Upside Down


Upside Down (F/Kanada, 2012)

Blu-ray, Concorde Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 108 Minuten

Extras:
- Making of (27:01 Min.)
- Entfallene Szenen (1:43 Min.)
- Storyboards & Previsualizations (14:40 Min.)
- B-Roll (4:17 Min.)
- Interviews (21:15 Min.)
- Kinotrailer

Regie:
Juan Diego Solanas

Hauptdarsteller:
Jim Sturgess (Adam Kirk)
Kirsten Dunst (Eden Moore)
Timothy Spall (Bob Boruchowitz)
James Kidnie (Lagavullan)




Story

Adam Kirk und Eden Moore leben auf zwei Planeten, die sich sehr nahe und doch strikt voneinander getrennt sind. Edens Heimat ist die "obere Welt", deren Bewohner technisch weit fortgeschritten sind und großen Wohlstand erwirtschaftet haben - allerdings nur für sich selbst und auf Kosten der Menschen der "unteren Welt", wo Adam nach dem Unfalltod seiner Eltern in einem Waisenhaus aufwächst. In der unteren Welt herrschen Mangel und Armut. Die Menschen der oberen Welt kaufen billiges Öl aus der unteren Welt und verkaufen teuren Strom, auf den sie ein Monopol haben. Die beiden Welten umkreisen dieselbe Sonne auf derselben Umlaufbahn. An manchen Stellen sind die Planetenoberflächen nur wenige Meter voneinander entfernt. Diese Nähe ist aufgrund eines Phänomens möglich, das als "duale Schwerkraft" bezeichnet wird. Jegliche Materie wird nur von ihrer Ursprungswelt angezogen. Die Anziehungskraft der oberen Welt wirkt somit auf nichts, was aus der unteren Welt kommt. Ein Bewohner der unteren Welt, der die obere Welt besuchen wollte, würde immer nach "unten" (aus der Perspektive der Bewohner der oberen Welt also nach oben) gezogen werden. Kommen Objekte beider Welten miteinander in Berührung, können die Anziehungskräfte aufgehoben oder (je nach Masse) sogar umgekehrt werden. Man spricht dann von "inverser Materie". Nach wenigen Stunden wird inverse Materie allerdings extrem heiß. Sie muss deshalb ständig gekühlt werden. Kontakte zwischen den Bewohnern beider Welten sind scharf reglementiert, Zuwiderhandlungen werden streng geahndet. Im Extremfall droht die Todesstrafe. Es gibt nur eine einzige ständige Verbindung zwischen oberer und unterer Welt. Dies ist das über den Abgrund hinwegreichende Hauptquartier des Großkonzerns TransWorld. Hier arbeiten Bewohner beider Welten zusammen an verschiedenen Projekten.

An den Wochenenden darf Adam seine Großtante Becky besuchen. Sie ist Adams letzte Verwandte, und sie ist die einzige Person, die das Geheimnis eines besonderen Bienenvolkes kennt. Diese Insekten leben in einem Gebirge, dessen Gipfel fast an die Spitzen der Oberweltberge heranreichen, und sammeln Pollen aus beiden Welten. Auf unbekannte Weise verbindet sich der Blütenstaub zu einem rosafarbenen Pulver, welches wie inverse Materie wirkt, sich im Gegensatz zu dieser aber nicht entzündet. Als er alt genug ist, wird Adam in das Geheimnis eingeweiht. Eines Tages begegnen sich Adam und Eden im Gebirge. Sie verlieben sich ineinander. Da die Berggipfel nicht weit voneinander entfernt sind, kann Adam seine Freundin mit einem Seil zu sich heranziehen. Bei einer solchen Gelegenheit werden die beiden von Jägern entdeckt und beschossen. Adam wird von einer Kugel getroffen und muss das Seil loslassen, an dem sich Eden gerade in ihre Welt hinablässt. Eden stürzt ab und bleibt regungslos in einer Blutlache liegen. Adam hält sie für tot, doch sie überlebt, verliert dabei aber ihr Gedächtnis. Adam und Becky werden verhaftet, das Haus wird niedergebrannt. Die folgenden Jahre verbringt Adam mit der Erforschung des rosa Blütenstaubs.

