Source Code


Source Code (USA, 2011)

Blu-ray, Studiocanal
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 94 Min.

Extras
- Audiokommentar
- Cast & Crew (27:10 Min.)
- Im Brennpunkt (6:50 Min.)
- Expertenwissen (18:49 Min. / PiP)
- Featurettes (5:22 Min.)
- Interview mit Jake Gyllenhaal (8:02 Min.)
- Interview mit Duncan Jones (10:07 Min.)
- Deutscher und englischer Trailer
- Trivia Tracks: "Wusstest du...?" / "Geschichten über Zeitreisen" (PiP)

Regie:
Duncan Jones

Hauptdarsteller:
Jake Gyllenhaal (Colter Stevens)
Michelle Monaghan (Christina Warren)
Vera Farmiga (Colleen Goodwin)
Jeffrey Wright (Dr. Walter Rutledge)
Michael Arden (Derek Frost)




Inhalt

Colter Stevens, Captain der US-Armee und als Hubschrauberpilot in Afghanistan eingesetzt, wacht in einem nach Chicago fahrenden Nahverkehrszug auf. Ihm gegenüber sitzt eine ihm unbekannte Frau, die ihn gut zu kennen scheint. Ihr Name lautet Christina Warren und sie hält ihn für einen gewissen Sean Fentress. Stevens hat keine Ahnung, wie er in den Zug gekommen ist. Im Spiegel sieht er ein fremdes Gesicht. In seiner Brieftasche befinden sich die Papiere von Sean Fentress. Nach kurzer Fahrzeit explodiert eine Bombe im Zug. Alle Fahrgäste sterben.

Stevens kommt in einem kleinen Raum wieder zu sich, der an das Cockpit einer Raumkapsel erinnert und den er nicht verlassen kann. Er kann sich an seinen letzten Einsatz in Afghanistan und den Vorfall im Zug erinnern, weiß aber nicht, was vorher war. Über einen Monitor hat er Kontakt mit Captain Goodwin von der Air Force und mit Dr. Rutledge, dem Leiter eines Geheimprojekts. Man erklärt ihm, er habe eine wichtige Mission zu erfüllen. Der Bombenanschlag hat sich wirklich ereignet. Weitere Attentate werden erwartet. Angeblich plant ein Terrorist die Zündung einer schmutzigen Bombe mitten in Chicago noch am selben Tag. Rutledge hat ein Verfahren - den Source Code - entwickelt, mit dem es geeigneten Probanden wie Stevens möglich ist, die letzten acht Minuten im Leben eines Toten nachzuvollziehen. In diesem Fall ist das Sean Fentress, eines der Anschlagsopfer. Stevens soll den Bombenleger identifizieren, damit die Vernichtung Chicagos verhindert werden kann. Es handelt sich aber nicht um eine Zeitreise. Stevens kann die Vernichtung des Zuges nicht verhindern, denn sie hat längst stattgefunden. Der Source Code versetzt Stevens lediglich in eine Art alternative Realität, in der er sich frei bewegen kann. Weitere Informationen erhält Stevens nicht. Er vermutet jedoch, dass man ihm etwas verheimlicht.

Stevens wird mehrmals zurück in den Souce Code geschickt. Nach und nach sammelt er wichtige Hinweise. Er kann sich aber nicht damit abfinden, dass es ihm nicht möglich sein soll, die Fahrgäste zu retten - insbesondere deshalb, weil er sich in Christina verliebt. Er bittet sie, nach seinem eigenen Namen im Internet zu recherchieren und erfährt, dass Colter Stevens vor zwei Monaten in Afghanistan im Kampf getötet wurde. Goodwin bestätigt das. Stevens' verstümmelter Körper liegt in einem Lebenserhaltungssystem. Nur Teile seines Gehirns sind noch aktiv, sie sind mit einem Computersystem verbunden. Das Cockpit, in dem sich Stevens scheinbar befindet, ist nur Einbildung. Trotz allem erklärt sich Stevens bereit, die Mission abzuschließen. Danach will er endgültig sterben. Rutledge willigt ein. Nachdem Colter den Täter im Source Code aufgespürt hat, so dass dieser in der Realität festgenommen werden kann, bricht Rutledge sein Versprechen. Er will Stevens' Gedächtnis löschen, um ihn für weitere Einsätze im Source Code zu missbrauchen. In Goodwin findet Stevens jedoch eine Helferin. Sie schickt ihn ein letztes Mal in den Source Code und bereitet die Abschaltung des Lebenserhaltungssystems vor.

