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Spiderman 2 Spider-Man 2 (USA, 2004)
DVD - Regionalcode 2, Columbia TriStar
FSK: 12
Laufzeit: ca. 122 Minuten

Extras
DVD 1:
Audiokommentare der Schauspieler, des Regisseurs u.a., Spinnen-Sinn 2: Tiefere Einblicke in die Welt von Spider-Man, Netz-Clips (Spideys neues Kostümdesign, Comic-Con 2003, J.K. Simmons ist J. Jonah Jameson, Peter Parker und Mary Jane Watson), Musik-Video: "Ordinary" von Train, Die besten Versprecher, Trailer
DVD 2:
"Amazing Spider-Man", 3 Filmdokumentationen: ("Ein Held in der Krise", D"ock"umentation, "Umsponnen: Spider-Mans Frauen"), Multi-Angle-Featurette "Vernetzt": Einzigartiger Blick hinter die Kulissen der Filmszene am Pier, Bildergalerie, Interaktiv: Spider-Man 2 Activision Game Trailer und Activision Game - Making of, DVD-ROM-Inhalte

Regie:
Sam Raimi

Hauptdarsteller:
Tobey Maguire (Peter Parker / Spiderman)
Kirsten Dunst (Mary Jane Watson)
Alfred Molina (Dr. Otto Octavius)
James Franco (Harry Osborn)
Rosemary Harris (May Parker)
J.K. Simmons (J. Jonah Jameson)




Inhalt:

Spidey macht die bittere Erfahrung, daß das Superhelden-Dasein kein Zuckerschlecken ist und daß sein wahres Ich - der Student Peter Parker - unter dem Doppelleben zu leiden hat. Da Spidey praktisch 24 Stunden lang "im Dienst" ist, werden Peters Leistungen an der Uni immer schlechter, Zeit für einen Job bleibt schon gar nicht (so daß Peter aus Geldmangel in einer wahren Bruchbude zur Miete wohnen muß) und ein "normales" Leben scheint es für ihn nicht zu geben. Als er es nicht schafft, rechtzeitig zu einer Theatervorstellung zu erscheinen, in der Mary Jane Watson ("MJ") eine Hauptrolle hat, geht Peters Freundschaft mit ihr vollends in die Brüche. Eigentlich sollte er sich darüber freuen, denn er hatte sich ja entschieden, seiner Liebe zu ihr zu entsagen, um sie nicht in Gefahr zu bringen. Doch er liebt sie natürlich immer noch und ist mehr als geknickt, als MJ ihm klar macht, daß sie nicht länger auf ihn "warten" will. Mehr noch: Sie will den Sohn des Zeitungsredakteurs J. Jonah Jameson (Spideys Intimfeind) heiraten. Kurz gesagt: Peter hat eigentlich keine Lust mehr, Spiderman zu sein.

Doch Spiderman wird gebraucht, denn ein neuer Superschurke betritt die Bühne. Dr. Otto Octavius, ein genialer Wissenschaftler, der für Oscorp arbeitet, hat eine revolutionäre Technologie zur Energiegewinnung durch Kernfusion entwickelt. Die große öffentliche Präsentation dieses Verfahrens, bei der auch Peter anwesend ist (er hat sich mit Dr. Octavius angefreundet), schlägt jedoch katastrophal fehl. Die Kernfusion gerät außer Kontrolle, Dr. Octavius' Frau wird durch herumfliegende Glassplitter getötet und die vier stählernen Tentakel-Greifarme, die Dr. Octavius sich umgeschnallt hat, um mit ihnen direkt in den Fusionsreaktor hineingreifen zu können, verschmelzen untrennbar mit seinem Körper und übernehmen die Kontrolle über seinen Geist. Spidey kann gerade noch rechtzeitig "den Stecker ziehen", doch Dr. Octavius verwandelt sich unter dem Einfluß der mit künstlicher Intelligenz ausgestatteten Tentakelarme in ein unberechenbares Ungeheuer. Getrieben von dem Wahn, das Experiment wiederholen zu müssen, raubt Doc Ock (wie der Daily Bugle titelt) eine Bank aus und bringt Peters Tante May in Gefahr. Außerdem vereinbart Doc Ock einen Deal mit Harry Osborn. Nur Oscorp kann Doc Ock eine bestimmte äußerst seltene Substanz beschaffen, die er für das Experiment braucht. Im Gegenzug soll Doc Ock Spiderman töten oder zu Harry Osborn bringen - Harry macht Spiderman für den Tod seines Vaters verantwortlich.

