Surrogates


Surrogates: Mein zweites Ich - Collector's Edition (USA, 2009)
- Surrogates -

Blu-ray, Buena Vista Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 89 Min.

Extras
- Audiokommentar des Regisseurs
- Das perfekte Ich - Die Technologie der Surrogates (14:34 Min.)
- Vom Comic zum Film - Eine Graphic Novel erwacht zum Leben (6:33 Min.)
- Zusätzliche Szenen (5:15 Min.)
- Musikvideo: "I Will Not Bow" von Breaking Benjamin (3:49 Min.)

Regie:
Jonathan Mostow

Hauptdarsteller:
Bruce Willis (Tom Greer)
Radha Mitchell (Jennifer Peters)
James Cromwell (Dr. Lionel Canter)
Rosamund Pike (Maggie Greer)
Jack Noseworthy (Miles Strickland)
Boris Kodjoe (Andrew Stone)
Ving Rhames (Der Prophet)




Inhalt

Mitte des 21. Jahrhunderts entwickelt Dr. Lionel Canter eine revolutionäre neue Technik, die die Gedankensteuerung von Prothesen ermöglicht. Canters Firma VSI verfeinert diese Technik immer weiter, bis sie zur Alltäglichkeit wird. Canter wendet sich von VSI ab, weil es der Firma nur noch um Profit geht. Die Menschen überlassen alle Arbeiten und Besorgungen den "Surrogates" - Androiden, die über eine ganz besondere Form der Fernsteuerung verfügen. Der Benutzer ist geistig mit dem Androiden verschmolzen, kann ihn genauso perfekt steuern wie den eigenen Körper, und nimmt alles wahr, was der Android sieht, hört, schmeckt, riecht und fühlt. Es gibt eine Sicherung, die Rückkopplungen verhindert. So gerät der Nutzer nicht in Gefahr, geistige oder körperliche Schäden davonzutragen, wenn sein Surrogat beschädigt oder gar vernichtet wird. Die weltweite Nutzung der Androiden führt zu einem dramatischen Rückgang der Kriminalitätsrate. Niemand muss sich mehr über das eigene Aussehen, Alterserscheinungen oder körperliche Gebrechen grämen. Die Androiden bleiben ewig "jung" und sind weit leistungsfähiger als ein normaler Mensch. Sie können ganz nach den Schönheitsidealen ihrer Benutzer gestaltet werden und ermöglichen ihnen die ausgefallensten und gefährlichsten Vergnügungen ganz ohne Risiko. Die Surrogat-Nutzer verlassen ihre Wohnungen praktisch nicht mehr, so dass die Städte nur noch von Androiden bevölkert werden. Es gibt jedoch auch Gegner der neuen Technik: Die "Dreads". Diese Menschen lehnen die Nutzung von Surrogaten ab und leben in abgegrenzten Stadtgebieten, die von keinem Androiden betreten werden dürfen. Anführer der Dreads ist "Der Prophet", ein charismatischer Prediger, der das baldige Ende der Surrogat-Technik vorhersagt.

Im Jahre 2057 verübt ein gewisser Miles Strickland einen Anschlag auf zwei Androiden, bei dem er eine neuartige Waffe einsetzt. Die FBI-Agenten Tom Greer und Jennifer Peters, die auf den Fall angesetzt werden, finden heraus, dass die Waffe nicht nur Androiden zerstört, sondern zusätzlich die Rückkopplungs-Sicherung außer Kraft setzt, so dass die Benutzer gleichzeitig mit dem Ende des Androiden getötet werden. Somit ist es zum ersten Mordfall seit Jahren gekommen. Eines der Opfer ist Jarid Canter, Sohn des VSI-Gründers. Jarid hatte sich in der Mordnacht einen von mehreren Androiden seines Vaters ausgeliehen. Für Greer steht fest, dass Lionel Canter das eigentliche Ziel des Attentats war. Bei VSI stoßen Greer und seine Partnerin auf eine Mauer des Schweigens. Es darf nicht öffentlich bekannt werden, dass die Nutzung der Androiden mit Gefahren verbunden ist. Bei der Verfolgung Stricklands dringt Greer (bzw. sein Surrogat) verbotswidrig in ein Dread-Reservat ein. Er wird fast selbst Opfer der neuen Waffe, außerdem zerstören die Androidengegner Greers robotisches Alter Ego, bevor er Strickland dingfest machen kann. Wegen des Eindringens eines Androiden in Dread-Gebiet kommt es zu Tumulten. Greer, der unter den Nachwirkungen der Attacke mit der neuen Waffe leidet, wird vom Dienst suspendiert.

