Splice


Splice - Das Genexperiment (Kanada / F / USA, 2009)
- Splice -

BluRay, Universum Film
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 107 Minuten

Extras
- Behind the Scenes (33:14 Min.)
- Trailer
- BD-Live

Regie:
Vincenzo Natali

Hauptdarsteller:
Sarah Polley (Elsa Kast)
Adrien Brody (Clive Nicoli)
Delphine Chaneac (Dren)
David Hewlett (William Barlow)
Simona Maicanescu (Joan Chorot)
Brandon McGibbon (Gavin Nicoli)




Inhalt:

Die Biochemiker Clive Nicoli und Elsa Kast leben und arbeiten zusammen. Im Gentechniklabor eines Pharmakonzerns erschaffen sie völlig neue Lebewesen, indem sie das Ergbut verschiedener Tiere miteinander kombinieren. "Ginger" und "Fred", zwei so entstandene amorphe Mischwesen, sollen ein bestimmtes Protein produzieren, das zur Herstellung neuer Medikamente für die Veterinärmedizin verwendet werden kann. Die beiden Forscher wollen aber noch einen Schritt weiter gehen. Ihr eigentliches Ziel besteht in der Erschaffung eines Hybridwesens mit tierischer und menschlicher DNS. Obwohl sie sicher sind, auf diese Weise revolutionäre Ergebnisse für die Humanmedizin erzielen zu können, werden sie von ihrem Vorgesetzten William Barlow und der Konzernchefin Joan Chorot zurückgepfiffen. Barlow fürchtet sich vor der zu erwartenden moralischen Entrüstung der Öffentlichkeit und Chorot ist nur am Profit interessiert. Clive und Elsa sollen sich deshalb auf die Synthetisierung des wertvollen Proteins konzentrieren. Dazu sind die beiden nicht bereit. Vor allem Elsa wird von dem Ehrgeiz getrieben, neues Leben zu erschaffen. Sie führt heimlich ein entsprechendes Experiment durch. Clive, der nicht ahnt, dass Elsa neben dem Erbgut zahlreicher Tierarten ihre eigene DNS benutzt, spielt nach anfänglichen Bedenken mit. Im Brutkasten entsteht ein lebensfähiges weibliches Wesen, das sich schneller entwickelt als gedacht. Clive will die Kreatur töten, aber Elsa lässt das nicht zu. Sie weist darauf hin, dass das Wesen weiterhin extrem schnell altert und ohnehin bald sterben wird. Allmählich entwickeln beide elterliche Gefühle für die Kreatur. Sie geben ihr den Namen "Dren".

Dren wächst rasch heran. Sie ähnelt einem menschlichen Kind, hat aber enorme Körperkräfte und einige anatomische Besonderheiten - sie ist kahlköpfig und hat unter anderem amphibische Lungen, Beine mit einem zweiten Gelenk, ausfahrbare Schwingen und einen langen Schwanz mit Giftstachel. Dren kann zwar nicht sprechen, ist aber sehr intelligent und lernt schnell. Clive und Elsa verstecken Dren vor ihren Kollegen, zu denen auch Clives Bruder Gavin gehört. Diesem bleibt die Existenz Drens dennoch nicht lange verborgen. Deshalb verlegt das Pärchen seinen Wohnsitz in die verlassene Farm der Mutter Elsas. Dren, die inzwischen zu einer auf merkwürdige Art schönen jungen Frau herangewachsen ist, wird in der Scheune eingesperrt. Sie langweilt sich und möchte ins Freie, bleibt aber ihren "Eltern" zuliebe in der Scheune. Auf Elsas erzieherische Strenge reagiert Dren zunehmend aggressiv, während sie sich immer mehr zu Clive hingezogen fühlt. Clives und Elsas Arbeit leidet darunter, dass sie sich ganz auf Dren konzentrieren. Sie übersehen, dass Ginger das Geschlecht wechselt und zu einem Männchen wird. Als die beiden Hybriden bei einer Versammlung von Aktionären und Investoren präsentiert werden sollen, kommt es zur Katastrophe. Ginger und Fred fallen übereinander her und zerfleischen sich gegenseitig. Barlow und Chorot machen jetzt Nägel mit Köpfen. Das Labor wird umgebaut und die Gentechniker werden unter Druck gesetzt: Es müssen vorzeigbare Ergebnisse her, denn die Existenz der Firma ist in Gefahr.

