Super


Super - Shut up, Crime! (USA, 2010)
- Super -

Blu-ray, Koch Media
Altersfreigabe: FSK 18
Laufzeit: ca. 96 Min.

Extras
- Audiokommentar
- Hinter den Kulissen (18:41 Min.)
- Trailer, TV-Spot

Regie:
James Gunn

Hauptdarsteller:
Rainn Wilson (Frank D'Arbo / Der Blutrote Blitz)
Ellen Page (Libby / Blitzie)
Liv Tyler (Sarah Helgeland)
Kevin Bacon (Jacques)
Gregg Henry (John Felkner)
Nathan Fillion (Der Heilige Rächer)




Inhalt

Nach einem Leben voller Erniedrigungen und Enttäuschungen glaubt Schnellimbiss-Koch Frank D'Abo endlich das Glück in Gestalt seiner ehemals drogenabhängigen Kollegin Sarah Helgeland gefunden zu haben. Die beiden heiraten. Sie verlässt ihn allerdings für den Nachtclubbesitzer und Dealer Jacques, der sie nebenbei als Versuchskaninchen für neuen Stoff missbraucht. Frank versucht Sarah zurückzuholen, hat gegen Jacques und dessen Schergen jedoch keine Chance. Frank bittet Detective John Felkner, Jacques zu verhaften, aber dafür gibt es keine Handhabe. Frank ist verzweifelt, doch seine Gebete werden erhört. Frank hat eine Vision, in der sein Gehirn vom Finger Gottes berührt wird, und in der er dem Superhelden "Der Heilige Rächer" (Star einer christlichen Comicreihe / Fernsehserie) begegnet. Frank, so behauptet der Heilige Rächer, sei auserwählt. Was damit gemeint sein könnte, begreift Frank, als er in einem Comicladen nach Heiliger-Rächer-Heften sucht und dabei der jungen Verkäuferin Libby begegnet. Die stellt die entscheidende Frage: Warum ist im realen Leben noch niemand auf die Idee gekommen, zum Superhelden zu werden?

Prompt schneidert sich Frank ein eigenes Kostüm mit Maske und nimmt die Identität des "Blutroten Blitzes" an, um das Böse in seiner Heimatstadt zu bekämpfen. Da er keine Superkräfte besitzt, muss Frank auf Waffen zurückgreifen. Eine Rohrzange genügt für den Anfang. Damit bringt er diverse Kleinkriminelle zur Strecke. Auch wer sich an einer Warteschlange nicht hinten anstellt, muss den Zorn des Blutroten Blitzes fürchten. Natürlich bleiben diese Taten nicht unbeobachtet, und wegen der Fernseh-Berichterstattung kennt bald jeder den Blutroten Blitz. Nachdem er eine erste Sinnkrise überwunden hat, versucht Frank, Sarah aus Jacques' Haus zu holen. Er muss fliehen, denn gegen Schusswaffen kann er mit seiner Rohrzange wenig ausrichten. Frank wird angeschossen, außerdem erkennt ihn einer der Gangster trotz der Kostümierung wieder, so dass seine Wohnung nicht mehr sicher ist. Felkner, der hinter Franks Geheimnis gekommen ist und ihn zur Rede stellen wollte, wird wenig später versehentlich in der Wohnung von den Gangstern erschossen.

Frank findet Unterschlupf bei Libby, die ihn ebenfalls durchschaut hat und von der Vorstellung begeistert ist, als Superhelden-Assistentin mit auf Verbrecherjagd gehen zu können. Während sich Frank erholt, schneidert sich Libby ein eigenes Kostüm und verwandelt sich in "Blitzie", Sidekick-Auszubildende des Blutroten Blitzes. Sie muss zwar erst noch lernen, dass man nicht einfach Leute erschlägt, die man einer Übeltat verdächtigt, aber als zwei Handlanger von Jacques Jagd auf Frank machen, rettet sie ihn, indem sie einen mit dem Auto anfährt. Den anderen erschießt Frank mit dessen eigener Pistole. Somit sind der Blutrote Blitz und Blitzie endgültig ein Team. Gemeinsam wollen sie Sarah befreien. Während sie sich vorbereiten, indem sie sich ein Waffenarsenal zulegen und Schießübungen veranstalten, wandelt sich das öffentliche Bild des Blutroten Blitzes. Es wird bekannt, dass er keineswegs grundlos irgendwelche Menschen überfällt, sondern nur gegen Verbrecher vorgeht. Somit finden seine Taten bald allgemeine Zustimmung.

Als der Blutrote Blitz und Blitzie ihre Aktion starten, geht bei Jacques gerade ein großer Drogendeal über die Bühne. Das Anwesen wird von zahlreichen bewaffneten Männern bewacht. Frank und Libby können zwar einige ausschalten, doch dann wird Libby erschossen. Frank dreht durch und metzelt alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Schließlich steht er Jacques gegenüber, der ihn demütigt und anschießt. Frank gewinnt jedoch die Oberhand, tötet Jacques und erreicht endlich sein höchstes Ziel: Er befreit Sarah. Sie bleibt noch einige Monate bei Frank, aber wohl nur aus Pflichtgefühl. Irgendwann verlässt sie ihn erneut, aber diesmal überwindet sie ihre Sucht endgültig, heiratet einen netten Mann und bekommt vier propere Kinder. Frank lebt jetzt mit einem Kaninchen zusammen.

