Space 2063


Space 2063 - Pilotfilm (USA, 1994)
- Space: Above and Beyond -

DVD Regionalcode 2, New KSM
Altersfreigabe: FSK 12
Laufzeit: ca. 90 Minuten

Extras
Keine

Regie:
David Nutter

Hauptdarsteller:
Morgan Weisser (Nathan West)
Amanda Douge (Kylen Celina)
Kristen Cloke (Shane Vansen)
Rodney Rowland (Cooper Hawkes)
James Morrison (Tyrus Cassius McQueen)




Inhalt:

Im Jahre 2063 beginnt die Menschheit mit der Besiedelung des Weltraums. Überlichtschnelle Raumschiffe gibt es nicht, deshalb sind Reisen zu anderen Welten nur durch die Nutzung von "Wurmlöchern" möglich, die sich in bestimmten vorhersagbaren Zeitabständen öffnen. Kurz nach der Gründung der Vesta-Kolonie auf einem erdähnlichen Planeten in einem anderen Sonnensystem soll das zweite Auswandererschiff aufbrechen. Nathan West und Kylen Celina gehören zur Besatzung. Die beiden sind ein Liebespaar und haben sich praktisch ihr ganzes Leben lang auf diese Mission vorbereitet. Ihre Träume von einer gemeinsamen Zukunft platzen, als der Chef des Raumfahrtunternehmens Aero-Tech eine politische Entscheidung trifft: Zehn Besatzungsmitglieder sollen durch so genannte "Tanks" ersetzt werden. So werden in vitro gezeugte, genetisch manipulierte Menschen bezeichnet, die vor Jahren in Massen gezüchtet wurden, um als Kanonenfutter im Krieg gegen die "Silikanten" (Androiden mit künstlicher Intelligenz) zu dienen. Die Tanks werden diskriminiert, und ihre Teilnahme am Auswanderungsprogramm soll eine Geste des guten Willens sein. Da die Ressourcen des Kolonistenschiffes genau auf die ursprüngliche Besatzungsstärke zugeschnitten sind, können die Tanks nicht einfach zusätzlich an Bord genommen werden. Neun Siedler, die ihre Plätze räumen müssen, wurden bereits aussortiert. Es fehlt nur noch einer. Sowohl Nathan als auch Kylen erfüllen wichtige Aufgaben, so dass nur auf einen von beiden verzichtet werden kann. Die Wahl fällt auf Nathan. Er versucht den Start zwar als blinder Passagier mitzumachen, fliegt aber auf und wird festgenommen. Das Schiff startet ohne ihn.

Nathan hat nur noch eine Möglichkeit, Kylen jemals wiederzusehen: Er muss sich freiwillig zum US Marine Corps melden, denn die Space Aviator Cavalry soll künftig den Schutz der Kolonien übernehmen. Bevor Nathan aber auch nur davon träumen kann, ins Cockpit eines Raumjägers zu steigen, muss er wie alle anderen Rekruten den harten Drill der Grundausbildung über sich ergehen lassen. Zu den Kameraden in seiner Einheit, der 58. Schwadron, gehören der Tank Cooper Hawkes, der in den Dienst gezwungen wurde und zunächst jeglichen Teamgeist vermissen lässt, sowie Shane Vansen, die als Kind die Ermordung ihrer Eltern durch Silikanten mit ansehen musste. Nach und nach raufen sich die jungen Leute zusammen. Sie werden schließlich zu engen Freunden. Eines Tages erreicht eine Schreckensmeldung die Erde. Sowohl die Vesta-Kolonie als auch Kylens Schiff wurden von Außerirdischen vernichtet. Die Menschen waren bisher davon überzeugt, allein im All zu sein. Es gibt keine Informationen über die Absichten und die militärische Stärke der Fremden. Es wird schnell klar, dass sie den Streitkräften der Erde zumindest ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen sind, denn ein Gegenschlag des USMC wird zum Desaster. Selbst die Elite-Kampfjägerstaffel "Angry Angels" wird fast vollständig aufgerieben. Somit befindet sich die Menschheit in einem Krieg, den sie möglicherweise verlieren wird.

