Timm Thaler


Timm Thaler (D, 1979)

DVD Regionalcode 2, ZDF / Studio Hamburg Enterprises
Altersfreigabe: FSK 0
Laufzeit: 13 Episoden je ca. 25 Min.

Extras:
Keine

Regie:
Sigi Rothemund

Hauptdarsteller:
Thomas Ohrner (Timm Thaler)
Gerhart Lippert (Friedemann Thaler)
Marlies Engel (Annemarie Thaler)
Horst Frank (Baron de Lefouet)
Richard Lauffen (Anatol)
Bruni Löbel (Schwester Agatha)
Stefan Behrens (Heinrich)
Edgar Bessen (Herr Rickert)
Katja Groszer (Gesi Rickert)
Jorge Rigaud (Selek Bei)
Walter Jokisch (Abbé Johannes)
Arthur Brauss (Voges)




Story

Baron de Lefouet ist einer der reichsten und mächtigsten Männer der Welt. Von seiner Festung Lunopolis aus, gelegen inmitten eines Vulkans auf der Insel Aravanadi, kontrolliert er ein gigantisches Wirtschaftsimperium. Niemand ahnt, welche Absichten der Baron wirklich verfolgt. Er ist die Verkörperung des Bösen und hat es sich zum Ziel gesetzt, die Menschheit zu Grunde zu richten. Doch trotz seiner übernatürlichen Fähigkeiten - er weiß alles, was in der Welt vorgeht, kann sich an jeden beliebigen Ort versetzen und alle möglichen Ereignisse kraft seines Willens geschehen lassen - kann er nur die schlechtere Hälfte der Erdbevölkerung beeinflussen. Der Baron kann nicht lachen, nicht einmal lächeln. Ehrliche, gute Menschen durchschauen die ausdruckslose Maske seines Gesichts, vertrauen ihm nicht und machen keine Geschäfte mit ihm. Anatol, der nicht minder bösartige Assistent des Barons, sucht schon seit geraumer Zeit nach einem Lachen, das zur Physiognomie seines Meisters passt. Eines Tages entdeckt er Timm Thaler, einen dreizehnjährigen Jungen aus Hamburg. Timm ist wegen seiner ansteckenden Fröhlichkeit überall beliebt. Sein Lachen ist unwiderstehlich. Niemand kann ihm lange böse sein und die Mädchen reißen sich darum, ihn in der Schule abschreiben zu lassen, um mit ihm ausgehen zu dürfen. Dieses Lachen will der Baron um jeden Preis in seinen Besitz bringen.



Timm Thaler

(Bild 1: Der Baron und Anatol in der Kommandozentrale von Lunopolis)


Um Timm zu brechen, sorgt der Baron dafür, dass der Vater des Jungen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommt. Der leichtsinnige Umgang von Timms Vater mit Geld ist ein weiterer Ansatz. Wegen Wettschulden war Timms Vater gezwungen, das Eigenheim mit einer Hypothek zu belasten. Timm hört mit, als man seiner Mutter die Sache mit den Schulden eröffnet. Anatol spielt Timm einen Brief zu, in dem ihm die Schuldscheine angeboten werden. Sie befinden sich im Besitz des Barons. Ein Treffen wird arrangiert und ein Vertrag wird unterzeichnet. Timm erhält die Schuldscheine und das Versprechen, er werde ab sofort jede Wette gewinnen. Er muss jedoch Stillschweigen bewahren, sonst ist er verloren. Timm nimmt das auf die leichte Schulter, doch schon bald zeigt sich, dass alles wahr ist. Timm erkennt, dass das Lachen sein kostbarster Besitz war. Er gewinnt immer, egal wie absurd die Wetten sind, kann sich aber nicht darüber freuen, denn er ist außerstande zu lachen. Obendrein kann er seine Sorgen mit niemandem teilen. In den folgenden Tagen verliert Timm all seine Freunde. Der Baron dagegen hat jetzt alles, was er braucht, um auch gute Menschen zu korrumpieren. Mit dem neu erworbenen gewinnenden Lachen schließt er verschiedene lukrative Geschäfte ab. Er hortet Rohstoffe und vernichtet die Obsternten ganzer Länder, um Knappheiten zu verursachen. Zudem übernimmt er eine Organisation, die in der Lage ist, überall in der Welt Kriege und Revolutionen anzuzetteln.



