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Uhrwerk Orange Uhrwerk Orange - Stanley Kubrick Collection (GB, 1971)
DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 16
Laufzeit: ca. 131 Minuten

Extras
Trailer

Regie:
Stanley Kubrick

Hauptdarsteller:
Malcolm McDowell (Alexander DeLarge, "Alex")
Michael Tarn (Pete)
Warren Clarke (Dim)
James Marcus (Georgie)
Patrick Magee (Frank Alexander)
Adrienne Corri (Mrs. Alexander)
Miriam Karlin (Ms. Weathers, "Cat Lady")
Anthony Sharp (Innenminister)
Sheila Raynor (Mrs. DeLarge)
Philip Stone (Mr. DeLarge)




Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 1983. Der junge Alex und seine drei Droogies Dim, Pete und Georgie sind brutale Schläger, die - wenn sie nicht gerade in der Korova-Milchbar herumlungern - wehrlose Obdachlose krankenhausreif prügeln, gegen andere Jugendgangs zu Felde ziehen und regelmäßig in Wohnungen einbrechen, um Frauen zu vergewaltigen. Gewalt, Drogen und schnelle Autos sind ihr Lebensinhalt, sie sind also ganz normale Jugendliche ihrer Zeit. Alex wohnt bei seinen Eltern, die er völlig im Griff hat, ist Fan des guten alten "Ludwig van" (Beethoven) und hält sich eine Boa Constrictor in der Schreibtisch-Schublade. Tagsüber dröhnt er sich mit Musik zu und schleppt des öfteren Mädchen ab, abends bringt er sich in Stimmung für "das Ultrabrutale" und führt seine Kumpane zu Überfällen, durch die er seinen Lebenswandel finanziert. Halbherzige Versuche seiner Droogs, ihm den Führungsanspruch streitig zu machen, erstickt er mit brutaler Gewalt - er hält sich sowieso für etwas Besseres.

Eines Tages fangen die Überfälle an, völlig aus dem Ruder zu laufen. Bei einem Einbruch verletzen sie einen Mann so schwer, daß er danach an den Rollstuhl gefesselt ist, seine von allen Mitgliedern der Gang vergewaltigte Frau nimmt sich später das Leben. Dann dringt Alex in das Haus einer alleinstehenden Frau ein, tötet sie als sie Widerstand leistet, wird bei der Flucht von seinen treulosen Kumpels im Stich gelassen - sie nutzen die Gelegenheit, ihn bewußtlos zu schlagen - und landet umgehend im Gefängnis. Dort gefällt es Alex aber gar nicht so schlecht. Er gibt sich fromm, schmeichelt sich eifrig beim Gefängnispastor ein und legt eine gute Führung an den Tag. Schließlich bietet sich ihm eine Möglichkeit, die langjährige Haftstrafe entscheidend abzukürzen, denn er darf an einem vom Innenminister ins Leben gerufenen Experiment teilnehmen, das angeblich die Resozialisierung von Straftätern zum Ziel hat, das in Wirklichkeit aber nur dazu dient, die überfüllten Gefängnisse zu entlasten. Die "Ludovico-Therapie" ist nichts anderes als eine Gehirnwäsche. Alex wird in einem Sessel festgeschnallt, seine Augenlider werden mit kleinen Klammern offen gehalten. Ihm werden wechselnde Filmszenen mit extremster Gewalt, Sex usw. vorgeführt, außerdem wird er mit seiner Lieblingsmusik beschallt. Der Clou dabei: Man spritzt ihm eine Droge, die in ihm gleichzeitig schlimmste Schmerzen und Übelkeit hervorruft. Dadurch wird er derart konditioniert, daß ihm nach Abschluß der Therapie schon allein der Gedanke an Gewalt oder auch nur eine Melodie von Beethoven heftigen Brechreiz beschert - und zwar auch ohne die Droge.

Alex gilt somit als geheilt und wird in die Freiheit entlassen. Die Ludovico-Therapie war allerdings etwas zu erfolgreich, denn jetzt ist Alex das perfekte Opfer für alle, die ihn noch in schlechter Erinnerung haben. Willenlos läßt er sich von seinen ehemaligen Kumpels verprügeln (sie sind jetzt bei der Polizei...) und sogar seine Eltern wenden sich gegen ihn. Eher zufällig fällt er dem gelähmten Mann in die Hände, dessen Frau er auf dem Gewissen hat. Der kennt die Schwächen seines ehemaligen Peinigers genau und treibt ihn mit Hilfe von Beethoven-Musik dazu, sich aus dem Fenster zu stürzen. Im Krankenhaus nimmt die Geschichte doch noch ein gutes Ende für den kleinen Alex, denn der Innenminister veranlaßt, daß die in der Öffentlichkeit unpopulär gewordene Gehirnwäsche rückgängig gemacht wird. Alex ist also geheilt - wieder einmal - und bekommt sogar einen Posten im Innenministerium...

