Millenium-Trilogie


Verblendung - Director's Cut (Schweden/Dänemark/Norwegen/D, 2009)
- Män som hatar kvinnor -

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 175 Minuten

Extras:
Keine

Regie:
Niels Arden Oplev

Hauptdarsteller:
Mikael Nyqvist (Mikael Blomkvist)
Noomi Rapace (Lisbeth Salander)
Sven-Bertil Taube (Henrik Vanger)
Peter Andersson (Nils Bjurman)
Peter Haber (Martin Vanger)




Story

Seit vierzig Jahren erhält der schwedische Industriemagnat Henrik Vanger pünktlich zu seinem Geburtstag eine gepresste Blume. Der anonyme Absender setzt damit eine Tradition fort, die seinerzeit von Vangers Nichte Harriet begonnen wurde. Harriet ist im Jahre 1966 im Alter von 16 Jahren spurlos verschwunden. Vanger glaubt, dass sie ermordet wurde, und dass der Mörder ihm die Blumen schickt, um ihn zu verhöhnen. Die Suche nach Harriet ist für Vanger zu einer Besessenheit geworden. Jetzt, im Alter von über 80 Jahren, will er einen letzten Versuch wagen. Er setzt Mikael Blomkvist auf den Fall an. Der Starjournalist und Mitinhaber der Zeitschrift "Millenium" wurde jüngst zu einer mehrmonatigen Haftstrafe wegen Verleumdung verurteilt, die er in einem halben Jahr antreten muss. Blomkvist hat einen Artikel über illegale Machenschaften des Großunternehmers Wennerström veröffentlicht, ist bei der Recherche aber hinters Licht geführt worden und konnte seine Behauptungen nicht beweisen. Vanger hält Blomkvist trotzdem für vertrauenswürdig, und zwar aus gutem Grund. In seinem Auftrag hat Lisbeth Salander, Top-Ermittlerin der Sicherheitsfirma Milton Security, Blomkvists Hintergrund durchleuchtet (als begnadete Hackerin konnte sie seinen Laptop problemlos infiltrieren) und nur Gutes herausgefunden.

Für die Dauer seiner Ermittlungen wohnt Blomkvist in einem Gästehaus auf der Insel Hedeby. Von Vanger erhält Blomkvist das gesamte Material über den Fall und weitere Informationen. Der alte Mann ist davon überzeugt, dass Harriet von einem Familienmitglied umgebracht worden ist. Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens gab es ein Familientreffen auf Hedeby und die einzige Brücke, über die man die Insel erreichen oder verlassen kann, war wegen eines schweren Unfalls unpassierbar. Während sich Blomkvist durch die digitalisierten Unterlagen arbeitet, liest Lisbeth mit. Der Fall ist für sie von persönlichem Interesse, denn sie hat ebenfalls eine äußerst düstere Vergangenheit. Sie gilt als schwierig und gewaltbereit, hat einige Zeit in einer psychiatrischen Anstalt verbracht und steht unter anwaltlicher Betreuung. In Wahrheit ist sie hochintelligent und hat ein fotografisches Gedächtnis. Trotzdem ist sie ihrem Betreuer Nils Bjurman ausgeliefert, denn er hat die Kontrolle über ihr Bankkonto und könnte durch ungünstige Berichte jederzeit dafür sorgen, dass sie wieder in die Psychiatrie eingewiesen wird. Er vergeht sich an ihr, als sie ihn um Geld bittet. Bei einer zweiten Gelegenheit schlägt er sie zusammen und vergewaltigt sie brutal. Allerdings hat Lisbeth diesmal eine versteckte Kamera dabei. Mit den Aufnahmen hat sie Bjurman jetzt in der Hand. Sie stattet ihm einen dritten Besuch ab, setzt ihn mit einem Elektroschocker außer Gefecht und zahlt es ihm mit gleicher Münze heim. Außerdem tätowiert sie riesige Lettern auf seinen Bauch, die besagen, dass er ein Sadist und Vergewaltiger ist.