Timm Thaler

(Bild 2: Der Vertrag)


Anatol ist nicht erfreut, für die Verwirklichung von Timms verrückten Wetten sorgen zu müssen. Dem Baron beginnt die Sache Spaß zu machen, denn Timm erweist sich als würdiger Gegner. Im Verlauf der Ereignisse erfährt Timm, wo sich das Hauptquartier des Barons befindet. Als ihm seine Mutter eröffnet, dass sie das Haus wegen der Hypothek nicht wird halten können, setzt er seine Wettkünste ein und gewinnt 80.000 DM. Timm reißt von zu Hause aus, um sein Lachen zurückzugewinnen. Er verliert Zeit, weil er infolge einer schief gegangenen Wette in einer Rheumaklinik in Marienbad landet. Im Hamburger Hafen wird er vom Hafenbetriebsmeister Rickert aufgegriffen und mit nach Hause genommen. Timm freundet sich mit Rickerts Tochter Gesi an. Er erfährt, dass die Livorno, ein Schiff der Reederei Preen, schon am selben Tag Richtung Aravanadi auslaufen wird. Er schleicht sich als blinder Passagier an Bord. Das bleibt dem Baron nicht verborgen. Mittels Erpressung reißt er die Kontrolle über die Reederei an sich. Rickert wird gefeuert, die Livorno wird durchsucht. Timm bleibt zunächst unentdeckt. Erst auf hoher See fliegt er auf. Schiffsoffizier Voges, ein Agent des Barons, meldet das nach Lunopolis. Timm findet neue Freunde: Eine Nonne namens Agatha und den Schiffskoch Heinrich.



Timm Thaler

(Bild 3: Timm Thaler und Schwester Agatha)


Agatha nimmt den Ausreißer unter ihre Fittiche, obwohl er hartnäckig schweigt. Der resoluten Nonne ist Voges nicht gewachsen und selbst der Baron kann nicht verhindern, dass Timm auf Aravanadi an Land geht. In Lunopolis wird Alarm ausgelöst, als Agatha und Heinrich mit Timm zu Abbé Johannes fahren, dem besten Freund der Nonne. Er hat früher vergeblich versucht, den Baron zu bekämpfen. Er weiß, mit wem er es in Wahrheit zu tun hat und wo sich die Geheimbasis befindet. Timm muss sein Schweigen nicht brechen. Agatha und der Abbé kommen von selbst darauf, was mit ihm geschehen ist. Der Baron und Anatol versuchen mit allen Mitteln, Timm von Lunopolis fern zu halten. De Lefouet muss feststellen, dass er den Jungen unterschätzt hat, als Timm wettet, er sei der reichste Junge der Welt. Um das zu verwirklichen, muss der Baron Timm als seinen Universalerben einsetzen. Zwar kann Timm nichts mit dem Reichtum anfangen (der Baron tritt als Vormund des Minderjährigen auf), doch das gute Leben gefällt ihm. Er denkt gar nicht daran, Agatha zu folgen, die ihn aus dem Hotel holen will, in dem er von Anatol untergebracht wurde. Der Baron denkt sogar darüber nach, Timm wirklich zu seinem Nachfolger zu machen, denn ein Mensch könnte mehr Menschen ins Verderben stürzen als der Teufel persönlich. De Lefouet versucht deshalb, Timm in seinem Sinne zu erziehen. Er stellt ihn sogar seinen Geschäftspartnern vor. So erkennt Timm endlich, welche Ziele der Baron mit Hilfe seines Lachens erreichen will.



Timm Thaler

(Bild 4: Schiffskoch Heinrich und Timm)


Um Timm aufzurütteln, beauftragt Agatha eine Journalistin damit, den Jungen während einer Pressekonferenz zu fragen, warum er nie lacht. Darauf fällt Timm keine schlaue Antwort ein. Selbst das Böse kann sich keine schlechte Presse leisten, deshalb wird Timm nach Lunopolis gebracht, wo er fortan wie ein Gefangener lebt. Agatha und Heinrich dringen in das Sperrgebiet von Lunopolis ein, durchqueren die lebensfeindliche Vulkanlandschaft und platzen mitten in ein großes Fest hinein, das der Baron in seiner Festung für die internationale Gesellschaft gibt. Erneut weigert sich Timm, seinen Freunden zu folgen. Der Baron schleudert die beiden mit seinen magischen Kräften in die Einöde zurück. Die Nonne und der Koch resignieren und verlassen die Insel. Währenddessen begegnet Timm einem weisen alten Hirten namens Selek Bei, der ihm rät, den Baron zu verlassen und die Hoffnung nicht aufzugeben. Der Baron und Anatol beobachten diese Treffen aufmerksam. Der Baron erteilt Timm eine Lektion in der Manipulation und Verführung von Menschen. Er setzt eine Idee Timms um und startet eine Werbekampagne, um ganz gewöhnliches Leitungswasser als besondere Delikatesse zu verkaufen. Timm soll zum Gesicht der Kampagne werden. Zu diesem Zweck wird ein neuer Vertrag aufgesetzt. Timm erhält für 24 Stunden sein Lachen zurück. Mit der Concorde fliegt Timm an diesem Tag zu Fotoshootings in aller Welt.



