Stolz und Vorurteil und Zombies


Stolz und Vorurteil & Zombies (USA/GB, 2016)
- Pride and Prejudice and Zombies -

Blu-ray, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 108 Minuten

Extras:
- Entfallene Szenen (10:32 Min.)
- Die Erschaffung der Zombies (3:31 Min.)
- Die knallharten Bennet-Schwestern (3:59 Min.)
- Von Austen zu Zombies: Die Adaption des Klassikers (6:00 Min.)
- Der Cast über Brautwerbung, Gesellschaftsschichten und Gemetzel (6:54 Min.)
- Outtakes (1:38 Min.)
- Mr. Collins Line-O-Rama (2:39 Min.)
- Interviews mit Cast & Crew (32:42 Min.)
- Trailer

Regie:
Burr Steers

Hauptdarsteller:
Lily James (Elizabeth Bennet)
Bella Heathcote (Jane Bennet)
Sam Riley (Fitzwilliam Darcy)
Jack Huston (George Wickham)
Douglas Booth (Charles Bingley)
Lena Headey (Lady Catherine de Bourgh)




Story

Im 19. Jahrhundert leidet England unter einer Zombieplage. Infolge einer vermutlich aus den Kolonien eingeschleppten Infektionskrankheit haben sich unzählige Menschen in untote Kreaturen verwandelt, die nach dem Fleisch (insbesondere dem Gehirn) der Lebenden gieren. Wer sich infiziert, was in der Regel durch den Biss eines Zombies geschieht, und den Hunger unterdrückt, verändert sich zunächst nicht, zumindest nicht äußerlich. Sobald ein Infizierter ein Stück menschliches Hirn verzehrt, wird er zur rasenden Bestie. Der Kampf gegen die Zombies hat bereits unzählige Todesopfer gefordert und war nur von einem Teilerfolg gekrönt. London wurde durch eine hohe Mauer gesichert. Ein tiefer Graben trennt die umliegenden Gebiete vom mehr oder weniger zombiefreien Rest des Landes. Es gibt nur eine einzige streng bewachte Brücke. Die Adligen sind in ihre Landsitze zurückgekehrt und haben diese zu waffenstarrenden Festungen ausgebaut, in denen sie ihr gewohntes Leben weiterführen können. Da es immer und überall zu Angriffen durch Untote kommen kann, gehört ein umfassendes Kampftraining ganz selbstverständlich zur Erziehung junger Männer und Frauen der Oberschicht. So wurden die fünf Töchter der Bennet-Familie in einem chinesischen Shaolin-Kloster zu unerschrockenen Kämpferinnen ausgebildet, die es mit Horden von Zombies aufnehmen.

Mrs. Bennets größte Sorge ist nicht die Zombie-Apokalypse, sondern die Frage, ob es ihr wohl gelingen wird, die Mädchen rechtzeitig unter die Haube zu bringen. Sie ist immer auf der Suche nach guten Partien. Wunschkandidat für Jane ist Charles Bingley, zu dessen Erbe ein großer benachbarter Landsitz gehört. Jane und Bingley werden bei einer Tanzveranstaltung verkuppelt. Sie verlieben sich sofort ineinander. Bei derselben Gelegenheit begegnet Janes Schwester Elizabeth Bingleys bestem Freund Fitzwilliam Darcy. Der junge Zombiejäger hat etwas ruppige Umgangsformen und wirkt arrogant, dennoch interessiert sich Elizabeth für ihn, bis sie zufällig mithört, wie er ihr Äußeres abfällig kommentiert. Darcys Meinung ändert sich, als er Elizabeth während eines Zombieangriffes in Aktion erlebt. Einige Zeit später wird Jane unterwegs zu Bingley von Untoten angegriffen und verletzt, aber nicht gebissen. Elizabeth verweilt in Bingleys Anwesen, während sich ihre Schwester dort erholt. In dieser Zeit kommen sich Elizabeth und Darcy näher. Andere Kandidaten für Elizabeth sind der junge Pfarrer Parson Collins, den Elizabeth zurückweist, zumal er verlangt, dass sie ihre Waffen an den Nagel hängt, sowie der Offizier George Wickham. Letzterer behauptet, Darcy habe ihn um sein Erbe betrogen. Er führt Elizabeth zu einer Kirche auf der anderen Seite des großen Grabens. Dort haben sich Zombies versammelt, die ihren Hunger ausschließlich mit Schweinehirn stillen und deshalb friedlich geblieben sind. Schon bei früheren Gelegenheiten hat Elizabeth die beunruhigende Feststellung gemacht, dass nicht alle Zombies vertierte Kreaturen sind. Manche können sprechen und ihre Opfer in Fallen locken. Wickham meint, man könne sich mit diesen "zivilisierten" Zombies arrangieren. Die von ihm angestrebte Koexistenz droht wegen Geldmangels zu scheitern. Wickham wird bald kein Schweinehirn mehr beschaffen können.