Auf der Suche nach Spiderman knöpft Doc Ock sich Peter Parker vor, denn der liefert ja stets exklusive Bilder des Helden für den Daily Bugle und müßte also wissen, wo Spidey sich aufhält. Peter hat sein Spiderman-Kostüm an den Nagel gehängt bzw. in die Mülltonne gestopft. Er hat sich darauf eingerichtet, wieder als völlig normaler junger Mann zu leben und die Beziehung zu MJ zu kitten. Prompt verliert er allmählich seine Superkräfte. Ohne diese hat Peter aber dem mächtigen Doc Ock nichts entgegenzusetzen. Der Schurke schnappt sich MJ und entführt sie, um seinem "Wunsch" mehr Nachdruck zu verleihen: Peter Parker soll Spiderman auftreiben. Natürlich läßt Spidey sich nicht lange bitten und kehrt sehr zur Freude der New Yorker Bürger zurück. Nach einem heftigen Kampf in einer S-Bahn muß der Held sich dem Schurken ergeben. Doc Ock liefert den gefesselten Spiderman bei Harry Osborn ab, erhält seinen Lohn und schickt sich an, eine neue Kernfusion zu zünden. Die würde aber wahrscheinlich ganz New York zerstören - das sieht offenbar auch Harry Osborn ein, dessen Entsetzen natürlich groß ist, als er Spidey demaskiert und herausfindet, daß sein bester Freund gleichzeitig sein größter Feind ist. Harry läßt Spiderman gehen. Aber während Spiderman zu Doc Ocks Versteck eilt, findet Harry durch Zufall die Ausrüstung, mit der sein Vater sich seinerzeit in den "Grünen Kobold" verwandelt hat...

Beim Kampf gegen Doc Ock wird Spiderman schon wieder demaskiert. So erfährt auch MJ seine wahre Identität. Peter Parker schafft es, zu Doc Ocks wahrem Ich vorzudringen. Dr. Octavius überwindet seinen Wahnsinn und bringt die Tentakelarme unter Kontrolle. Da er sich seiner Untaten bewußt ist und nicht als Monster sterben will, opfert er sich, um den durchgehenden Fusionsreaktor im Fluß zu versenken und dadurch unschädlich zu machen. Peter macht MJ klar, daß er sie in größte Gefahr bringen würde, wenn er eine Beziehung mit ihr einginge. Wenig später steht denn auch MJs Hochzeit an. Doch die Braut erscheint nicht - sie hat sich für Peter entschieden. Sie will die Gefahr auf sich nehmen, die eine Beziehung mit einem Superhelden mit sich bringt - und Peter ist endlich bereit, diese Entscheidung zu respektieren...

Der Film:

