Sterns Stunde

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Sterns Stunde - Die Horst Stern-Edition (D, 1970 - 1979)

DVD Regionalcode 0, Arthaus/3Sat-Edition
Altersfreigabe: FSK 0

Extras:
- Horst Stern - Die ermüdete Wahrheit (43:59 Min.)




Inhalt / Kringels Meinung

Diese Box enthält 11 Folgen der Reihe "Sterns Stunde", die in den Jahren 1970 bis 1979 in der ARD gesendet worden sind:

Bemerkungen über das Pferd (1970, 43:00 Min.)
Bemerkungen über das Hausschwein (1971, 39:16 Min)
Bemerkungen über das Haushuhn (1971, 42:51 Min.)
Bemerkungen über den Igel (1971, 41:58 Min.)
Bemerkungen über den Rothirsch (1971, 38:50 Min.)
Bemerkungen über das Pferd im Zirkus (1973, 42:42 Min.)
Bemerkungen über den Storch (1973, 42:20 Min.)
Bemerkungen über eine Urlaubslandschaft (1974, 57:58 Min.)
Leben am seidenen Faden - Bemerkungen über die Spinne, 1. Teil (1975, 43:03 Min.)
Leben am seidenen Faden - Bemerkungen über die Spinne, 2. Teil (1975, 41:31 Min.)
Bemerkungen über Gemsen (1979, 42:37 Min.)

Damit liegt nur ein Teil der aus insgesamt 24 Einzeldokus bestehenden Serie vor. Es fehlen unter anderem der Dreiteiler über Tiere in der Pharmaforschung und die Doppelfolge über Zootiere. Mir ist nicht bekannt, ob die anderen 13 Folgen ebenfalls auf DVD erhältlich sind - ich fürchte, das ist nicht der Fall.

Um zu begreifen, welche Wirkung diese Filme bei der Erstausstrahlung hatten, muss man sich vergegenwärtigen, dass Umwelt- und Tierschutz seinerzeit noch nicht annähernd dieselbe Bedeutung hatten wie heute, und dass Naturfilme damals eher darauf angelegt waren, dem Fernsehzuschauer einfach nur exotische Tiere vorzuführen - womöglich noch auf romantisierende Art und Weise wie zum Beispiel in Grzimeks "Serengeti darf nicht sterben". Wenn Fernsehsendungen überhaupt dazu beigetragen haben können, dass "grüne" Themen ins Bewusstsein des Mannes von der Straße vorgedrungen sind, dann wäre an erster Stelle meiner bescheidenen Meinung nach "Sterns Stunde" zu nennen! Fest steht, dass zumindest der ausgerechnet an Heiligabend 1971 ausgestrahlte Film "Bemerkungen über den Rothirsch" nicht ohne echte Konsequenzen für die Wildhege zu Jagdzwecken geblieben ist. Für das heutige Publikum sind Horst Sterns Filme schon deshalb interessant, weil sie einerseits Zustände dokumentieren, die es heute so nicht mehr gibt, andererseits aber nur allzu oft erkennen lassen, wie wenig sich beim Naturschutz in den letzten 40 Jahren wirklich verbessert hat.

Stern wollte keine Naturidyllen in fernen Ländern präsentieren, sondern das zeigen, was sich vor der Haustür des Fernsehzuschauers abspielt. Wie sich unsere Lebensweise auf Natur und Tier auswirkt, wie wir mit Tieren umgehen und welche Folgen dies hat. Er war schon immer gegen eine falsch verstandene Tierliebe, die zur Vermenschlichung der Tiere und im schlimmsten Fall zur Tierquälerei führt. Stern wollte nicht oder nicht nur unterhalten, sondern etwas bewirken. Es war ihm wichtig, Sachverhalte ohne Sentimentalitäten, Vorurteile und Klischees in einer allgemein verständlichen Form darzulegen - präzise und sachlich, aber keinesfalls unkritisch und manchmal sogar ein bisschen polemisch. Seine pointierten, oft provokanten Formulierungen waren bestimmt nicht jedermanns Sache. Man konnte ihm aber niemals vorwerfen, blind nach allen Seiten auszuteilen. Stern hat stets nur das gesagt, was er nach sorgfältiger Recherche für gesichert halten konnte. Es wurde nichts beschönigt, ebenso wenig wurde hinzugedichtet oder dramatisiert. Stern hatte einfach immer Recht ...