Timm Thaler

(Bild 5: Timm Thalers Lachen)


Timm spielt den gelehrigen Schüler. Er bringt den Baron dazu, mit ihm nach Hamburg zu reisen. Dort sollen die Verträge zur Markteinführung des Wassers unterzeichnet werden. Inzwischen haben sich Agatha, Heinrich, Timms Mutter und Familie Rickert zu Timms Rettung verbündet. Sie alle wissen jetzt, was es mit dem Baron und Timms Lachen auf sich hat. Timm wird von den Sicherheitskräften des Barons in einem Luxushotel abgeschirmt und ist unerreichbar. Es gelingt Heinrich jedoch, einen Zettel mit Informationen zu einem Treffpunkt ins Hotelzimmer zu schmuggeln. Verkleidet als Hotelpage flieht Timm aus dem Hotel und trifft sich mit Gesi. Anatol verfolgt die beiden, fällt aber ins Wasser. Timm kann seiner Freude über das Missgeschick des Bösewichts Ausdruck verleihen, denn er hat mit Gesi um ein Eis gewettet, dass er wieder lachen kann ...


Kringels Meinung

 ... womit die finsteren Pläne des Barons allerdings längst nicht durchkreuzt sind. Schließlich hat er bereits alles zur Übernahme der Weltherrschaft in die Wege geleitet. Seine "Geschäftspartner" haben zwar zu einem konspirativen Treffen zusammengefunden, weil sie sich fragen, warum sie dem Baron überhaupt vertrauen. Aber was wollen sie tun? Sie sind machtlos, ihre Firmen und Organisationen gehören dem Baron. Timm ist immer noch sein Alleinerbe, aber das dürfte sich leicht rückgängig machen lassen. Somit hat die Serie ein offenes Ende, auch wenn Timm sein Ziel erreicht hat und zum Schluss ein fröhliches Wiedersehen mit Mutter und Freunden feiert. Allerdings hat mich diese Auflösung nie überzeugt. Wir Kinder haben uns schon damals, als die Serie noch lief, darüber gewundert, dass Timm nicht gleich auf die naheliegendste Idee zur Lösung des Problems gekommen ist!

"Timm Thaler" basiert auf dem 1962 erschienenen gleichnamigen Roman von James Krüss. Ich kenne den Roman nicht, habe aber gelesen, dass die Serie in einigen Punkten davon abweicht. Die DVD enthält die ungekürzte Serienfassung mit 13 Episoden, die im Dezember 1979 und Januar 1980 erstmals zu sehen war. Bei Wiederholungen wurde die Serie manchmal als gekürzter Sechsteiler ausgestrahlt. Das finde ich verständlich, denn die Serie enthält recht viele Elemente, die für die Story überhaupt nicht gebraucht werden und sich teilweise wiederholen, so dass ich den Mittelteil als deutlich zu lang bezeichnen muss. Aus diesem Grund ist die Handlungszusammenfassung längst nicht vollständig und sie gibt die Geschehnisse nicht in derselben Reihenfolge wieder wie die Serie. Nicht erwähnt habe ich zum Beispiel, dass sehr viel auf Aravanadi umhergefahren wird. Mal wollen Agatha und Heinrich aufgeben und die Insel verlassen, bleiben dann aber noch. Sie fahren wieder in der Einöde umher, besuchen den Abbé erneut und sind in der letzten Episode plötzlich doch in Hamburg. Timm versucht mehrmals vergeblich zu fliehen: Zum ersten Mal auf Aravanadi vor der Abreise nach Lunopolis, später noch einmal nach den Fotoshootings bei einem Abstecher nach Hamburg. Zurück in Lunopolis unternimmt Timm einen dritten fehlgeschlagenen Fluchtversuch. Schon der erste trägt nicht wirklich viel zur Handlung bei, die beiden anderen sind völlig sinnlos. Bei manchen ebenfalls eher irrelevanten Szenen hatte ich den Eindruck, dass mehr im Drehbuch stand als letztlich umgesetzt wurde. Warum zum Beispiel legt der Baron einen Vulkanstein wie jenes Stück, das er selbst stets an einer Kette um den Hals trägt, auf Timms Nachttisch? Warum schenkt Selek Bei Timm einen Füller, dessen Tinte nach einigen Tagen verschwindet, wenn damit nie irgendwas geschrieben oder unterzeichnet wird? Apropos Selek Bei - warum lässt der Baron zu, dass sich Timm regelmäßig mit dem alten Zausel trifft, und zwar direkt bei der Kommandozentrale? Hat diese Figur eine Bedeutung über seine Rolle als Mahner hinaus? Das ist mir nicht klar geworden.

