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The Day after The Day after (USA, 1983)

DVD - Regionalcode 2, Eurovideo
FSK: 12
Laufzeit: ca. 115 Minuten

Extras
Biografien und Filmografien (Texttafeln)

Regie:
Nicholas Meyer

Hauptdarsteller:
Jason Robards jr. (Dr. Russell Oakes)
Steve Guttenberg (Stephen Klein)
Jobeth Williams (Schwester Nancy Bauer)




Inhalt:

Es ist ein Sommer wie jeder andere für die Menschen in Kansas City und Umgebung. Die Kinder gehen zur Schule, Pärchen verabreden sich, Hochzeiten werden vorbereitet, man geht zur Arbeit, ins Kino oder zu einem Baseballspiel. Den Nachrichten über zunehmende Spannungen in Europa schenkt man allenfalls am Rande Beachtung. Doch dann verhängt die UDSSR eine Blockade über Westberlin. Ein gegenseitiges Säbelrasseln beginnt, die Situation eskaliert. Sowjetische Soldaten marschieren über die Grenze nach Westdeutschland, die USA setzen Nuklearwaffen gegen sie ein. Dann öffnen sich überall auf der Welt die Raketensilos, und wenig später bringen Hunderte von Interkontinentalraketen den Tod zu den Großstädten beider Länder. Der Notstand wird ausgerufen, Panik bricht aus. Vergeblich versuchen die Menschen, sich in Sicherheit zu bringen. Wer zuerst auf den "Roten Knopf" gedrückt wird, kann später nicht mehr nachvollzogen werden...

Auch Kansas City vergeht in einem atomaren Feuerball. Eine Zone der Vernichtung entsteht rund um die Stadt. Die Überlebenden in den entfernter gelegenen Gebieten vegetieren in den nächsten Tagen in Kellern, schäbigen Zeltcamps oder noch heruntergekommeneren Behausungen dahin, wenn sie nicht im Schock ziellos durch die Gegend wandern. Der elektromagnetische Puls hat die Stromversorgung lahmgelegt, Lebensmittel werden knapp und wegen der vielen Leichen brechen Seuchen aus. Es kommt zu Plünderungen und Gewalttaten, die öffentliche Ordnung bricht zusammen. Dr. Oakes leitet eines der wenigen noch halbwegs intakten Krankenhäuser, aber er und seine Ärzte sind völlig überfordert: Tausende von Verletzten und an der unheilbaren Strahlenkrankheit leidenden Menschen drängen sich im Freien, wo der Fallout ihre Leiden nur noch verschlimmert.

Nach geraumer Zeit kann eine Funknachricht der Regierung aufgefangen werden. Der Präsident gibt Durchhalteparolen von sich und spricht vom anstehenden Wiederaufbau. Auch die Farmer müssen sich nebulöse Pläne für eine Entseuchung ihrer Felder anhören. Doch die Hoffnungslosigkeit der Situation ist offensichtlich; es ist einfach nichts mehr da, was neu aufgebaut werden könnte. Dr. Oakes, der seine ganze Familie verloren hat und ebenfalls langsam an der Strahlenkrankheit stirbt, kehrt nach Kansas City zurück, um sein Leben in den kaum noch erkennbaren Ruinen seines Hauses zu beenden...

Der Film:

Eigentlich ist dies ein typischer Katastrophenfilm. Zunächst werden diverse Hauptpersonen vorgestellt. Man erfährt ein wenig über ihren persönlichen Hintergrund, was sie als nächstes vorhaben und so weiter. Beispielhaft seien hier die Farmerfamilie Dahlberg, Dr. Oakes und Stephen genannt. Dann wird das Leben dieser Personen durch eine schreckliche Katastrophe völlig auf den Kopf gestellt, einige kommen auch um. Als nächstes müssen die Überlebenden sich irgendwie aus bedrohlichen Situationen retten. Das Problem bei dieser speziellen Katastrophe besteht darin, dass sie umfassend ist. Es gibt keine Rettung und es gibt natürlich auch kein Happy-End. Das unterscheidet "The Day after" von anderen Katastrophenfilmen.

Es gibt aber auch andere Unterschiede, zum Beispiel die sozialkritischen Untertöne. Die Menschen ignorieren mehr oder weniger alles, was sich außerhalb ihres unmittelbaren Umfelds abspielt. Erst als sie zu ahnen beginnen, dass es ihnen selbst an den Kragen gehen könnte, werden sie aufmerksam. Geradezu prophetisch wirkt in diesem Zusammenhang die Dialogzeile einer Studentin, die nicht glaubt, dass die USA wegen Deutschland einen Krieg riskieren würden. Wenn es um die Ölquellen ginge, so meint sie, dann hätte sie Angst...

Als die Katastrophe dann erst einmal eingetreten ist, werden die Menschen auf ihre Grundbedürfnisse reduziert. Auch ihre Verhaltensweisen passen sich der Situation an. Es zählt nur noch das Überleben des Einzelnen, die Schicksale anderer Menschen werden bedeutungslos, kaum jemand nimmt noch Rücksicht auf seine Mitmenschen. Das Elend der Überlebenden wird recht drastisch dargestellt. Zwar sehen manche Strahlenverseuchte aus wie Zombies, aber es ging den Filmemachern nicht darum, die Sensationslust der Zuschauer zu befriedigen. Sie wollten einfach nur so realistisch wie möglich zeigen, welche Folgen ein Atomkrieg hätte. Im Abspann heißt es übrigens, diese Darstellungen seien im Vergleich zur Realität eines Atomkriegs noch stark untertrieben.

Insgesamt ist "The Day after" zwar kein besonders spannender oder bedeutsamer Film. Die Hauptpersonen (soweit sie überhaupt überleben) lassen den Zuschauer eher unberührt, die Spezialeffekte wirken aus heutiger Sicht fast schon lächerlich. Aber der Film zeigt recht anschaulich, wie tief die Angst vor einem Atomkrieg in den Achtzigern im Bewusstsein der Menschen verankert war und welche Vorstellungen man sich davon gemacht hat. Er wirkt auch heute noch beunruhigend genug.

Die DVD:

Das Bonusmaterial kann man getrost vergessen. Es gibt nur die üblichen paar Textinfos zu Cast und Crew. Die Qualität von Bild und Ton sind auch nicht so berauschend: Unscharf, verrauscht und dumpf. Allerdings muss man auch das Alter des Films in Rechnung stellen. Ich muss auch zugeben, dass ich schon deutlich schlechteres gesehen habe, zum Beispiel The Fog.

J. Kreis, 03.09.2006
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