Ich habe Spider-Man besonders deshalb gemocht, weil nicht nur dem Superhelden, dem Effektspektakel und der Action breiter Raum gewährt wurde, sondern auch der Entwicklung der Hauptfiguren. In "Spider-Man 2" ist das Verhältnis zwischen Action- und Charakterszenen etwas unausgewogener, und zwar zu Ungunsten der Action! Daß Spidey als im Grunde durchschnittlicher junger Mann mit Stärken und Schwächen dargestellt wird, ist in Bezug auf die Comics (jedenfalls die, die ich kenne) natürlich lobenswert. Denn auch in den Comics ist der freundliche Netzschwinger nicht so ein strahlender, über allen Dingen stehender Held wie zum Beispiel Superman. Der Schwerpunkt liegt denn auch im Film eindeutig auf Peter Parkers Sorgen und Nöten als überarbeiteter Superheld, dem dieses Doppelleben so zuwider ist, daß er prompt seine übermenschlichen Kräfte verliert. Man muß aber sagen, daß der Film in diesen Szenen manchmal Längen hat. Durch das Spiel der hervorragenden Nebendarsteller werden diese Längen meist recht gut ausgeglichen. Nur Tobey Maguire wirkt in der Hauptrolle etwas zu eindimensional. Meist steht er nur regungslos da und guckt bedröppelt oder es treten ihm Tränen in die Augen - da hätte mehr drin sein müssen.

Doc Ocks Rolle wird zwar bei weitem nicht so ausführlich ausgearbeitet, aber er ist immerhin kein einfach nur bösartiger Schurke, der bekämpft werden muß. Er ist ein Opfer seiner eigenen Ambitionen und wird durch die KI-Tentakel beeinflußt. Am Ende befreit er sich zwar von diesem verderblichen Einfluß, aber damit ist nicht einfach alles wieder in Butter - Octavius muß die Konsequenzen ziehen. Alfred Molina ist einfach wunderbar als Doc Ock - er kann allein durch seine Mimik den Wandel von einer zunächst sehr positiven Figur zum besessenen Ungeheuer völlig glaubwürdig zum Ausdruck bringen. Kirsten Dunst ist natürlich wie immer bezaubernd. Peter Parker hat übrigens ein unglaubliches Glück mit MJ. Die Dame hat eine Engelsgeduld mit dem ewig wortkagen Kerl, der in den entscheidenden Situationen kaum ein verständliches Wort hervorbringt; bei all dem Hin- und Her hätte sie dem Knaben auch längst den Laufpaß geben können. James Franco "funktioniert" als Bösewicht noch nicht so recht. Er wirkt eher wie ein verzogener Millionenerbe mit einem leichten psychischen Problem - aber man darf wohl vermuten, daß er wiederkehren wird, und zwar als Neuauflage des Green Goblin. Meine Lieblingsfigur war und ist aber J. Jonah Jameson. Man könnte fast glauben, jemand habe ihn direkt nach dem Vorbild aus den Comics geklont! Und er ist genau so ein zynisches, hektisches Ekel wie in den Comics. Nicht zu vergessen: Tante May. Die liebenswerte Dame hat einige sehr starke Szenen, einmal darf sie sogar gegen Doc Ock kämpfen!

Wie beim ersten Teil gilt auch diesmal: Der Film bleibt den Comics treu. Einzelne Szenen entsprechen sogar fast zu 100% bestimmten Bildern aus den Comics. Auch die Actionszenen sind sehr gut gelungen. Spidey bewegt sich genau so, wie ich es mir bei der Lektüre der Comics immer vorgestellt habe. Allerdings bilde ich mir ein, auch bei diesem Film an manchen Stellen deutlich den Wechsel zwischen Realszenen und Computergrafiken erkannt zu haben. Immer dann, wenn Spidey sich scheinbar in eine Art Flubber in menschlicher Form verwandelt, für den die Gesetze der Schwerkraft nicht zu gelten scheinen, bleibt die Glaubwürdigkeit etwas auf der Strecke. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis menschliche Bewegungsabläufe so perfekt nachgebildet werden können, daß man den Unterschied nicht mehr bemerkt. Insgesamt sind die Spezialeffekte aber Spitzenklasse, insbesondere Doc Ock sieht mit seinen multifunktionalen Tentakeln einfach nur klasse aus. Ich frage mich nur, wie der menschliche Körper von Dr. Octavius es schaffen konnte, diese sicherlich tonnenschweren Dinger zu tragen - später wird Doc Ock immer von mindestens zwei Tentakeln gestützt, was dann auch viel überzeugender aussieht.

