Unknown Identity


Unknown Identity (USA/D, 2011)
- Unknown -

DVD Regionalcode 2, Studiocanal
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 108 Minuten

Extras
- Behind the Scenes (4:14 Min.)
- Liam Neeson - Action Hero (4:22 Min)
- Interviews (Liam Neeson - 8:42 Min., Diane Krüger - 2:54 Min./6:46 Min., January Jones - 6:21 Min., Sebastian Koch - 3:34 Min., Jaume Collet-Serra - 8:00 Min./8:21 Min.)
- Trailer

Regie:
Jaume Collet-Serra

Hauptdarsteller:
Liam Neeson (Dr. Martin Harris)
Diane Kruger (Gina)
January Jones (Elizabeth Harris)
Aidan Quinn (Dr. Martin Harris)
Bruno Ganz (Ernst Jürgen)
Frank Langella (Rodney Cole)
Sebastian Koch (Prof. Leo Bressler)




Inhalt:

Dr. Martin Harris reist mit seiner Ehefrau Elizabeth (Liz) nach Berlin. Er soll dort an einem Kongress über Biotechnologie teilnehmen und den Nobelpreisträger Prof. Bressler treffen. Das Paar quartiert sich im Hotel Adlon ein. Bei der Ankunft stellt Martin fest, dass sein Aktenkoffer mit beiden Pässen am Flughafen stehen geblieben ist. Ohne Wissen seiner Frau fährt er mit einem Taxi zurück. Unterwegs kommt es zu einem Unfall. Das Taxi versinkt in der Spree. Martin erleidet eine Kopfverletzung und verliert das Bewusstsein. Die junge Taxifahrerin Gina rettet ihn, verschwindet dann aber, da sie als illegale bosnische Einwandererin nichts mit der Polizei zu tun haben möchte. Nach vier Tagen erwacht Martin in einem Krankenhaus. Er weiß zwar, wer er ist und warum er sich in Berlin befindet, leidet aber unter Gedächtnislücken. Aus Sorge um seine Frau verlässt Martin das Krankenhaus gegen ärztlichen Rat. Als er im Adlon ankommt, ist der Kongress schon in vollem Gange. Seine Frau behandelt ihn wie einen Fremden; ein anderer, ihm unbekannter Mann gibt sich als Martin Harris aus. Martin kann sich nicht ausweisen und kennt niemanden in Deutschland persönlich, daher glaubt man ihm nicht. Auch in den USA ist niemand erreichbar, dort feiert man gerade Thanksgiving. Martin hinterlässt seinem alten Freund Rodney Cole eine verzweifelte Nachricht auf dem Anrufbeantworter.

Martin versucht mit Prof. Bressler zu sprechen, doch sein "Alter Ego" ist bereits dort. Als Martin Harris II mit denselben intimen persönlichen Details aufwarten kann, die eigentlich nur dem echten Harris bekannt sein dürften, fällt Martin in Ohnmacht und wird erneut ins Krankenhaus eingeliefert. Dort erhält er von einer mitfühlenden Schwester die Adresse des Privatdetektivs Ernst Jürgen, eines ehemaligen Stasi-Agenten. Plötzlich taucht im Krankenhaus ein Mann auf, der Martin schon zuvor verfolgt hat. Er tötet die Schwester und versucht Martin zu vergiften. Martin kann jedoch fliehen. Er sucht Hilfe bei Jürgen und Gina. Letztere nimmt ihn bei sich auf, da er ihr Geld bietet, das sie dringend braucht, um gültige Papiere für einen weiteren Aufenthalt in Deutschland zu kaufen. Somit gerät sie selbst ins Visier der Killer. Zwei Mann dringen in Ginas Wohnung ein, um die beiden zu ermorden. Martin und Gina können einen Killer außer Gefecht setzen und fliehen. Da er seinen Terminplan noch im Kopf hat, weiß Martin, wo sich Liz am nächsten Tag aufhalten wird. Als er sie dort zur Rede stellt, lässt sie erkennen, dass jemand sie unter Druck setzt. Martin erfährt, dass sein Koffer am Flughafen zurückgeblieben ist. Er löst das Gepäckstück beim Fundbüro aus und hält wenig später seinen Pass in der Hand. Nun scheint alles gut zu sein, doch es kommt anders.

