The Revenant


The Revenant - Der Rückkehrer (USA, 2015)
- The Revenant -

Blu-ray, Fox Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 156 Minuten

Extras:
- Aufbruch in eine unbekannte Welt (44:04 Min.)
- Bildergalerie

Regie:
Alejandro G. Inarritu

Hauptdarsteller:
Leonardo DiCaprio (Hugh Glass)
Tom Hardy (John Fitzgerald)
Forrest Goodluck (Hawk)
Domhnall Gleeson (Andrew Henry)
Will Poulter (Jim Bridger)
Duane Howard (Elk Dog)
Arthur RedCloud (Hikuc)
Melaw Nakehk'o (Powaqa)
Fabrice Adde (Toussaint)




Story

Der erfahrene Jäger Hugh Glass und sein Sohn Hawk haben sich einer von Captain Andrew Henry angeführten Gruppe von Pelzhändlern angeschlossen. Tief im unerforschten Indianergebiet machen die Männer reiche Beute, werden dann jedoch von Arikaree-Stammeskriegern angegriffen und erleiden schwere Verluste, bevor sie mit ihrem Boot fliehen können. Es kommt zum Streit über die Frage, welcher Fluchtweg nun eingeschlagen werden soll. Der Trapper John Fitzgerald gibt Glass die Schuld für das Debakel, doch Henry vertraut Glass und folgt der von ihm vorgeschlagenen Route. Das Boot wird aufgegeben und die Pelze, die gerettet werden konnten, werden vergraben. Bei einem Erkundungsgang wird Glass von einer Grizzlybärin angegriffen und übel zugerichtet. Als das Tier abgelenkt ist, weil es sich um seine Jungen kümmern muss, gelingt es Glass, nach seinem Gewehr zu greifen und auf die Bärin zu schießen. Die Bestie stirbt, doch auch Glass ist mehr tot als lebendig. Henry, der einige medizinische Kenntnisse besitzt, flickt Glass so gut wie möglich zusammen. Der Delirierende wird von seinen Kameraden durch den tief verschneiten Wald geschleppt, bis es nicht mehr geht. Fitzgerald drängt Henry, den mit dem Tode ringenden Mann zu erschießen, weil er die Gruppe nur aufhält, doch der Captain bringt das nicht über sich. Stattdessen soll Glass zurückgelassen werden. Henry bietet jedem 100 Dollar, der bereit ist, bei Glass zu bleiben, bis er gestorben ist. Hawk und der junge Jim Bridger melden sich freiwillig. Da ein dritter Mann gebraucht wird, verzichten sie zu dessen Gunsten auf ihr Geld. Fitzgerald geht auf den Handel ein.

Henry und die verbliebenen Trapper machen sich auf den beschwerlichen Marsch zum nächstgelegenen Fort, immer auf der Hut vor den Arikaree. Doch diese haben es in Wahrheit nicht auf die Weißen abgesehen. Ihrem Häuptling Elk Dog geht es nur um die Pelze. Diese will er beim Trupp des französischen Jägers Toussaint gegen Waffen und Pferde eintauschen. Er braucht die Ausrüstung für die Suche nach seiner Tochter Powaqa, die von Unbekannten entführt worden ist. Elk Dog ahnt nicht, dass eben jene Franzosen, mit denen er schließlich handelseinig wird, Powaqa in ihrer Gewalt haben. Henrys Gruppe erreicht das Fort, während Hawk, Bridger und Fitzgerald bei Glass ausharren, um ihn anständig bestatten zu können. Doch Glass weigert sich beharrlich zu sterben. Nach einigen Tagen verliert Fitzgerald die Geduld und versucht den Wehrlosen zu ersticken. Hawk greift ein und wird von Fitzgerald erstochen. Glass ist nicht handlungsfähig, muss die Tat hilflos mit ansehen und kann Badger, der auf der Jagd war und erst später zurückkehrt, nicht warnen. Fitzgerald behauptet, er habe zwanzig sich nähernde Arikaree gesehen. So bringt er Badger dazu, den noch lebenden Glass in einem flachen Grab zu verscharren und zu fliehen. Badger lässt seine mit einem unverwechselbaren Spiralsymbol verzierte Feldflasche bei Glass zurück. Badger und Fitzgerald schlagen sich ebenfalls zum Fort durch. Badger durchschaut Fitzgeralds Lüge, ist jetzt aber gezwungen, gemeinsame Sache mit ihm zu machen. Gegenüber Henry behaupten die beiden, sie hätten Glass bis zuletzt bewacht und dann beerdigt. Fitzgerald erhält seine 300 Dollar und erfährt bei dieser Gelegenheit, dass im Fort ein Tresor steht, der noch mehr Geld enthält.

