Tron Legacy


Tron: Legacy (USA, 2010)

Blu-ray, Disney Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 125 Minuten

Extras
- Am Tag danach: Flynn lebt (10:26 Min.)
- Preview zur Disney XD Animationsserie "Tron: Uprising" (1:15 Min.)
- Die Welt von "Tron: Legacy" (10:20 Min.)
- Das Design von "Tron: Legacy" (11:46 Min.)
- Die Stars von "Tron: Legacy" (12:04 Min.)
- Comic-Con Fan-Brüllen (3:00 Min.)
- Musikvideo "Derezzed" von Daft Punk (2:58 Min.)

Regie:
Joseph Kosinski

Hauptdarsteller:
Garrett Hedlund (Sam Flynn)
Jeff Bridges (Kevin Flynn / Clu)
Olivia Wilde (Quorra)
Bruce Boxleitner (Alan Bradley / Tron)
Michael Sheen (Castor / Zuse)




Inhalt:

Zur Vorgeschichte: Siehe Tron.

Kevin Flynn ist zum Chef der Softwarefirma ENCOM aufgestiegen. Er ist der Meinung, die Zukunft der Menschheit liege im Cyberspace. Nach dem Tod seiner Frau arbeitet er intensiver als je zuvor an der Verwirklichung seiner Ideen. Niemand ahnt, dass er sich selbst immer wieder in die virtuelle Realität innerhalb des ENCOM-Hauptcomputers versetzt, an jenen Ort also, den er vor Jahren vom allmächtigen Master Control Program befreit hat. Flynns Sohn Sam kennt diese Geschichte zwar, weiß aber ebenfalls nicht, woran sein Vater insgeheim arbeitet. Flynns Ziel besteht in der Erschaffung eines perfekten Systems, das für jedermann frei zugänglich sein soll. Die Programme Tron und Clu (letzteres ist Flynns Ebenbild) stehen ihm dabei zur Seite. Im Jahre 1989 verschwindet Flynn spurlos und kehrt nicht zurück. Sam wird Haupt-Anteilseigner von ENCOM. Verbittert und enttäuscht über das Verschwinden seines Vaters distanziert er sich von der Firma. Er interessiert sich auch dann nicht für die Machenschaften der neuen Chefs, als diese Flynns Philosophie der freien Softwareverteilung über Bord werfen und Jahr für Jahr teure neue Betriebssysteme auf den Markt bringen, die sich kaum von den Vorgängerversionen unterscheiden. Allerdings spielt Sam dem Vorstand jedes Jahr einen Streich. So bricht er in den ENCOM-Tower ein, stiehlt den Quellcode des neuen Systems "OS 12" und stellt ihn als Freeware ins Internet. Er wird zwar verhaftet, aber bald wieder auf freien Fuß gesetzt.

Danach erhält er Besuch von Alan Bradley, Flynns altem Freund, der Tron erschaffen und Sam nach Flynns Verschwinden einige Zeit lang unter seine Fittiche genommen hat. Bradley hat eine Pager-Nachricht erhalten, die aus dem Büro in Flynns Spielhalle abgesendet worden ist. Die ganze Anlage ist jedoch schon vor Jahren stillgelegt worden. Als Sam der Sache nachgeht, entdeckt er einen geheimen Raum, der seinem Vater offenbar als Hightech-Arbeitsplatz gedient hat. Er startet die zuletzt verwendeten Programme und aktiviert dadurch unwissentlich einen Laser, der Materie auflösen und ins Innere des Computers versetzen kann. So findet sich Sam plötzlich im "Raster" aus den Erzählungen seines Vaters wieder. Dieser Cyberspace ist eine Welt für sich, bevölkert von Programmen in menschlicher Gestalt. Zu seinem Leidwesen stellt Sam schnell fest, dass dort alte Unsitten wieder aufgegriffen worden sind. Alle möglichen Programme werden zur Teilnahme an mörderischen Spielen gezwungen. Nachdem er mit einem Identitätsdiskus ausgestattet worden ist, wird auch Sam in die Arena geschickt. Als sich herausstellt, dass er ein User ist, wird er zum Beherrscher des Rasters gebracht - Clu. Um das Raster ganz unter Kontrolle bringen zu können, will Clu den Glauben der Programme an die User auslöschen. Deshalb soll Sam in der Arena sterben, getötet von Clu persönlich. Im letzten Moment greift Quorra ein. Sie rettet Sam und bringt ihn zu Flynn, der vor Clu in die leeren Außenbezirke des Rasters geflohen ist.

