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thx1138 THX 1138 George Lucas Directors Cut (USA 1971)
DVD - Regionalcode 2, Warner Home Video
FSK: 12
Laufzeit: ca. 85 Minuten

Extras
Audiokommentare, "Theatre of Noise"-Tonspur nur mit Sound-Effekten, "Master Sessions"-Videosegmente, "Ein Vermächtnis der Filmemacher: Die ersten Jahre von American Zoetrope", "Ein Artefakt aus der Zukunft: Das Making of THX 1138", "Ein elektronisches Labyrinth: THX 1138 4EB", Produktionsdokumentation von den Dreharbeiten: "Bald", Trailer

Regie:
George Lucas

Hauptdarsteller:
Robert Duvall (THX 1138)
Maggie McOmie (LUH 3417)
Donald Pleasence (SEN 5241)
Don Pedro Colley (SRT, ein Hologramm)




Inhalt:

Irgendwann in der Zukunft, in einer Stadt tief unter der Erde. Die Menschen leben wie die Arbeiter eines Insektenstaates in einer künstlichen, hochtechnisierten Umgebung, wo sie als Zahnrädchen in einer riesigen Maschinerie zu funktionieren haben - alles läuft computergesteuert, alles hat sich der Maximierung der Effizienz unterzuordnen. Persönlichkeit, Individualität, Emotionen, eigene Gedanken sind nicht gefragt oder sogar strafbar. Menschenrechte oder humane Werte gelten nicht mehr. Die Menschen sind geklont und tragen keine Namen, sie werden durch Ziffern mit einem Buchstaben-Präfix gekennzeichnet. Die wenigen erhältlichen Konsumgüter sind standardisiert, alle Menschen tragen die gleiche weiße oder pastellfarbene Einheitskleidung und sind kahl rasiert. Mit Elektroschockern ausgerüstete humanoide Roboter werden als Ordnungskräfte eingesetzt, die selbst dann noch freundlich bleiben und beruhigend mit sanfter Stimme reden, wenn sie jemanden bis aufs Blut prügeln. Jeder Bereich der Stadt (selbst die Privatsphäre der Wohnungen) wird videoüberwacht. Wenn jemand sich seltsam verhält, kann eine "Denksperre" über ihn verhängt werden, die ihn völlig lähmt. Sendungen voller Sex und Gewalt, sinnlose Comedyfilme, Werbung und Propaganda dominieren das holografische Fernsehprogramm, das die einzige Freizeitbeschäftigung ist. Ansonsten lebt man nur für die Arbeit. In kleinen Zellen, die öffentlichen Fernsprechern ähneln, kann man sein Herz einem Jesus-Bild ausschütten, doch die antwortende Stimme des Messias kommt vom Tonband. Wer mit diesem Leben nicht zurechtkommt, dem steht ein ganzes Arsenal verschiedenster Psychopharmaka zur Verfügung. Die regelmäßige Einnahme sedierender Drogen ist sogar Pflicht. Wer hinter alldem steckt, ob es überhaupt so etwas wie eine Regierung gibt, welchen Sinn alles hat und wie diese Gesellschaftsform sich entwickeln konnte, scheint niemandem bekannt zu sein - und es interessiert auch niemanden.

THX 1138, ein Arbeiter in einer Roboterfabrik, ist ein Bewohner dieser seelenlosen Stadt. Eines Tages sorgt seine Mitbewohnerin LUH 3417 dafür, daß das Drogengleichgewicht im Körper von THX durcheinander gerät, so daß er wieder in der Lage ist, Gefühle zu empfinden. THX und LUH lieben sich, und das ist illegal. Sexuelle Beziehungen zwischen Menschen gelten als pervers und werden bestraft, und das Verhältnis der beiden Liebenden bleibt natürlich nicht unentdeckt. Die beiden werden getrennt. LUH wird getötet, ein neuer Klon wird hergestellt, der ihre Identität bzw. ihre Nummer erhält. THX wird dazu verurteilt, "umkonditioniert" zu werden. Er wird medizisch untersucht, mit Drogen aller Art vollgepumpt, von Polizeirobotern sowie per Fernsteuerung gequält und anschließend in eine Art Anstalt oder Gefängnis ohne Wände gesteckt. In dem völlig weißen, scheinbar grenzenlosen Raum begegnet er SEN 5241, der mit seinem Gefasel von Revolutionsplänen immerhin den Gedanken zur Flucht in THX weckt. Die beiden wagen sich ins Nichts hinaus und begegnen dort dem Hologramm SRT, das irgendwie den Sprung aus der virtuellen in die reale Welt geschafft hat. Gemeinsam gelingt es ihnen, ins Labyrinth der Stadt zurückzukehren. Dort werden sie getrennt und von Polizeirobotern verfolgt. SEN wird verhaftet und auch SRT ergeht es nicht besser, als er mit einem gestohlenen Auto gegen einen Pfeiler fährt. Da THX seine Partnerin nicht wiederfinden kann, rast er ebenfalls mit einem gestohlenen Wagen davon, einige Roboter der Art, die er selbst hergestellt hat, heften sich an seine Fersen.

