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Star Trek Der Aufstand Star Trek 9 - Der Aufstand (USA, 1998)
DVD - Regionalcode 2, Paramount
FSK: 12
Laufzeit: ca. 99 Minuten

Extras
Behind the Scenes - Featurette, Kinotrailer

Regie:
Jonathan Frakes

Hauptdarsteller:
Patrick Stewart (Cpt. Jean-Luc Picard)
Brent Spiner (Lt. Cdr. Data)
Jonathan Frakes (Cdr. William Riker)
F. Murray Abraham (Ad'har Ru'afo)
Donna Murphy (Anij)
Anthony Zerbe (Vizeadmiral Dougherty)
LeVar Burton (Lt. Cdr. Geordi LaForge)
Michael Dorn (Lt. Cdr. Worf)
Gates McFadden (Dr. Beverly Crusher)
Marina Sirtis (Counselor Deanna Troi)





Inhalt:

Captain Picard hat eigentlich schon genug Streß, weil die Regentin eines Volkes, das gerade erst den Warpantrieb entwickelt hat und in die Föderation aufgenommen werden soll, zu Gast auf der ENTERPRISE ist. Da geht eine beunruhigende Meldung ein: Data, zur Zeit auf einer geheimen Beobachtungsstation der Föderation auf dem Planeten Ba'ku im Briar Patch - Nebel eingesetzt, hat die dortige Besatzung als Geiseln genommen. Admiral Dougherty, der die Forschungen im Briar Patch leitet, verlangt die Herausgabe von Datas Bauplänen, um den wild gewordenen Androiden zerstören zu können. Er tut dies auf Betreiben von Ro'afu, dem Oberhaupt des aussterbenden Volks der Son'a. Ro'afu und seine Leute halten sich seit geraumer Zeit nur durch genetische Manipulationen, Organtransplantationen und ungewöhnliche Methoden der plastischen Chirurgie am Leben. Dougherty hat sich mit den Son'a verbündet, obwohl diese verbotene Subraumwaffen einsetzen, Drogen an das Dominion liefern und mindestens zwei Völker versklavt haben (sie selbst nennen es "Integration") - in den Zeiten des Kriegs gegen das Dominion kann man eben nicht wählerisch bei der Suche nach Verbündeten sein. Der eigentliche Zweck der Zusammenarbeit zwischen Föderation und Son'a ist aber der Planet Ba'ku. Dessen Ringsystem emittiert nämlich eine besondere metaphasische Strahlung, die alle Bewohner des Planeten unsterblich macht. Alter und Krankheiten sind für die Bewohner des Planeten, die den gleichen Namen wie dieser tragen, etwas Unbekanntes. Die Son'a haben eine Technologie entwickelt, mit der die Strahlung der Planetenringe akkumuliert werden kann. Man wäre dann nicht mehr gezwungen, sich auf Ba'ku aufzuhalten, um in den Genuß des "Jungbrunnens" zu kommen. Die Prozedur würde den Planeten aber für lange Zeit unbewohnbar machen. Deshalb müssen die Ba'ku, die ihre Welt nie freiwillig verlassen würden, heimlich umgesiedelt werden. Die Son'a arbeiten nur mit Dougherty zusammen, weil Ba'ku im Hoheitsgebiet der Föderation liegt. Die Ba'ku selbst hatten bis zu Datas Amoklauf keine Ahnung, daß sie schon seit geraumer Zeit beobachtet werden. Jetzt wissen sie es, aber welche Pläne man mit ihnen hat, ahnen sie natürlich nicht.

Auch Picard weiß von alldem noch nichts. Er setzt sich über seine Befehle hinweg und fliegt sofort mit der ENTERPRISE nach Ba'ku, um Data zu retten. Tatsächlich gelingt es den Leuten von der ENTERPRISE, Data "ruhigzustellen" und zu reparieren. Dem Androiden fehlen aber einige Erinnerungen, außerdem wurde seine Fehlfunktion durch einen Streifschuß aus einer Son'a-Waffe ausgelöst. Man geht der Sache nach und entdeckt ein getarntes Föderationsschiff in einem See. Im Inneren des Schiffes befindet sich eine perfekte Holo-Imitation des Ba'ku-Dorfs! So allmählich geht Picard ein Licht auf. Vermutlich hatte Data das Schiff entdeckt und war deshalb angeschossen worden. Doch warum sollte jemand das aus nur 600 Personen bestehende Völkchen der Ba'ku umsiedeln wollen? Bald erkennt auch Picard, welche besondere Eigenschaft der Planet Ba'ku hat, denn auf der ENTERPRISE häufen sich die erstaunlichen Phänomene: Riker und Deanna Troi fangen an zu turteln wie Frischverliebte, Worf ist plötzlich wieder in der klingonischen Variante der Pubertät, Geordis Augen regenerieren sich, die Damen freuen sich über straffer werdende Rundungen und Picard selbst entwickelt romantische Gefühle für die Ba'ku-Frau Anij. Auch sonst ist jeder an Bord der ENTERPRISE fast beunruhigend gesund, munter und fröhlich. Als Picard die Ba'ku mit seiner Theorie konfrontiert, gestehen sie, daß sie vor ca. 300 Jahren von einem kriegerischen Planeten in den Briar Patch geflohen sind, in dem Warpantrieb und Subraumkommunikation nicht funktionieren, um dort in sicherer Isolation zu leben - und daß sie seitdem nicht mehr gealtert sind. Sie haben zwar hoch entwickelte technische Kenntnisse und Fähigkeiten, nutzen diese aber nicht, sondern leben in Harmonie mit der Natur. Picard verspricht den Ba'ku, die Pläne Doughertys und der Son'a zu durchkreuzen, denn deren Vorhaben widerspricht nicht nur der Primären Direktive, sondern würde alle Werte ad absurdum führen, die sich die Menschheit mühsam erkämpft hat.