Blomkvist lernt einige der auf Hedeby lebenden Mitglieder der Vanger-Familie kennen. Mit Martin, Harriets Bruder, freundet er sich sogar an. Er findet eine von Harriet angelegte Liste mit Namen und Nummern. Vom damals mit den Ermittlungen betrauten Inspektor Morell erfährt er, dass die Liste längst gecheckt wurde. Die Bedeutung der Einträge ist nicht bekannt, es handelt sich jedenfalls nicht um Telefonnummern. Blomkvist stößt auf Fotos, die kurz vor Harriets Verschwinden gemacht wurden. Man kann erkennen, dass sie jemanden sieht, vor dem sie sich fürchtet. Es muss sich um einen Jungen mit einem blauen Pullover handeln, dessen Gesicht jedoch unkenntlich ist. Lisbeth, die Blomkvists Rechner weiterhin regelmäßig checkt, stößt auf Harriets Notizen und erkennt, dass es sich um Bibelstellen handelt. Diese Erkenntnis mailt sie an Blomkvist. So erfährt er, dass es einen von Lisbeth angefertigten Bericht über seine persönlichen Verhältnisse gibt. Er stellt die junge Frau zur Rede, aber nicht, um ihr den Datenklau vorzuwerfen, sondern weil er ihre Hilfe bei der Suche nach Harriets Mörder braucht. Lisbeth zieht zu Blomkvist ins Gästehaus. Die beiden kommen sich emotional so nah, wie es im Falle der mit nicht besonders großer Sozialkompetenz ausgestatteten jungen Frau überhaupt möglich ist, und schlafen miteinander. Gemeinsam finden sie heraus, dass es einen Zusammenhang zwischen den Bibelstellen und mehreren Frauenmorden aus der Zeit von 1949 bis in die Sechzigerjahre gibt. Alle Frauen wurden so getötet, wie es in der Bibel beschrieben ist - und alle waren Jüdinnen. Damit fällt der Verdacht auf Henriks älteren Bruder Harald, einen überzeugten Nationalsozialisten.

Blomkvist bricht in Harald Vangers Haus ein. Der alte Nazi überrascht Blomkvist und bedroht ihn mit einem Gewehr. Martin Vanger kommt hinzu und entschärft die Situation. Lisbeth durchstöbert zur selben Zeit die Firmenarchive. Sie erkennt anhand von Reisekostenbelegen, dass Gottfried Vanger, Martins Vater, zur Zeit jedes einzelnen Mordes vor Ort war. Beim letzten Mal war auch Martin dabei. Es gibt einen Zeitungsbericht hierüber. Auf dem Bild ist Martin zu sehen. Er trägt denselben Pullover wie der Junge auf dem anderen Bild. Derweil setzt Martin Blomkvist unter Drogen und bringt ihn in eine Folterkammer unter seinem Haus. Dorthin verschleppt er schon seit Jahren junge Frauen, die er gefangen hält, nach Belieben missbraucht, dann ermordet und im Meer entsorgt. Das hat er vor Jahrzehnten von seinem Vater Gottfried gelernt. Blomkvist soll nun ebenfalls sterben. Im letzten Moment erscheint Lisbeth, vertreibt Martin und rettet Blomkvist. Martin flieht mit dem Auto, Lisbeth verfolgt ihn per Motorrad. Martin verliert die Kontrolle über das Fahrzeug. Es stürzt eine Böschung hinab und geht in Flammen auf. Martin ist bewegungsunfähig. Lisbeth könnte ihm helfen, lässt ihn aber verbrennen. Martin hat beteuert, mit Harriets Verschwinden nichts zu tun zu haben. Blomkvist erkennt, dass Harriet die Identität einer Freundin angenommen hat, die ihr sehr ähnlich sieht. Jetzt ist es kein Problem mehr, sie aufzuspüren. Sie lebt als Farmerin in Australien. Als Blomkvist sie aufsucht, erfährt er, dass Harriet damals regelmäßig von ihrem Vater Gottfried und ihrem Bruder Martin missbraucht worden ist. Eines Tages hat sie ihren betrunkenen Vater getötet und konnte das wie einen Unfall oder Selbstmord aussehen lassen. Martin hat diese Tat beobachtet, ist allerdings kurz danach in ein Internat geschickt worden. Als er nach Hedeby zurückkehrte, war für Harriet klar, dass alles von vorn anfangen würde. Sie hat sich versteckt gehalten und wurde von ihrer Freundin im Auto aufs Festland geschmuggelt, sobald die Brücke wieder frei war. Jetzt kehrt sie zu Henrik zurück. Sie erklärt, sie selbst habe die gepressten Blumen geschickt, um ihrem Onkel zu zeigen, dass sie noch am Leben ist.