Als Dren Elsa angreift und fliehen will, wird sie von Elsa niedergeschlagen und auf einem Tisch fixiert. Elsa entfernt Drens Giftstachel (der jedoch schnell nachwächst) und benutzt das Gewebe, um endlich das wertvolle Protein zu synthetisieren. Clive, der inzwischen erkannt hat, dass Dren Elsas Erbgut in sich trägt, wird von Dren verführt und von Elsa dabei ertappt. Clive und Elsa erkennen, dass sie die Situation nicht mehr unter Kontrolle haben. Sie beschließen, Dren zu töten. Das scheint aber nicht mehr nötig zu sein. Dren scheint zu sterben - tatsächlich macht sie jedoch eine Metamorphose durch und wird zu einem männlichen Wesen. Dren ist nun stärker und aggressiver als je zuvor. Er tötet Barlow und Clives Bruder, die zur Scheune gekommen sind, um den Hybriden für die Firma sicherzustellen - es ist kein Geheimnis geblieben, dass das von Elsa hergestellte Protein auf teilweise menschlicher DNS basiert. Elsa und Clive fliehen. Dren überwältigt Elsa und vergewaltigt sie. Clive verwundet Dren, Elsa schlägt das Wesen mit einem Felsbrocken nieder. Als sie zögert, Dren zu töten, versetzt dieser Clive einen tödlichen Giftstich. Nun zerschmettert Elsa Drens Schädel. Einige Zeit später ist Elsa schwanger. Sie ist bereit, das Kind auszutragen - für sie ist das so etwas wie die nächste Stufe des Experiments. Sie will das Kind dem Konzern zur Verfügung zu stellen, der bereits großen Nutzen aus Drens Erbgut gezogen hat.

Der Film:

"Splice" stellt die alte "Frankenstein"-Thematik in einen modernen Kontext. Schließlich gibt es auch in der Realität bereits die verschiedensten Anwendungen der Gentechnik, und es wird auch schon fleißig mit menschlichem Erbgut experimentiert. Die Technik ist neu, aber die Fragen sind dieselben wie zu Mary Shelleys Zeiten: Soll alles gemacht werden, was machbar ist? Unabhängig von Bedenken gleich welcher Art? Sollten Bedenken überhaupt eine Rolle spielen oder gibt es so etwas wie "reine Wissenschaft", die nur nach Erkenntnis streben und nicht über die Konsequenzen nachdenken soll? Wovon werden Wissenschaftler wirklich angetrieben? Geht es ihnen um Ruhm und Ehre, um den eigenen Ehrgeiz oder um das Allgemeinwohl? Diese Fragen werden von "Splice" nicht alle und nicht abschließend beantwortet. Klar ist: Clive und Elsa wollen sich und der Welt beweisen, was sie vollbringen können. Dass man die Ergebnisse in bare Münze verwandeln kann, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Welche Konsequenzen ihr Tun haben kann, ist ihnen egal bzw. es kommt ihnen gar nicht in den Sinn, dass es überhaupt irgendwelche Folgen geben könnte. Dass es welche gibt, begreifen sie erst dann, als ihnen die Folgen in Gestalt von Dren buchstäblich ins Gesicht springen. Als ihnen klar wird, dass sie Dren nicht behandeln können wie irgendeinen Bestandteil einer Versuchsanordnung, ist es bereits zu spät. Auch Barlow und Chorot verschwenden keine Zeit mit moralischen Bedenken. Sie haben nur Angst vor schlechter Presse. Elsa stellt einen Sonderfall dar: Anscheinend haben ihre Kindheitsprobleme, die allerdings nur kurz angedeutet werden (mehr ist aber auch nicht nötig), eine wichtige Rolle bei Drens Erschaffung gespielt...

