Millenium-Trilogie


Verdammnis - Director's Cut (Schweden/Dänemark/D, 2009)
- Flickan som lekte med elden -

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 176 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Daniel Alfredson

Hauptdarsteller:
Mikael Nyqvist (Mikael Blomkvist)
Noomi Rapace (Lisbeth Salander)
Yasmine Garbi (Miriam Wu)
Johan Kylen (Jan Bublanski)
Paolo Roberto als er selbst
Mikael Spreitz (Ronald Niedermann)
Georgi Staykov (Alexander Zalatschenko)




Story

Zur Vorgeschichte siehe Verblendung.

Mit dem aus Wennerströms Finanzimperium abgezweigten Geld macht Lisbeth Salander eine einjährige Weltreise, ohne jemandem zu sagen, wohin sie fährt. Sie meldet sich auch nicht mehr bei Mikael Blomkvist. Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie nach Schweden zurück und kauft eine Luxuswohnung, verrät dies aber niemandem und bleibt unter ihrer alten Adresse gemeldet. Dort zieht Lisbeths Freundin Miriam Wu ein. Als Lisbeth erfährt, dass ihr ehemaliger Betreuer Holger Palmgren den vor zwei Jahren erlittenen Schlaganfall überlebt hat, finanziert sie seine weitere Rehabilitation. Um sicherzustellen, dass Nils Bjurman weiterhin brav alle Anweisungen befolgt, dringt Lisbeth in dessen Wohnung ein und bedroht den Rechtsanwalt mit seiner eigenen Waffe. Einige Zeit später werden der junge Journalist Dag Svensson und dessen Freundin, die Studentin Mia Bergman, mit genau dieser Waffe ermordet. Mikael Blomkvist findet die Leichen. Er war mit den beiden verabredet, denn sie haben mit dem Team der Zeitschrift Millenium an einer Enthüllungsgeschichte über Prostitution in Schweden gearbeitet und wollten etwas mit Blomkvist besprechen. Sie haben zahlreiche prominente Freier identifiziert und in der Story sollte offengelegt werden, dass Politik und Gesellschaft gar kein Interesse daran haben, gegen die Missstände vorzugehen. Bjurman, der Besitzer der Waffe, kommt als Mörder nicht in Betracht, denn er wurde ebenfalls erschossen.

Lisbeths Fingerabdrücke werden auf der Waffe gefunden. Da ihre Gewaltbereitschaft ebenso aktenkundig ist wie ein mehrjähriger Aufenthalt in der Kinderpsychiatrie, wird sie für den Staatsanwalt zur Hauptverdächtigen. Kriminalinspektor Jan Bublanski wird auf den Fall angesetzt. Er ist erstaunt, als sowohl Blomkvist als auch Lisbeths ehemaliger Arbeitgeber ein völlig anderes Bild von der jungen Frau zeichnen, die in der Presse als geistesgestörte Killerin verunglimpft wird. Durch diese Berichte erfährt Lisbeth von der Sache. Sie verlässt ihre neue Wohnung nur noch selten und durchforstet unter anderem Blomkvists Laptop, den sie schon vor geraumer Zeit gehackt hat. So stößt sie auf den Namen "Zala". Dieser Mann ist Svenssons und Bergmans Informationen zufolge wahrscheinlich der Kopf einer russisch-schwedischen Bande von Mädchenhändlern, Drogendealern und Waffenschiebern. Lisbeht kennt den Namen nur zu gut. Blomkvist versucht auf eigene Faust, Lisbeths Unschuld zu beweisen. Der bekannte Boxer Paolo Roberto, früherer Trainer Lisbeths und Miriams, hilft ihm dabei. Da Miriam wegen der Hetzkampagne gegen Lisbeth nicht gut auf Reporter zu sprechen ist und aufgrund unsensibler Verhörmethoden bei der Polizei auf stur geschaltet hat, soll Roberto sie nach Lisbeths Verbleib fragen. Er beobachtet, wie ein riesenhafter blonder Muskelprotz die junge Frau niederschlägt und verschleppt. Als der Hüne Miriam in einer Lagerhalle mit einer Kettensäge bedroht, greift Roberto ein. Er verpasst dem Entführer mehrere harte Schläge, doch der bleibt davon völlig unbeeindruckt und schickt Roberto zu Boden. Anschließend setzt er die Halle in Brand. Roberto und Miriam können jedoch entkommen. Später findet Roberto durch seine internationalen Kontakte heraus, dass der Riese ein Deutscher namens Ronald Niedermann ist. Aufgrund einer Erbkrankheit kann Niedermann keine Schmerzen empfinden.