Eines Tages werden Jane und Elizabeth zu Darcys Tante eingeladen, der reichen und mächtigen Lady Catherine de Bourgh. Elizabeth arrangiert ein Treffen der berühmten Zombietöterin mit Wickham, so dass dieser sein Anliegen vortragen kann. Er gibt zu bedenken, dass die neuen Zombies von ihren tumben Artgenossen als Anführer akzeptiert werden. Sollten sich die Untoten unter der Leitung der neuen Zombies formieren, so wäre das Ende der Menschheit nahe. Lady de Bourgh ist nicht bereit, Wickham zu unterstützen. Wenig später gibt Bingley den Landsitz auf und siedelt nach London über. Wickham behauptet gegenüber Elizabeth, Darcy stecke dahinter; er wolle Bingley und Jane auseinanderbringen. Als Darcy um Elizabeths Hand anhält, macht sie ihm Vorwürfe. Es kommt zum Kampf und zur Trennung. Darcy begibt sich nach London, um die Stadt gegen den plötzlichen Angriff einer gut organisierten Zombie-Armee zu verteidigen. Er schreibt Elizabeth einen Brief, in dem er alles erklärt. Er war der irrigen Ansicht, Jane habe sich nur aus finanziellen Interessen an Bingley herangemacht, der Jane aus tiefstem Herzen liebt. Darcy wollte seinen Freund schützen, weiß es jetzt jedoch besser. Außerdem enthüllt er Wickhams wahre Natur. Der Offizier konnte sein Erbe durchaus antreten, hat es aber durch unsteten Lebenswandel verprasst und wollte immer mehr Geld von Darcy. Möglicherweise war er sogar verantwortlich dafür, dass sich Darcys Vater in einen Zombie verwandelt hat. Obendrein wollte Wickham mit Darcys Schwester durchbrennen, um an ihr Vermögen heranzukommen.

Lady de Bourgh erkennt, dass sich zwischen Darcy und Elizabeth etwas anbahnt. Sie hält diese Verbindung für nicht standesgemäß und hetzt ihren Leibwächter auf Elizabeth, um sie umzustimmen. Elizabeth setzt sich erfolgreich zur Wehr und gewinnt den Respekt der Lady. Als bekannt wird, dass Wickham Lydia Bennet entführt hat, eilen Elizabeth und Jane nach London. Die Stadt ist bereits gefallen. Die Verteidiger, darunter Darcy und Bingley, haben sich zum Graben zurückgezogen. Die letzte Brücke soll gesprengt werden. Elizabeth und Jane retten Darcy und Bingley beim Kampf gegen die Untoten das Leben. Elizabeth geht zu Recht davon aus, dass Lydia in die Untoten-Kirche gebracht wurde. Um Elizabeth von einem Alleingang abzuhalten, behauptet Darcy, die Kirche sei bereits dem Erdboden gleich gemacht worden. Er reitet allein dorthin und verfüttert menschliches Hirn (das er einigen Leichen auf dem Schlachtfeld entnimmt) an die neuen Zombies. Diese beginnen prompt zu toben. Im ausbrechenden Chaos kann Darcy Lydia befreien. Er selbst muss sich Wickham stellen. Wickham wurde schon vor Jahren infiziert und hat sein untotes Dasein bisher verborgen. Jetzt hat er sich an die Spitze der Zombie-Armee gestellt, um die Herrschaft an sich zu reißen. Elizabeth durchschaut Darcys Trick und trifft rechtzeitig bei der Kirche ein, um ihn vor Wickham zu retten. Die beiden überqueren die Brücke während der Sprengung und kommen knapp mit dem Leben davon. Elizabeth gesteht Darcy ihre Liebe. Diesmal weist sie seinen Heiratsantrag nicht zurück, und so kann schon bald eine Doppelhochzeit gefeiert werden.

Wickham wurde nicht vernichtet. An der Spitze einer Horde von Untoten greift er die Hochzeitsfeier an. Die vier Reiter der Zombie-Apokalypse folgen ihm.


Kringels Meinung

"Stolz und Vorurteil & Zombies" basiert auf dem gleichnamigen Roman von Seth Grahame-Smith aus dem Jahr 2009, mit dem nach meinen Beobachtungen ein neues Subgenre der Phantastik begründet wurde. Darin werden realweltliche Geschehnisse oder Inhalte von Klassikern der Weltliteratur mit Horror-Elementen vermischt. In diesem Fall wurde die Story von Jane Austens Gesellschafts- bzw. Entwicklungsroman "Stolz und Vorurteil" (1813) einfach in eine von Zombies überrannte Alternativwelt verlagert, so dass sich die Bennet-Schwestern außer mit widerspenstigen Verehrern auch noch mit fleischgierigen Zombies herumschlagen müssen. Ein weiteres Beispiel für das neue Genre ist der ebenfalls verfilmte Roman "Abraham Lincoln Vampirjäger" aus der Feder desselben Autors, in dem der ehrwürdige 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zur versilberten Axt greift, um sein Land vor untoten Blutsaugern zu schützen. Allerdings weicht "Stolz und Vorurteil & Zombies" recht deutlich von Grahame-Smiths Roman ab. Die große finale Schlacht kommt im Roman nicht vor. Außerdem wird Elizabeths Mutter bei Grahame-Smith zum Zombie und muss von ihrem Mann vernichtet werden, der daraufhin Selbstmord begeht.