Glass wird vom Rachedurst am Leben gehalten. Er schleppt sich durch die Wildnis, entkommt den Arikaree und trifft auf den einsamen Pawnee-Indianer Hikuc. Dieser gibt Glass etwas zu essen, versorgt seine entzündeten Wunden und errichtet eine Schwitzhütte, in der sich Glass während eines Schneesturms allmählich erholt. Glass verliert das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt, ist Hikuc tot. Die Franzosen haben ihn erhängt. Glass nähert sich dem Lager der Franzosen, um ein Pferd zu stehlen. Er beobachtet, wie Toussaint eine Indianerin (Powaqa) vergewaltigt. Glass befreit die junge Frau und flieht mit dem Pferd, wobei er die Feldflasche verliert. Erneut wird er von den Arikaree angegriffen. Auf der Flucht stürzt er in einen Abgrund. Das Pferd bricht sich das Genick, doch Glass überlebt. Die Arikaree vernichten das Lager der Franzosen. Nur einem Mann gelingt die Flucht. Er erreicht das Fort und tauscht seine wenigen Habseligkeiten gegen Essen ein - darunter die Feldflasche. Man vermutet, dass Hawk noch am Leben ist. Henry führt einen Suchtrupp in die Wälder, wo Glass aufgegriffen wird. Somit kommt die Wahrheit ans Licht. Glass nimmt Badger in Schutz. Fitzgerald hat in Henrys Abwesenheit den Tresor aufgebrochen und ist verschwunden. Glass und Henry verfolgen Fitzgerald gemeinsam. Sie trennen sich, um ihn in die Zange zu nehmen. Fitzgerald überrascht Henry, erschießt ihn und lauert Glass auf. Dieser benutzt Henrys Leiche, um den Mörder zu täuschen, so dass er ihn überrumpeln kann. Es kommt zum Zweikampf. Glass behält die Oberhand, verzichtet aber darauf, Fitzgerald zu töten. Das überlässt er den sich nähernden Arikaree. Elk Dog skalpiert und tötet Fitzgerald. Glass wird verschont.


Kringels Meinung

Diesen Film als "Western" zu bezeichnen ist nicht falsch und dennoch irreführend. Denn mit Edelwestern aus der Hochzeit dieses Genres oder mit Italowestern hat "The Revenant" ebenso wenig zu tun wie mit jüngeren Werken wie zum Beispiel Django Unchained und The Hateful 8 oder den Remakes von "True Grit" (2010 mit Jeff Bridges in der Rolle des 1969 von John Wayne verkörperten Rooster Cogburn) und "Die glorreichen Sieben" (2016, Denzel Washington in der Hauptrolle). Elemente wie der grimmige Grundton, die sehr düstere Atmosphäre und die explizite, niemals beschönigende oder verharmlosende Gewaltdarstellung wären für sich genommen vielleicht noch kein Alleinstellungsmerkmal. Aber die faszinierende Bildersprache, insbesondere die Art und Weise, wie die überwältigende Schönheit und Bedrohlichkeit der Natur dargestellt wird, ist etwas Besonderes. Der Film wurde an Originalschauplätzen in unzugänglichen Wäldern gedreht, obendrein ohne künstliche Lichtquellen. Die Kameraarbeit tut das ihre, um den Zuschauer einzubeziehen oder die Hilflosigkeit des Menschen in der endlosen Weite der unberührten Wildnis zu zeigen. Die Kamera bewegt sich in einer langen Einstellung (ohne Schnitte?) mitten durch das Gemetzel des Indianerüberfalls, wobei sie verschiedenen Personen folgt. Sie dreht sich rund um Glass, der allein auf Erkundung geht und sich mehr auf seine Ohren als auf seine Augen verlassen muss. Oder sie zeigt ihn in der Supertotalen als kleinen schwarzen Punkt auf einem zugefrorenen See. Zusammen mit der stimmungsvollen Musik entstehen grandiose (Natur)Aufnahmen, bei denen ich mich an die besten Werke von Werner Herzog und Andrei Tarkowski erinnert gefühlt habe, zumal einige surreale Szenen eingeflochten sind, in denen Glass' Erinnerungen und Visionen gezeigt werden.