Somit bleiben Stevens nur acht Minuten, um die Bombe im Zug zu entschärfen, den Attentäter unschädlich zu machen und Christina für sich zu gewinnen. Letzteres gelingt ihm problemlos, weil die junge Frau schon seit geraumer Zeit vergeblich versucht hat, Sean Fentress anzuflirten. Auch die anderen Aufgaben werden rechtzeitig bewältigt. Stevens nimmt an, dass nach Ablauf der Frist alles vorbei sein wird. Doch als sein realer Körper stirbt, geht sein Leben im Souce Code weiter. Ihm wird klar, dass er sich in einem echten Parallel-Universum befindet, das dauerhaften Bestand hat. Er kann somit in Fentress' Identität ein neues Leben mit Christina beginnen.

In dieser alternativen Realtität hat es den Bombenanschlag nicht gegeben. Somit wurde Stevens' Alter-Ego nie in den Source Code geschickt. Die hiesige Version von Colleen Goodwin erhält eine SMS von Stevens, in der ihr erklärt wird, wie der Source Code wirklich funkioniert. Sie wird gebeten, Colter Stevens zu helfen und ihm zu sagen, dass alles gut wird.

Kommentar

Da soll einer sagen, heutzutage würden keine guten, intelligenten Science-Fiction-Filme mehr in's Kino kommen! Duncan Jones hat diese These ja schon höchst eindrucksvoll mit seinem ruhigen, melancholischen und wunderbar altmodischen Erstlingswerk Moon widerlegt. "Source Code", sein zweiter Film, ist zwar ganz anders - schneller, lauter, und mehr dem Thriller-Genre zuzuordnen - aber auf seine Weise mindestens genauso gut wie "Moon".

Ähnlich wie in Und täglich grüßt das Murmeltier erlebt die Hauptperson in "Source Code" denselben Tag wieder und wieder und wieder. Anders als in der herrlichen Komödie mit Bill Murray wird hier jedoch eine Erklärung für dieses Phänomen geliefert. Das geht nach anfänglicher Desorientierung (die natürlich ganz bewusst erzeugt wird) ganz schnell und ohne viel Technobabble. Man kann die Ausgangssituation genauso gut ohne diese Erklärung als gegeben hinnehmen und sich auf die darum herum gestrickte packende Action konzentrieren. Die zugrunde liegende Prämisse regt aber auch zum Nachdenken an. Vielleicht existiert "die" Realität ja gar nicht, sondern nur das, was wir dafür halten, was quasi durch unser Bewusstsein erschaffen wird. Das ist ja keine so weit hergeholte Idee, man denke nur an Platon und das Höhlengleichnis. Somit gäbe es genau so viele verschiedene "alternative Realitäten", wie es Menschen gibt. Jetzt muss man nur noch akzeptieren, dass diese alternativen Realitäten nicht nur theoretisch bzw. in der Gedankenwelt jedes einzelnen Menschen existieren, sondern real sind und "betreten" werden können. Paralleluniversen also, in denen die Entwicklung einen völlig anderen Verlauf nehmen kann. Die Gehirnwindungen fangen an sich zu verknoten, wenn man sich vorzustellen versucht, dass es auch innerhalb solcher Paralleluniversen Menschen gibt, durch deren Vorstellungswelt wiederum andere Paralleluniversen erschaffen werden - so wie es ja in der alternativen Realität, in der Colter alias Fentress weiterleben kann, einen alternativen Colter gibt, der im alternativen Source Code die Rolle eines in einem Paralleluniversum lebenden Menschen übernehmen könnte...

