Sucker Punch


Sucker Punch - Extended Cut (USA / Kanada, 2011)

Blu-ray, Warner Home Video
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 110 Minuten (Kinoversion) bzw. 127 Minuten (Extended Cut)

Extras
- Maximum Movie Mode
- Animierte Kurzfilme (11:23 Min.)
- Hinter dem Soundtrack (2:41 Min.)

Regie:
Zack Snyder

Hauptdarsteller:
Emily Browning (Babydoll)
Abbie Cornish (Sweet Pea)
Jena Malone (Rocket)
Oscar Isaac (Jones / Blue)
Carla Gugino (Dr. Vera Gorski / Madame Gorski)
Vanessa Hudgens (Blondie)
Jamie Chung (Amber)
Scott Glenn
Jon Hamm (Arzt / High Roller)




Inhalt:

Eine junge Frau muss nach dem Tod ihrer Mutter mit ansehen, wie ihr Stiefvater versucht, ihre jüngere Schwester zu vergewaltigen. Sie nimmt die Waffe des Mannes an sich und schießt. Sie trifft jedoch nicht ihn, sondern ihre Schwester, die daraufhin stirbt. Der Mann verschweigt die wahren Tatumstände und lässt seine Stieftochter in eine geschlossene Nervenheilanstalt für Frauen einweisen. Um ganz sicher zu gehen, dass die Wahrheit nie ans Licht kommt, besticht er den Pfleger Jones, der in der Anstalt die Fäden zieht, die Patientinnen missbraucht und regelmäßig die Unterschrift der leitenden Ärztin Dr. Gorski fälscht. Auf diese Weise veranlasst Jones, dass eine Lobotomie bei der jungen Frau durchgeführt wird. In der Woche vor dem Eintreffen des Arztes greift die junge Frau Jones an, legt ein Feuer und verhilft einer anderen Patientin zur Flucht. Als der Arzt den Stößel ansetzt, mit dem er die Lobotomie vornehmen will, flüchtet die junge Frau in eine Traumwelt. In dieser Welt sind alle Orte und Personen verändert. Die Anstalt ist ein Nachtclub mit Bordell und Showbühne, die Patientinnen sind Tänzerinnen, Dr. Gorski ist ihre Tanzlehrerin und Jones ist der Besitzer Mr. Blue, ein brutaler und skrupelloser Mann, der die Mädchen gefangen hält und misshandelt, wenn sie nicht parieren.

Die junge Frau - in der Traumwelt erhält sie den Namen "Babydoll" - ist neu im Club und muss zunächst einfache Arbeiten verrichten. In fünf Tagen wird der "Highroller" eintreffen, ein besonderer Gast, an den Babydolls Jungfräulichkeit verkauft werden soll. Als Babydoll ihren ersten erotischen Tanz einübt, sind alle Zuschauer absolut fasziniert. Sie selbst versinkt für die Dauer des Tanzes in einer Fantasiewelt. In dieser Vision begegnet sie einem weisen Mann, der ihr erklärt, sie müsse fünf Dinge finden: Eine Karte, Feuer, ein Messer, einen Schlüssel und ein Geheimnis, das ein Opfer erfordert. Auf diese Weise könne sie die Freiheit erringen. Zurück in der "Realität" versucht Babydoll den Fluchtplan in die Tat umzusetzen. Zu diesem Zweck verbündet sie sich mit den Tänzerinnen Amber, Blondie, Sweet Pea und deren Schwester Rocket. Um ihre Peiniger abzulenken, vollführt Babydoll ihren besonderen Tanz noch mehrmals, jedes Mal verbunden mit neuen Visionen, die die tatsächlichen Ereignisse widerspiegeln. So gelangen die Frauen in den Besitz einer Karte der Anstalt, auf der die Ausgänge verzeichnet sind, und eines Feuerzeugs, mit dem sie einen Brand legen wollen.

Als Babydoll kurz vor dem Eintreffen des Highrollers versucht, den Koch mit ihrem Tanz zu hypnotisieren, so dass die anderen Frauen sein Fleischermesser stehlen können, geht etwas schief. Die Musik bricht ab, Babydoll erwacht aus ihrer Trance. Der Koch merkt was vorgeht und ersticht Rocket. Außerdem hat Blondie inzwischen die Nerven verloren. Sie hat Madame Gorski und Blue alles gestanden. Blue ist außer sich vor Wut. Er erschießt Amber und Blondie, Sweet Pea wird in eine winzige Kammer gesperrt. Blue versucht Babydoll zu vergewaltigen, doch sie sticht ihn mit dem Fleischermesser nieder, nimmt ihm den Generalschlüssel des Clubs ab und befreit Sweet Pea. Die beiden legen ein Feuer, so dass die Außentüren automatisch entriegelt werden. Die Innentüren lassen sich mit Blues Schlüssel öffnen. Draußen angekommen, erkennt Babydoll, was es mit der fünften Sache auf sich hat, denn das Ausgangstor ist durch mehrere Kunden blockiert. Babydoll muss sich opfern, um die Männer abzulenken, so dass Sweet Pea entkommen kann.