Ich weiß nicht, ob der Film historisch korrekt ist (die Story spielt um 1823), aber schon besagter Indianerüberfall wirkt extrem realistisch und auch was die primitiven Lebensumstände der Weißen angeht, kann man wohl von Realismus sprechen. Jedem dürfte klar sein, dass Leonardo diCaprio nicht mit einem echten Grizzly gerungen hat, doch die brachiale Attacke der CGI-Kreatur lässt nichts zu wünschen übrig. So kann man sich etwas derartiges wirklich vorstellen! Leider ergibt sich daraus ein Schwachpunkt in der Story. So überzeugend die schrecklichen Wunden wirken, die Glass beim Bärenangriff davonträgt, so unglaubwürdig kommt mir seine schnelle Genesung vor. Es ist schon schwer zu schlucken, dass er trotz allem der Verfolgung durch die Arikaree engeht und wenig später fit genug ist, um Powaqa zu befreien. Dann überlebt er auch noch den Sturz in einen Abgrund sowie einen Schneesturm, indem er wie einst Han Solo einen Tierkadaver aufschlitzt, um sich im Inneren zu wärmen. Einige Zeit später wird er völlig verwahrlost und entkräftet ins Fort gebracht. Nun muss er nur was ordentliches essen und sich kaltes Wasser über den Kopf schütten - schon ist er derart gut drauf, dass er Fitzgerald verfolgen und im Zweikampf besiegen kann! Das kommt mir etwas übertrieben vor. Erstaunlicherweise hat die Hauptfigur des Films ein reales Vorbild!

Leonardo diCaprio liefert eine wahre Meisterleistung ab. Ich habe ihn erstmals im Film "Gilbert Grape Irgendwo in Iowa" (1993) wahrgenommen und fand seine Darstellung eines geistig Behinderten sehr beeindruckend. Erst danach hat er sich mit einer Romeo & Julia - Verfilmung (1996) und natürlich mit dem Megablockbuster "Titanic" (1997) als Frauenschwarm etabliert. Ich wusste also schon vorher, dass diCaprio weit mehr drauf hat als die Rolle des herzensbrechenden Schönlings. Inzwischen hat er seine Vielseitigkeit längst eindrucksvoll unter Beweis gestellt und meiner Meinung nach hat er den Oscar als bester Hauptdarsteller in "The Revenant" wirklich verdient! Er bringt das Leiden und den Überlebenswillen der Hauptfigur absolut überzeugend rüber. Der von Tom Hardy nicht minder genial verkörperte Fitzgerald ist ein wunderbarer Antagonist, den man bis zu einem gewissen Grad sogar verstehen kann. Auch sonst ist der Film bis in die kleinste Nebenrolle hinein bestens besetzt. Sollte man gesehen haben.


Blu-ray-Features

Die sehr interessante, mit einer Dreiviertelstunde leider etwas kurze Dokumentation "Aufbruch in eine unbekannte Welt" ist in ähnlichem Stil gehalten wie der Film. Im Grunde geht es darin gar nicht so sehr um den Produktionsprozess, sondern um die Ideen, die hinter "The Revenant" stehen. Themen sind ja neben der Vater-Sohn-Beziehung und der Sinnlosigkeit von Rache nicht zuletzt das Verhältnis des Menschen zur Natur, die Zerstörung derselben durch rücksichtslose Ausbeutung (Pelzhandel) und die daraus resultierenden Folgen für die Ureinwohner. Wenn der Regisseur z.B. von den Schwierigkeiten berichtet, mit denen sich das Filmteam auseinandersetzen musste, so stellt er das in einen anderen Kontext und zeigt, dass heute im Grunde das gleiche geschieht wie damals zur Handlungszeit des Films. Er führt die zu hohen Temperaturen während des Drehs in Kanada, die zur Schneeschmelze geführt haben, so dass in Argentinien weitergedreht werden musste, auf Umweltverschmutzung zurück. Der Hawk-Darsteller Forrest Goodluck reist zum Lake Sakakawea, einem Stausee in North Dakota, der mitten in der Fort Berthold Reservation entstanden ist. Die dort lebenden Stämme haben deshalb in den Fünfzigerjahren des zwanzigsten Jahrhunderts ihre Heimat und den größten Teil ihres Ackerlands verloren. Tausende Stammesmitglieder mussten umsiedeln und eine viel zu geringe Entschädigung akzeptieren, viele sind daraufhin verarmt ...


J. Kreis, 29.08.2017




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