Aber wie gesagt: Diese Gedanken muss man sich gar nicht machen, um der Thriller-Handlung folgen zu können. Zunächst einmal weiß man natürlich ebenso wenig wie Colter, was überhaupt los ist. Die Situation erschließt sich dann im Verlauf der Handlung ganz von selbst ohne weitschweifige Erklärungen. Colters Jagd nach dem Terroristen wird bei jedem erneuten Trip in den Source Code spannender, und das, obwohl sich in diesen acht Minuten ja immer dasselbe ereignet - aber eben nicht genau dasselbe. Colter wird nicht als Über-Held dargestellt, stattdessen macht er Fehler, zieht die falschen Schlüsse und wird x-mal getötet. Nach und nach kennt sich Colter im Source Code aus, weiß ganz genau, was als nächstes passieren wird, und kann dieses Wissen zu seinem Vorteil ausnutzen. Aber wie soll man innerhalb von acht Minuten einen irren Bombenleger unter Dutzenden oder Hunderten Fahrgästen eines Zuges identifizieren, gleichzeitig herausfinden, was mit einem selbst geschehen sein mag, den Zug und die Großstadt retten, und dann auch noch das Herz einer schönen Frau gewinnen? Unerwartete Wendungen verleihen diesem an sich schon hoch interessanten Plot eine besondere Würze, und die beiden Hauptdarsteller nehmen den Zuschauer mühelos für sich ein. So kann man wunderbar mitfiebern und sich richtig über das Happy End freuen. Ich liebe Happy Ends! Nur einen Insassen des Zuges konnte Colter nicht retten: Sean Fentress. Dessen Bewusstsein dürfte ausgelöscht sein...

Blu-ray-Features

Abgesehen vom Audionkommentar kann man während des laufenden Films Picture-in-Picture-Informationen hinzuschalten ("Trivia-Tracks"). Dann werden zur jeweiligen Szene passende Bilder und Texte eingeblendet. Weiteres PiP-Material kann in den Extras unter dem Menüpunkt "Expertenwissen" separat abgerufen werden. Prof. Dr. Sergei Gukov, Physiker und Mathematiker am California Institute of Technology, erklärt hier einige Theorien, die der Filmhandlung zugrunde gelegt wurden.

Nimmt man die beiden Interviews mit Jake Gyllenhaal und Duncan Jones sowie den Beitrag "Cast & Crew" zusammen, erhält man ein zwar teilweise redundantes, aber doch recht aussagekräftiges Making of, das auch Hinter-den-Szenen-Material enthält. So erfährt man unter anderem, dass wir den Film in Wahrheit Jake Gyllenhaal verdanken (er hat Duncan Jones das Drehbuch vorgeschlagen), dass nicht in einem echten Zug gedreht wurde, sondern in einem eigens zu diesem Zweck gebauten Bühnenbild, und dass Russell Peters auch im wahren Leben Comedian ist.

"Im Brennpunkt" ist eine Zusammenstellung leicht verständlicher animierter Lehrfilme über Quantenphysik, die Viele-Welten-Theorie, Hirn-Computer-Schnittstellen und andere Themen, die im Film anklingen. Alles aktueller Stand der Wissenschaft, keine Erfindung. Die drei Featurettes sind nichts anderes als Werbetrailer mit Interviewschnipseln - nicht der Erwähnung wert.


J. Kreis, 23.01.2013




Gastkommentare


Neueste Kommentare stehen oben.


Gastkommentare werden nicht von J. Kreis verfasst und dürfen nicht auf anderen Homepages oder in Printmedien weiterverwendet werden.


Noch keine Gastkommentare vorhanden!


Deine Meinung?

(Bei Klick auf diesen Button öffnet sich ein Kontaktformular in einem gesonderten Fenster)


Seitenanfang


Startseite

Filme