Space Station 76


Space Station 76 (USA, 2014)

DVD Regionalcode 2, Sony Pictures Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 91 Minuten

Extras:
- Deleted Scenes (3:23 Min.)
- Outtakes (7:08 Min.)
- Zero Gravity: Making of Space Station 76 (12:15 Min.)

Regie:
Jack Plotnick

Hauptdarsteller:
Patrick Wilson (Glenn Terry)
Liv Tyler (Jessica Marlowe) Matt Bomer (Ted)
Marisa Coughlan (Misty)
Kylie Rogers (Sunshine)




Story

Wer auf der Raumstation Omega 76 Dienst schiebt, hat nicht viel zu tun. Ab und zu kommt ein Raumschiff zum Auftanken vorbei, ansonsten haben die Besatzungsmitglieder und ihre Familien viel Zeit, um sich das Leben zur Hölle zu machen. Captain Glenn Terry trauert dem Verlust seines Freundes und Stellvertreters Daniel sowie seiner männlichen Unschuld nach, ertränkt die Sorgen in Alkohol und unternimmt einen erfolglosen Selbstmordversuch nach dem anderen. Im Bemühen, seine Homosexualität zu verheimlichen, distanziert sich der Captain immer mehr von der Besatzung. Techniker Ted wird von seiner Ehefrau Misty mit einem Kollegen betrogen, er selbst darf sie nicht anfassen. Daher züchtet er im Arboretum Cannabis, baut sich leckere Joints und träumt anschließend von nackten Weltraumengeln. Befriedigung verschafft er sich mit Hilfe seiner kybernetischen Kunsthand. Misty wiederum ist heimlich in ihren Robot-Psychiater Dr. Bot verliebt. Die Maschine erwidert Mistys Gefühle nicht, verschreibt ihr aber regelmäßig Valium, welches Misty in immer größeren Dosen konsumiert. Ihre Tochter Sunshine ist so ziemlich das einzige Kind an Bord und langweilt sich.

Lieutenant Commander Jessica Marlowe, die als Ersatz für Daniel nach Omega 76 versetzt wird, muss sich in diesem Schlangennest erst zurechtfinden. Sie fühlt sich einsam und hat eigene Probleme. Sie leidet darunter, keine Kinder bekommen zu können. Dabei mag sie Kinder sehr und freundet sich schnell mit Misty an. So kommt sie Ted näher, die beiden verlieben sich ineinander. Misty bekommt Wind von der Sache und tut alles, um Jessica zu diskreditieren, was ihr im Falle Sunshines auch gelingt. Da Sunshine untröstlich ist, weil ihre Rennmaus-Mama fast alle Nachkommen getötet hat, besorgt Jessica einen tiefgekühlten Terrier als Weihnachtsgeschenk für die Kleine. Misty fängt das Päckchen ab und behauptet, das Geschenk stamme von ihr. Jessica wird vom Captain schroff abgefertigt, weil sie immer wieder auf wichtige Diagramme hinweist, die Daniel kurz vor seiner Versetzung in ein anderes Raumschiff angefertigt hat. Sie begreift erst allmählich, warum Terry nichts von der Sache hören will - was er aber sollte, denn in einem benachbarten Asteroidenfeld sind einige Felsbrocken aus der Bahn geworfen worden. Ein großer Trümmer nähert sich unaufhaltsam der Station.

Heiligabend rückt näher, und als es soweit ist, wird eine Weihnachtsfeier veranstaltet. Während Sunshine trauert, weil sie ihr Weihnachtsgeschenk unsachgemäß aufgetaut und damit getötet hat, eskaliert die angespannte Situation bei den Erwachsenen, bis endlich Klartext gesprochen wird. Jessica verkündet öffentlich, dass Terry schwul ist. Ted trennt sich von Misty. Da gibt es eine heftige Erschütterung! Der Asteroid hat die Station gerammt, zum Glück gibt es nur leichte Schäden. Terry findet findet einen neuen Freund. Jessica und Ted treffen sich im Arboretum. Sunshine freut sich über die schönen Mini-Meteore im Gefolge des großen Brockens, die wie Sternschnuppen vorbeiziehen.


Kringels Meinung

"... die wie Sternschnuppen vorbeiziehen"? Wie soll denn das gehen im Vakuum des Alls? Egal - diese letzte Szene ist beispielhaft für den ganzen Film. Es geht nicht um Handlung, Logik und dergleichen, sondern um eine Stimmung, ein Gefühl, einen ganz bestimmten Look. Das ist pure Absicht und das merkt man von Beginn an. Der Film fängt nämlich mit einer Aufnahme der Raumstation an, die sich gaaanz langsam ins Bild dreht, so dass man sie in allen Details bewundern kann. "Space Station 76" hat im Grunde überhaupt keine Handlung, enthält keinerlei Action und zu keinem Zeitpunkt entsteht so etwas wie ein Spannungsbogen. Warum zum Teufel sollte ich mir den Film dann antun, werdet ihr euch jetzt wahrscheinlich fragen. Nun, einige Szenen mit Model und Playmate Anna Sophia Berglund, die nackt im All schwebt, könnten vielleicht als Argument dienen...

