Stop Making Sense


Stop Making Sense (USA, 1984)

Blu-ray, Arthaus
Altersfreigabe: FSK 0
Laufzeit: ca. 88 Minuten

Extras:
- Audiokommentar der Band und des Regisseurs Jonathan Demme
- Bonus Songs ("Cities" - 3:42 Min. und "Big Business" / "I Zimbra" - 7:27 Min.)
- David Byrne interviewt sich selbst (4:28 Min.)
- Pressekonferenz (65:22 Min.)
- Vergleich von Storyboards und Film (Bildergalerie)
- Montage (3:08 Min.)

Regie:
Jonathan Demme




Inhalt / Kommentar

Zu ihrer Zeit waren die Talking Heads eine der interessantesten und einflussreichsten Bands, und zwar meiner bescheidenen Meinung nach nicht nur innerhalb der New Wave - Bewegung. "Stop Making Sense" markiert den Höhepunkt ihres Erfolges. Als der Film 1984 herauskam, hatten die Heads ihre besten Alben veröffentlicht. "Speaking in Tongues" ist meiner Meinung nach das letzte dieser Phase. Danach kam "Little Creatures", und dieses sowie die folgenden Alben waren nicht mehr "meins". Ironischerweise war ausgerechnet der Titel "Road to nowhere" (aus "Little Creatures") ihr größter Hit und ist nach meinen Beobachtungen der einzige, der heute noch im Radio gespielt wird. Dabei gibt es so viel besseres von den Heads! Was sie live geleistet haben, wird in diesem Film eindrucksvoll und mitreißend dokumentiert. Wenn ich mich recht erinnere, war der Film seinerzeit ziemlich erfolgreich und hat zu einem beachtlichen Popularitätsschub für die Heads gesorgt.

Der Film beginnt damit, dass David Byrne - nur mit akustischer Gitarre und einem Radiorecorder bewaffnet - eine leere Bühne betritt und "Psycho Killer" singt. Dann kommt Bassistin Tina Weymouth hinzu, die beiden spielen "Heaven". Derweil werden die Drums auf die Bühne geschoben. Nach und nach kommen die anderen Musiker hinzu, die Bühne wird immer weiter aufgebaut. Tja, und wer dann bei "Burning down the House" noch im Sessel sitzt, dem kann ich auch nicht helfen! Anders als bei anderen Konzertfilmen, die ich kenne, wird auf eine ganze Reihe von Stilmitteln verzichtet: Es wird nicht ins Publikum gezoomt (erst ganz am Schluss wird dieser Grundsatz ein- oder zweimal durchbrochen), es werden nicht verschiedene Abschnitte der Bühne per Splitscreen nebeneinandergestellt, es werden keine Interviews oder Backstage-Szenen eingeschoben. Stattdessen konzentriert sich der Film voll und ganz auf die Band und die Musik. Man bekommt auf diese Weise das Gefühl, als wäre man selbst vor Ort dabei.

Und was für eine dynamische, faszinierende Show das war! Zu verdanken ist das vor allem David Byrnes Präsenz. Was dieser magere, unscheinbare Mann da veranstaltet, ist schwer zu beschreiben. Seine abgehackten, nur scheinbar ungelenken Bewegungen, die ausdrucksvolle Mimik, die unverwechselbare Stimme, der übergroße Anzug, den er im letzten Drittel trägt, seine deutlich erkennbare Spielfreude... Wie bezeichnet man das? Modernes Ballett? Ausdruckstanz? Dada-Hapening? Jedenfalls wird das Konzert nicht zuletzt durch Byrnes Darbietung zu einem ganz besonderen Erlebnis. Die Titel wirken live viel "funkiger" als die Album-Versionen, was natürlich daran liegt, dass die Band auf der Bühne durch mehrere in diesem Genre beheimatete Musiker verstärkt wurde. Ein genialer Film über eine geniale Band - da habe ich echt Lust gekriegt, mal wieder die alten LPs zu entstauben...

Blu-ray-Features

Bild und Ton wurden digital remastered, so steht es auf der DVD-Hülle. Wollen wir's mal glauben. Restauriert wurde das Bild aber auf keinen Fall: Verschmutzungen und Beschädigungen sind überdeutlich zu sehen. Am Ton habe ich nichts auszusetzen, ich besitze allerdings auch kein besonders hochwertiges Soundsystem. Die Bonussongs haben leider eine viel schlechtere Bild- und Tonqualität als der Film.

Im Jahre 1999 wurde "Stop Making Sense" bei einem Filmfestival in San Francisco noch einmal aufgeführt. Aus diesem Anlass wurde eine Pressekonferenz gegeben, und das war dann die erste "Reunion" der Talking Heads nach dem unglücklichen Ende der Band. Vom einstigen Zerwürfnis ist nichts mehr zu merken. Ganz entspannt berichten die Bandmitglieder über die Entstehung des Films, was sie damit erreichen wollten und wie ihre Vorstellungen umgesetzt wurden, sowie über ihre Meinung zum Musikbusiness. Die Konferenz befindet sich in voller Länge beim Bonusmaterial. Sogar mehr als das: Es wurde schon vor Beginn und nach dem Ende der Konferenz gefilmt.

In einer witzigen kurzen Featurette, die wahrscheinlich zusammen mit dem Film produziert wurde, interviewt sich David Byrne selbst. Es erinnert ein wenig an Monty Python, wie er in verschiedenen Verkleidungen auftritt, dabei aber durchaus sinnvolle Fragen stellt, die dann auch ernsthaft beantwortet werden!


J. Kreis, 06.08.2014




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme