Millenium-Trilogie


Vergebung - Director's Cut (Schweden/Dänemark/D, 2009)
- Luftslottet som sprängdes -

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 175 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Daniel Alfredson

Hauptdarsteller:
Mikael Nyqvist (Mikael Blomkvist)
Noomi Rapace (Lisbeth Salander)
Annika Hallin (Annika Giannini)
Anders Ahlbom (Dr. Peter Teleborian)
Lennart Hjulström (Fredrik Clinton)
Michalis Koutsogiannakis (Dragan Armanski)
Niklas Falk (Torsten Edklinth)
Hans Alfredson (Evert Gullberg)
Johan Kylen (Jan Bublanski)
Tomas Köhler (Plague)
Mikael Spreitz (Ronald Niedermann)
Georgi Staykov (Alexander Zalatschenko)




Story

Zur Vorgeschichte siehe Verblendung und Verdammnis.

Lisbeth Salander und Alexander Zalatschenko landen schwer verwundet in der Intensivstation desselben Krankenhauses. Zum gegenseitigen Missvergnügen überleben beide. Ronald Niedermann tötet eine Polizistin sowie den Bruder des Anführers des Motorradclubs, mit dem er früher Geschäfte gemacht hat, und taucht unter. Mikael Blomkvist hat bereits bewiesen, dass Niedermann alle Morde begangen hat, die man Lisbeth zur Last legt. Dennoch steht ihr eine langwierige Gerichtsverhandlung bevor, denn es gibt noch andere Anklagepunkte und Zalatschenko behauptet, Lisbeth habe versucht, ihn zu ermorden. Um eine vollständige Rehabilitation Lisbeths herbeizuführen, wendet sich Mikael an seine Schwester, die Anwältin Annika Giannini. Er selbst bereitet eine große Enthüllungsstory für die Zeitschrift "Millenium" vor. Lisbeth und Zalatschenko rücken somit in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Dadurch werden jene Leute auf den Plan gerufen, die hinter der Zalatschenko-Affäre stecken. In der schwedischen Sicherheitspolizei (SiPo) gibt es eine Sektion, die so geheim ist, dass selbst die Regierung nichts von ihrer Existenz weiß. Die Sektionsmitglieder werden von niemandem kontrolliert und glauben über dem Gesetz zu stehen. Sie haben in der Vergangenheit unzählige Gesetzesverstöße begangen und waren für Zalatschenkos Schutz zuständig. Die Sektion hat Zalatschenkos Verbrechen gedeckt und mit einem vom Psychiater Dr. Peter Teleborian verfassten falschen Gutachten dafür gesorgt, dass Lisbeth - die letzte Zeugin - weggesperrt und nach jahrelangem Aufenthalt in der Kinderpsychiatrie für geschäftsunfähig erklärt wurde. Während der "Behandlung" in einer geschlossenen Anstalt wurde Lisbeth von Teleborian misshandelt. Sie wird auch als Erwachsene noch von den Erinnerungen an diese Zeit gepeinigt. Weil niemand ihr damals glauben wollte, hat sie ein tiefes Misstrauen gegen alle staatlichen Behörden entwickelt.

Als Zalatschenko jetzt versucht, die Sektion zu erpressen, schreibt er damit sein eigenes Todesurteil. Der fast achtzigjährige pensionierte Ex-Sektionschef Evert Gullberg versetzt sich selbst sowie seinen todkranken Kollegen Fredrik Clinton wieder in den aktiven Dienst. Dann erschießt er Zalatschenko im Krankenhaus. An Lisbeth, die gerade Besuch von Annika hat, kommt er nicht heran. Gullberg nimmt sich das Leben. Er hat seine Tat sorgfältig vorbereitet, so dass die Polizei glaubt, er sei ein geistig verwirrter Einzelgänger. Clinton will die Affäre nun ein für alle mal vertuschen. Dabei lässt er sogar Mitwisser aus den eigenen Reihen beseitigen, als diese es wagen, aus der Reihe zu tanzen. Es existiert ein Bericht aus dem Jahre 1993 über Lisbeths Zwangseinweisung, der sowohl für Annikas Verteidigungsstrategie als auch für Mikaels Story sehr wichtig ist. Alle Kopien werden eingezogen oder gestohlen. Der Staatsanwalt erhält manipulierte Informationen und wird unter Druck gesetzt, so dass er Jan Bublanski von dem Fall abzieht. Mikaels Wohnung wird verwanzt, die Telefone der "Millenium"-Redaktion werden abgehört. Chefredakteurin Erika Berger erhält anonyme Mails und wird auch zu Hause bedroht, wodurch sie dazu gebracht wird, die Drucklegung der neuen "Millenium"-Ausgabe zu stoppen. Da Lisbeth nicht einfach ermordet werden kann, muss sie auf andere Weise zum Schweigen gebracht werden. Zu diesem Zweck wird erneut Teleborian hinzugezogen. Diesmal soll Lisbeth für alle Zeiten in seiner Klinik verschwinden. Teleborian verfasst ein Gutachten, in dem er zu dem Ergebnis kommt, Lisbeth leide an paranoider Schizophrenie. Um Mikaels Glaubwürdigkeit zu erschüttern, verstecken Clintons Leute Kokain und Bargeld in seiner Wohnung. Die Öffentlichkeit soll glauben, er sei in Drogenschmuggel verwickelt.