Vielleicht solltet ihr euch den Film nur anschauen, wenn ihr in den Siebzigern / frühen Achtzigern aufgewachsen seid und die Science-Fiction-Filme und -Fernsehserien der damaligen Zeit geliebt habt, vor allem Star Trek - The Motion Picture, Mondbasis Alpha 1, Lautlos im Weltraum, Buck Rogers im 25. Jahrhundert und ähnliche Werke. Denn "Space Station 76" ist eine nette Hommage an die Genrefilme der damaligen Zeit. Die Raumstation sieht so aus, als könnten im nächstem Moment Captain Kirk oder Commander Koenig um die Ecke biegen. Braune und beigefarbene Wandverkleidungen, klobige Steuerkonsolen mit dicken bunten Knöpfen und so weiter... Alle Einrichtungsgegenstände, Requisiten, Kostüme und dergleichen könnten im Jahre 1976 wirklich benutzt worden sein - tatsächlich war mein Kinderzimmer ähnlich tapeziert und eingerichtet wie die Mannschaftsquartiere von Omega 76. Man(n) trägt Schnauzbart, Rollkragenpullover und Schlaghosen, es wird ausgiebig Alkohol gepichelt / geraucht (in unseren prüden Zeiten fast schon ein No-Go!), in den Gesprächen schwingt der Geist der Siebzigerjahre mit und es erklingt Musik von damals. Die Spezialeffekte können sich definitiv sehen lassen! Neben der Station selbst werden einige Shuttleflüge vor dem Hintergrund des Alls gezeigt, Asteroiden kollidieren, Sunshine vergnügt sich in der Schwerelosigkeit. Der Regisseur nimmt sich sehr viel Zeit, all das ausgiebig zu präsentieren.

Auch Humor ist durchaus vorhanden, aber es wäre falsch, den Film als Komödie zu bezeichnen. Dazu ist er a) nicht witzig genug und b) zu behäbig inszeniert. Köstlich ist z.B. Dr. Bot, der Robotpsychiater. Es dauert einige Zeit, bis endlich jemand herausfindet, dass der Roboter nur mit fest einprogrammierten Standard-Textbausteinen auf bestimmte Schlüsselwörter reagiert, was dann so ähnlich klingt wie eine automatische Ansage am Bahnsteig. Misty, die bei Dr. Bot in Behandlung ist, nervt ihre Umwelt (und leider oft auch den Zuschauer) mit ähnlichen Worthülsen. Die Mutter eines Besatzungsmitglieds liegt buchstäblich auf Eis, weil sie schwer krank ist und auf die geeignete Behandlung wartet. Die Angehörigen würden sie aber gern für immer im Kryotank lassen - ein nicht ganz unverständliches Ansinnen... Letzten Endes wirkt "Space Station 76" wie eine wahllose Zusammenstellung von Szenen, in denen es fast ausschließlich um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Dummerweise ist die Figurenzeichnung nicht wirklich gut gelungen, so dass es mir fast unmöglich war, Interesse für das Mit- und Gegeneinander an Bord von Omega 76 aufzubringen. Am Schluss hauen sich die Protagonisten die aufgestauten Aggressionen um die Ohren, dann schrammt mal eben ein riesiger Asteroid an der Station entlang und das war's. Schade! Angesichts des Trailers hatte ich einen ganz anderen Film erwartet.


DVD-Features

Die drei kurzen nicht verwendeten Szenen sind nicht der Rede wert - nur weiteres handlungsarmes Gerede. Bei den schiefgegangenen Szenen ("Outtakes") habe ich mehr gelacht als während des ganzen Films. Das so genannte "Making of" ist eine sehr knapp geratene Zusammenstellung von Filmszenen, Hinter-den-Szenen-Material und Interviews. Immerhin sieht man, dass Cast & Crew mit viel Spaß bei der Sache waren. Der Regisseur prägt den sehr passenden Begriff "Retro Future" für den Look des Films. Und man erfährt, dass der Film auf einem Theaterstück basiert. Das erklärt so manches!


Screenshots


Space Station 76

Omega 76 in voller Schönheit.


Space Station 76

Unter der Kuppel befindet sich das Arboretum.


Space Station 76

Captain Terry im Kontrollraum.


Space Station 76

Jessica muss sich einer unangenehmen Antrittsuntersuchung unterziehen.


Space Station 76

Tom und seine künstliche Hand.


Space Station 76

So richtig glücklich ist Misty nur bei Dr. Bot.


Space Station 76

Sunshine geht dem Captain auf die Nerven.


J. Kreis, 06.04.2015




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