Zehn Jahre nach Edens vermeintlichem Tod ist Adam kurz davor, eine Pflegecreme zu entwickeln, durch deren inverse Eigesnchaften selbst die übelsten Falten geglättet werden können. Als er Eden zufällig im Fernsehen sieht und erfährt, dass sie bei TransWorld angestellt ist, verdingt er sich ebenfalls bei dem Konzern, um Kontakt mit ihr aufnehmen zu können. Er freundet sich mit dem Oberweltler-Kollegen Bob Boruchowitz an, dem er wertvolle Briefmarken aus der unteren Welt beschafft. Adams Chef Lagavullan setzt große Hoffnungen in die Creme und stellt inverse Materie für Adams Forschungen zur Verfügung. Adam zweigt einiges davon ab und konstruiert daraus eine Art Korsett, das es ihm ermöglicht, sich ganz normal in der oberen Welt zu bewegen. Doch als er Eden trifft, erkennt sie ihn nicht. Adam muss in seine Welt zurückkehren, als sich die inverse Materie zu erhitzen beginnt. Wenig später wird Bob gefeuert. Er überlässt Adam seine ID-Karte, so dass dieser seine Identität annehmen und sich frei in der oberen Welt bewegen kann. So kann er sich mit Eden verabreden. Die alte Liebe flammt wieder auf, doch Eden hält Adam nun für Bob Boruchowitz, also für einen Bewohner ihrer Welt. Bei einer Präsentation der zur Produktionsreife gelangten Creme durchschaut Eden (die sich inzwischen allmählich an die Zeit vor dem Sturz zu erinnern beginnt) den Schwindel.

Adam sucht vergeblich nach Eden. Er wendet sich an Bob, dem er einiges von dem rosa Pulver überlässt. Adam hat Lagavullan verschwiegen, dass die Creme ohne diese Zutat wirkungslos ist. Bob stellt ein hitzeabsorbierendes Korsett für Adam her. So kann Adam mehr Zeit in der oberen Welt verbringen und sich mit Eden versöhnen. Wieder einmal muss er fliehen, doch jetzt kann sich Eden an den geheimen Treffpunkt im Gebirge erinnern. So kommen die beiden endlich zusammen. Ihr Stelldichein wird durch Sicherheitskräfte gestört. Bei der Flucht stürzt Adam in die untere Welt zurück. Eden wird verhaftet und von TransWorld als Druckmittel eingesetzt. Adam soll zur Herausgabe der geheimen Zutat gezwungen werden. Adam würde sich nun geschlagen geben, aber Eden gibt nicht auf. Bob hilft ihr, Kontakt mit Adam aufzunehmen. Bob hat weiter mit dem rosa Pulver experimentiert und herausgefunden, dass man es mit Wasser vermischen und sich dieses injizieren kann, um in der jeweils anderen Welt leben zu können. Außerdem hat er vor Lagavullan das Patent für die Pflegecreme angemeldet. Adam und Eden treffen sich in der unteren Welt. Eden erklärt, sie sei mit Zwillingen schwanger. Durch die Schwangerschaft kann sie nun für immer in Adams Welt bleiben. Infolge dieser Ereignisse tritt ein grundlegender Wandel in den Beziehungen der Planeten ein. Beide Welten wachsen buchstäblich zusammen.


Kringels Meinung

Liebende aus zwei Welten, die große Widerstände überwinden müssen, um zueinander finden zu können - diese alte Geschichte, die in Shakespeares "Romeo und Julia" so unschön endet, ist mir in ziemlich ungewöhnlicher Abwandlung gerade erst im Film Warm Bodies begegnet. "Upside Down" behandelt dasselbe Thema, aber auf verblüffend andere Weise. Man sollte sich klar machen, dass in diesem Film vor allen Dingen eine mal tragische, mal herzerwärmende Liebesgeschichte erzählt wird. Die beiden Welten sind natürlich eine allzu augenfällige Metapher für die altbekannte Klassenkampf-Thematik, aber das ist für den Film nicht weiter wichtig - die Welten bleiben nur Kulisse. Kleinigkeiten wie Astrophysik, Himmelsmechanik und Logik sind erst recht Nebensache. Mich stört das alles rein gar nicht, zumal Kirsten Dunst und Jim Sturgess gut zusammenpassen, aber Fans "harter" Science Fiction werden wahrscheinlich schon allein wegen der Ausgangssituation die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Es wird schließlich mit keinem Wort darauf eingegangen, warum die Gravitation eines Planeten ausschließlich auf Objekte einwirkt, die aus der Materie dieser Welt entstanden sind. Ich weiß gar nicht, wie vielen Naturgesetzen diese unmögliche Konstellation widerspricht! Übrigens bekommt man immer nur jene Teile der Welten zu sehen, die einander am nächsten sind, und das sind immer dieselben, denn die Planeten haben offensichtlich keine Eigenrotation.