Doch Mikael ist keineswegs so ahnungslos wie Clinton denkt. Der Journalist hat längst die richtigen Schlüsse gezogen. Mikael recherchiert weiter und kommt der Sektion allmählich auf die Spur. Außerdem besitzt er eine weitere Kopie des Berichts aus dem Jahre 1993. Er bezieht Insiderinformationen von Bublanskis Team und arbeitet mit Dragan Armanski zusammen, dem mit Lisbeth befreundeten Chef einer Sicherheitsfirma. Mikael ist über alle Maßnahmen im Bilde, die gegen ihn ergriffen wurden. Geschickt sorgt er dafür, dass die Sektion weiterhin glaubt, alles im Griff zu haben. Er weiht Lisbeths Arzt ein, der seine Patientin gegen Teleborian abschirmt und ein Smartphone in ihr Krankenzimmer schmuggelt. So kann Lisbeth eine Autobiografie schreiben, in der sie alles offenlegt, was sie weiß. Sie nimmt Kontakt mit Plague auf, einem befreundeten Hacker, der belastendes Material gegen Teleborian sammeln soll. Armanski arrangiert ein Treffen Mikaels mit Torsten Edklinth, einem hochrangigen Beamten des Verfassungsschutzes. Da Mikael seine Vorwürfe gegen die SiPo belegen kann, beginnt der Verfassungsschutz zu ermitteln und deckt nach und nach die Identitäten der Sektionsmitglieder auf. Teleborian wird beobachtet, wie er sich mit einem Sektionsmitglied trifft. Die Sektion setzt Auftragsmörder auf Mikael und Erika an, doch der Anschlag kann in letzter Minute vereitelt werden. Ohne Erikas Wissen veranlasst Mikael, dass die neue Ausgabe von "Millenium" wie geplant veröffentlicht wird. Schließlich gelingt es Plague, die Festplatte von Teleborians Laptop zu kopieren. Er bringt Mikael die Daten, und dazu gehört nicht nur das gefälschte Gutachten, sondern auch Kinderpornografie in rauhen Mengen.

Der Prozess gegen Lisbeth verläuft unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Der Staatsanwalt gründet seine Beweisführung auf Lisbeths angebliche Geisteskrankheit. Sowohl er als auch Teleborian behaupten, Lisbeths Autobiografie sei reine Erfindung. Insbesondere sei die Behauptung, ihr Vormund habe sie vergewaltigt, nur ein Beweis für ihre Wahnvorstellungen. Als Annika mit Lisbeths Einverständnis den Film vorführt, auf dem genau diese Vergewaltigung zu sehen ist, beginnt die Strategie des Staatsanwalts zu bröckeln. Sie bricht vollends zusammen, als Annika Fassungen von Teleborians Gutachten vorlegt, die eindeutig geschrieben worden sind, bevor Teleborian überhaupt die Gelegenheit hatte, mit Lisbeth zu sprechen. Edklinth bezeugt, dass Teleborian mit der Sektion zusammengearbeitet hat. Teleborian wird noch im Gerichtssaal verhaftet. Währenddessen führt der Verfassungsschutz eine Razzia durch. Alle Sektionsmitglieder werden dingfest gemacht, Geständnisse lassen nicht lange auf sich warten. Lisbeth wird auf freien Fuß gesetzt und später freigesprochen. Nachdem sie vollends rehabilitiert ist, soll sie das Erbe ihres Vaters antreten. Sie will mit Zalatschenkos Geld nichts zu tun haben, wird jedoch neugierig, denn zum Nachlass gehört auch eine inzwischen stillgelegte Ziegelei. Als sie sich dort umsieht, steht sie plötzlich Niedermann gegenüber. Er hat sich hier versteckt gehalten und will seine Halbschwester nun ermorden. Es gelingt Lisbeth, die Füße des scherzunempfindlichen Riesen mit einer Nagelpistole auf den Boden zu heften. Sie könnte in töten, verzichtet aber darauf. Stattdessen ruft sie den Anführer des Motorradclubs an und sagt ihm, wo er Niedermann finden kann. Anschließend informiert sie die Polizei. Wenig später erhält Lisbeth zu Hause Besuch von Mikael. Er berichtet, die Biker hätten Niedermann ermordet. Der Anführer der Gang habe auf die anrückenden Polizisten geschossen und sei getötet worden.


