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V wie Vendetta V wie Vendetta (USA, 2005)
- V for Vendetta -

DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 128 Minuten

Extras
"Freiheit! Für immer!" (Making of "V wie Vendetta")

Regie:
James McTeigue

Hauptdarsteller:
Hugo Weaving (V)
Natalie Portman (Evey Hammond)
Stephen Rea (Eric Finch)
John Hurt (Großkanzler Adam Sutler)




Inhalt:

Einige Jahre in der Zukunft hat die Weltlage sich grundlegend gewandelt. Die einstige Weltmacht USA ist nach einem Krieg zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken. Großbritannien ist nach einer chaotischen Phase des Bürgerkriegs und einer schrecklichen Virusepidemie zu einem faschistischen, totalitären Polizeistaat geworden, an dessen Spitze Großkanzler Adam Sutler als Alleinherrscher steht. Alle Medien sind gleichgeschaltet. Sie werden staatlich kontrolliert und verbreiten hauptsächlich Hetzpropaganda oder dümmliche Unterhaltung. Unerwünschte Minderheiten (Homosexuelle, Moslems) werden als Terroristen und Staatsfeinde abgestempelt, drangsaliert und in Lager gesteckt. Lebensmittel sind rationiert, Ausgangssperren wurden verhängt. Evey, eine junge Frau, die bei einem Fernsehsender arbeitet, ist eines Tages nach Beginn der Sperrstunde noch unterwegs. Prompt fällt sie einigen so genannten "Fingermen" in die Hände. Diese Geheimpolizisten in Zivil wollen Evey vergewaltigen, werden aber von einem geheimnisvollen Mann außer Gefecht gesetzt, der eine Guy-Fawkes-Maske trägt und sich "V" nennt. Der Unbekannte nimmt Evey zu einem "Konzert" mit: Er jagt Old Bailey zu den Klängen klassischer Musik hoch.

Am nächsten Tag erscheint V mit einer Bombe im Sender und strahlt eine Ansprache über den Notstandskanal aus, der nicht abgeschaltet werden kann. Er spricht eindringlich von den Verbrechen der Regierung und ruft die Menschen zum Widerstand auf. In genau einem Jahr, am nächsten 5. November, sollen alle Bürger sich zu einer großen Protestaktion vor den Houses of Parliament versammlen. Starke Polizeikräfte rücken an, V wird gestellt. Evey verhilft ihm zur Flucht, wird dabei aber niedergeschlagen. V nimmt sie mit in sein mit verbotenen Kunstwerken und Büchern angefülltes Geheimversteck, das Evey bis zum nächsten 5. November nicht mehr verlassen darf. Sie wäre ohnehin in größter Gefahr, denn ihre Tat wurde beobachtet und sie wurde längst identifiziert. V, der seine Maske nie ablegt und über unglaubliche Körperkräfte sowie ein immenses Wissen zu verfügen scheint, behandelt Evey zuvorkommend, nutzt sie aber auch für einen privaten Rachefeldzug aus. Er tötet nacheinander alle Personen, unter denen er in seiner Vergangenheit gelitten hat.

Was es mit dieser Vergangenheit auf sich hat, findet der mit den Mordfällen betraute Inspector Finch nur allmählich heraus. V war vor einigen Jahren Insasse eines Gefangenenlagers, über das heute praktisch nichts mehr bekannt ist. Dort hat man so genannte Staatsfeinde für verbrecherische medizinische Experimente missbraucht. Die meisten Gefangenen sind damals gestorben, doch bei V haben die Experimente eine besondere Wirkung gezeigt. Bei einem Brand ist er zwar vertümmelt worden, konnte sich jedoch befreien. Evey erklärt sich zum Schein bereit, V beim Mord an einem Bischof zu helfen, der ebenfalls zu seinen alten Feinden gehört. Tatsächlich sucht sie aber nur nach einer Möglichkeit zur Flucht, und diese bietet sich ihr auch. Sie sucht Unterschlupf bei ihrem Chef, doch da gerät sie vom Regen in die Traufe, denn er bringt eine Sendung ins Fernsehen, in der Großkanzler Sutler verspottet wird. Prompt wird er von einem Rollkommando verschleppt. Auch Evey wird verhaftet. Sie wird in eine Einzelzelle gesperrt und gefoltert, doch sie verrät V auch dann nicht, als sie vor ein Erschießungskommando gestellt werden soll. Da offenbart sich ihr Peiniger: Es ist V! Er hat all das nur inszeniert, um sie dazu zu bringen, ihre eigene Stärke zu erkennen.