Auch der Humor kommt in "Spider-Man 2" nicht zu kurz. Schon Spideys Versuch, eine Pizza-Lieferung rechtzeitig an den Mann zu bringen, ist herrlich anzuschauen. Ebenso Bruce Campbell als Türsteher im Theater, der Peter Parker nicht reinlassen will. Oder Peters etwas seltsame Nachbarin... die Szene im Fahrstuhl (Spidey kann nicht mehr an der Wand herunterklettern)... der Clochard, der Spideys Kostüm verhökern will - herrlich. Etwas kurios fand ich die Szene, als Doc Ock im Krankenhaus zu sich kommt und die Ärzte angreift. Einiges davon hat mich frappierend an Raimis Frühwerke ("Tanz der Teufel") erinnert.

Insgesamt gehört "Spider-Man 2" definitiv zu den besten Comicverfilmungen des neuen Jahrtausends.

Die DVD:

Diesen Film gibt es auf DVD in verschiedenen Versionen. Ich habe mich für die "abgespeckte" Version entschieden, denn die ist relativ günstig zu haben und enthält trotzdem mehr Bonusmaterial als manche "Special Edition" anderer Filme, für die man mehr berappen muß. Schon auf der Film-DVD findet man (neben den Audiokommentaren und einer separaten Untertitel-Spur für den Film mit Zusatzinformationen) einen mehrere Minuten laufenden Zusammenschnitt schiefgegangener Szenen, bei dem ich echt Tränen gelacht habe.

Herzstück der Bonus-DVD ist die über zwei Stunden (!) lange, hochinteressante Filmdokumentation "Amazing Spider-Man". Das ist ein abendfüllender Beitrag, der die Bezeichnung "Making of" wirklich verdient. Jede einzelne Phase im Enstehungsprozeß des Films wird ausführlich beschrieben und anhand von Blicken hinter die Kulissen vorgestellt. Alle Beteiligten (sowohl die Schauspieler als auch das Produktionsteam) kommen zu Wort und dürfen genau schildern, wie sie gearbeitet haben, welche Schwierigkeiten sie dabei hatten und wie ihre Ideen ausgearbeitet wurden. Da bleiben kaum Fragen offen - und die Berichte sind alles andere als trocken, denn vor allem Raimi, Maguire und Molina scheinen echte Scherzkekse zu sein und man merkt, wie viel Spaß die Leute offenbar bei den Dreharbeiten hatten.

Als Ergänzung kann man die drei kürzeren, insgesamt aber immer noch ca. eine Stunde laufenden Featurettes betrachten, in denen einzelne Aspekte wie Spideys Existenzkrise, die Figur des Doc Ock oder Spideys Verhältnis zu den Frauen noch genauer behandelt werden. In diesen drei Beiträgen wird auch ausführlich auf die Spiderman-Comics eingegangen und dabei kommen auch die Künstler - zum Beispiel Stan Lee persönlich - zu Wort. Auch diese drei Beiträge sind äußerst informativ. So erfährt man zum Beispiel, daß die Film-M.J. eigentlich aus zwei verschiedenen Damen der Spiderman-Comics entwickelt wurde. Wenn man wissen will, wie aufwändig die Dreharbeiten für eine nur knapp 30 Sekunden lange Filmszene sein können, dann kann man sich die Entstehung einer solchen Szene in einem Multi-Angle-Beitrag anschauen. Man kann zwischen verschiedenen Kameraperspektiven hin- und her schalten und somit die Aktionen der Schauspieler sehen und gleichzeitig beobachten, wie das Produktionsteam diese Aktionen kommentiert. Sehr nett!

Es gibt noch eine ganze Menge kürzerer Beiträge, die aber nicht weiter erwähnenswert sind. Die Dokumentationen wurden übrigens nicht synchronisiert, deutsche Untertitel sind verfügbar. Alles in allem findet man auch bei dieser preiswerteren Version der DVD alle Informationen, die man sich nur wünschen kann.

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