Kringels Meinung

Mit diesem Film endet die "Millenium-Trilogie". Die Geschichte ist in sich abgeschlossen; alle Handlungsstränge werden zu einem befriedigenden Ende gebracht. Verblendung, der erste Film, bildet praktisch nur die Expositionsphase. Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist sowie das Umfeld dieser beiden Hauptpersonen werden eingeführt. Es wird zwar auch ein Kriminalfall gelöst, der hat mit dem Rest der Trilogie aber nichts zu tun. Im zweiten Film - Verdammnis - wird Lisbeth Salanders Vergangenheit aufgedeckt. Man erfährt, wie sie zu der Person geworden ist, die man im ersten Film kennengelernt hat, und dass dieses Kapitel von Lisbeths Leben noch keineswegs abgeschlossen ist. Aber erst im letzten Film, mit dem die Handlung des zweiten ohne Unterbrechung weitergeführt wird, werden alle Karten auf den Tisch gelegt. Endlich erfahren wir, wer wirklich hinter allem steckt. Genau wie im zugrunde liegenden Roman von Stieg Larsson stellt sich dann die Frage: Wer bewacht die Wächter? Ist auch in der Realität die Existenz eines Geheimdienstes möglich, der sich jeder staatlichen Kontrolle entzieht? Dessen Mitglieder nach Gutdünken über Leben und Tod entscheiden dürfen, weil sie - wie Clinton es im Film ausdrückt - Entscheidungen treffen müssen, die niemand sonst treffen will? Und wie gerecht kann ein Staat sein, der Rechtsbrüche duldet die (angeblich) zu seinem Schutz begangen werden? Ich würde sagen, die Erkenntnisse, die wir in den letzten Jahren gewonnen haben, sprechen da für sich...

Aber diese gesellschaftskritische Thematik bildet nur den Hintergrund für eine andere Geschichte, und in deren Zentrum steht einmal mehr Lisbeth Salander, auch wenn sie diesmal geraume Zeit mehr oder weniger zur Untätigkeit verdammt ist. Das fällt bei der Verfilmung noch stärker auf als beim Roman, denn der Film konzentriert sich ganz auf die Gefahr, in der Lisbeth schwebt, und auf Mikael Blomkvists Gegenmaßnahmen. Als großer Gegenspieler fungiert interessanterweise gar nicht so sehr der von Clinton repräsentierte Geheimdienst, sondern Teleborian. Dabei wird er nicht als fieser Kinderschänder stigmatisiert; es sind Kleinigkeiten in Mimik und Körpersprache, die den Typen irgendwie abstoßend wirken lassen, ohne dass man den Finger darauf legen kann. Umso befriedigender ist es, mit anzusehen, wie Teleborian vor Gericht Stück für Stück demontiert wird. Auch das ist gut gelungen. Man hätte ja auf die Idee kommen können, ihn mit einer effekthascherischen Szene außer Gefecht zu setzen. Etwa dadurch, dass Mikael ihn im Hotelzimmer dabei überrascht, wie er sich an seinen Kinderpornos delektiert. Stattdessen unterminiert Annika seine Glaubwürdigkeit auf geschickte Art und Weise, solange sie den entscheidenden Beweis noch nicht in Händen hält. Nicht weniger eloquent lässt Lisbeth den Staatsanwalt auflaufen. Die Gerichtsverhandlung wirkt im Roman zwar noch um einiges besser, dennoch sind diese ohne übertriebenes Pathos gespielten Szenen - und nicht die Razzia oder Lisbeths Kampf gegen Niedermann - für mich der Höhepunkt des Films.

Angeblich wollte Stieg Larsson, der im Jahre 2004 gestorben ist, eine zehn Bücher umfassende Reihe schreiben. Das könnte die Erklärung für so manche lang und breit ausgewalzte Nebenhandlung in allen drei Büchern sein, deren Sinn für die Story sich mir bis heute nicht erschlossen hat. Der Drehbuchautor hatte vermutlich dasselbe Problem. So gibt es im Roman einen kompletten Subplot rund um Erika Berger, die die Redaktion von "Millenium" verlässt, um bei einer großen schwedischen Zeitung als Chefredakteurin anzufangen, dort aber auf unerwartete Schwierigkeiten stößt und sogar persönlich in Gefahr gerät. Es gibt nicht die geringsten Berührungspunkte mit der Haupthandlung und Erika Berger wird für die Trilogie im Grunde überhaupt nicht gebraucht. Für die Verfilmung wurde diese Nebenhandlung einfach etwas modifiziert. Erika verlässt "Millenium" nicht und die Droh-Mails sind Bestandteil einer Einschüchterungskampagne, hinter der die Sektion steckt. Schlau gemacht! Trotz allem halte ich "Vergebung" für den schwächsten Film der Trilogie. Nicht so sehr wegen des Inhalts, mehr wegen der Inszenierung. Ich hatte hier erstmals das Gefühl, einen besseren TV-Krimi zu sehen. Das war bei den beiden anderen Filmen ganz anders!


Blu-ray-Features

Der Film wurde zusammen mit Verblendung und Verdammnis in einer Box veröffentlicht. Jeder Film ist in zwei Hälften mit Vor- und Abspann aufgeteilt. Startet man die beiden Teile gesondert, dann beginnt der zweite mit einer kurzen Zusammenfassung der Geschehnisse der ersten Hälfte. Wählt man die Option zum Abspielen beider Teile, fällt diese Zusammenfassung weg. Bonusmaterial ist leider nicht vorhanden. Die Filme sind auch einzeln erhältlich und soweit ich weiß sind bei den Einzel-Discs dann auch Extras vorhanden.


J. Kreis, 28.04.2015




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