Nachdem der Fall gelöst ist, muss Blomkvist die Haftstrafe antreten. Lisbeth besucht ihn und bringt ihm eine ganz besondere Lektüre mit: Unterlagen, die Wennerströms Schuld beweisen. Pünktlich zur Haftentlassung erscheinen neue Enthüllungberichte aus Blomkvists Feder, und diesmal sind sie wasserdicht. Wennerströms auf Betrügereien gegründetes Finanzimperium bricht zusammen. Er selbst wird erhängt aufgefunden. Lisbeth möchte sich wieder mit Blomkvist treffen, aber als sie ihn Arm in Arm mit einer anderen Frau sieht, wendet sie sich ab. Einige Zeit später hebt eine Unbekannte mehrere Millionen Kronen von einem Konto Wennerströms auf den Cayman Islands ab. Sie ist verschwommen auf den Bildern einer Überwachungskamera zu sehen. Diese werden im Fernsehen gezeigt. Blomkvist sieht den Bericht und erkennt Lisbeth...


Kringels Meinung

Dieser Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Stieg Larsson und bildet wie dieser den Auftakt einer Trilogie. Außerdem ist "Verblendung" einer der wenigen Filme, die ich für besser halte als die Romanvorlage - allerdings nur in Sachen Erzählfluss und Suspense, aber nicht, was die Komplexität der Handlung und Figurenzeichnung angeht. Da hat das Buch denn doch die Nase vorn, aber ironischerweise kann man diese Stärke gleichzeitig für eine Schäche halten. So erfährt man im Film keine Details über Wennerströms Machenschaften, während sich der Autor im Roman sehr lange hierüber auslässt. Diese erklärenden Kapitel machen den Einstieg in den Roman recht zäh und werden für die Story an sich nicht gebraucht. Es dauert geraume Zeit, bis der Roman so richtig in Fahrt kommt. Das ist beim Film ganz anders, hier wird die Ausgangssituation mit wenigen Szenen etabliert und man ist schon bald mittendrin in einem mysteriösen Kriminalfall. Lisbeths Coup auf den Cayman Islands wird im Film kurz abgehandelt, im Roman dagegen lang und breit geschildert. Zu diesem Zeitpunkt ist die Luft schon raus, denn der Harriet-Fall ist gelöst und die Wennerström-Affäre hat für Blomkvist und Millenium ein gutes Ende gefunden. Natürlich ist Lisbeths plötzlicher Reichtum für den weiteren Verlauf der Trilogie wichtig, aber der Film wäre in der Ausklangphase nur unnötig in die Länge gezogen worden, wenn man hätte zeigen wollen, welche Tricks Lisbeth anwendet, um an das Geld heranzukommen. Im Roman ist das was anderes; diese Kapitel zeigen, dass Lisbeth weit mehr auf dem Kasten hat als nur Hackerfähigkeiten. Außerdem braucht Mikael Blomkvist im Roman erheblich länger, bis er den ersten kleinen Durchbruch erzielt. Im Film ist er kaum auf Hedeby angekommen, als er auch schon erste Ergebnisse präsentieren kann.

