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Der Soldat James Ryan Der Soldat James Ryan (USA, 1998)
DVD - Regionalcode 2, Paramount
FSK: 16
Laufzeit: ca. 163 Minuten

Extras
"Into the Breach" - Making of Saving Private Ryan. Original Kinotrailer und Teaser-Trailer. Produktionsnotizen und Informationen zu Cast & Crew (Texttafeln)

Regie:
Steven Spielberg

Hauptdarsteller:
Tom Hanks (Capt. John H. Miller)
Tom Sizemore (Sgt. Thomas Horvath)
Matt Damon (Pvt. James Francis Ryan)
Edward Burns (Pvt. Richard Reiben)
Barry Pepper (Pvt. Daniel Jackson)
Adam Goldberg (Pvt. Stanley Mellish)
Vin Diesel (Pvt. Adrian Caparzo)
Giovanni Ribisi (Sanitäter Irwin Wade)
Jeremy Davies (Cpl. Timothy P. Upham)




Inhalt:

Am 6. Juni 1944, dem "D-Day", landen alliierte Truppen in der Normandie. Die Erstürmung der Strände führt zu hohen Verlusten auf beiden Seiten, am blutigsten verlaufen die Gefechte am Strandabschnitt Omaha Beach. Die Männer fallen reihenweise im Maschinengewehrfeuer, sobald sich die Klappen ihrer Landungsboote öffnen. Bis der Strand endlich gesichert ist, haben Tausende von amerikanischen Soldaten ihr Leben verloren. Unter den Toten sind auch zwei von vier Brüdern der Familie Ryan. Als der dritte Bruder in Neuguinea fällt und der vierte als Fallschirmjäger hinter der Front in Frankreich spurlos verschwindet, ist für die höchsten Offiziere im Generalstab klar: Der verschollene Gefreite James Ryan muß gerettet und nach Hause gebracht werden. Mit diesem eigentlich unmöglichen Auftrag wird Captain John Miller betraut, der schon beim Sturm auf Omaha Beach eine wichtige Rolle gespielt hat. Miller und sechs seiner Männer machen sich auf den Weg ins unsichere Kriegsgebiet Frankreichs, um James Ryan zu suchen. Mit von der Partie ist Corporal Upham, der als Übersetzer gebraucht wird, aber noch nie im Kampfeinsatz war. Schon bald kommt es zur Feindberührung und zum ersten Verlust unter Millers Leuten: Der Gefreite Caparzo wird von einem Scharfschützen erschossen, als er versucht, ein kleines Mädchen aus den Ruinen eines zerstörten Städtchens zu retten.

Millers Trupp begegnet verschiedenen teilweise versprengten amerikanischen Verbänden, wird dabei immer wieder in Kampfhandlungen verwickelt, findet aber auch Hinweise auf Ryans Verbleib: Offenbar hat er sich einer Einheit angeschlossen, die eine wichtige Brücke gegen den Vormarsch der Deutschen halten soll. Als der Sanitäter aus Millers Trupp beim Angriff auf einen Radarbunker getötet wird, droht eine Meuterei. Die Männer fragen sich, warum sie ihr Leben riskieren sollen, um einen einzigen Mann zu retten. Welchen Sinn hat ein solcher Einsatz? Es gelingt Miller jedoch, seine Leute bei der Stange zu halten. Er und Upham verhindern mit Müh und Not, daß die anderen einen deutschen Soldaten lynchen, der den Angriff auf den Radarbunker überlebt hat - sie lassen ihn laufen. Nach langem Marsch, tief hinter den feindlichen Linien, finden sie endlich den echten Ryan - zuvor hatten sie versehentlich einem Namensvetter die Geschichte vom Tod der Brüder aufgetischt. Ryan weigert sich aber, seinen Posten zu verlassen. Wohl oder übel schließen Miller und seine Leute sich Ryans Einheit an und versuchen, die mit Panzern vorrückenden Deutschen aufzuhalten. Die Übermacht ist jedoch erdrückend: Bis auf Upham und den Gefreiten Reiben werden Millers Leute aufgerieben. Einer von ihnen wird ausgerechnet von dem deutschen Soldaten erstochen, dessen Leben sie vor Kurzem verschont haben. Miller selbst wird tödlich verwundet.

Gerade noch rechtzeitig trifft Verstärkung für die auf verlorenem Posten stehenden Amerikaner ein. Die feindlichen Panzer werden durch Luftangriffe ausgeschaltet. So erlebt Miller noch mit, daß er seinen Auftrag erfüllt hat, denn James Ryan überlebt das Gemetzel. Mit seinen letzten Worten fordert Miller den jungen Ryan auf, sich das zu verdienen, was er und seine Leute für ihn getan haben. Jahrzehnte später steht der alt gewordene James Ryan mit seiner Familie vor Captain Millers Kreuz auf einem riesigen Soldatenfriedhof und fragt sich, ob er diese Aufgabe erfüllt hat - ob das Leben, das er geführt hat, den Tod von sechs Männern wert war...