Inspector Finch erfährt, dass die Regierung seinerzeit selbst für den Ausbruch der Seuche gesorgt hat, um im erwartungsgemäß ausbrechenden Chaos mit Gewalt einschreiten, die Macht ergreifen und alle "Störenfriede" beseitigen zu können. V verschickt Tausende von Guy-Fawkes-Kostümen in ganz London. Sutler befiehlt drakonische Sicherheitsmaßnahmen und sorgt dadurch erst recht für Unruhe unter der Bevölkerung. V nutzt die Angst von Sutlers Stellvertreter Creedy aus, der unter extremem Druck steht. Er bringt Creedy dazu, Sutler aus dessen Versteck zu entführen und vor Vs Augen zu erschießen. Creedys Soldaten pumpen V mit Blei voll, können den Maskierten aber nicht aufhalten und werden alle getötet. Der angeschossene V stirbt in Eveys Armen. Nun liegt es an ihr, einen von V vorbereiteten und mit Sprengstoff vollgestopften U-Bahn-Zug auf den Weg zu schicken: Auf diese Weise soll das Parlament vernichtet werden. Im letzten Moment taucht Finch auf, doch er lässt Evey gewähren. Währenddessen nähert sich eine gewaltige Menschenmenge in Guy-Fawkes-Masken dem schwer gesicherten Parlamentsgebäude. Da die Soldaten keine Befehle erhalten, eröffnen sie nicht das Feuer. Dann explodieren die Houses of Parliament und eine neue Zeit bricht an...

Der Film:

Dieser Film kommt in den Kritiken meist nicht besonders gut weg, wenn er mit den Comics verglichen wird, auf denen er basiert. In den Comics verläuft die Revolution am Ende zum Beispiel wohl keineswegs so nett und gewaltfrei wie im Film. Ich kenne die Comics nicht und kann diesbezüglich nicht mitreden - ich kann nur das beurteilen, was ich gesehen habe. Und das hat mir trotz einiger Einschränkungen durchaus gefallen.

Der im Grunde namenlose Held ("V" ist nur die Nummer auf der Tür zu Vs einstiger Kerkerzelle) hat sich den Freiheitskämpfer Guy Fawkes zum Vorbild genommen. Hierbei handelt es sich um eine reale historische Figur. Fawkes war, wie man in der Wikipedia nachlesen kann, am so genannten "Gun Powder Plot" gegen die tyrannische und antikatholische britische Regierung beteiligt, und hat am 5. November 1605 versucht, die Houses of Parliament zu sprengen. Er war jedoch verraten, gefangen und hingerichtet worden. Dieses Ereignis wird in Großbritannien auch heute noch gefeiert, und die von V gesprochenen Gedichtzeilen ("Remember, remember the fifth of November...") sind ein bekannter Kinderreim. V ist kein typischer Superheld, obwohl er wie einer dargestellt wird. Typisch dafür: Cooles Outfit, Zeitlupenkämpfe wie in Matrix, ein Geheimversteck und natürlich die Maske - insgesamt vielleicht etwas zuviel des Guten. Im Grunde ist er nicht einmal ein Held, denn er kämpft zwar gegen ein bösartiges Unterdrückungsregime, aber er kämpft mit den Mitteln des Terrorismus. Außerdem ist er zwar einerseits intelligent, gebildet, empfindsam, witzig und trotz nie abgelegter Maske sogar charmant - andererseits ist er aber auch von Rachsucht besessen (die reuige Ärztin hätte er zum Beispiel nicht töten müssen) und sein Verhalten Evey gegenüber ist mehr als nur fragwürdig. Man fragt sich manchmal, ob er nicht etwa komplett wahnsinnig ist. Dass Evey ihm nach allem, was er ihr angetan hat, nicht einmal böse zu sein scheint, kommt mir extrem unglaubwürdig vor.

