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Time Bandits Time Bandits (GB, 1981)

DVD - Regionalcode 2, Sunfilm Entertainment
FSK: 6
Laufzeit: ca. 111 Minuten

Extras
"The two Terrys" - Interview mit Terry Gilliam und Terry Jones, Trailer, Biografien (Texttafeln), Bildergalerie, Time Bandits Scrapbook, "Die Handmade Story" - George Harrison als Filmproduzent

Regie:
Terry Gilliam

Hauptdarsteller:
Craig Warnock (Kevin)
David Rappaport (Randall)
David Warner (Das Böse)
Ian Holm (Napoleon)
John Cleese (Robin Hood)
Sean Connery (König Agamemnon)




Inhalt:

In Kevins Kinderzimmer befindet sich ein Zeitloch - eine Stelle, an der bei der Schöpfung ein wenig geschlampt wurde. Davon ahnt Kevin natürlich zunächst nichts, doch eines Nachts bricht plötzlich ein Ritter aus seinem Schrank hervor und verschwindet gleich wieder. In der nächsten Nacht erscheinen die zwergenhaften Time Bandits. Die sechs seltsamen Kerlchen haben dem "Höchsten Wesen" bei der Erschaffung des Universums geholfen (sie waren für Büsche und Bäume zuständig) und sollen jetzt all die übrig gebliebenen undichten Stellen reparieren. Allerdings haben sie sich mit der Karte, auf der diese Zeitlöcher eingezeichnet sind, aus dem Staub gemacht. Mit Hilfe dieser Karte können sie verschiedene Zeitepochen erreichen, wo sie alles einsacken, was irgendwie wertvoll ist, um dann durchs nächste Zeitloch wieder zu verschwinden. Das Höchste Wesen ist ihnen jedoch auf den Fersen, deshalb müssen sie gleich wieder flüchten. Kevin folgt ihnen und wird mit der Zeit ein anerkanntes Mitglied der kleinen Gruppe von Möchtegern-Banditen. Er knipst fleißig alles mögliche mit seiner Polaroid-Kamera.

Das erste Zeitloch führt zur Schlacht um Castiglione. Dort macht der auch nicht gerade hochgewachsene Napoleon die Time Bandits zu seinen neuen Generälen, weil sie noch kleiner sind als er. Natürlich erleichtern sie ihn umgehend um einige Kleinodien und springen durch das nächste Zeitloch, durch das sie Sherwood Forest im Mittelalter erreichen. Sie begegnen Robin Hood, der ihnen die von Napoleon geraubten Reichtümer wieder abnimmt. Da erscheint erneut das Höchste Wesen. Kevin wird von den Time Bandits getrennt und gelangt durch das nächste Zeitloch ins antike Griechenland, wo er König Agamemnon eher zufällig vor einer Art Minotauros rettet. Agamemnon nimmt den Jungen an Sohnes statt an. Kevin würde zwar gern bei ihm bleiben, aber plötzlich tauchen die Time Bandits auf, reißen sich wieder einmal diverses Geschmeide unter den Nagel, und nehmen auch Kevin mit - auf die Titanic, die gerade auf direktem Kurs in ihr Verderben ist.

Die Time Bandits ahnen nicht, dass sie schon seit geraumer Zeit vom personifizierten Bösen beobachtet werden. Das Böse wurde vom Höchsten Wesen in der Festung der ewigen Dunkelheit eingesperrt, könnte sich mit der im Besitz der Time Bandits befindlichen Karte jedoch befreien und die Weltherrschaft übernehmen. Deshalb lockt es die Time Bandits ins Zeitalter der Legenden. Nachdem sie einem Menschenfresser-Pärchen und einem gewaltigen Riesen entkommen sind, machen sie sich auf, die Festung der ewigen Dunkelheit zu finden, wo sie die Erfüllung all ihrer Wünsche zu finden hoffen. Natürlich fallen sie auf die Täuschungen des Bösen herein, verlieren die Karte und werden eingesperrt. Trickreich wie sie sind, können sie sich befreien. Auch in der Festung befindet sich ein Zeitloch, und dessen Position können die Time Bandits einem Polaroidfoto Kevins entnehmen, das dieser von der Karte gemacht hatte. Aber das Böse ist zu mächtig - selbst als die Time Bandits Hilfe in Gestalt von Rittern, griechischen Bogenschützen, Cowboys und diversem Kriegsgerät aus anderen Epochen holen, kann es nicht besiegt werden. Im letzten Moment erscheint das Höchste Wesen, vernichtet das Böse, und holt die reumütigen Time Bandits wieder zu sich. Kevin bleibt allein zurück, aber auch ein Fragment des Bösen ist übrig geblieben.

Da wacht Kevin auf. Das Haus brennt! Feuerwehrleute retten den Jungen. War alles nur der Traum eines von seinen Eltern vernachlässigten Jungen, der eine lebhafte Phantasie hat und sich für Geschichte interessiert? Fast sieht es so aus, doch dann findet ein Feuerwehrmann die Ursache des Feuers: Irgend etwas hat die Mikrowelle in Brand gesetzt. Kevin erkennt in dem seltsamen Ding ein Bruchstück des personifizierten Bösen - und als seine Eltern es berühren, lösen sie sich in einer Explosion auf...