Da keiner von ihnen als wirklich negative Figur dargestellt wird, muss sich der Zuschauer seine eigenen Gedanken machen. Das gilt auch für Dren. Man kann sie nicht als "böse" oder als "Monster" bezeichnen, denn sie hat herzlich wenig Zeit, um ihren Charakter zu entwickeln. Sie weiß nicht, wie sie mit sich und der Welt umgehen soll. Sie richtet zwar einigen Schaden an, benimmt sich dabei aber zunächst im Grunde nicht anders als ein "normaler" pubertierender Jugendlicher (Aufbegehren gegen elterliche Autorität usw.) - das Problem sind ihre großen Körperkräfte. Aber es ist auch klar, dass sie trotz aller Menschenähnlichkeit eben kein Mensch ist. Da sie nicht spricht, kann man nie wissen, wieviel sie wirklich versteht und was in ihr vorgeht. Jedenfalls ist Dren nicht das klassische Ungeheuer eines Monsterfilms, sondern einfach ein fremdartiges Geschöpf, das man nie ganz begreifen kann und das man nicht vermenschlichen sollte. Erst beim Showdown verwandelt sich Dren wirklich in ein Monster, auch wenn man annehmen kann, dass sie (bzw. er) sich nur selbst schützen will. Möglicherweise tötet Dren Clive nur (zuvor hat er ihn verschont), weil er von Elsa erschlagen werden will. "Splice" ist meiner Meinung nach kein klassischer Monsterfilm, wenn der Regisseur auch geschickt mit diesem Genre und den Erwartungen des Publikums spielt. Man könnte sagen: Der Horror entsteht in "Splice" nicht durch die Taten einer bösartigen Kreatur. Der wahre Horror ist die Vorstellung, was eine entfesselte Wissenschaft und falscher Ehrgeiz anrichten können.

So kopflastig, wie das alles vielleicht klingt, ist der Film nicht. Vincenzo Natali hat um die Thematik und um die vordergründige "Monstergeschichte" herum ein spannendes und wegen der erstklassigen Schauspieler auch anrührendes, komplexes Beziehungsdrama gestrickt. Dass der Film so gut funktioniert, ist neben den hervorragenden Spezialeffekten vor allem Delphine Chaneac zu verdanken. Sie spielt trotz ihres per CGI verfremdeten Gesichts alle an die Wand und schafft es, den Zuschauer für sich zu vereinnahmen. Sie macht Dren einerseits zu einer sehr fremdartigen, manchmal bedrohlichen Kreatur und andererseits zu einem meist sympathischen und trotz der Fremdartigkeit verführerischen Wesen, das man nicht verurteilen, sondern nur bedauern kann. Die Effekte sind wie gesagt wirklich klasse. Computergenerierte Kreaturen und Verfremdungen, Masken, Puppen usw. sind meist geradezu perfekt; man vergisst völlig, dass man es mit Spezialeffekten zu tun hat. Ebenfalls sehr gut gelungen: Der Gegensatz zwischen der klinisch-kalten Atmosphäre im Labor und der heruntergekommenen Farm. Ein toller Film, den man so schnell nicht vergisst und der viel Stoff zum Nachdenken bietet.

BluRay-Features:

Die gut halbstündige "Behind the Scenes"-Featurette ist keine ausführliche Dokumentation des Produktionsprozesses, sie besteht hauptsächlich aus Interviews und ein paar kurzen Blicken hinter die Kulissen. Immerhin sieht man auch mal, wie Delphine Chaneac wirklich aussieht. Sie hat sich das Kopfhaar übrigens eigenhändig abrasiert...


J. Kreis, 14.12.2010




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