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The Eye The Eye (Hongkong, 2002)
- Jian gui -

DVD - Regionalcode 2, Highlight DVD
FSK: 16
Laufzeit: ca. 94 Minuten

Extras
Making of, TV-Spot, Trailershow

Regie:
Oxide Pang, Danny Pang

Hauptdarsteller:
Lee Sin-Je (Wong Kar Mun)
Lawrence Chou (Dr. Lu Wah)
Chutcha Rujinanon (Ling)




Inhalt:

Die seit dem zweiten Lebensjahr blinde Wong Kar Mun erhält durch eine Hornhauttransplantation ihr Augenlicht zurück. Als sie seltsame Visionen hat, führt sie das zunächst auf die Gewöhnungsphase zurück. Doch bald wird ihr klar, dass sie Dinge sehen kann, die für normale Menschen unsichtbar sind. Sie kann den Tod der Menschen vorhersehen, und wenn sie sterben, dann sieht sie, wie ihre Seelen von einer schemenhafen schwarzen Gestalt weggeführt werden. Aber manche Toten scheinen den Weg ins Jenseits nicht zu finden, da sie durch eine Sünde Schuld auf sich geladen haben oder auf andere Weise ans Diesseits gekettet sind. Zwei weitere unerklärliche Wahrnehmungen machen der jungen Frau zu schaffen: Ihr Gesicht, das sie nach der Operation erstmals im Spiegel sehen kann, scheint einer anderen Frau zu gehören, außerdem sieht sie immer wieder, wie das Bild eines anderen Raumes ihr eigenes Zimmer überlagert.

Mun fühlt sich durch die Geister der Toten zunehmend bedroht. Auch macht ihr das Unverständnis ihrer Mitmenschen zu schaffen. Nur der junge Arzt Dr. Lu Wah, der ihr seit der Operation beratend zur Seite steht, fängt an, ihr zu glauben - tatsächlich verliebt er sich in sie. Da festzustehen scheint, dass Mun das sieht, was Ling, die Spenderin ihrer neuen Augen-Hornhäute gesehen hat, erwirkt er die Herausgabe der Patientendaten. Gemeinsam suchen Mun und Wah das Dorf auf, in dem Ling gelebt hat. Es zeigt sich, dass auch Ling die Fähigkeit hatte, schlimme Ereignisse vorherzusehen. Man hatte sie deshalb schon als Kind für eine Hexe gehalten, sie war zu einer Außenseiterin geworden. Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte Ling vorhergesehen, dass im Dorf ein schreckliches Feuer viele Todesopfer fordern würde. Sie hatte versucht, die Menschen zu warnen, aber man hatte sie nur weggejagt. Deshalb hatte die verzweifelte Frau sich erhängt. Da sie mit dem Gefühl der Schuld gestorben ist, findet Lings Geist keine Ruhe und ist gezwungen, die letzten Minuten ihres Lebens immer wieder zu durchleiden.

Mun verbringt eine Nacht in Lings Zimmer. Sie lässt zu, dass Lings Geist sie übernimmt. In Muns Körper versucht Ling erneut, sich zu erhängen. Diesmal jedoch kommt Lings Mutter rechtzeitig hinzu. Lings Geist fleht sie um Vergebung an und findet endlich Ruhe, als die Mutter ihr versichert, sie habe ihr längst verziehen. Doch damit verschwinden Muns Visionen nicht. Immer noch kann sie die Toten sehen. Auf der Rückfahrt nach Hongkong sieht sie die Explosion eines Tankwagens voraus, der auf der Straße umgekippt ist. Mun will die Menschen warnen, die im Stau hinter dem Tankwagen stehen, aber niemand glaubt ihr. Da kommt es tatsächlich zur Explosion, Dutzende Menschen verbrennen in ihren Autos. Mun blickt genau in die auf sie zurasende Feuerwand. Im letzten Moment wird sie von Wah zu Boden gerissen und überlebt, aber ihre Augen sind versengt - sie erblindet zum zweiten Mal. Doch diesmal ist das ein Segen für sie...

Der Film:

Ich bin mir nicht sicher, ob ich den Namen der Hauptfigur richtig verwendet habe. Auf dem DVD-Cover wird sie "Wong Kar Mun" genannt, im Abspann steht nur "Mun". Im Film wird sie allerdings immer mit einem Namen angesprochen, der eher wie "Huang Jiawen" klingt.

"The Eye" ist ein weiterer typischer Fernost-Geisterfilm, erneut sind die rätselhaften Ereignisse auf den Geist einer jungen Frau zurückzuführen, die schreckliches erleiden musste - aber diesmal ist dieser Geist ausnahmsweise nicht bösartig oder rachsüchtig, sondern sucht nur nach Vergebung. Im Grunde bietet "The Eye" lediglich eine leichte Abwandlung der Geschichte, die man schon aus "The Sixth Sense" kennt, er hat mich auch an den Film "Blink" erinnert. Der Clou besteht aber darin, dass Mun, die ja immer blind war, zunächst nicht weiß, was real ist und was nicht.

Die Grusel-Szenen werden im Vergleich zu anderen Filmen dieses Genres sehr zurückhaltend und dosiert eingesetzt, verfehlen aber ihren Zweck nicht. Obwohl für den Zuschauer natürlich gleich alles klar ist, dauert es eine ganze Weile, bis die Geschichte richtig in Fahrt kommt. Immerhin gibt es schon recht früh eine nette Gänsehaut-Szene (wenn Mun ihre erste Geister-Begegnung im Krankenhaus hat), die übrigens noch besser wirkt, wenn man Surround-Sound hat. Auch die Szenen, in denen sich die Realität vor den Augen der jungen Frau verändert, gefallen mir. Und die Sache mit dem Geist im Fahrstuhl ist sehr gut gelungen, vielleicht gerade deshalb, weil es sich nicht um eine typische Schock-Szene handelt. Hier hat man keinen plötzlich erscheinenden Geist, sondern einen, der gar nicht viel machen muss - es reicht, dass man ihm in der Enge des Raums nicht entkommen kann.

"The Eye" ist zwar durchaus stimmungsvoll, teilweise sogar spannend, und das fast ganz ohne Gewalt, Blut und Eingeweide. Die Geschichte wird ohne Schnörkel erzählt und bleibt trotz des übernatürlichen Themas in sich schlüssig. Aber insgesamt fehlt mir doch das gewisse Etwas. Die Geister sind mir nicht bedrohlich genug, der Auflösung fehlt der letzte "Kick". Man könnte auch sagen: Für einen Gruselfilm ist "The Eye" einfach nicht gruselig genug, jedenfalls hat er mir keine schlaflosen Nächte bereitet. Interessanter ist das Schicksal der "Heldin". Sie ist eine gut ausgearbeitete, sympathische Figur, die dem Zuschauer nicht gleichgültig bleibt.

Die DVD:

Das "Making of" läuft ca. 17 Minuten lang. Man erfährt, dass der Film angeblich auf wahren Begebenheiten beruht. Angeblich hat sich eine junge Frau nach einer Hornhaut-Transplantation erhängt, und bei einigen der Geister-Szenen des Films soll es sich um Erlebnisse handeln, die verschiedene Leute tatsächlich hatten. Dann sprechen Produzent, Regisseure und Hauptdarsteller über die Hauptfiguren und über den Entstehungsprozess des Films. Dazu werden immer wieder Filmszenen eingeblendet. Sonst hat diese Featurette kaum etwas zu bieten. Infos zu den Spezialeffekten oder ähnliches sucht man vergebens.

J. Kreis, 06.11.2006
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