Der besondere Reiz solcher Geschichten besteht natürlich darin, dass reale oder literarische Personen, die so gar nicht in diese Rolle passen, zu Actionhelden werden. Das funktioniert in "Stolz und Vorurteil & Zombies" sogar noch besser als in "Abraham Lincoln Vampirjäger"! Man stelle sich nur die folgenden Szenen vor: Die zarten jungen Damen der Familie Bennet kleiden sich für einen großen Ball an. Man zwängt sich in Rüschenmieder und Seidenstrümpfe, albert und kichert herum, vergisst dabei aber die Bewaffnung nicht. Schwerter und Kampfmesser werden aus Gründen der Schicklichkeit unter der Abendgarderobe getragen. Während des Balls kommt es zu einem Angriff durch Zombies. Jetzt zeigen die Bennet-Schwestern, was sie im Shaolin-Kloster gelernt haben. Während des Kampfes wird im typischen Jane-Austen-Sprech parliert. Anschließend wird nicht bei der Näharbeit über potentielle Ehemänner getratscht, sondern beim Waffenreinigen. Köstlich!

Dabei wird das Kernthema von Jane Austens Klassiker, nämlich die Liebesgeschichte (incl. Überwindung von Vorurteilen und das Hintanstellen des persönlichen Stolzes zu Gunsten eines glücklichen Miteinanders), nicht ignoriert. Im Gegenteil! "Stolz und Vorurteil & Zombies" enthält einige schön choreografierte Kampfszenen, ist aber beleibe kein reiner Actionfilm. Das für Jane Austens Roman prägende Beziehungsgeflecht steht ganz klar im Mittelpunkt. "Stolz und Vorurteil & Zombies" ist auch keine Parodie - es ist einfach eine romantische Liebesgeschichte ... mit Zombies. Ich finde es verblüffend, wie gut die grundverschiedenen Bestandteile zusammenwirken! Tatsächlich erhält die Lovestory durch die im Hintergrund brodelnde Bedrohung erst die rechte Würze. Die Gewaltdarstellung fällt übrigens vergleichsweise moderat aus. Mit The Walking Dead kann man den Film absolut nicht vergleichen. Leider sind nicht alle Spezialeffekte auf demselben Niveau, gelegentlich sehen sie sogar richtig billig aus.

Zombies und Martial-Arts sind eine Sache. "Stolz und Vorurteil & Zombies" hat aber noch mehr zu bieten, nämlich opulente Kostüme sowie eine prächtige Ausstattung, wodurch das viktorianische Zeitalter toll in Szene gesetzt wird, und vor allem erstklassige Schauspieler. Wie bei Jane Austen liefern sich die leicht schnippische Elizabeth (Lily James ist wahrhaft bezaubernd) und der trotz einer gewissen Grantigkeit stets sympathische Darcy feinsinnige Wortgefechte, wobei es im Gegensatz zu Jane Austens Roman nicht bleibt. Sie kreuzen die Klingen nicht nur im übertragenen Sinne, sondern buchstäblich! Die Chemie zwischen den beiden stimmt. Ebenfalls nicht zu verachten ist Matt Smith in der Rolle des Mr. Collins. Der von sich selbst etwas zu sehr eingenommene Tollpatsch steuert skurrilen Humor bei. Die anderen Bennet-Schwestern, Mr. und Mrs. Bennet, Lady de Bourgh usw. mögen nur Nebenfiguren sein, doch sie sind hervorragend besetzt und jeder hat mindestens eine gute Szene. Insgesamt bin ich mit "Stolz und Vorurteil & Zombies" so zufrieden, dass ich bald mal den Roman lesen möchte. Den von Jane Austen meine ich.


Blu-ray-Features

Die acht nicht verwendeten Szenen enthalten vorwiegend zusätzlichen Dialog. Eine ist interessanter, hier bekommt man nämlich Darcys Schwester zu sehen, die im Film ansonsten keine Rolle spielt. Die Geschwister Darcy spielen quasi Zombie-Cricket. Elizabeth kommt hinzu und man spricht über die aktuellen Geschehnisse in London.

Die sechs Featurettes und die 12 Interviews mit Schauspielern & Regisseur gehören eigentlich zusammen. Tatsächlich ist einiges von den Interviews bereits in den Featurettes enthalten. Eine richtige Filmdokumentation kommt dabei nicht heraus, aber es wird klar, dass fast alle Schauspieler Jane Austens Roman kennen und lieben, dass die fünf jungen Schauspielerinnen, die die Bennet-Schwestern verkörpern, praktisch alle Kampfszenen selbst gemacht haben (wobei es, wie eine von ihnen zeigt, blaue Flecken gesetzt hat) und dass sie mit viel Spaß bei der Sache waren. Ich finde, diese gute Stimmung hat sich auf den Film übertragen.


J. Kreis, 09.02.2017




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