Babydoll kehrt in die "Realität" zurück, als der Arzt den Eingriff durchführt. Sie ist nun nicht mehr sie selbst; ihre Persönlichkeit ist gelöscht. Das gefällt Jones gar nicht, denn er will sie vergewaltigen, und nicht eine willenlose leere Hülle. Bevor er sich an ihr vergehen kann, wird er festgenommen; Dr. Gorski ist endlich dahintergekommen, dass Jones ihre Unterschrift gefälscht hat.

Sweet Pea ist die Flucht gelungen. Als sie an der Bushaltestelle von Polizisten aufgehalten wird, erhält sie unerwartete Hilfe vom Fahrer, der behauptet, sie sei die ganze Zeit im Bus gewesen. Der Fahrer ist mit dem weisen Mann identisch, den Babydoll in all ihren Visionen immer wieder gesehen hat...

Der Film:

Visionen innerhalb eines Traumes, der von einer möglicherweise fiktiven Person geträumt wird (zu Beginn sieht man Babydoll in ihrem Zimmer, das nur eine Kulisse auf einer Theaterbühne ist) bizarre Alternativwelt-Szenarien, in denen sich leicht bekleidete und perfekt gestylte Frauen durch Horden von untoten Soldaten, Orks und Robotern metzeln, ohne dass ihr Make-up darunter leidet... ich weiß wirklich nicht, wie ich diesen Film einschätzen soll. Was wollte mir der Künstler damit sagen? Wollte Zack Snyder (Drehbuch und Regie) die Zustände in Nervenkliniken früherer Jahrzehnte und die barbarische Praktik der Lobotomie anprangern? Soll die Mühelosigkeit, mit der die fünf Heldinnen in Babydolls Fantasiewelt Unmengen von Gegnern besiegen, ein umgekehrtes Spiegelbild ihrer Hilflosigkeit in der "realen Welt" sein? Soll mit der Erwartungshaltung der männlichen Zuschauer gespielt werden, die zünftige Actionszenen sehen wollen, zuvor aber erst einmal so etwas wie eine echte Handlung ertragen müssen? Sollen die weiblichen Zuschauer ermutigt werden, sich gegen die Männerwelt aufzulehnen ("Du hast alle Waffen, die du brauchst", sagt der weise Mann zu Babydoll, "jetzt verteidige dich!")? Frauenpower mit und ohne Samuraischwert? Maßlos übertriebene Klischees als Mittel zum Zweck? Oder eben doch nur Klischees? Werden die Frauen zum Fetisch degradiert? Fragen über Fragen.

Ich habe meine eigene Theorie: Vielleicht wollte sich Snyder durch die Story und das Traum-im-Traum-Szenario einfach Freiräume schaffen. Im Traum ist alles möglich und Träume verlaufen selten geregelt, sondern ziemlich chaotisch - somit hatte der Regisseur völlig freie Hand, um eine ganze Breitseite der unglaublichsten, abgedrehtesten Bildwelten abzufeuern, die man jemals im Kino bewundern konnte. Vermutlich hat die "Hauptstory" überhaupt keinen tieferen Sinn, sondern bildet nur den Rahmen, den Snyder benötigt, um ab und zu in irrwitzige Fantasien abtauchen zu können. Hm. Aber warum konstruiert er dann überhaupt einen solchen Rahmen? Der Film hätte mir jedenfalls besser gefallen, wenn Snyder komplett auf die Nervenklinik/Bordell-Handlungsebene verzichtet und die Handlung vollständig in einer irrealen Fantasy-Welt angesiedelt hätte. Handlung? Dialoge? Wer braucht das schon? Der pure, sinnfreie Eskapismus wäre mir lieber gewesen. Und vielleicht ist das ja genau das, was der Künstler mir damit sagen wollte...

Rein optisch ist der Film von der ersten bis zur letzten Minute ein Genuss. Und damit meine ich jetzt nicht die hübschen Mädels in knappen Kostümen, die natürlich purer Eye-candy sind. Nein, gemeint sind die überbordenden Fantasiewelten, in die Babydoll während ihres Tanzes abdriftet. Die habe ich in obiger Zusammenfassung nicht genauer beschrieben, aber für mich sind sie der Hauptgrund, den Film überhaupt anzusehen. Vier verschiedene Szenarien sind vorhanden. In der ersten Vision tritt Babydoll im Schulmädchenkostüm mit Katana und Pistole in einem asiatischen Tempel drei zehn Meter hohen Samurai-Dämonen gegenüber. Ab der zweiten ist sie mit ihren Gefährtinnen unterwegs. Zunächst kämpfen die Damen auf einem Schlachtfeld in einer Steampunk-Version des ersten Weltkrieges mit modernen Sturmgewehren gegen dampfbetriebene untote Wehrmachtssoldaten, während sich über ihnen eine Luftschlacht mit Zeppelinen und Doppeldeckern abspielt. Vision drei ist eine von gepanzerten Rittern belagerte Burg voller Orks, in deren Innerem ein gigantischer feuerspeiender Drache lauert. Die letzte Vision spielt auf einem fernen Planeten bzw. in einem Zug auf schwebenden Schienen, der von chromglänzenden Kampfrobotern bewacht wird. Diese Szenarien sind derart vollgepackt mit aberwitzigen Details, dass es jeder Beschreibung spottet. Das muss man einfach selbst sehen - und hören, denn die Szenen sind mit einem grenzgenialen Soundtrack unterlegt. Babydolls Kampf gegen die Riesensamurai zu Björks "Army of me" - da bleibt einem die Spucke weg.

In manchen Kritiken wird bemängelt, die fünf weiblichen Hauptfiguren seien bloße Anziehpüppchen ohne Persönlichkeit. Das mag für Blondie und Amber gelten, die nicht viel mehr als hübsche Staffage sind, aber im Fall von Babydoll, Sweet Pea und Rocket müssen die Kritiker blind gewesen sein. Gut, man erfährt nichts über ihre Vergangenheit und eine Entwicklung gleich welcher Art machen sie nicht durch. Aber jede hat ihren eigenen Charakter - und man müsste schon ein ziemlich grober Klotz sein, um von ihrem Schicksal völlig unbewegt zu bleiben. Den Schauspielerinnen kann man nicht vorwerfen, dass ihre Rollen wenig hergeben - sie machen ihre Sache mindestens ebenso gut wie Oscar Isaac, der die mal unterschwellige und mal offen zutage tretende Bedrohlichkeit seiner Figur glaubwürdig rüberbringt.

Blu-ray-Features:

Die Blu-ray enthält die Kinoversion und den etwa eine Viertelstunde längeren Extended Cut. Letzterer enthält neben einer längeren Variete-Nummer in Blues Bordell einige zusätzliche Handlungsszenen. So wird die menschenverachtende Art und Weise, in der die Frauen im Bordell behandelt werden, noch deutlicher herausgestellt. Vor allem aber begegnet Babydoll wirklich dem Highroller - das ist derselbe Mann, der in der "realen Welt" die Lobotomie an ihr vornimmt. Der Highroller möchte, dass sich Babydoll ihm freiwillig hingibt, und sie ist am Ende dazu bereit. Schnitt auf die Lobotomie: Der Arzt meint, im letzten, entscheidenden Moment zu bemerken, dass die junge Frau mit dem grausamen Eingriff einverstanden ist... Außerdem wurden die Fantasiewelt-Kampfszenen dankenswerterweise deutlich erweitert. Im Extended Cut sind zum Beispiel die Kämpfe gegen die Orks in der Drachenburg sehr viel länger.

Die Liste des Bonusmaterials ist kurz, aber der "Maximum Movie Mode" bietet schon alles, was das Herz begehrt. Schaut man sich den Film in diesem Modus an, wird das Bild in zwei Frames aufgesplittet: In einem läuft der Film weiter, im anderen sieht man Hinter-den-Szenen-Material. Zwischen den beiden Bildern steht der Regisseur und gibt Erklärungen ab. Mehrmals wird der Film ganz angehalten, dann rückt das Making of in den Vordergrund. Der "Maximum Movie Mode" erstreckt sich über die gesamte Filmlänge und lässt keine Fragen mehr offen. Hinzu kommen vier animierte Kurzfilme, in denen ein wenig auf die Hintergründe der vier Fantasiewelten eingegangen wird: Woher die Samurai-Dämonen kommen, wie ein dampfbetriebener Soldat entsteht, warum Orks und Ritter gegeneinander kämpfen und was es mit dem Bombenattentat auf sich hat. Die Featurette "Hinter dem Soundtrack" ist nichts anderes als Werbung für die auf CD erhältliche Filmmusik. Interessant immerhin: Man erfährt, dass Emily Browning bei einigen Titeln selbst singt.


J. Kreis, 15.08.2011




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