Nathan und die anderen Rekruten werden in ihren ersten echten Einsatz geschickt. Sie sollen eine defekte Kommunikationsanlage auf dem Mars instandsetzen. Dort beobachten sie den Absturz eines feindlichen Erkundungsschiffes. Einer der Fremden überlebt, greift die Soldaten an und tötet einen von ihnen. Der Außerirdische wird gefangen genommen, stirbt aber, als die Menschen ihm etwas zu trinken geben wollen - Wasser ist offensichtlich für diese Wesen giftig. Es gelingt dem Militär, den Bordcomputer des feindlichen Schiffes auszulesen und Erkenntnisse über die Schlachtpläne der Angreifer zu gewinnen. Angeblich werden zwei Drittel der gegnerischen Streitkräfte demnächst an einem bestimmten Punkt zusammengezogen werden. Praktisch die gesamten vereinten Streitkräfte der Erde sollen ihnen in den Rücken fallen. Man hofft, die bisherige Serie von Niederlagen beenden und dem Feind erstmals einen empfindlichen Schlag versetzen zu können. Jetzt endlich erhalten Nathan und seine Kameraden ihre Weltraum-/Atmosphärenjäger vom Typ SA-43 ("Hammerhead"). Sie geben ihrer Staffel den Rufnamen "Wildcards". Ihr Trägerschiff ist die USS SARATOGA. Allerdings stellt sich schnell heraus, dass die Menschen den Außerirdischen in die Falle gegangen sind. Die Schlachtpläne waren falsch und sollten die irdische Flotte in die Irre führen. Die Streitmacht der Fremden ist bereits unterwegs zum jetzt fast schutzlosen Planeten Erde.

Nur die unerfahrenen "Wildcards" sind noch vor Ort. Sie verstecken sich im Asteroidengürtel, um die Feindflotte überraschend anzugreifen, sobald diese dort vorbeifliegt. Die Fremden passieren den Asteroidengürtel jedoch in zu großer Entfernung. Hawkes riskiert sein Leben, um die gegnerischen Schiffe zu seinen Kameraden zu locken. Diese halten die Fremden lange genug auf, bis Verstärkung eintrifft. Die Außerirdischen werden vernichtend geschlagen und ziehen sich zurück. Nathan und seine Kameraden werden als Retter der Menschheit geehrt. Lieutenant Colonel McQueen - ein Tank wie Hawkes und ein Überlebender der "Angry Angels" - wird ihr neuer Vorgesetzter.

Kommentar

Dies ist der Pilotfilm einer Science Fiction-Fernsehserie, die mich Mitte der Neunziger geradezu begeistert hat. Jetzt erst sind Pilotfilm und Serie auf DVD erhältlich, und siehe da: Auch fünfzehn Jahre später finde ich den Film immer noch klasse! Es wurde alles richtig gemacht: Der Film enthält Action, Drama, Humor und Charakterentwicklung im perfekten Mischungsverhältnis. Die Figurenexposition findet in genau dem Umfang statt, der gebraucht wird, damit man die Hintergrundgeschichte bzw. die Motivation der Hauptfiguren versteht. Die Hauptfiguren sind keine eindimensionalen Haudrauf-Helden, sondern ein Ensemble aus "echten" Menschen, denen es gelingt, Sympathien zu erwecken. Im Zentrum stehen Nathan West, Shane Vansen und Cooper Hawkes, und alle drei haben gleich zu Beginn des Films gute Szenen. Nathan wird mit seinem tragischen Schicksal zu einer hervorragenden, zum Mitfiebern bestens geeigneten Identifikationsfigur. Anders als so viele andere Helden hat er ein richtig starkes Motiv für seinen Eintritt ins Militär: Das ist seine einzige Chance, Kylen je wiederzusehen. Das Ganze geschieht wohlgemerkt vor Kriegsausbruch. Nathan will sich also nicht etwa an den Außerirdischen (später in der Serie werden sie als "Chigs" bezeichnet) rächen. Es geht ihm nicht um Kampf, sondern er braucht quasi nur ein Vehikel, um irgendwie zur Kolonie gelangen zu können. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied zu anderen vergleichbaren Filmen dieses Genres.

An Coopers Beispiel wird ein wichtiges Element der Serie vorgestellt: Der Konflikt zwischen "normalen" Menschen und "Tanks". Letztere bilden so etwas wie eine Unterschicht und haben eine gewisse Ähnlichkeit mit den Replikanten in Blade Runner. Sie werden in Zuchttanks gezeugt (daher auch ihr diskriminierender Name), sind also elternlos. Erst wenn sie erwachsen sind, werden sie aus den Tanks geholt, so dass ihnen die gesamte Kindheit fehlt. Es mangelt ihnen an Lebenserfahrung, sie können schlecht mit Emotionen umgehen und haben Probleme mit zwischenmenschlichen Beziehungen. Viele Menschen geben ihnen die Schuld an den Gräueln des Silikantenkrieges. Man hält die Tanks für faul und unzuverlässig; nicht ganz zu Unrecht, denn zu Beginn des Pilotfilms fragt sich Cooper (ebenfalls nicht zu Unrecht), warum er sich für den Staat aufopfern oder mit seinen Kameraden zusammenarbeiten sollte. In "Space 2063" geht es also nicht nur um Krieg, sondern zu einem guten Teil um Emotionen, Freundschaft und gesellschaftliche Probleme.