Der Film:

Dieser Film ist ein weiteres Beispiel für die völlig durchgedrehten Produkte der Phantasie Terry Gilliams. Und die FSK-Freigabe ist ein weiteres Beispiel für die seltsame Bewertungspraxis der Selbstkontrolle, denn "Time Bandits" ist alles andere als ein Kinderfilm. Ich würde ihn jedenfalls keinem Sechsjährigen zumuten. Er ist viel zu düster und teilweise auch ziemlich brutal. Man denke nur an die abgetrennten Gliedmaßen in der Schiffskabine des Menschenfressers, die aufgespießten Ritter, die explodierenden Gehilfen des Bösen, die unheimlichen Riesengestalten, von denen Kevin am Ende gejagt wird - das soll für kleine Kinder geeignet sein? Der schwarze Humor, die vielen historischen Anspielungen usw. düften für Kinder sowieso weitgehend unverständlich bleiben. Scheinbar hat man gedacht: "Ah, da spielt ein Haufen lustiger Gnome die Hauptrolle. Scheint eine harmlose Komödie zu sein" - und schon war der Film ab 6 freigegeben. So sehr kann man sich irren! Dieser Film ist eher ein Märchen für Erwachsene. Dadurch, dass auch ein Kind in einer Hauptrolle mit von der Partie ist, sollte man sich nicht in die Irre führen lassen.

Terry Gilliam war Mitglied der Monty Python - Gruppe, aber sein Stil ist ganz anders ist als das, was die Pythons z.B. in Die Ritter der Kokosnuss und Das Leben des Brian zeigen. Deshalb ist es völlig verfehlt, "Time Bandits" mit dem Namen Monty Python anzupreisen. Wer witzige Sketche wie in den Python-Filmen erwartet, dürfte jedenfalls ziemlich enttäuscht sein. "Time Bandits" ist eben nicht als Parodie auf irgend etwas zu verstehen, sondern als besonders skurriler Fantasy-Film. Außerdem sind John Cleese und Michael Palin die einzigen weiteren Mitglieder aus der Python-Truppe, die in diesem Film mitspielen. Und sie haben auch nur Nebenrollen. "Time Bandits" ist denn auch nicht so amüsant wie die Python-Filme, er sorgt eher wegen der bizarren Figuren und der teils sehr drastischen Szenen für Erheiterung. Eine richtige Story gibt es auch nicht. Der Film ist so voll gepackt mit seltsamen Ideen, dass dafür kein Platz mehr bleibt. Der Film bleibt deshalb insgesamt episodenhaft, der Kampf gegen das personifizierte Böse dient nur als Rahmenhandlung. Aber im Grunde stört das nicht weiter, denn die Episoden haben es in sich!

Besonders gut gefallen mir die Szenen, die im antiken Griechenland spielen. Agamemnons Kampf gegen den Minotauros zum Beispiel sowie das Leben in der Stadt, die Ausstattung und die Kostüme - das wirkt alles so überzeugend, dass man sich richtig in diese Epoche zurückversetzt fühlt. Auch die Geschichte mit dem rückenkranken Menschenfresser und das daran anschließende Auftauchen des Riesen finde ich genial. Natürlich ist beides völlig sinnlos, aber wen interessiert das? Wenn ich mich nicht sehr irre, wird das Haus, das der Riese zertritt, von einer Figur bewohnt, die schonmal in einem Terry-Gilliam-Cartoon in Monty Pythons wunderbare Welt der Schwerkraft vorgekommen ist: Dieses schneckenartige Ding, das sich in einen Schmetterling oder so verwandelt? Und dann "Das Böse". Die Dialoge zwischen ihm und seinen Gehilfen sind einfach herrlich. Robin Hoods "Merry Men", die gar nicht so fröhlich sind, erinnern an die drastische Darstellung des Mittelalters in Jabberwocky.

Die Schauspieler der Time Bandits werden übrigens nicht als Witzfiguren dargestellt, jedenfalls nicht wegen ihrer Kleinwüchsigkeit. Jeder von ihnen hat natürlich eine Macke, aber insgesamt sind sie ernst zu nehmende und liebenswerte kleine Helden. Das gefällt mir sehr gut.

Die DVD:

Von Interesse sind lediglich die beiden je ca. 20 Minuten langen Featurettes "The two Terrys" und "Die Handmade Story".

"The two Terrys" ist ein ziemlich chaotisches Interview mit Terry Gilliam und Terry Jones, das im Jahre 2002 offenbar von einer französischen Journalistin geführt wurde (sie spricht z.B. Disciples so aus, dass Jones und Gilliam Bicycles verstehen, worüber sie sich köstlich amüsieren). Anfangs albern die beiden Terrys nur mit ihren Minicams herum und gehen praktisch auf keine einzige Frage ein. Dann lassen sie sich aber doch herab, ein bisschen was zu ihrer Arbeit zu sagen. Unter anderem erfährt man, dass Gilliam vor seiner Zeit bei den Pythons für das französische Comic-Magazin "Pilote" gezeichnet hat. Einen Bezug zu "Time Bandits" hat das aber eigentlich nicht.

"Die Handmade Story" beschäftigt sich mit George Harrisons Filmproduktionsfirma Handmade Films. Der Ex-Beatle hat unter anderem die Entstehung von Das Leben des Brian ermöglicht (Harrison hatte 4 Millionen Pfund beigesteuert). Die Featurette hat deutschen Ton und besteht hauptsächlich aus Erläuterungen, Bildern und Trailern zu den diversen Filmen, die Handmade Films vor allem in den Achtzigern herausgebracht hat.

J. Kreis, 10.10.2006
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