Der Film:

An diesem Film - wie auch am zugrunde liegenden Buch von Anthony Burgess - scheiden sich die Geister. Der erhobene "moralische Zeigefinger" fehlt in diesem Film nämlich fast völlig, es gibt darin keine leicht verständliche, per Holzhammermethode vermittelte Botschaft. Man muß sich schon seine eigenen Gedanken machen und vielleicht gelingt das manchem nicht...

Die Geschichte vom Jugendlichen, der durch seine Lebensumstände zum Gewalttäter geworden ist und deshalb künstlich "resozialisiert" werden soll, der aber erst dann wirklich als geheilt gilt, nachdem man ihm die Fähigkeit zur Verübung von Gewalttaten "zurückgegeben" hat, ist eine bitterböse Gesellschaftssatire. Wie "sozial" ist ein Gewalttäter, der sich nicht wirklich selbst ändert und Abscheu vor der Gewalt an sich empfindet, sondern seine Triebe nur aus Furcht vor Bestrafung unterdrückt? Und wie krank ist eine Gesellschaft, die einen solchen Zustand für erstrebenswert oder zumindest für eine akzeptable Alternative hält? Wie kaputt muß die Welt sein, wenn brutalste Gewalt für die Kinder (im Buch ist Alex minderjährig, eigentlich noch ein Kind) etwas ganz Normales ist? Die Tatsache, daß der völlig "gewaltfreie" Alex im ganz normalen alltäglichen Umfeld nicht überleben kann, wirft auch kein gutes Bild auf diese Welt - und wie weit ist diese fiktive Welt von der unsrigen überhaupt noch entfernt? Auf der anderen Seite steht die Art, wie die Gewalt in diesem Film dargestellt wird. Die entsprechenden Szenen werden immer derart mit heiterer Musik unterlegt und wie ein Tanz choreographiert, daß man meinen könnte, die Gewaltdarstellung sei Selbstzweck oder werde gar verherrlicht. Vielleicht soll der Zuschauer ja dazu verführt werden, die Gewalt als "ästhetisch" zu empfinden, damit er begreift, wie schnell man den Blick für die Realität verlieren kann? Alex und seine Droogs wirken in ihren seltsamen weißen Anzügen stets ungemein cool und überlegen, so daß man sie fast für positive Identifikationsfiguren halten könnte. Dazu trägt auch der von den Jugendlichen verwendete Slang bei, der übrigens für die deutsche Version sehr gut übersetzt worden ist. Ich muß zugeben, daß seit der Lektüre der Romanvorlage Begriffe aus dieser Kunstsprache wie "Tollschock", "Grudies", "pitschen" usw. zu meinem Wortschatz gehören. Letzten Endes begreift man aber doch, daß im Film ganz einfach die Ich-Perspektive von Alex dargestellt wird. Man sieht die Welt und alles, was sich abspielt, durch die Augen der Hauptfigur - und für Alex ist Gewalt eben normal und sogar "schön", jedenfalls eine Zeitlang...

Unabhängig davon ist "Uhrwerk Orange" ein visuell faszinierender Film. Künstlerisch-künstliche Bilder wie die ganz in weiß gehaltene Korova-Milchbar mit ihrer eigenwilligen Einrichtung oder die bunte Konsumwelt, in der Alex sich tagsüber herumtreibt, vergißt man nicht so schnell. Der Eindruck, daß man sich in einer zukünftigen Welt befindet, wird völlig ohne Spezialeffekte erzielt. Das schaffen allein die Pop-Art-Ausstattung, die Sprechweise der Droogs und die elektronisch verfremdete Musik. Die so erzeugte Atmosphäre stimmt genau mit der Romanvorlage überein.

Auf jeden Fall solltet ihr diesen Klassiker einmal gesehen haben. Was ihr davon halten wollt, meine kleinen Droogies, bleibt euch überlassen...

Die DVD:

Bild und Ton sind für einen Film, der schon über dreißig Jahre alt ist, noch okay. Wunder darf man aber bei einem Film diesen Alters natürlich auch bei der DVD-Version nicht erwarten. Ansonsten ist zur DVD nichts zu sagen, denn außer einem Trailer gibt es keine Zusatzausstattung.

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