Über seinen Laptop stehen Blomkvist und Lisbeth miteinander in Kontakt. Lisbeth beteuert ihre Unschuld und rät Blomkvist, nach "Zala" zu suchen. Außerdem besucht sie Miriam im Krankenhaus, wobei sie ihre Schlüssel verliert. Es gelingt Blomkvist, einen der von Svensson identifizierten Freier aufzuspüren und unter Druck zu setzen. Von ihm und Palmgren erfährt Blomkvist endlich, was in Lisbeths Vergangenheit geschehen ist. "Zala" heißt in Wahrheit Alexander Zalatschenko und ist Lisbeths Vater. Er war ein Killer des russischen Militärnachrichtendienstes, ist vor Jahrzehnten übergelaufen und wurde als Informant der schwedischen Regierung von der Sicherheitspolizei versteckt gehalten. Er hat Lisbeths Mutter jahrelang misshandelt und vergewaltigt. Lisbeth hatte in dieser Zeit Todesängste auszustehen. Eines Tages hatte sie mit einer Brandbombe zurückgeschlagen. Seitdem ist Zalatschenko ein Krüppel. Niedermann ist sein Handlanger - er hat die drei Morde begangen. Während Blomkvist weiter nach Lisbeth sucht, verfolgt diese Zalatschenkos Spur. In Bjurmans Sommerhaus findet sie die als geheim klassifizierten Unterlagen über ihre Einweisung in die Psychiatrie. Ihr wird klar, warum sie damals wirklich weggesperrt wurde: Zalatschenko sollte weiter geschützt werden. Für Lisbeth war das Martyrium damit noch lange nicht zu Ende, stattdessen hatte sie unter fragwürdigen Behandlungsmethoden zu leiden. Bjurman ist nicht durch Zufall zu ihrem Betreuer ernannt worden. Er war seinerzeit in die Affäre verwickelt und hat Zalatschenko jüngst kontaktiert, um ihn auf Lisbeth anzusetzen. So wollte er sich von seiner Nemesis befreien, hat dadurch aber sein eigenes Todesurteil unterzeichnet, denn ebenso wie Svensson und Bergman wusste er zu viel über Zalatschenko. Lisbeth beschließt, dass es an der Zeit ist, endgültig mit ihrem Vater abzurechnen. Sie ermittelt seinen Aufenthaltsort und macht sich dorthin auf den Weg.

Von Miriam erhält Blomkvist Lisbeths Schlüssel. Er macht ihre Wohnung ausfindig und entdeckt dort das Video mit ihrer Vergewaltigung durch Bjurman sowie die von Lisbeth gefundenen Geheimunterlagen. Letztere spielt er Bublanski zu, der immer noch im Dunkeln tappt und sich außerdem mit einer undichten Stelle in den eigenen Reihen herumschlagen muss. Blomkvist folgt Lisbeth, die inzwischen in Zalatschenkos Gewalt geraten ist und erfahren hat, dass Niedermann ihr Halbbruder ist. Vater und Tochter empfinden nur Hass füreinander. Lisbeths Tod ist beschlossene Sache, ihr Grab ist bereits ausgehoben. Im letzten Moment gelingt es ihr, Niedermann abzulenken und in den Wald zu fliehen. Zalatschenko schießt sie nieder. Anschließend wird sie verscharrt. Da Zalatschenko einen kleinkalibrigen Revolver verwendet hat, überlebt Lisbeth die Schussverletzungen. Sie befreit sich aus dem flachen Grab, lockt Zalatschenko in einen Schuppen und schlägt mit einer Axt auf ihn ein. Niedermann flieht, als Lisbeth ihn mit Zalatschenkos Waffe unter Beschuss nimmt und als obendrein auch noch Blomkvist erscheint. Lisbeth und Zalatschenko sind schwer verletzt, aber lebendig. Sie werden mit Rettungshubschraubern abtransportiert.


Kringels Meinung

Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stieg Larsson und bildet wie dieser den Mittelteil einer Trilogie. Allerdings muss man den Teil 1 nicht unbedingt kennen, um der Handlung folgen zu können. Der erste Film und der erste Roman erzählen mit dem Harriet-Vanger-Fall eine in sich abgeschlossene Geschichte und bilden im Grunde nur die Expositionsphase für die Hauptfiguren. Das sind Mikael Blomkvist und Lisbeth Salander, wobei nach meinem Empfinden der Schwerpunkt eindeutig auf Lisbeth liegt. Stieg Larssons Romane sind sehr umfangreich und komplex, um nicht zu sagen: ausschweifend und verwickelt. Die Bücher komplett mit dem gesellschaftskritischen Hintergrund, allen Nebenhandlungen/-figuren und sämtlichen kleinen (aber durchaus nicht unwichtigen) Einzelheiten zu verfilmen wäre ein Ding der Unmöglichkeit, es sei denn, man hätte eine Fernsehserie daraus gemacht. Der Film hätte langweilig werden können, wenn darin ebenso ausführlich über Mädchenhandel und die Verstrickung höchster Kreise in schmutzige Machenschaften referiert worden wäre, oder wenn man Details wie Lisbeths Einkaufsbummel bei Ikea in voller epischer Breite gezeigt hätte. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass noch intensiver vom Rotstift Gebrauch gemacht werden musste als beim ersten Teil. Schon Lisbeths Karibikaufenthalt fällt viel kürzer aus als im Roman. Im Buch kommt es während eines schrecklichen Sturms zu dramatischen Geschehnissen, deren Sinn ich nicht verstanden habe (den dritten Roman habe ich noch nicht gelesen - vielleicht wird das noch geklärt). Die Arbeit der Polizisten sowie ihre internen Querelen und die Medien-Hetzjagd auf Lisbeth werden im Film nur am Rande abgehandelt, die sich abzeichnenden Probleme in der Millenium-Redaktion bleiben ebenso außen vor wie Niedermanns psychische Probleme. Und es wird mit keinem Wort auf Lisbeths Schwester eingegangen. Das waren jetzt nur einzelne von vielen Beispielen für Kürzungen!