Stern hat keine Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten genommen und die Dinge nicht nur beim Namen genannt, sondern deutlich gezeigt. So dürfte manchem das Abendessen im Halse stecken geblieben sein, als zur besten Sendezeit zu sehen war, wie Hühner in den Legebatterien dahinvegetieren, bis sie in der maschinellen Schlachtung enden, wie Ferkel aus den trächtigen Zuchttieren herausgeschnitten werden, wie Schweine beim Transport zum Schlachthof in Panik geraten und übereinander herfallen, wie Gemsen von Jadgesellschaften abgeknallt werden oder wie einem erlegten Hirsch der Kopf abgetrennt wird. Das war starker Tobak und die entsprechenden Reaktionen sind nicht ausgeblieben. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich diese Dokus nicht bei der Erstausstrahlung gesehen habe. Sie müssen irgendwann wiederholt worden sein, als ich so um die 16 war. Manche Bilder fand ich schwer zu ertragen, insbesondere bei dem Dreiteiler über Tierversuche, der in dieser Box leider nicht enthalten ist.

Man sollte jetzt nicht glauben, "Sterns Stunde" bestehe nur aus Filmen, in denen Missstände angeprangert werden. Wertfreie Dokus wie "Leben am seidenen Faden" sind ja auch dabei. Diese Doppelfolge hat sich mir am nachdrücklichsten eingeprägt, sie ist mit weitem Abstand mein Higlight dieser Box. In faszinierenden Bildern werden die verschiedensten Spinnen vorgestellt. Das Ganze vor schwarzem Hintergrund und untermalt durch die sehr seltsamen Klänge des Albums "Phaedra" von Tangerine Dream. Spinnen in extremen Nahaufnahmen und unter dem Elektronenrastermikroskop, Netzbau und andere Jagdtechniken, Brautschau und Häutung in Zeitlupe und Zeitraffer - nie zuvor sind Spinnen so im TV zu sehen gewesen. Ich mag Spinnen zwar nach wie vor nicht, aber durch diese Doku hat sich mein Blick auf diese Tiere damals doch ein wenig gewandelt.


DVD-Features

Ich weiß nicht, ob ich die Bild- und Tonqualität als akzeptabel, erträglich oder erbärmlich bezeichnen soll. Man darf nicht vergessen, dass es sich um teils über 40 Jahre alte Fernsehproduktionen handelt. Ich bin ja schon froh, dass es "Sterns Stunde" überhaupt auf DVD gibt, wenn auch nicht komplett!

Als einziges Bonusmaterial liegt "Die ermüdete Wahrheit" aus dem Jahre 1991 vor. Regisseur Ulli Pfau zufolge war Horst Stern, der sich damals schon ganz aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, nur widerstrebend bereit, noch einmal vor die Kamera zu treten. Im Schneideraum des damaligen Südfunks Stuttgart erzählt er über die Entstehung von "Sterns Stunde", über die nach der Ausstrahlung bestimmter Folgen entbrannten Kontroversen und so weiter. Er äußert sich skeptisch über die Wirkung seiner Filme und sagt, er habe mit der Arbeit fürs Fernsehen aufgehört, weil sie ihm selbst zu politisch geworden sei. Das alte Feuer wird aber doch wieder erkennbar, wenn Stern im Interview fordert, man müsse bei den Lippenbekenntnissen mancher Politiker in Sachen Umweltschutz mal nachbohren und die Politiker sollten darlegen, was aus ihren Regierungserklärungen geworden sei. Zusätzlich werden Ausschnitte aus "Sterns Stunde" gezeigt (auch aus Folgen, die nicht in der Box enthalten sind) und Weggefährten wie Kameramann Kurt Hirschel kommen zu Wort.


Horst Stern

Horst Stern in seinem ersten Fernsehbeitrag (1970)


J. Kreis, 25.02.2016




Gastkommentare


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Martin J. (26.02.2016):

Ja der "Stern" hat mir damals die Augen geöffnet dass da was faul ist im Umgang mit Tieren. Seit dieser Zeit engagiere ich mich für Umwelt und Tier und bin dabei zum Fast-Vegetarier geworden. Vielen Dank Horst !!



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