THX erreicht die Randbereiche der Stadt, wo alle Straßen zu Sackgassen werden. Hier leben seltsame, zwergenhafte und mißgestaltete Wesen - "Krustenbewohner" von der Erdoberfläche - gegen die THX sich wehren muß. Daß THX zu guter Letzt tatsächlich entkommen kann, liegt nur daran, daß die Roboter sich zurückziehen müssen: Die Verfolgung hat das veranschlagte Budget gesprengt, sie mußte wegen Unwirtschaftlichkeit abgebrochen werden! THX klettert durch einen gigantischen Schacht nach oben. So erreicht er die Erdoberfläche und sieht zum ersten Mal in seinem Leben die Sonne...

Der Film:

Das Thema des Films weckt natürlich sofort Erinnerungen an Science Fiction - Klassiker wie "1984" von George Orwell und "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley. Es gibt sogar einen deutschen SF-Roman aus dem Jahre 1964, in dem erstaunlich viele Parallelen zu finden sind (Die Glasfalle von Herbert W. Franke). Es mag sein, daß "THX 1138" von all diesen Büchern beeinflußt wurde, oder daß George Lucas einfach Ideenklau betrieben hat. Das bedeutet aber nicht, daß dabei ein schlechtes Plagiat herausgekommen wäre - ganz im Gegenteil! Ich persönlich halte den Film für ein Meisterwerk. Allerdings kann man ihn nicht jedem empfehlen, denn er wirft die üblichen Sehgewohnheiten über den Haufen und paßt nicht im mindesten in das 0815-Schema heutiger Hollywood-Produktionen. Vor allem darf man sich nicht durch den Namen des Regisseurs in die Irre führen lassen, denn "THX 1138" alles andere als ein turbulentes Weltraum-Märchen wie Star Wars. Hier gibt es keine atemberaubenden Raumschlachten, keine exotischen Schauplätze, keinen finsteren Bösewicht und im Grunde genommen auch keine romantische Liebesgeschichte (THX und LUH kennen noch nicht einmal das Wort Liebe). Wer also ein farbenprächtiges Abenteuer in der Machart späterer Filme von George Lucas erwartet, dürfte von "THX 1138" zumindest irritiert sein.

Schon die ersten Szenen machen klar, daß man sich hier auf ganz anderem Terrain bewegt. Die Ausstattung ist genau so minimalistisch, klinisch-steril und kalt, wie es zu der gleichgeschalteten, seelenlosen Welt paßt, in der die Geschichte spielt. Und wenn dann später außer weißgekleideten Schauspielern in einem komplett weißen, scheinbar grenzenlosen Raum nichts zu sehen ist, wird mancher durch moderne Spezialeffekte verwöhnte Zuschauer sich vielleicht fragen, worauf er sich da eingelassen hat. Aber gerade dieser spartanische Look läßt diesen doch schon recht alten Film unglaublich aktuell aussehen. Auf technische Gimmicks und Spezialeffekte wurde weitgehend verzichtet, wenn man einmal von einigen Veränderungen absieht, die der Directors Cut mit sich bringt (siehe unten). Viele Szenen wurden offenbar in Rechenzentren und Kontrolleinrichtungen von Kraftwerken oder so gedreht, was dazu beiträgt, daß alles sehr "echt" aussieht, obwohl man selten begreift, welchen Zweck die ganzen technischen Einrichtungen eigentlich haben. Alles sieht so aus, als sei es schon seit langer Zeit in Gebrauch - dieser "Used-Look" wurde später bei den Star Wars - Episoden IV bis VI erfolgreich wieder verwendet.

In "THX 1138" wird nichts oder kaum etwas erklärt. Man erfährt nicht, warum die Stadt unter der Erde liegt und wie es zu den unmenschlichen Verhältnissen dort kommen konnte. Da ist die Phantasie des Zuschauers gefragt und auch sonst muß man aufmerksam zusehen und zuhören, um die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zukunftswelt zu begreifen. Vielleicht gibt es gar keinen Herrscher in dieser Welt? Womöglich haben die Menschen sich irgendwann einmal selbst in einem geschlossenen, selbststeuernden System organisiert, das jetzt erstarrt ist. Das System erhält sich selbst, indem es identitätslose Einheiten züchtet, die nutzlose Dinge herstellen und wieder verbrauchen - ein endloser Kreislauf ohne Sinn und Ziel, der aber erbarmungslos immer weiterlaufen muß.