Aber auch in sich ist der Film nicht schlüssig, will sagen, die selbstdefinierten fiktiven Naturgesetze werden immer wieder ignoriert oder zumindest so zurechtgebogen, dass es für die Story passt. Zum Beispiel erhitzt sich jegliche Materie aus Welt A, die mit Materie aus Welt B in Berührung kommt, innerhalb weniger Stunden. Diese Frist scheint aber nie dieselbe zu sein. So fängt Adams mit inverser Materie bestückte Unterwäsche beim ersten Besuch in Edens Büro schon sehr bald an zu glühen, aber beim zweiten Besuch vergeht ein langes gemütliches Essen zu zweit, bevor die präparierten Schuhsohlen zu qualmen beginnen. Zudem bunkert Adam die inverse Materie über einen längeren Zeitraum ohne Kühlung in einer Art Zwischendecke. Das Zeug müsste also längst geschmolzen sein. Außerdem wird völlig außer Acht gelassen, dass Adam selbst inverse Materie ist, sobald er sich in der oberen Welt aufhält. Damit ihm die Hosenbeine nicht ständig hochrutschen, hat er sich von Bob Kleidung aus der oberen Welt geben lassen. Kleidung, die er am Leib trägt. Warum geht die nicht in Flammen auf? Zu guter Letzt halte ich die Zusammenarbeit von Beschäftigten beider Welten im TransWorld-Gebäude für unnötig kompliziert, von den Risiken ganz zu schweigen. Hier wurde die innere Logik dem Look geopfert - aber zugegeben: Das quasi gespiegelte Großraumbüro auf Etage Null, wo sich obere und untere Welt begegnen, sieht toll aus und ermöglicht einige witzige Szenen. Die armen Beschäftigten müssen sich nicht nur von den Kollegen an den benachbarten Schreibtischen beobachtet fühlen, nein: Über ihren Köpfen hängen weitere!

Überhaupt muss ich sagen, dass der Look das beste an "Upside Down" ist. So hat jede Welt ihren ganz eigenen Stil. Für die untere Welt wurden Fahrzeuge und andere Requisiten verwendet, deren Design an die Fünfzigerjahre erinnert. Alles sieht mehr oder weniger heruntergekommen aus, meist herrscht Dunkelheit oder Zwielicht. Allgegenwärtig sind auch die schädlichen Auswirkungen der in großem Umfang betriebenen Ölförderung. In der oberen Welt dagegen herrschen Luxus und Lichterglanz, die Gebäude sind futuristisch gestaltet, alles ist sauber und farbenfroh. So richtig reizvoll wird es allerdings erst dann, wenn sich beide Welten begegnen. Die hier zum Einsatz kommenden Tricks wirken sehr überzeugend. Adams schon erwähntes Großraumbüro mit dem auf dem Kopf stehenden Spiegelbild ist nur ein Beispiel von vielen. Die Bergszenarien sind ebenfalls gut gelungen. Besonders gut hat mit Adams und Edens Flucht quer durch das Gerippe eines abgestürzten Luftschiffes gefallen. Optisch ist der Film wirklich beeindruckend! Da die Lovestory für mich funktioniert hat, habe ich das als ausreichend empfunden und es ist mir gelungen, die Logikbugs auszublenden. Weniger romantisch veranlagte Zuschauer werden damit wahrscheinlich so ihre Probleme haben.


Blu-ray-Features

Das Bonusmaterial ist leider nicht sehr ergiebig. Die kurzen entfallenen Szenen sind nicht weiter erwähnenswert und die Featurettes "B-Roll" sowie "Interviews" sind größtenteils bereits im Making of enthalten. Ich fand es immerhin ganz interessant zu sehen, dass durchaus nicht alle Szenen mit doppelter Schwerkraft per CGI verwirklicht wurden. Für die Szene, in der Adam die mit inverser Materie bestückte Kleidung anzieht, so dass die Decke irgendwann für ihn zum Boden wird, wurde eigens ein drehbarer Raum gebaut. Dort mussten alle Kleinteile, die sich nicht bewegen durften, fest angeklebt werden.

in "Storyboards & Previsualizations" (mit Audiokommentar des Regisseurs) ist ein alternativer Entwurf für den Beginn des Films zu sehen. Danach wäre gezeigt worden, wie sich die Menschen beider Welten in der Urzeit begegnen und die Regeln der doppelten Schwerkraft gemeinsam erkunden. Man hätte ihre Weiterentwicklung in friedlicher Koexistenz bis zum Ausbruch des Krieges gesehen. Aber dadurch wäre das Budget wohl gesprengt worden.


J. Kreis, 01.03.2015




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