Greer lässt jedoch nicht locker. Er muss zwar in menschlicher Gestalt weiterermitteln, dies ermöglicht ihm jedoch ein gefahrloses Betreten des Reservats. Er wird Zeuge, wie Stricklands Leiche verbrannt wird. Der Mann wusste offensichtlich zu viel und wurde von seinesgleichen beseitigt. Die neuartige Waffe befindet sich im Besitz des Propheten. Greer geht mit dieser Information zum Militär. Man bestätigt seine Vermutung, dass die Waffe von VSI für den Kriegseinsatz entwickelt worden ist. Das Projekt wurde eingestellt, als die tödlichen Nebenwirkungen bekannt wurden. Das Militär überfällt das Reservat und versucht die Waffe zurückzuerobern. Dabei wird der Prophet "erschossen" - es stellt sich heraus, dass es sich um ein Surrogat handelt. Die Waffe ist jedoch verschwunden. Sie befindet sich im Besitz des Androiden von Jennifer Peters. Der wird allerdings nicht von Greers Partnerin selbst gesteuert, sondern von Canter. Dieser hat die echte Jennifer Peters getötet und mit Hilfe des Androiden herausgefunden, dass FBI-Chef Andrew Stone für den Mord an seinem Sohn verantwortlich ist. Stone steckt mit VSI unter einer Decke. Canter senior sollte wegen seiner gegen VSI gerichteten Aktivitäten ermordet werden. Greer erfährt hiervon erst, nachdem er fast vom Peters-Androiden getötet worden ist. Es wird klar, dass Canter Rache für den Tod seines Sohnes will.

Canter dringt mit dem Peters-Androiden in die FBI-Computerzentrale ein. Er tötet Stone und verschafft sich Zugriff auf ein System, das mit sämtlichen Androiden verbunden ist. Mit diesem System können alle Androiden überwacht und deaktiviert werden. Canter schließt die Waffe an das System an, um alle Androiden zu vernichten. Den Tod von Milliarden Menschen nimmt er in Kauf. Greer dringt in Canters Versteck ein und stellt dabei fest, dass der Prophet ebenfalls ein von Canter benutzter Android war. Canter begeht Selbstmord. Greer klinkt sich in den Peters-Androiden ein, so dass er sich an Canters Stelle in der FBI-Zentrale befindet. Es gelingt ihm, die Verbindung zwischen den Androiden und ihren Nutzern zu trennen. Er verzichtet aber darauf, die Waffe zu deaktivieren. Somit werden alle Androiden weltweit vernichtet, die Menschen tragen aber keine Schäden davon. Danach sind die Menschen wieder auf ihre eigenen Körper angewiesen und können sich nicht mehr in das Androiden-Scheinleben flüchten. So ergeht es auch Greers Frau, die sich nach dem Unfalltod des gemeinsamen Sohnes völlig von der Realität zurückgezogen und ausschließlich via Surrogat gelebt hat. Damit hat Greer nicht nur den Fall gelöst und der Menschheit einen Neuanfang ermöglicht, sondern auch die Frau zurückgewonnen, die er liebt.

Kommentar

Dieser Film basiert auf den gleichnamigen Graphic Novels von Robert Venditti und Brett Weldele. Die Comics sind mir nicht bekannt, so dass ich nichts zur Werktreue des Films sagen kann. Die Ausgangssituation von "Surrogates" ist faszinierend und eigentlich gar nicht so weit von unserer Realität entfernt, wie man auf den ersten Blick meinen könnte. Schließlich erleben Gamer durch ihre virtuellen Avatare auch heute schon Abenteuer, von denen man im realen Leben nur träumen kann. Mir geht's genauso: Ich fliehe so oft und so lange wie möglich vor dem nervtötenden Alltag, indem ich in die riesige, komplexe Fantasywelt des Rollenspiels "Skyrim" abtauche. Dort steuere ich einen Avatar, den ich vor Beginn des Spiels nach meinen eigenen Vorstellungen modellieren konnte. Und im Gegensatz zu mir kann diese Figur die verschiedensten Zaubersprüche anwenden, Waffen schmieden, Essen kochen usw. - von diversen Kampf- und Diebeskünsten ganz zu schweigen. Würde ich also dasselbe tun wie die Nutzer der Androiden im Film? Würde ich mir ein maßgeschneidertes zweites Ich zulegen, das ich zur Arbeit schicken und mit dem ich mich ins Abenteuer stürzen kann? Wie würde sich das auf mein echtes Ich auswirken? Wie könnte eine Welt aussehen, in der eine derartige Technik möglich ist, und welche Anwendungsmöglichkeiten wären dafür denkbar?

