielerischen Talente erinnert, die beste Verkörperung seines ziemlich durchgeknallten Filmcharakters. Es kommt mir so vor, als hätte es ihm Spaß gemacht, mal in einer ganz anderen Rolle auftreten zu dürfen. Auch der Alternative-Rocker Rollins spielt gut mit und Dina Meyer ist wenigstens hübsch anzuschauen. Aber der Rest... und was Ice-T in diesem Film verloren hat, verstehe ich nun gar nicht.

Die Story hat logische Lücken, die so groß sind, daß ganze Schwärme von Blauwalen durchschwimmen könnten, und wird zu wenig ausgearbeitet. Zuviel Zeit vergeht mit Verfolgungsjagden, Prügeleien und Schießereien - das sind die üblichen billigen Versatzstücke, mit denen man jede Handlung strecken kann. Bei alldem sieht man dem Film sein großes Budget nicht an. Die Sets sehen billig und einfallslos aus, als wären die Szenen in irgendwelchen Hinterhöfen gedreht worden. Vermutlich sollte dadurch eine düstere postapokalyptische Stimmung erzeugt werden, aber das ist nicht einmal ansatzweise gelungen. Es gibt eine noch erheblich längere japanische Version dieses Films, die allerdings in Deutschland nicht erhältlich ist. In der längeren Version rückt der von Takeshi Kitano (ja, tatsächlich, das ist der von "Takeshis Castle") gespielte Takahashi viel mehr in den Vordergrund. Takeshi hat mehr Szenen, durch die klarer wird, was für einen Sinn diese Figur in dem Film überhaupt hat. In "unserer" Version bleibt Takahashi genauso skizzenhaft und fast schon verzichtbar wie alle anderen Nebenfiguren.

Die FSK-18-Einstufung hat man vor allem einer der wenigen originellen Ideen des Films zu verdanken: Shinji, der Yakuza-Boss, verwendet als Waffe eine Art Energiedraht, den er aus einem künstlichen Daumen ziehen kann. Damit trennt er gerne Köpfe ab oder zerlegt gleich mal einen ganzen Torso in handliche Scheibchen. Macht man sich bewußt, daß der Film schon 1995 entstanden ist, dann können die abstrakten Szenen, die im Cyberspace spielen, durchaus überzeugen. Insbesondere deshalb, weil gar nicht erst versucht wurde, irgend etwas täuschend realistisch mit CGI nachzubilden. Übrigens: Ist es nicht witzig, wie die Zeiten sich ändern? Da hat man es 1995 für eine originelle Idee gehalten, daß einer mit einem 160 GB - Speicherchip im Hirn herumrennt und deshalb seine Erinnerungen opfern muß. Heutzutage würde man in den nächsten Elektroladen gehen und sich einen Laptop oder eine externe Festplatte kaufen...

"Johnny Mnemonic" ist wieder so ein Film, der eigentlich perfekt für Videotheken geeignet ist: Zwar mal ganz nett zu gucken, aber zu teuer zum kaufen.

Die DVD:

Das einzige erwähnenswerte Special ist eine kurze Featurette mit Interviewschnipseln und kurzen Blicken hinter die Kulissen. Die Bezeichnung "Dokumentation" verdient das aber bei weitem nicht.

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