Vs Kampf gegen das Regime wird ohne jegliche Einschränkung als positiv dargestellt. Damit das funktioniert, muss das Regime natürlich als besonders böse dargestellt werden. Das funktioniert hervorragend - im Grunde hat Großbritannien sich in dieser Geschichte in eine Kopie Nazideutschlands verwandelt. Die bitterbösen Seitenhiebe auf heutige weltpolitische Ereignisse gefallen mir besonders gut. Der Film stellt den Satz "der Zweck heiligt die Mittel" allerdings nicht in Frage. Ich habe den Film so verstanden, dass es V gar nicht um eine Revolution geht: Er nutzt sie lediglich, um an Sutler heranzukommen und seine persönliche Rache an ihm zu vollziehen. Schließlich setzt er den Sprengstoff-Zug auch nicht selbst in Gang, sondern überlässt das Evey. Vielleicht hat V ja selbst erkannt, dass er nur eigennützige Motive verfolgt? Vs Brutalität wird für einen Film mit FSK 16 - Freigabe ziemlich deutlich gezeigt. Wenn er seine Widersacher mit den Messern in den zum Glück nur wenigen (immerhin perfekt choreografierten) Kampfszenen zerschnetzelt, dann spritzt der Lebenssaft recht plakativ durch die Gegend. Das Ganze wird allerdings durch den immer wieder aufblitzenden Humor etwas entschärft.

Hugo Weaving, den man im ganzen Film übrigens kein einziges Mal zu Gesicht bekommt, bringt all diese Facetten Vs allein durch seine Stimme und seine Körpersprache unglaublich gut zum Ausdruck. Natalie Portman zeigt, dass sie mehr drauf hat, als Anakin Skywalkers Anhängsel zu spielen. John Hurt ist als Gift und Galle speiender Kanzler perfekt besetzt. Der Leistung der Haupt- und Nebendarsteller ist es vor allem zu verdanken, dass der Film mich trotz aller Schwächen in seinen Bann gezogen hat.

Nicht ganz so überzeugend fand ich das gezeigte Szenario Großbritanniens nach der "Restauration". Die Grundidee ist ja gut ausgearbeitet, aber irgendwie wirken die Bürger gar nicht so unterdrückt und geknechtet, dass es notwendig wäre, eine Revolution zu ihrer Befreiung anzuzetteln. Auch die angebliche Lebensmittelrationierung wirkt angesichts des sauberen Luxus, der offenbar in allen Wohnungen herrscht, seltsam fehl am Platz - zum Beispiel in der Szene, als Evey sagt, sie hätte schon seit Jahren keine Butter mehr gegessen. Egal. Interessant und visuell beeindruckend ist der Film allemal.

Die DVD:

Das ca. 16-minütige "Making of" verdient diese Bezeichnung eigentlich nicht, denn es ist nur eine jener typischen inhaltsarmen Featurettes mit schnell zusammengeschnittenen Szenenschnipseln aus dem Film und von den Dreharbeiten, durchmischt mit kurzen Interview-Fetzen, in denen Schauspieler und andere Beteiligte ein paar Worte zu ihren Rollen und zum Inhalt des Films verlieren. Einige wenige Bilder aus den Comics bekommt man ebenfalls zu sehen. Aber ich will mich nicht beschweren: Schließlich hätte ich mir ja auch die "Special Edition" kaufen können, die erheblich mehr Bonusmaterial enthält.

J. Kreis, 30.10.2006
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