Die Handlung des Films "Verdammnis" ist also nicht annähernd so gehaltvoll wie die des Romans. Sie konzentriert sich ganz auf Lisbeth Salander bzw. Mikael Blomkvists Suche nach ihr. Bei der Verfilmung des ersten Buches hat mich die Straffung nicht gestört. Im Gegenteil! Ich fand die Verfilmung spannender als den Roman. Diesmal ist das seltsamerweise etwas anders. Möglicherweise liegt es daran, dass Lisbeths Unschuld im Film fast sofort feststeht. Bei der Lektüre des Romans war ich diesbezüglich geraume Zeit nicht so sicher. Es ist mir ähnlich wie Blomkvist ergangen: Wenn man Lisbeth kennengelernt hat, dann traut man ihr einen Mord durchaus zu - vorausgesetzt, sie hätte ein starkes Motiv. Im Fall von Bjurman ist ein solches vorhanden, aber der Mord an Svensson und Bergman lässt sich nicht so leicht erklären. Im Roman umschifft Larsson diese Klippe geschickt. Man liest, dass Lisbeth dem Pärchen einen Besuch abstattet, aber Larsson verschweigt, wie dieser verläuft. Kurz danach findet Blomkvist die Leichen und von diesem Moment an dauert es recht lange, bis wieder Kapitel aus Lisbeths Blickwinkel folgen. In dieser Phase weiß der Leser ebenso wenig wie Blomkvist, was wirklich geschehen ist. Dieser Part fällt im Film völlig unter den Tisch. Leider gilt das auch für die Aufdeckung von Lisbeths Vergangenheit. Das geschieht im Film nicht so eindringlich wie im Roman. Und dann ist der Film auch schon ziemlich bald zu Ende, d.h. die Puzzleteilchen fallen zu schnell an ihren Platz, Lisbeth spürt Zalatschenko zu schnell auf. Das Ende ist ebenso unglaubwürdig, aber nicht so überraschend wie im Roman. Dass Lisbeth jetzt eine Kugel im Kopf hat, wird im Film nicht deutlich.

Aber ich jammere hier auf hohem Niveau. "Verdammnis" mag nicht der Knaller sein, den ich nach der Lektüre des Romans erwartet hatte, ist aber fesselnde Unterhaltung mit einer faszinierenden und mit Noomi Rapace sehr gut besetzten Hauptfigur. Erneut zitiere ich mich selbst: Die praktisch nur aus Gegensätzen bestehende und so gar nicht dem üblichen Klischee entsprechende Privatermittlerin ist einerseits mit beeindruckenden Eigenschaften gesegnet - sie ist die beste Hackerin Schwedens, hat ein fotografisches Gedächtnis und einen analytischen Verstand, vor dem keine noch so geheime Information sicher ist - kann andererseits aber fast schon als Autistin bezeichnet werden. Lisbeth Salanders soziale Kompetenz ist praktisch nicht vorhanden, sie lässt keinen an sich heran und neigt zu aggressiven Ausbrüchen. Sie lässt sich von niemandem kontrollieren, und wer ihr in die Quere kommt, hat ernste Konsequenzen zu gewärtigen. Mit dem zwar verkrüppelten, aber ebenso durchtriebenen wie gnadenlosen Zalatschenko und mit ihrem schmerzunempfindlichen Halbbruder hat Lisbeth ebenbürtige Gegner gefunden. Das lässt auf einen fulminanten Abschluss der Millenium-Trilogie hoffen!


Blu-ray-Features

Der Film wurde zusammen mit Verblendung und Vergebung in einer Box veröffentlicht. Jeder Film ist in zwei Hälften mit Vor- und Abspann aufgeteilt. Startet man die beiden Teile gesondert, dann beginnt der zweite mit einer kurzen Zusammenfassung der Geschehnisse der ersten Hälfte. Wählt man die Option zum Abspielen beider Teile, fällt diese Zusammenfassung weg. Bonusmaterial ist leider nicht vorhanden. Die Filme sind auch einzeln erhältlich und soweit ich weiß sind bei den Einzel-Discs dann auch Extras vorhanden.


J. Kreis, 12.03.2015




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