Von seinem Vater erfährt Sam, was vor zwanzig Jahren wirklich geschehen ist. Flynn hatte im Cyberspace eine völlig neue Existenzform entdeckt: Die "Isomorphen Algorithmen" (ISOs). Diese Programme wurden von niemandem hergestellt, sondern sind von selbst entstanden. Ihr Potential war gewaltig; in der realen Welt hätte man Wissenschaft, Kultur und Religion mit ihrer Hilfe auf den Kopf stellen können. Die ISOs wurden jedoch von Clu vernichtet, der sie für eine Störung im angestrebten perfekten System hielt. Clu wandte sich danach sogar gegen seinen Schöpfer. Tron, der Flynn die Flucht ermöglichte, wurde von Clu umprogrammiert und kämpft jetzt als "Rinzler" für ihn. Flynn konnte nicht in die reale Welt zurückkehren, denn das Input-Output-Portal hatte sich geschlossen. Durch Sams Ankunft wurde das Portal wieder geöffnet, doch in acht Stunden wird es aufgrund des extremen Energieverbrauchs zusammenbrechen. Flynn will sein Versteck nicht verlassen, denn damit würde er Clu in die Hände spielen. Nicht Flynn hat das Pager-Signal abgeschickt, sondern Clu. Damit wollte er jemanden in den Cyberspace locken, um das Portal dann selbst für eine Versetzung in die reale Welt zu nutzen. Dazu benötigt Clu allerdings Flynns ID-Diskus, der als Master-Key für das Raster genutzt werden kann. Das muss um jeden Preis verhindert werden, da Clu auch in der realen Welt sofort damit beginnen würde, ein "perfektes System" zu erschaffen. Mit anderen Worten: Eine weltweite totalitäre Diktatur.

Sam möchte unbedingt mit seinem Vater in die Realität zurückkehren, von wo aus er Clu deaktivieren könnte. Quorra meint, das Programm Zuse könne Sam helfen, das Portal zu erreichen. Zuse verrät Sam jedoch an Clu, mit dem er ein Arrangement hat. Clus Schergen haben derweil Sams Spur zu Flynns Versteck zurückverfolgt. Als Clu dort eintrifft, sind Flynn und Quorra nicht mehr da. Sie sind Sam gefolgt und stehen ihm gegen angreifende Sicherheitsprogramme bei. Dabei verliert Quorra einen Arm und es gelingt Zuse, Flynns ID-Diskus an sich zu bringen. Flynn und Sam bringen Quorra zu einem Solar-Segler, der Richtung Portal fährt. Unterwegs erfährt Sam, dass Quorra die letzte ISO ist. Flynn hat sich in all der Zeit seit dem Genozid vor Clu versteckt, um Quorra zu schützen. Der Defekt in Quorras Code wird geheilt, so dass ihr Arm nachwächst. Die drei Gefährten erreichen das Portal jedoch nicht, denn der Seglertransport wird von einem Trägerschiff abgefangen. Es stellt sich heraus, dass Clu bereits dabei ist, unzählige Programme zu einer Armee umzuwandeln, mit der er die reale Welt erobern will. Mit Flynns Diskus, den er in seine Gewalt gebracht hat (Zuse wurde danach gelöscht) wäre ihm dies jetzt möglich. Quorra lässt sich gefangen nehmen, um Rinzler abzulenken. So kann Sam den Diskus zurückgewinnen. Er befreit Quorra und kehrt zu Flynn zurück, der inzwischen ein Flugzeug gekapert hat. Damit fliegen alle drei zum Portal, verfolgt von Clu, Rinzler und anderen Sicherheitsprogrammen. Ein Luftkampf entbrennt, in dem sich Rinzler an seine alte Identität erinnert, als er Flynn sieht. Tron kämpft nun wieder für die User und hält Clu auf, wird aber von ihm besiegt.

Als Flynn, Sam und Quorra beim Portal ankommen, werden sie schon von Clu erwartet. Er nimmt Flynns Diskus an sich, aber Quorra und Flynn haben ihre Disken zuvor ausgetauscht. Mit Flynns Diskus kann Sam das Portal durchqueren und Quorra mitnehmen. Clu will den beiden folgen, doch Flynn, der nie die Absicht hatte, in die reale Welt zurückzukehren, zieht ihn mit seinen User-Kräften an sich. Als Flynn mit dem von ihm selbst erschaffenen Programm verschmilzt, vergehen beide in einer gewaltigen Explosion, die Clus Armee mit in den Untergang reißt. In der realen Welt speichert Sam eine Kopie des Rasters auf einem Datenträger ab, dann schaltet er den Computer aus. Er erklärt Bradley, dass er zu ENCOM zurückkehren wird. Bradley soll neuer Vorstandsvorsitzender werden. Dann zeigt Sam Quorra den Sonnenaufgang, den sie bisher nur aus Erzählungen kannte.