Dougherty kann über Picards Drohung, er werde die Föderation informieren, nur lachen. Angeblich ist alles von höchster Ebene abgesegnet worden. Er gibt Picard den Befehl, den Briar Patch mit der ENTERPRISE zu verlassen. Picard ist bereit, sich gegen die Föderation zu stellen - jedenfalls gegen ihren Repräsentanten Dougherty. Als er allein mit der Captainsyacht nach Ba'ku fliegen will, wird er von seinen Führungsoffizieren überrascht: Selbstverständlich wollen sie ihn unterstützen. So machen Picard, Data, Worf, Troi und Crusher sich daran, die Ba'ku zu Gebirgshöhlen zu eskortieren, aus denen sie wegen einer Besonderheit des Gesteins nicht herausgebeamt werden können. Riker soll mit der ENTERPRISE aus dem Briar Patch hinausfliegen, um die Machenschaften Doughertys vor den Föderationsrat zu bringen. Jetzt platzt Ro'afu nicht nur der Kragen, sondern auch die straff gespannte Gesichtshaut. Er pfeift auf die Zusammenarbeit mit der Föderation, und als es ihm nicht gelingt, alle Ba'ku auf sein Schiff zu beamen (unter den wenigen hochgebeamten Leuten befindet sich zufällig auch Picard), ist es vorbei mit seiner erzwungenen Zurückhaltung: Er ist jetzt bereit, den Tod der auf dem Planeten verbliebenen Ba'ku in Kauf zu nehmen. Picard hat noch einen Trumpf im Ärmel. Dr. Crusher hat nämlich erkannt, daß die Son'a und die Ba'ku dem gleichen Volk entstammen. Die Son'a wollten nicht auf die Verwendung von Technik verzichten, hatten versucht, die Macht auf Ba'ku an sich zu reißen und waren deshalb vor ca. 100 Jahren verbannt worden. Jetzt wollen sie sich an ihren jung gebliebenen Eltern rächen. Picard konfrontiert Ro'afu mit diesen Tatsachen, doch der bleibt unbeeindruckt. Nur Dougherty bekommt jetzt endlich doch moralische Bedenken. Als er Ro'afu aufhalten will, tötet dieser den Admiral. Währenddessen wird die ENTERPRISE von einigen Son'a-Schiffen verfolgt und liefert sich ein heißes Gefecht mit ihnen.

Es gelingt Picard, Ro'afus engsten Vertrauten Gallatin, der schon seit einiger Zeit Zweifel am skrupellosen Vorgehen seines Anführers hat, auf seine Seite zu ziehen. Gemeinsam beamten sie Ro'afu und dessen Crew auf das Holoschiff. Die Son'a merken zuerst nicht, daß sie sich gar nicht mehr auf ihrem Schiff befinden. Ro'afu erkennt die Wahrheit, als er versucht, die Vorrichtung zu aktivieren, durch die die metaphasische Strahlung freigesetzt werden soll, denn das Gerät reagiert nicht. Er beamt sich deshalb direkt auf den Kollektor, um den Prozeß manuell in Gang zu setzen. Picard folgt ihm und leitet die Selbstzerstörung des Kollektors ein. In letzter Sekunde wird Picard von der zurückgekehrten ENTERPRISE in Sicherheit gebeamt, Ro'afu findet den Tod im explodierenden Kollektor. Riker hat gute Nachrichten: Die Föderation hat alle Pläne, die man mit dem Planeten Ba'ku hatte, endgültig aufgegeben. Als "Abschiedsgeschenk" für die Ba'ku arrangiert Picard eine Begegnung zwischen Gallatin und seiner Mutter. Dies ist der erste Schritt zur Versöhnung...