Man könnte den Film also als auf die Krimi-Handlung verdichtete Version des Romans bezeichnen. Er ist deshalb spannender als der Roman, denn darin geht der Kriminalfall fast ein wenig unter. Der Film ist aber bei weitem nicht so vielschichtig wie der Roman, denn dort geht es nicht nur um die Suche nach Harriets Mörder bzw. nach Harriet selbst, sondern auch um das Schicksal der Zeitschrift Millenium sowie um Themen wie Wirtschaftskriminalität und Gewalt gegen Frauen. Das alles wird im Film nur kurz angerissen. Den Roman hatte ich in Hinblick auf die Trilogie als besonders lang geratene Expositionsphase für die Hauptfiguren bezeichnet. Auch das ist beim Film etwas anders. Viele Hauptfiguren werden im Film etwas stiefmütterlich behandelt. Das gilt nicht nur für Erika Berger, die zweite Millenium-Mitarbeiterhin und Geliebte Mikael Blomkvists (die für die Film-Story derart unwichtig ist, dass ich sie in obiger Handlungszusammenfassung ganz weggelassen habe), sondern sogar für Blomkvist selbst. Sein Charakter wird im Roman weit facettenreicher geschildert als im Film. Sein beruflicher und privater Hintergrund fällt hier weitgehend unter den Tisch. Henrik Vanger ist im Roman eine etwas ambivalente Figur. Er versteht es sehr geschickt, bei Blomkvist die richtigen Knöpfe zu drücken, um ihn zur Mitarbeit zu bewegen. Im Film geht das viel einfacher. Man bietet Blomkvist eine große Geldsumme an, das war's dann schon. Außerdem wird kein Versuch unternommen, Blomkvists Tätigkeit zu verschleiern. Im Roman tut er so, als würde er für eine Familienchronik der Vangers recherchieren. Und am Ende ist Mikael gezwungen, eine Entscheidung zu treffen, die seiner Journalistenehre zutiefst widerspricht: Er muss verschweigen, was er aufgedeckt hat. Im Film verläuft das völlig anders. Da wird Martins Folterkeller sogar von der Polizei untersucht.

Kommen wir zum Highlight sowohl der Romane als auch dieses Films: Lisbeth Salander. Hier ist übrigens eine Warnung angebracht. Im Film wird ein entscheidendes Detail aus Lisbeth Salanders Vergangenheit gezeigt. Wer die Romane noch lesen, sich aber nicht selbst spoilern möchte, sollte sich deshalb zuerst nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Band ("Verdammnis") vornehmen. Lisbeth Salanders Vergangenheit war extrem traumatisch und ist eines der zentralen Themen der Fortsetzung. Das wortkarge Mädchen mit dem Drachen-Tattoo ist meiner bescheidenen Meinung nach eine der ungewöhnlichsten und faszinierendsten Figuren der Krimigeschichte. Ich zitiere mich mal selbst: Die praktisch nur aus Gegensätzen bestehende und so gar nicht dem üblichen Klischee entsprechende Privatermittlerin ist einerseits mit beeindruckenden Eigenschaften gesegnet - sie ist die beste Hackerin Schwedens, hat ein fotografisches Gedächtnis und einen analytischen Verstand, vor dem keine noch so geheime Information sicher ist - kann andererseits aber fast schon als Autistin bezeichnet werden. Lisbeth Salanders soziale Kompetenz ist praktisch nicht vorhanden, sie lässt keinen an sich heran und neigt zu aggressiven Ausbrüchen. Sie lässt sich von niemandem kontrollieren, und wer ihr in die Quere kommt, hat ernste Konsequenzen zu gewärtigen. Noomi Rapace ist eine gute Besetzung für diese ebenso starke wie verletzliche Person. Ohne sie wäre der Film nur ein weiterer Serienmörder-Krimi mit zugegebenermaßen düsterer Atmosphäre und unerwarteten Wendungen, aber ohne Alleinstellungsmerkmal. Die Komplexität des Romans wird zwar nicht erreicht, aber das muss wie gesagt keine Schwäche sein! "Verblendung" ist ein sehenswerter Schwedenkrimi mit einer herausragenden Hauptdarstellerin, den ich nur empfehlen kann.


Blu-ray-Features

Der Film wurde zusammen mit Verdammnis und Vergebung in einer Box veröffentlicht. Jeder Film ist in zwei Hälften mit Vor- und Abspann aufgeteilt. Startet man die beiden Teile gesondert, dann beginnt der zweite mit einer kurzen Zusammenfassung der Geschehnisse der ersten Hälfte. Wählt man die Option zum Abspielen beider Teile, fällt diese Zusammenfassung weg. Bonusmaterial ist leider nicht vorhanden. Die Filme sind auch einzeln erhältlich und soweit ich weiß sind bei den Einzel-Discs dann auch Extras vorhanden.


J. Kreis, 16.01.2015




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