Kommentar

Wenn man den Film Kick-Ass oder die zugrunde liegende Graphic Novel kennt, dann könnte man auf die Idee kommen, "Super" sei ein Plagiat. Mark Millar (Autor von "Kick-Ass") hat dem selbst widersprochen. Angeblich ist die zeitgleiche Produktion beider Filme Zufall. Da die Graphic Novel schon einige Zeit vorher erschienen ist, nehme ich jedoch an, dass James Gunn davon zumindest inspiriert wurde. Die Grundidee ist jedenfalls sehr ähnlich. In beiden Filmen wird dieselbe Frage gestellt, über die ich auch schon nachgedacht habe: Warum gibt es eigentlich im realen Leben keine Superhelden? Schließlich besitzen Leute wie Batman ja keinerlei übernatürliche Kräfte, sondern verlassen sich ausschließlich auf detektivisches Gespür und ein fortschrittliches Waffenarsenal. Allerdings habe ich inzwischen gelernt, dass sich diese Frage gar nicht stellt, denn es gibt reale "Superhelden", also kostümierte Typen, die Selbstjustiz verüben. In der englischsprachigen Wikipedia kann man einiges über diese "Real-life Superheroes" lesen.

Auch der weitere Storyverlauf stimmt in beiden Filmen zunächst überein: Frank ist als Möchtegern-Superheld wenig erfolgreich und bekommt erst einmal selbst was auf die Mütze, als er seinen ersten Schurken schnappen will. Insoweit bleiben beide Filme auf dem Boden der Tatsachen und funktionieren bestens als Parodie der in "normalen" Superheldenfilmen üblichen "Origin-Storys". Franks Visionen lasse ich mal außen vor - ich gehe davon aus, dass er nicht wirklich vom Finger Gottes berührt worden ist, sondern sich das Ganze nur eingebildet bzw. geträumt hat. Der entscheide Unterschied zu "Kick-Ass" besteht darin, dass es in "Super" mehr oder weniger dabei bleibt. Während "Kick-Ass" von dem Moment der Einführung Hit Girls und Big Daddys an kippt, den ironischen Grundton verliert und zum Superhelden-Epos mutiert, in dem vor allem Hit Girls Schurken-Metzeleien effektvoll choreografiert und minutenlang teils in Zeitlupe gezeigt werden, bleiben Franks Taten unbeholfen, schmutzig und auf eine viel realistischere Weise brutal. Da wird nichts beschönigt oder stilvoll überhöht: Frank schlägt Menschen tot. Das hat mit Heldentum nichts zu tun.

Im Gegensatz zu Dave Lizewski, der Hauptfigur von "Kick-Ass", kann man Frank kaum mehr sympathisch finden, nachdem er jemandem, der sich lediglich nicht hinten anstellen wollte, mit der Rohrzange den Schädel gespalten hat. Franks verquere Moralvorstellungen, auf die Spitze getrieben in der köstlichen Fernsehserie mit einem unglaublich (irr-)witzigen Nathan Fillion als "Heiliger Rächer", werden jedenfalls ebenso wenig positiv bewertet wie seine Selbstjustiz. "Blitzies" Tod ist die grausige Konsequenz des Ganzen. Es kann keinen Zweifel daran geben, dass Frank im Grunde nichts anderes als ein durchgedrehter Amokläufer ist. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass Frank sich Sarahs weiteres Leben nur zurechtphantasiert, um das blutige Gemetzel nachträglich vor sich selbst zu rechtfertigen. Er glaubt, er sei nur deshalb auserwählt worden, um Sarah zu retten, damit sie zu einem wertvollen Mitglied der Gesellschaft werden und Gutes tun kann. Das klingt zu gut, um wahr zu sein.

Tiefschwarzer Humor ist zwar durchaus vorhanden, aber es wird immer wieder dafür gesorgt, dass einem das Lachen im Halse steckenbleibt. Das ist zweifellos beabsichtigt, aber irgendwie kommt es mir so vor, als habe sich der Regisseur nicht entscheiden können, was für einen Film er denn nun haben wollte. Action-Komödie? Bitterböse Gesellschaftssatire? Eine Superhelden-Parodie ist "Super" eigentlich nicht. Die "Helden" sind Psychotiker und man kann nicht umhin, Mitleid mit ihren Opfern zu empfinden...

Blu-ray-Features

Die "Hinter den Kulissen"-Featurette ist zwar wenig aussagekräftig, lässt aber immerhin erkennen, mit welch einfachen Mitteln gearbeitet wurde und welchen Spaß alle Beteiligten dabei offenbar hatten. Den Audiokommentar habe ich mir nur in den ersten paar Minuten angehört. Der Regisseur hat zu jeder Szene etwas zu erzählen, könnte insgesamt also sehr interessant sein. Deutsche Untertitel gibt es dafür nicht.


J. Kreis, 07.02.2012




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