Der Film:

Der Versuch, einen alten Kultfilm ähnlich erfolgreich fortzusetzen, durch ein "Reboot" neu zu beleben oder eine gute Vorgeschichte zu erzählen, gelingt nicht immer. Man denke nur an die Fortsetzungen von Matrix, das 2001er-Remake von Planet der Affen, oder (oh Graus!) an Star Wars Episode I! Aber manchmal klappt es eben doch. Bei Tron war ich, anders als in vergleichbaren Fällen, von Anfang an gar nicht skeptisch, sondern optimistisch. Denn heutzutage haben die Filmemacher schließlich Mittel an der Hand, die 1982 noch pure Science Fiction waren! Die Geschehnisse in "Tron" wurden - leider abgesehen von der Versetzung von Menschen in den Cyberspace - inzwischen von der Realität eingeholt, CGI ist zum Standard-Werkzeug der Filmemacher geworden... und Steven Lisberger, visionärer Erschaffer von "Tron", hat bei "Tron: Legacy" als Produzent / Co-Drehbuchautor mitgewirkt. Was konnte da noch schiefgehen? Sehr wenig, dachte ich, und das Ergebnis gibt mir Recht. Denn "Tron: Legacy" ist zwar kein Meilenstein in der Animationstechnik wie sein Vorgänger, aber er ist eine würdige Fortsetzung eines meiner all-Time-Lieblingsfilme. "Tron: Legacy" ist außerdem eines der derzeit wenigen Beispiele für eine sinnvolle Anwendung der 3D-Filmtechnik. Ich bin kein Freund von 3D-Filmen, aber hier wird diese Technik als Stilmittel verwendet, um den Kontrast zwischen realer Welt und virtueller Realität noch deutlicher zu machen. Der 3D-Effekt setzt erst ein, als Sam im Raster ankommt. In der realen Welt ist der Film zweidimensional.

Selbst im aufpolierten HD-Look der Blu-ray wirkt "Tron" nach nun fast 30 Jahren doch sehr veraltet. "Tron: Legacy" sieht dagegen unglaublich klasse aus. Der irgendwie klinisch kalte Stil des ersten Films wurde zwar beibehalten, aber nicht sklavisch genau kopiert, sondern neu interpretiert. Die humanoiden Programme sind rein schwarz oder weiß gekleidet, neonbunt leuchtende Muster bedecken den Körper. Die virtuelle Welt ist kein Abbild der Realität, sondern ein merkwürdiges Konglomerat vergleichsweise einfacher geometrischer Formen, die allerdings zu komplexen Gebilden zusammengesetzt sind. Klare Linien und Düsternis prägen den Cyberspace. Zerstörte Elemente zersplittern wie Glas, sterbende bzw. gelöschte Programme zerfallen in winzige Fragmente. Die verschiedenen Fahrzeuge wurden hervorragend neu designt - und diesmal gibt es nicht nur Lichtrenner, sondern auch Flugzeuge, die Energiestreifen hinter sich herziehen. Mit ihrem zeitgemäßen, perfekt umgesetzten Design und den unzähligen ungewöhnlichen Details ist die Welt des Rasters einfach nur cool. Irgendwie gleichzeitig retro und hypermodern, auf jeden Fall anders als alles, was man derzeit sonst so im Kino zu sehen bekommt. Ich kann mich nicht daran sattsehen! Aber es gibt auch allerbestes Futter für die Ohren. Der starke Soundtrack von Daft Punk - Elektro-Beats mit orchestraler Untermalung - treibt die Dynamik der an sich schon tollen Actionszenen noch weiter an. "Tron: Legacy" ist ein wahrer Augen- und Ohrenschmaus! Nicht zuletzt natürlich auch wegen der vielen netten jungen Damen in hautengen Latex-Kostümen...