Rodney Cole taucht auf und entführt Martin mit Hilfe des zweiten Killers. Jetzt endlich erfährt Martin die Wahrheit. Tatsächlich hat Dr. Martin Harris nie existiert. Er ist eine von Martin (dessen wahrer Name ein Geheimnis bleibt) sorgfältig erschaffene Tarnidentität. Martin ist Mitglied von "Sektion 15", einer international tätigen Gruppe von Auftragsmördern. Bis zu seinem Unfall war Martin Coles bester Mann, aber durch die Amnesie ist Martin praktisch wirklich zu der Person geworden, die er eigentlich nur spielen wollte. Seine "Zweitbesetzung" ist für ihn eingesprungen. Jürgen hat das alles ebenfalls bereits herausgefunden. Er wurde von Cole aufgesucht und hat Zyankali genommen, bevor Cole ihn nach Martins Verbleib fragen konnte. Martin soll jetzt beseitigt werden. Dies wird jedoch von Gina verhindert, die die Entführung beobachtet hat. Sie überfährt den Killer und rammt Coles Fahrzeug, das in die Tiefe stürzt und explodiert. Martin weiß nun, dass er schon einmal in Berlin war, um einen Anschlag vorzubereiten. Als Ziel kommt nur der arabische Prinz Shada in Betracht, der Bresslers Forschungen finanziert, schon früher von Extremisten aus seinem Land attackiert wurde und zu Gast im Adlon ist. Martin selbst hat vor drei Monaten eine Bombe in der von Shada genutzten Suite versteckt.

Da sich Martin nicht mehr mit seinem früheren Ich identifiziert, versucht er den Anschlag zu verhindern. Er warnt das Sicherheitspersonal, so dass das Hotel geräumt werden kann. Gerade noch rechtzeitig erkennt Martin, dass das Attentat auf Prinz Shada nur der Ablenkung dienen soll. Das eigentliche Opfer ist Prof. Bressler, der eine genetisch modifizierte Getreideart erfunden hat, die unter ungünstigsten klimatischen Bedingungen gedeiht und resistent gegen Schädlinge ist. Diese Erfindung soll der Welt kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Liz und Martins Zweitbesetzung haben die entsprechenden Daten bereits erbeutet und den Countdown der Bombe aktiviert. Ihre Auftraggeber wollen die Erfindung als ihre eigene ausgeben und Milliarden damit verdienen. Als das Hotel evakuiert wird, kehrt Liz in die Suite zurück, um die Bombe zu deaktivieren. Sie will nicht, dass ihr Gesicht mit einer sinnlosen Explosion in Verbindung gebracht wird. Sie ist zu langsam und stirbt bei der Explosion. Martins Zweitbesetzung will Bressler, der bereits dabei ist, das Hotel zu verlassen, eigenhändig ermorden. Das wird jedoch von Martin verhindert, der seinen einstigen Kollegen stellt und nach kurzem Zweikampf tötet.

Somit sind alle Feinde Martins beseitigt. Er versorgt sich selbst und Gina mit neuen Pässen. Als angebliches Ehepaar verlassen sie Berlin mit einem ICE.

Kommentar

Früher habe ich Liam Neeson für ein Weichei gehalten. Mit 96 Hours, einem knallharten Actionthriller im Stil der Achtzigerjahre, hat er eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass diese Annahme falsch war! Er spielt dort den klassischen Einzelgänger, der unaufhaltsam und unerbittlich unter seinen Feinden aufräumt. Das wird in "Unknown Identity" zwar nicht noch einmal genauso aufgegriffen, jedenfalls nicht von Anfang an, dennoch kann man mitfiebern - man möchte, dass Martin gewinnt. Vor allem nimmt man Liam Neeson nach seinem furiosen Alleingang in "96 Hours" problemlos ab, dass er ein ganz anderer Mensch sein könnte als der harmlose Wissenschaftler, für den er sich zu Beginn selbst hält. Tatsächlich ist diese Rolle viel interessanter angelegt als die des Top-CIA-Agenten Bryan Mills in "96 Hours". Im Fall von Mills ist sofort klar: Der Kerl ist eine Einmann-Kampfmaschine, mit dem sich die bösen Buben besser nicht angelegt hätten. Martin Harris dagegen hat erst einmal alles vergessen. Er entdeckt seine wahren Fähigkeiten nur nach und nach neu, bis er dann beim Showdown wieder richtig aus dem Vollen schöpfen kann. Neeson verkörpert beide Seiten dieser Persönlichkeit mit gewohnter Brillanz, und als er auf Gina zugeht, nachdem er Martin Harris II getötet hat, da weiß man ebenso wenig wie sie, ob er nun noch die letzte Zeugin aus dem Weg räumen wird oder nicht.

