Zurück zu den Filmen

ticket_fuer_zwei Ein Ticket für Zwei (USA, 1987)
DVD - Regionalcode 2, Paramount
FSK: 6
Laufzeit: ca. 89 Minuten

Extras
Keine

Regie:
John Hughes

Hauptdarsteller:
Steve Martin (Neal Page)
John Candy (Del Griffith)
Laila Robins (Susan Page)




Inhalt:

Weihnachten steht vor der Tür, und alles was der smarte, gepflegte, aber leicht gestresste Werbefachmann Neal Page am Ende eines harten Arbeitstages in New York noch möchte, ist: in seinen Flieger steigen und heim nach Chicago zur Familie düsen, um dort die Feiertage zu verbringen. Doch der Ärger geht schon auf dem Weg zum Flughafen los, denn jemand schnappt Neal das letzte Taxi vor der Nase weg. Eigentlich hätte Neal sich aber gar nicht beeilen müssen, denn der Flug hat Verspätung. Und wem begegnet Neal wohl, während er auf den Abflug wartet? Genau: es ist der Typ, an den er das Taxi verloren hat. Del Griffith, so heißt der übergewichtige, etwas prollige und immer etwas derangiert wirkende Duschvorhangverkäufer mit dem lächerlichen Schnurrbart, erweist sich als ziemlich anhängliche Nervensäge mit nie stillstehendem Mundwerk. Neal ist in Sekundenbruchteilen restlos genervt von den endlosen Banalitäten, die Del so von sich zu geben pflegt - er muß während des Flugs auch noch neben der dicken Labertasche sitzen, denn Del hat das gleiche Ziel.

Es kommt, wie es kommen muß: Der Flug wird wegen eines Schneesturms nach Wichita umgeleitet, Neal sitzt auf dem dortigen Flughafen fest, denn es sind natürlich nirgends mehr Zimmer frei. Da bietet Del seine Hilfe an, denn er hat noch ein Motelzimmer aufgetrieben, das die beiden ungleichen Männer sich mehr schlecht als recht teilen können. Die Charaktere der beiden sind aber zu gegensätzlich. Neal will einfach nur seine Ruhe haben und die Kontrolle über sein Fortkommen behalten, Del kann einfach nicht die Klappe halten und hat einige sehr unangenehme Angewohnheiten, die das Zusammensein mit ihm für Neal zur Hölle machen. So ist ein Streit vorprogrammiert, aber irgendwie raufen die beiden sich dann doch zusammen. Mehr noch: Neal und Del beginnen ihre Weiterreise gemeinsam. Das ist der Auftakt zu einer Odyssee voller Pannen, Mißgeschicke und Katastrophen. Seien es nun Diebe, die das ganze Bargeld mitgehen lassen, entgleisende Züge, nicht vorhandene Mietwagen oder überfüllte Busse - irgendwie scheint es unmöglich zu sein, schnell und vor allem einigermaßen bequem nach Chicago zu kommen. Die Klimax des Chaos besteht in einer Geisterfahrer-Episode mit einem übermüdeten Del am Steuer eines Mietwagens auf Kollisionskurs mit zwei Trucks, bei der Neal sich schon in der Hölle wähnt...

Trotz all dieser Pleiten kommen Neal und Del sich allmählich näher, was bei so grundverschiedenen Männern ziemlich erstaunlich ist. Vielleicht liegt es daran, daß sie sich gegenseitig den Spiegel vorhalten und auch einsehen, daß sie ohne einander nicht weiterkommen. Nachdem sie zusammen den gesamten Inhalt der Minibar eines weiteren Motels vernichtet haben, entsteht sogar so etwas wie Freundschaft. Irgendwann muß auch die schlimmste Mühsal ein Ende haben und so erreichen Neal und Del schließlich doch noch ihr Ziel. In einem S-Bahnhof in Chicago verabschieden sie sich. Neal fährt nach Hause und Del... ja, wohin fährt Del eigentlich? fragt sich Neal, während er sich an verschiedenes erinnert, was er mit Del erlebt hat. Dann begreift er: Del hat gar kein Zuhause! Neal kehrt noch einmal um und konfrontiert Del mit dieser Erkenntnis. Del rückt endlich mit der Wahrheit heraus: Seine Frau ist vor Jahren gestorben und seitdem reist er einsam als Vertreter kreuz und quer durchs Land. Neal schleppt daraufhin die Nervensäge, die er eigentlich von Anfang an nur so schnell wie möglich wieder loswerden wollte und die jetzt sein Freund ist, mit zu seiner Familie nach Hause...

Der Film:

Dies ist vielleicht der lustigste und gleichzeitig rührendste Road-Movie, den ich je gesehen habe. Jede einzelne Szene ist perfekt oder enthält doch wenigstens ein witziges Detail, dabei gibt es kaum (oder gar keinen) Brachial-Blödel-Humor der Sorte, die so oft peinlich in die Hose geht. Der Film ist deshalb auch für mehrmaliges Ansehen geeignet. Ich habe ihn schon oft gesehen und muß doch immer wieder grinsen, wenn z.B. Neal und Del erstmals ihr gemeinsames Motelzimmer betreten (genial in dieser Szene auch die kurze Einspielung eines Musikstücks von Yello). Oder wenn sie eng umschlungen aufwachen und Neal Del fragt, wo seine Hand ist ("Zwischen zwei Kissen" ... "Das sind keine Kissen!"). Oder wenn Neal duscht und dann nur noch ein winziges Läppchen zum Abtrocknen hat. Oder wenn Neal sich das Gesicht mit Wasser aus einem Becken wäscht, in dem Del seine Stinkesocken eingeweicht hat. Die herrliche Szene am Mietwagenschalter, in der Neal - schon wieder bis zur Weißglut gereizt - wohl an die 20 Mal das F-Wort sagt, kann man allerdings nur in der englischen Version genießen. Müßig zu erwähnen, daß Steve Martin und John Candy in Bestform sind und eine so glaubwürdige Darstellung ihrer Figuren abliefern, daß man meinen könnte, daß sie eigentlich sich selbst spielen.

Dabei ist der Film nicht "nur" witzig, nein, man höre und staune: er hat sogar eine Botschaft. Respekt vor Leuten zu haben die man eigentlich verachtet, Menschen nicht nur nach ihrem Äußeren zu beurteilen und außer Geduld auch Verständnis für sie aufzubringen, auch in Streßsituationen - das sind Dinge, die Neal nur allmählich lernt. Es dauert eine Weile, bis er begreift, daß er eigentlich derjenige ist, der sich wie ein A****loch benimmt. Vielleicht mag ich den Film auch deshalb so sehr, weil ziemlich viel, was Neal in Fliegern, Zügen und Bussen so über sich ergehen lassen muß, auch zu meinen regelmäßigen Reise-Erfahrungen gehört...

Die DVD:

Zwar keine Extras, aber immerhin deutsche und englische Version.

Seitenanfang