Für diesen Directors Cut wurde der Film zwecks Verbesserung von Bild- und Tonqualität digital überarbeitet, einige Szenen wurden darüber hinaus mit modernen CGI-Grafiken erweitert. Das sind Änderungen, die zunächst gar nicht auffallen, wenn man die ursprüngliche Version des Films nicht kennt. Beispielsweise wurden neue "Außen"ansichten der Stadt hinzugefügt. Einige Korridore wurden verlängert, um den Eindruck der Ausweglosigkeit und der Größe der Stadt zu verbessern. Es gibt aber auch ganz neue Inhalte, z.B. solche in der Roboterfabrik oder bei der Verfolgungsjagd am Schluß des Films. Diese Änderungen fügen sich bis auf eine einzige Ausnahme perfekt in das alte Material ein. Das Original wird nicht verfälscht, die Änderungen können als echte Verbesserung und Bereicherung bezeichnet werden. Die Ausnahme: Am Schluß wird THX von einigen Affenwesen angegriffen, die komplett am Computer entstanden sind und einfach nicht "echt" genug aussehen.

"THX 1138" ist ein visuell und inhaltlich enorm beeindruckender Film, den man jedem ernsthaften SF-Fan nur empfehlen kann.

Die DVD:

Das Filmmaterial wurde sorgfältig digital restauriert und überarbeitet. Das Ergebnis kann begeistern! Ein derart kristallklares Bild ohne jegliche Artefakte ist selbst bei DVDs mit aktuellen Filmen nicht selbstverständlich. Genauso viel Lob verdient der Ton. Keine Störgeräusche, keine dumpf klingenden Dialoge - perfekt! Man kann kaum glauben, daß man es mit einem Film aus dem Jahre 1971 zu tun hat.

Aber auch die Specials können sich sehen lassen. Auf der ersten DVD gibt es zum einen die Audiokommentare, zum anderen hat man die Möglichkeit, den Film mit einer Tonspur ohne Dialoge abzuspielen. Man bekommt dann nur die Musik und die Geräusch-Effekte zu hören. Aktiviert man die "Master Sessions", dann kann man den Film an mehreren Stellen unterbrechen und in kurze Beiträge von Walter Murch verzweigen, bei denen es um den Soundtrack geht. Diese Beiträge kann man auch gesondert anwählen, ohne den Film nochmal abspielen zu müssen. Der längste Beitrag auf der zweiten DVD läuft gut eine Stunde, heißt "Ein Vermächtnis der Filmemacher: Die frühen Jahre von American Zoetrope" und beschäftigt sich mit Francis Ford Coppolas erster Filmproduktionsgesellschaft, die er im Jahre 1969 gegründet hat und die zu Anfang eher eine Hippie-Kommune war als eine "ernsthafte" Firma. In dieser Filmgesellschaft sollten, unabhängig von den großen Studions, junge Talente gefördert, moderne Techniken eingesetzt und ambitionierte Filme gedreht werden. Coppola selbst sowie George Lucas und andere erzählen von den ersten chaotischen Monaten nach Gründung von American Zoetrope, bis hin zu dem finanziellen Desaster, das ausgerechnet durch "THX 1138" ausgelöst worden war. Auf diese Weise erfährt man viele interessante Details nicht nur über die Schwierigkeiten, mit denen die Entstehung von "THX 1138" verbunden war, sondern auch über den jungen George Lucas.

Das "Making of" ist ca. eine halbe Stunde lang und besteht zwar hauptsächlich aus Interviews, man bekommt aber auch einige interessante Szenen von den Dreharbeiten zu sehen. Man sieht auch, mit welch lächerlich einfachen Mitteln wegen des kleinen Budgets teilweise gearbeitet werden mußte - umso erstaunlicher ist das Ergebnis. Weitere Szenen von den Dreharbeiten bietet die kurze Featurette aus dem Jahre 1971 mit den Namen "Bald", der schon darauf hinweist, was hauptsächlich gezeigt wird: Man sieht, wie den Hauptdarstellern die Köpfe geschoren wurden und wie sie darauf reagiert haben. Maggie McOmies Gesichtsausdruck in dem Moment, als sie sich von ihrem langen Haar verabschieden muß, spricht Bände! Lustige Anekdote: Viele Komparsen, die die glatzköpfigen Bewohner der unterirdischen Stadt spielen, waren Insassen einer Drogenklinik, die sowieso schon kahlgeschoren waren...

Schließlich wurde noch der komplette Film "Ein elektronisches Labyrinth: THX 1138 4EB" auf die DVD gebannt. Dieser Kurzfilm ist die ursprüngliche Version, die George Lucas als Filmstudent gedreht hat. Mit dem endgültigen Produkt hat er nur noch die Grundidee gemeinsam. Es ist ein Experimentalfilm mit vielen stark verfremdeten Szenen und natürlich auch mit anderen Schauspielern. Er hat auch keine richtige Handlung, eigentlich besteht er nur aus der Flucht von THX durch die Stadt.

Alles in allem eine würdige Ausstattung für einen hervorragenden Film.

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