Nur Ginas Behauptung, Martins Vergangenheit zähle nicht - entscheidend sei, was er jetzt tue, ist ein bisschen fragwürdig. Gut, es ist ihre persönliche Meinung, aber wie wahrscheinlich ist es wohl, dass Martin am Ende straffrei ausgeht? Er hat seine Taten ja gegenüber dem Sicherheitschef des Hotels gestanden. Na, nehmen wir einfach mal an, er sei im Durcheinander nach der Explosion schnell untergetaucht und habe sich dann eine neue Identität zugelegt. Leider ist das nicht die einzige Schwäche in der Handlung. Warum zum Beispiel hat Liz den Koffer nicht selbst vom Flughafen abgeholt, wenn sie doch wusste, dass er dort stehengeblieben ist? Sie behauptet zwar, Martin zu lieben und unter Zwang zu handeln, aber mit dieser Liebe kann es nicht besonders weit her sein. Schließlich kann nur sie ihn an Cole verraten haben. Wenn das Ganze eine Falle sein sollte, dann hätte sie es einfacher haben können: Sie hätte nur beim Treffen mit Martin nach dem ebenfalls anwesenden Killer rufen müssen. Dummerweise ist der entscheidende und durchaus intelligente Clou der Handlung schon ziemlich früh vorhersehbar. Spätestens in dem Moment, als Martin Harris I und II versuchen, Bressler mit intimen Details von ihrer Identität zu überzeugen und dabei gleichzeitig wortgenau dasselbe sagen, war mir klar, dass das auswendig gelernter Text ist und was daraus folgt.

Trotz der nicht hundertprozentig überzeugenden Story ist der Film spannend und macht enorm viel Spaß. Das liegt zum großen Teil an den tollen Schauspielern (ja, damit meine ich auch Diane Krüger), wenn man auch sagen muss, dass Bruno Ganz eher verschwendet wird. Seine Figur trägt im Grunde überhaupt nichts zur Handlung bei. Dennoch ist der Ex-Stasi-Mann schon allein aufgrund seiner Skurrilität eine Bereicherung für den Film. Im Vergleich mit "96 Hours" wird zwar weniger Action geboten, aber es sind immer noch genug Kämpfe, Verfolgungsjagden und Explosionen vorhanden, allesamt packend und perfekt choregrafiert. Angenehm fällt hierbei auf, dass weitestgehend auf CGI verzichtet wurde. Als besonderes Gimmick dürfen sich deutsche Zuschauer darüber freuen, dass endlich mal eine hochkarätig besetzte Big-Budget-Hollywood-Produktion in Berlin spielt. Dieser Schauplatz wird richtig nett in Szene gesetzt und sieht mindestens genauso gut aus wie New York, London oder Paris.

DVD-Features

Vergesst das Bonusmaterial. Die zwei kurzen Featurettes sind nichts anderes als Werbung für den Film, und sie wiederholen sich teilweise auch noch. Bei den Interviews sieht es nicht viel besser aus; sie enthalten hauptsächlich gegenseitige Lobhudeleien und Nacherzählungen der Handlung. Interessant fand ich nur einen Satz: Liam Neeson sagt, sein Freund Aidan Quinn habe ihm das Leben gerettet. Mich würde interessieren, was er damit meint. Leider geht er nicht näher darauf ein.


J. Kreis, 16.02.2012




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