Das sind Kritikpunkte, die mir heute auffallen. Bei der Erstausstrahlung war ich von der Serie völlig fasziniert und einiges davon war für meine Phantasie sicherlich ebenso prägend wie Die seltsamen Abenteuer des Herman van Veen (1977) und Mondbasis Alpha 1 (Erstausstrahlung Deutschland: 1977). Als Drehorte für Lunopolis wurden die Jameos del Agua, der Aussichtspunkt Mirador del Rio und ein exotisch aussehendes Hotel auf Lanzarote verwendet. Die bizarre Vulkanlandschaft und der unverwechselbare Stil der beiden vom Künstler César Manrique gestalteten Anlagen sind für mich unvergesslich geblieben. Das gilt auch für die leicht spacige, wie eine Mischung aus Tangerine Dream und Jean Michel Jarre klingende Musik von Christian Bruhn, dem wir zahlreiche weitere geniale Musikstücke verdanken (z.B. die Titelmelodien von Captain Future und Wickie) und der genau den richtigen Ton für diese Serie getroffen hat. Mit Timm Thaler konnte ich mich sehr gut identifizieren, denn ich war ungefähr im selben Alter wie diese Figur. Am einprägsamsten war und ist aber Horst Frank. Ich finde schon allein die Tatsache sehr bemerkenswert, dass er den Teufel verkörpert. Das wird nicht nur durch den Namen des Barons angedeutet. Er und Anatol machen des öfteren entsprechende Bemerkungen und schließlich haben beide übernatürliche Kräfte. Eine Fernsehserie mit dem leibhaftigen Bösen in der Rolle des Gegenspielers, außerdem mit einem Alkoholiker (Heinrich kippt bei jeder sich bietenden Gelegenheit alles Mögliche in sich hinein) und vielen anderen schrägen Typen? Wäre das in unserer weichgespülten Zeit der manchmal übertriebenen "Political Correctness" überhaupt noch möglich? Jedenfalls hat Horst Frank eine geradezu unglaubliche Ausstrahlung. Die unterschwellige Bedrohlichkeit des Barons kommt wunderbar zum Ausdruck. Frank macht das so großartig, dass ich mich damals wirklich vor ihm gefürchtet habe.

Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass in der Serie klare Gesellschaftskritik vermittelt wird. Der Konsumwahn wird angeprangert, die Bereitwilligkeit der Menschen, sich von Äußerlichkeiten blenden zu lassen, wird thematisiert. Die zynischen Lehren des Barons sind heute so aktuell wie damals! Insgesamt finde ich "Timm Thaler" trotz der oben genannten Längen immer noch sehenswert. Leider ist die Bildqualität der DVD nicht berauschend. Auf der Rückseite und im Innenteil der Amaray-Hülle wird behauptet, das Material sei digital restauriert worden. Ich wüsste gern, was damit gemeint ist. Filmfehler und Verschmutzungen sind immer noch vorhanden, die Farben sind matt. Einiges davon hätte man sicherlich verbessern können. Das verstehe ich unter "digitaler Restaurierung" und so etwas hat hier ganz offensichtlich nicht stattgefunden.

P.S.: Einige Szenen in Episode 13 spielen in einem Hotel in Hamburg. Dort findet eine Vernissage statt. Im Hintergrund ist mehrmals ein Mann mit Hut zu sehen, der wie Udo Lindenberg aussieht! Zufall? Ein absichtlich eingefügtes Easter-Egg mit einem Lindenberg-Doppelgänger? Oder ist es gar der echte Udo?


J. Kreis, 10.11.2016




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