Natürlich sind die realistische, meist düstere Kriegsatmosphäre sowie die Kämpfe gegen die Chigs weitere zentrale Aspekte des Films und der Serie. Insoweit ist "Space 2063" eine echte Space Opera mit spannenden Raumschlachten und Kämpfen auf Planeten. Man könnte fast meinen, dass sich die Macher von Battlestar Galactica ihre Inspirationen bei "Space 2063" geholt haben. Die Grundausbildung der späteren "Wildcards" sorgt für einige wirklich köstliche Szenen im Pilotfilm. Wenn die armen Jungs und Mädels von ihren Drill Sergeants zur Minna gemacht werden, dann bleibt kein Auge trocken. Der Schauspieler R. Lee Ermey, der diese Rolle schon in mehreren Filmen gespielt hat und sogar im realen Leben Ausbilder war, darf später aber auch beweisen, dass er einen weichen Kern hat. Die Chigs bleiben zunächst geheimnisvoll. Man weiß nichts über sie, noch nicht einmal, wie sie wirklich aussehen. Gut, sie haben zwei Arme, zwei Beine, Rumpf und Kopf, aber man sieht ihre Gesichter nicht. Die bleiben hinter einem Helm verborgen.

Was die Spezialeffekte angeht, muss man natürlich Abstriche machen. Alle Raumschiffs-Szenen im All sind computergeneriert, und aus heutiger Sicht wirken viele dieser Szenen doch sehr angestaubt und können nicht mehr überzeugen. Das Innere der Raumschiffe wurde aber recht gut designt - gerade hier und generell beim Stand der Technik des Jahres 2063 zeigen sich die Parallelen zum "Battlestar Galactica"-Remake recht deutlich: Die Menschen besitzen keine futuristische Supertechnik, im Grunde gibt es in dieser 50 Jahre entfernten Zukunft nur sehr wenige Unterschiede zur heutigen Zeit. Gut, die Fernseher sind viel größer, als sie es Mitte der Neunziger waren, aber heute hat ja jeder so einen Flachbild-Riesen-LCD-Monitor im Wohnzimmer stehen. Das militärische Equipment gleicht dem, was man z.B. auf einem US-Flugzeugträger vorfinden würde. Das spart Kosten, wirkt aber ein wenig seltsam, wenn man bedenkt, dass es die Menschen trotz dieser vergleichsweise primitiven Technik geschafft haben, viele Lichtjahre entfernte Planeten zu besiedeln und eine Raumflotte aufzustellen. Die Hammerhead-Jäger gefallen mir aber immer noch sehr gut.

Schöne Military-SF also, aber man darf nicht den Fehler machen, den Film und die Serie mit aktuellen Produktionen zu vergleichen. Dazwischen liegen dann doch Welten.

DVD-Features

Pilotfilm und Serie werden in Deutschland getrennt verkauft. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt - zweifellos wird es irgendwann eine Art "Superbox" mit beidem geben, aber so lange wollte ich nicht warten. Mit solchen Idioten wie mir können die Publisher wohl immer rechnen! Leider enthält die DVD keinerlei Bonusmaterial. Die Bildqualität ist ganz OK, nur in dunklen Szenen leidet der Kontrast sichtbar. Insgesamt kann man damit aber zufrieden sein.

Screenshots


Space 2063

Kylen und Nathan erhalten schlechte Nachrichten


Space 2063

Shane träumt davon, einst zu den "Angry Angels" zu gehören


Space 2063

Der Drill Instructor holt die Rekruten auf den Boden der Tatsachen zurück


Space 2063

Die Chigs greifen das Siedlerschiff an


Space 2063

Cooper fragt sich, wofür er eigentlich kämpft - noch dazu im Simulator


Space 2063

Erster Einsatz der späteren "Wildcards" auf dem Mars


Space 2063

Das "Gesicht" des Feindes


Space 2063

Ein SA-43 "Hammerhead"


Space 2063

McQueen trägt die Narben des ersten Kampfes gegen die Chigs


Space 2063

Die Chig-Flotte nähert sich der Erde


J. Kreis, 20.12.2011




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