Es gibt allerdings auch einen Schwachpunkt: Clu. Da Jeff Bridges ja nun nicht mehr der Jüngste ist, wurde sein Alter Ego komplett per CGI erschaffen. Leider kann Clus Aussehen nur in den wenigsten Szenen wirklich überzeugen. Die Gesichtsanimationen und -texturen sind zwar gut, oft sogar sehr gut, aber eben nicht perfekt. Clu wirkt zu künstlich - gut, er ist ja kein Mensch, sondern ein Programm, aber der Unterschied zu den anderen, von realen Schauspielern verkörperten Programmen ist zu augenfällig. Wären alle Gesichter digital erstellt worden, dann könnte man das als Stilmittel akzeptieren, so aber wirkt Clus Aussehen störend. Erstaunlicherweise schafft er es trotzdem ab und zu, echte Emotionen zu transportieren, zum Beispiel wenn er seiner Enttäuschung darüber Ausdruck verleiht, dass er von Flynn "verraten" wurde, obwohl er doch nur genau das getan hat, wozu er programmiert wurde. An den realen Schauspielern gibt es bis auf eine Ausnahme nichts auszusetzen. Bridges lässt eine gute Portion "Dudeismus" in seine Rolle des gealterten Hacker-Gurus einfließen (Fans von The Big Lebowski wissen, was ich meine), Garrett Hedlund spielt relativ zurückhaltend, ist aber sympathisch, und Olivia Wilde ist nicht nur eine Augenweide, sondern verkörpert die gleichzeitig toughe und etwas schüchterne Quorra perfekt. Tja, und dann hätten wir da noch Martin Sheen. "Over-Acting" ist gar kein Ausdruck für das, was er da abfeiert. Seine exaltierten Manierismen sind zwar toll gespielt, wirken aber wie Fremdkörper in der digitalen Welt - diese Rolle hätte man verlustfrei streichen können.

Von der Story sollte man nicht zuviel erwarten, sie ist recht einfach gestrickt. Aber hey: War "Tron" vielleicht durch und durch logisch oder hatte der Film eine tiefgründige Geschichte? "Tron: Legacy" mag nicht den etwas naiven Charme von "Tron" besitzen, aber er transportiert den Look des alten Films optimal ins 21. Jahrhundert und macht mindestens genausoviel Spaß. Es schadet übrigens nicht, "Tron" zu kennen, denn in "Tron: Legacy" wird nicht alles erklärt. Der Laser, mit dem Sam in den Cyberspace versetzt wird, wird in "Tron: Legacy" einfach als gegeben vorausgesetzt. Eine Erklärung dafür wird ebenso wenig geliefert wie für Flynns besondere Kräfte. Auch dürften jene, die den ersten Teil nicht kennen, wenig Anteil an Trons Schicksal nehmen. Sie werden nicht wissen, wer Alan Bradley ist oder was es mit Ed Dillinger jr. auf sich hat. Wer den ersten Film kennt, wird sich über diese Bezugnahmen sowie unzählige kleine Anspielungen und Zitate freuen. "Tron: Legacy" ist also wohl ein Film für Nerds. Wahrscheinlich bin ich einer, denn ich beginne diesen Film genauso zu lieben wie "Tron"...

Blu-ray-Features:

Der interessanteste Teil des Bonusmaterials ist der wie eine Fernseh-Dokumentation gestaltete Kurzfilm "Am Tag danach: Flynn lebt". Darin geht es um eine Untergrundbewegung, die sich nach Kevin Flynns Verschwinden im Jahre 1989 formiert und gegen ENCOM agitiert. Man erfährt ein bisschen was über die Geschehnisse zwischen 1989 und 2009 - komplett mit Fake-Interviews aller möglichen Leute! Außerdem wird gezeigt, dass sich Sam Flynn nach seiner Rückkehr aus dem Cyberspace als Mitglied der Bewegung outet. Zu guter Letzt stellt sich heraus, dass der Hacker "ZackAttack", der die Bewegung gegründet hat, niemand anderer ist als jener in "Tron" von Dan Shor gespielte Kollege Bradleys, dessen alter Ego im Cyberspace unter dem Namen "Ram" bekannt war - und dass Bradley die Bewegung finanziert hat... Genial gemacht, das ist eine echte Fortsetzung des Films!

Hinzu kommen drei Featurettes, die insgesamt knapp 35 Minuten lang sind und hauptsächlich aus Interviews sowie Filmszenen bestehen. Immerhin kann man ganz gut erkennen, wie die Sets und Kostüme gestaltet wurden, außerdem ist der komplette Comic-Con-Trailer zu sehen - ein Trailer, der mit dem fertigen Film eigentlich kaum etwas zu tun hat und wohl hauptsächlich produziert wurde, um die Geldgeber von dem Projekt zu überzeugen. In einer zusätzlichen kurzen Featurette sieht man, wie das Gejubel von 7000 Fans beim Comic-Con aufgezeichnet wurde. Es wurde für die Arena-Kampfszenen des Films verwendet. Dann noch das im Stil des Films nett gemachte Musikvideo von Daft Punk und eine Vorschau auf die Fernsehserie "Tron: Uprising", die die Vorgeschichte des Films erzählt. Außerdem wird die kurze Featurette "Entdecke Blu-Ray 3D mit Timon & Pumbaa" als Bonusmaterial bezeichnet. Das Ding ist aber reine Werbung für 3D-Player und Disney-Filme, deshalb habe ich es oben nicht aufgelistet.


J. Kreis, 30.08.2011




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