Der Film:

Der größte Vorwurf, den ich diesem Film machen kann, ist der, daß es sich eigenlich nur um eine auf Spielfilmlänge aufgeblähte TV-Episode handelt, die nicht das Format eines "großen" Films hat. Dieser Eindruck entsteht hauptsächlich durch die vielen im Ba'ku-Dorf spielenden Szenen. Man hat die ganze Zeit den Eindruck, genau diese Kulissen und Kostüme schon x-mal in der Fernsehserie (Star Trek - The next Generation) gesehen zu haben. Die Bühne, vor der die Handlung spielt, ist einfach zu klein - die "dörfliche Idylle" ist nicht interessant genug, um den Zuschauer für längere Zeit zu fesseln. Es kann aber auch an der locker-launigen Grundstimmung des Films liegen. Die kann man zwar durch den besonderen Einfluß erklären, die der Planet auf die Menschen hat, aber nach dem sehr düsteren, actionbetonten Vorgängerfilm Der erste Kontakt hatte man ganz andere Erwartungen. Die werden aber nicht erfüllt, stattdessen wird in "Der Aufstand" schon gleich zu Anfang in den niedrigsten Gang geschaltet. Wer eine geniale Eröffnungsszene wie in "Der erste Kontakt" erwartet, wird enttäuscht: Man sieht Szenen des bäuerlichen Lebens im Ba'ku-Dorf, Kinder spielen im Heu, Vöglein zwitschern... Erst nach einiger Zeit taucht der leicht funktionsgestörte Data auf und enttarnt die Beobachtungsstation. Toll.

Damit sich da keine Langeweile einschleicht, wurde der Film ordentlich mit Humor und Selbstironie gewürzt. Das kann nie schaden, aber nicht alle Gags zünden - außerdem trägt auch dieser Humor zum leichten Ton des Films bei, und der paßt eigentlich überhaupt nicht zu den doch eher ernsten Themen, um die es in der Story geht. Immerhin: Diese Themen sind typisch Star Trek. Die Verletzung der Primärdirektive, das friedliche Miteinander unterschiedlicher Kulturen und die Frage, wann (vermeintliches) Recht zu Unrecht wird und ob das Wohl von Wenigen weniger schwer wiegt als das Wohl von Vielen. Allerdings begibt die Story sich hier auf unsicheres Terrain. Man muß sich nämlich fragen, wie tief die ach so hohen ethisch-moralischen Grundsätze der Föderation wirklich in den Menschen verwurzelt sind, wenn Doughertys Plan tatsächlich von höchster Stelle abgesegnet worden sein sollte. Ich finde, es wird nicht ausreichend klar, ob er wirklich eine Legitimation für seine Vorgehensweise besitzt oder ob er sich im Alleingang mit den Son'a verbündet hat. Also: Wurde die Föderation von einem skrupellosen Admiral verraten oder ist die Föderation selbst der Verräter?

Es gibt noch mehr Merkwürdigkeiten. Wie hat es die Sternenflotte geschafft, eine so perfekte Tarn-Technologie zu entwickeln? Ich dachte, die Experimente mit den Tarnvorrichtungen seien noch nicht so weit gediehen - aber jetzt gibt es sogar schon Schutzanzüge, die einen Menschen völlig unsichtbar machen können! Oder sollte das Son'a-Technologie sein? Oder: Warum müssen die Ba'ku überhaupt deportiert werden? Es sind doch nur 600 Leutchen - der Planet bietet Platz genug für Millionen andere Wesen, die dort in den Genuß des Jungbrunnens kommen könnten, ohne den Ba'ku jemals unter die Augen treten zu müssen! A propos Jungbrunnen: Warum sprießen bei Worf außer den Pickeln auch die Haare - während Picard seine Glatze behält? Daß man ein riesiges Raumschiff, für dessen Steuerung man normalerweise mehrere Stationen und die Unterstützung eines Computers braucht, mit einem kleinen Joystick lenken kann bzw. muß, ist... nun ja... auch nicht so ganz einleuchtend.

"Der Aufstand" ist viel näher am ursprünglichen Geist des Star Trek - Universums als "Der erste Kontakt", d.h. als Star Trek - Film ist er besser als der Vorgänger. Betrachtet man ihn aber losgelöst vom Star Trek - Universum, dann ist er objektiv gesehen schlechter. Er ist weder mitreißend noch spannend, das Tempo ist eine Spur zu lahm. Die Story ist nicht besonders interessant und es wird zuviel moralisiert. Stört mich das alles? Nein. Denn auf der Habenseite kann der Film die große Spielfreude der ENTERPRISE-Crew für sich verbuchen. Patrick Stewart (der in diesem Film wieder einmal die Gelegenheit nutzt, seine Uniformjacke auszuziehen und Muckis zu zeigen) ist wie immer unübertrefflich, aber auch die Crewmitglieder haben offensichtlich viel Spaß in ihren Rollen. Außerdem hat wieder jede Figur eine sinnvolle Tätigkeit und mindestens eine starke Szene. Die (erstmals in der ST-Filmgeschichte komplett im Computer entstandenen) Weltraumgefechte können sich durchaus sehen lassen. Insgesamt also recht nette, für Star Trek - Fans sogar sehr gute Unterhaltung.

Die DVD:

Die DVD gibt es inzwischen auch als Special Edition mit anderem Cover und zahlreichen Extras. Auf der hier vorgestellten DVD gibt es neben den Kinotrailern nur eine ca. 5 Minuten lange Featurette, die hauptsächlich Filmszenen und ein paar belanglose, schwer nach Eigenlob klingende Interviewschnipsel, aber auch ein paar kurze Blicke hinter die Kulissen bietet. Diese einfache Version der DVD bekommt man im Handel schon für ein paar Euro - die Anschaffung lohnt sich daher auf jeden Fall.

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