Der Film:

Obiger Text kommt euch für einen mehr als zweieinhalb Stunden langen Film etwas knapp vor? Da habt ihr zweifellos recht. Würde ich aber versuchen, alle Geschehnisse dieses Films zusammenzufassen, dann könnte ich ein ganzes Buch füllen. Also habe ich mich auf die Rahmenhandlung beschränkt. Die Handlung ist für den Film, der übrigens angeblich auf einer wahren Begebenheit beruht, eigentlich fast nebensächlich. Man sollte sich also (genau wie die Soldaten) nicht allzu sehr den Kopf über Sinn und Unsinn von Captain Millers Mission zerbrechen. Im Mittelpunkt stehen stattdessen die Soldaten. Es geht um ihre Gedanken und Gefühle, ihre Reaktionen auf das Grauen, das sie erleben, und die Art und Weise, wie sie versuchen, ihrer Mission und dem Krieg einen Sinn zu geben. Und es geht - natürlich - um die Darstellung des Krieges selbst. An dieser Stelle ist zu sagen, daß "Der Soldat James Ryan" in meinen Augen kein Antikriegsfilm ist. Es ist ein Kriegsfilm. Als solcher ist "Der Soldat James Ryan" aber geradezu perfekt, denn eine derart realistische Darstellung des Zweiten Weltkriegs in allen Details hat es vorher noch nie und seitdem nicht wieder (jedenfalls bis jetzt - September 2005) gegeben.

Die erste halbe Stunde zeigt nichts anderes als die Landung in der Normandie und den mit unglaublichen Verlusten bezahlten Versuch, eine Bresche in die deutschen Verteidigungsstellungen zu schlagen. Die mobile, teils verwackelte und dreck- bzw. blutbespritzte Kamera zeigt das Geschehen nicht etwa aus der Totalen oder von einem "Feldherrnhügel" aus, sie ist vielmehr mittendrin. Der Zuschauer hat das Gefühl, er sei selbst unter den angsterfüllten Soldaten, die darauf warten, daß sich die Klappe ihres Landungsboots öffnet, und die danach wie die Fliegen fallen. Das totale Chaos dieser ersten Minuten des Angriffs wird geradezu beängstigend echt dargestellt und für den Zuschauer ist gleich klar: Hier wird nichts glorifiziert. Es gibt keinen "heldenhaften Tod". Es gibt nur ein gnadenloses, schreckliches Gemetzel und den verzweifelten Versuch des Einzelnen, irgendwie zu überleben. Wenn man diese Szenen mit Surround-Ton laufen läßt, hat man erst recht den Eindruck, selbst mitten im Geschehen zu sein. Die Einschüsse, Querschläger und Explosionen scheinen direkt im gemütlichen Wohnzimmer zu sein... Man kann fast nicht glauben, daß man es mit Spezialeffekten und Kulissen zu tun hat - alles wirkt zu hundert Prozent echt und glaubwürdig, man kann gar nicht anders, als mitzufiebern. Technisch gesehen ist der Film also ein Meisterwerk.

Im weiteren Verlauf des Films gibt es zwar mehr als genug Pathos, Patriotismus und Heldentum, aber Miller und seine Leute sind keine kampfeswütigen Rambos, auch wenn sie tapfer kämpfen. Sie sind einfache Männer (Miller ist eigentlich Lehrer), die keineswegs todesmutig durch die Lande stürmen - sie möchten eigentlich einfach nur nach Hause. Im Gegensatz zu vielen anderen Kriegsfilmen wird nichts beschönigt, es wird nicht im passenden Moment ausgeblendet und es wird nichts verschwiegen. Gnadenlos wird gezeigt, wie Soldaten erschossen, verstümmelt und in die Luft gesprengt werden, wie sie sterbend nach ihrer Mutter schreien und in all dem Grauen fast ihre eigene Menschlichkeit verlieren. Diese Gewaltszenen sind zwar explizit, aber sie werden nicht eingesetzt, damit man sich daran berauschen kann, sondern damit man vielleicht ansatzweise begreift, was Krieg wirklich bedeutet. Die Gewaltdarstellung ist also nicht Selbstzweck. Angesichts dieser Szenen kann man nicht auf die Idee kommen, Krieg sei in irgend einer Weise "gut" oder gar romantisch. Warum ich "Der Soldat James Ryan" trotzdem nicht für einen Antikriegsfilm halte? Zum Teil eben gerade deshalb, weil der Krieg so pedantisch genau "zelebriert" wird. Die Soldaten stellen zwar ihre Mission in Frage, aber nicht den Krieg selbst - der wird ja "für einen guten Zweck" geführt. Zum Teil auch deshalb, weil für meinen Geschmack ein wenig zu oft die amerikanische Flagge gezeigt wird, während ergreifend-dramatische Musik läuft (während der Kampfszenen gibt es keine Musik - und das ist auch gut so). Vielleicht auch deshalb, weil der alte James Ryan am Schluß vor Millers Grabkreuz salutiert. Immerhin: Der Krieg wird auch nicht idealisiert, und das rettet den Film.

Die DVD:

Exzellentes Bild, perfekter Ton - sehr magere Extras. Man fragt sich unwillkürlich, warum da überhaut ein zweiter Silberling in der Hülle ist - denn da ist kaum Material drauf! Neben den bebilderten Texttafeln, die kaum mehr Informationen bieten als das DVD-Booklet, ist lediglich die 25-minütige Dokumentation "In die Bresche" erwähnenswert. Hierbei handelt es sich aber nicht etwa um ein "Making of" zum Film (wie es auf der Rückseite der DVD-Hülle steht), sondern hauptsächlich um eine Zusammenstellung historischer Filmszenen aus dem Zweiten Weltkrieg und um Interviews mit Kriegsveteranen. Es ist etwas irritierend, dieses dokumentarische Material mit Filmausschnitten und Kommentaren von Spielberg und den Schauspielern dieses Films vermischt zu sehen...

Interessanterweise erzählt Spielberg auch ein wenig über seine allerersten Versuche als "Regisseur" und man bekommt kurze Ausschnitte aus zwei Amateurfilmen zu sehen, die er als Kind gedreht hat. Diese Featurette ist also eher kurios als informativ, denn man erfährt einerseits praktisch nichts über die Entstehung des Films und andererseits zu wenig über den geschichtlichen Hintergrund, um den Film richtig würdigen zu können.

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