Hoch interessante Fragen, die in "Surrogates" in eine spannende Thriller-Handlung eingebettet, aber leider zu oberflächlich behandelt werden. Die Beziehung zwischen Greer und seiner Frau spielt übrigens eine weit wichtigere Rolle, als obige Handlungszusammenfassung vermuten lässt. Tatsächlich hat sich Greer wahrscheinlich vor allem deshalb für die Vernichtung aller Surrogates entschieden, weil er seine "echte" Frau zurückhaben wollte. Was mich zu der Frage führt, warum Canter nicht genauso vorgegangen ist. Im letzten Gespräch mit Greer behauptet er, der Menschheit einen Neuanfang ermöglichen zu wollen. Seine ursprüngliche Absicht sei es gewesen, Blinde wieder sehend, Lahme wieder gehend zu machen usw. - die Surrogates seien aber zu einer Bedrohung für die menschliche Gesellschaft geworden. Sein Ziel, die Menschen von ihrer suchthaften Benutzung der Androiden zu befreien, hätte Canter auf demselben Weg wie Greer erreichen können. Stattdessen will er gleichzeitig alle Benutzer von Androiden töten, obwohl er seine Rache ja schon hatte: Er hat den Mörder und den Auftraggeber getötet. Dann aber begeht er Selbstmord und ermöglicht es Greer damit, den ganzen geschickt eingefädelten Plan zunicht zu machen. Das klingt unlogisch? Ist es auch. Außerdem ist mir das Ende zu versönlich. Als Greer zu seiner Frau zurückkehrt, dachte ich: "Wenn der Film gut ist, hat sie Selbstmord begangen". Weil sie nicht abgenabelt vom Androiden leben will, meinte ich. Nein, sie wirft sich heulend in Greers Arme. Naja. Aber abgesehen davon kann man mit der Story zufrieden sein.

Bruce Willis spielt hier eine Doppelrolle: Einmal digital retuschiert als aufgehübschter Android mit blonder Haartolle, einmal als verletzlicher, gealterter Mensch mit Falten, Glatze und Dreitagebart. Der Gegensatz zwischen der stets wie geleckt aussehenden Robot-Version, die sich bei der Verfolgung Stricklands als fast unaufhaltsame Kampfmaschine erweist, und dem geschwächten Mann, der unter Angstzuständen leidet, als er sich auf die gänzlich von Androiden bevölkerten Straßen hinauswagt, verfehlt seine Wirkung nicht. Bruce Willis macht seine Sache in beiden Rollen gut. Wenn die anderen Schauspieler meist etwas hölzern wirken, dann kann man ihnen das nicht vorwerfen: Sie treten ja fast ausschließlich als Androiden auf, und da ist dieses Verhalten natürlich gewollt. Die Darstellung der modisch-makellosen Androidenwelt ist wirklich gut gelungen, und die Action kann sich sehen lassen. "Surrogates" ist als relativ kurzer, aber knackiger SF-Thriller gut geeignet für einen spaßigen Fernsehabend. Mehr Tiefgang hätte allerdings nicht geschadet. Im Grunde ist die interessante Grundidee nicht viel mehr als Kulisse für die Actionszenen.

Blu-ray-Features

Ein richtiges "Making of" ist zwar nicht vorhanden, die beiden Featurettes "Das perfekte Ich" und "Vom Comic zum Film" sind aber dennoch interessant. Erstere geht auf reale Beispiele für Vorstufen der Surrogat-Technik ein. Es gibt nämlich durchaus schon fortschrittliche Prothesen, die quasi per Gedankenkontrolle gesteuert werden können, und moderne Roboter sind zu erstaunlichen Leistungen fähig. In der anderen Featurette kommen Autor und Zeichner der Graphic Novels zu Wort, außerdem werden zahlreiche Panels aus den Comics gezeigt.

Hinzu kommen vier nicht verwendete Szenen, die hauptsächlich deshalb von Interesse sind, weil darin ein nicht digital retuschierter Bruce Willis als Android zu sehen ist, außerdem ein Musikvideo (nicht mein Geschmack) mit Filmszenen und ein Audiokommentar, den ich mir nicht zu Gemüte geführt habe. Damit ist die Collector's Edition genauso ausgestattet wie die Standardversion. Einziger Unterschied: Die Disc steckt in einem Steelbook.


J. Kreis, 11.01.2012




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