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solaris

Solaris (USA 2002)
DVD - Regionalcode 2, Fox Home Entertainment
FSK: 12
Laufzeit: ca. 94 Minuten

Extras:
Audiokommentar des Regisseurs und des Produzenten, Drehbuch (Texttafeln), 2 Featurettes: "HBO-Special" und "Solaris - Behind the Planet"

Regie:
Steven Soderbergh

Hauptdarsteller:
George Clooney (Chris Kelvin)
Natascha McElhone (Rheya)
Viola Davis (Gordon)
Jemremy Davies (Snow)
Ulrich Tukur (Gibarian)





Inhalt:

Der Psychologe Chris Kelvin hätte selbst professionelle Hilfe nötig, da er den Selbstmord seiner Frau Rheya nicht verwunden hat - er fühlt sich schuldig an Rheyas Tod. Sie hatte sich nach einem heftigen Streit umgebracht, weil sie meinte, er liebe sie nicht mehr. Eines Tages wird Kelvin von der Weltraumbehörde für eine Rettungsmission angeheuert. Der Hintergrund dafür: Schon seit längerer Zeit untersuchen Wissenschaftler den Planeten Solaris. Der gesamte Planet ist von einer undefinierbaren Substanz bedeckt (möglicherweise besteht er auch völlig aus dieser Substanz), bei der es sich um ein intelligentes Lebewesen zu handeln scheint. Jedenfalls reagiert Solaris offensichtlich auf die Forschungen der Menschen. Der Kontakt zu einer der Forschungsstationen, die im Orbit um Solaris kreisen, ist abgebrochen. Auch von einem Sicherheitsteam, das auf der Station nach dem Rechten sehen sollte, hat man nichts mehr gehört. Gibarian, einer der Wissenschaftler auf der Station, ist ein alter Freund von Kelvin. Er schickt einen Notruf an die Weltraumbehörde, in dem er Kelvin um Hilfe bittet. Irgend etwas Unerklärliches, das der ziemlich verwirrt wirkende Gibarian nicht genauer beschreiben kann oder will, geht auf der Station vor und Kelvin soll psychologische Unterstützung leisten.

Kelvin wird allein (!) zu der Station geschickt und findet dort schon bei seiner Ankunft eine beunruhigende Situation vor. Niemand empfängt ihn, in den verlassenen Korridoren gibt es Blutspuren auf dem Boden und an den Wänden - und Gibarian ist bereits tot. Kelvin findet seine tiefgefrorene Leiche neben zwei anderen Toten in einer Kühlkammer. Auf der Station leben nur noch zwei Wissenschaftler, Snow und Gordon. Gordon weigert sich zunächst, aus ihrer Kabine herauszukommen oder jemanden hereinzulassen, Snow scheint ständig am Rande eines Nervenzusammenbruchs entlangzuschrammen, ist aber noch soweit bei Verstand, daß er Kelvin erste Erklärungen liefern kann. Demnach hat Gibarian Selbstmord begangen. Wie es dazu kommen konnte und was die beiden Wissenschaftler zu ihren seltsamen Verhaltensweisen gebracht hat, wollen sie nicht verraten. Kelvin soll es selbst erleben, denn sonst würde er es ohnehin nicht glauben.

Noch in der gleichen Nacht fängt "es" auch bei Kelvin an. Nachdem er wieder einmal von seiner Frau geträumt hat, wird er von ihr selbst geweckt. Rheya ist wie aus dem Nichts in Kelvins Kabine erschienen. Sie weiß nicht, wie sie dort hingekommen ist und erinnert sich an nichts außer ihrem Leben mit Kelvin. Dieser ist sich von Anfang an darüber im Klaren, daß Rheya nicht "echt" sein kann und das wird von den jetzt mitteilsamer werdenden Wissenschaftlern bestätigt. Auch sie (und auch Gibarian - das war der Grund für seinen Notruf, letztlich auch für seinen Selbstmord) hatten schon solche "Besucher". Und zwar mehrmals, denn man kann diese Wesen, die nach Ansicht von Gordon keinesfalls echte Menschen sein können, nicht töten oder sonstwie "entsorgen". Jagt man beispielsweise, wie Kelvin es tut, einen solchen "Besucher" mit einer Rettungskapsel ins All, dann erscheint umgehend, z.B. in der nächsten Nacht, eine "neue" Ausgabe! Es scheint so, als wären die Besucher Projektionen, allderdings durchaus materieller Art, die von Solaris erzeugt werden. Der "Planet" bedient sich dabei offenbar bei den Gedanken von Kelvin und seinen Erinnerungen an Rheya. Die "neue" Rheya ist also nichts anderes als die Fleisch gewordene Erinnerung Kelvins an seine Frau. Daraus ergeben sich existenzielle Probleme, sowohl für Kelvin als auch für die Besucher selbst. Rheya glaubt, daß sie die "echte" Rheya ist. Sie ist aber nur ein Konstrukt aus Kelvins Erinnerungen. Wie "echt" kann ein solches Wesen überhaupt sein und kann man ein solches Wesen lieben?

Bei Rheya Nr. 2 geraten Kelvins Gefühle vollends durcheinander, denn er verliebt sich in sie. Aber genaugenommen verliebt er sich ja nur in seine eigene Erinnerung... Für ihn ist sie die wiedergeborene Rheya und mit ihr erhält er eine zweite Chance, die er nutzen will. Rheya selbst (ver-)zweifelt jedoch und versucht sich umzubringen, indem sie flüssigen Sauerstoff trinkt. Sie stirbt jedoch nicht daran, sondern regeneriert sich mit unglaublicher Geschwindigkeit wieder - ein weiterer Beweis dafür, daß sie kein Mensch sein kann. Kelvin ist das egal. Er will sie mit zur Erde nehmen. Damit ist nun wieder Gordon nicht einverstanden. Sie hat eine Möglichkeit entwickelt, die "Besucher" mit einem speziellen Energiefeld aufzulösen und dadurch endgültig zu Solaris zurückzuschicken. Das macht sie auch mit Rheya (auf ausdrücklichen Wunsch von ihr!) während Kelvin schläft. Gemeinsam mit ihm und Snow will Gordon die Station verlassen, denn Solaris dehnt sich aus und droht alle Objekte, die sich in seinem Orbit befinden, zu verschlucken. Snow weigert sich jedoch und den Grund dafür entdecken Gordon und Kelvin in Form einer Leiche, die hinter einem Deckenelement versteckt wurde: Das ist der echte Snow! Die Person, mit der Gordon und Kelvin es die ganze Zeit zu tun hatten, ist ein "Besucher", der sein eigenes Original getötet hat, angeblich in Notwehr.

Snow bleibt also auf der Station, und auch Kelvin fliegt nicht mit. Bald darauf wird die Station vom sich weiter ausdehnenden Solaris verschlungen. Kelvin findet sich in seiner eigenen Wohnung wieder. Er hat ein Deja-vu-Erlebnis, als er sich wie kurz vor seinem Abflug zur Raumstation in den Finger schneidet. Aber die Wunde verschwindet sofort wieder. Auch Rheya ist da, und sie versichert Kelvin, daß alles, was früher war, vergeben ist...

Der Film:

Wer den gleichnamigen Roman von Stanislaw Lem kennt, der diesem Film zugrunde liegt, und wer den gleichnamigen Film aus den Siebzigern kennt, der von Andrej Tarkowskij gedreht worden ist, der sollte sich zuallererst klarmachen, daß diese Neuverfilmung kein Remake von Tarkowskijs Film ist und daß in dieser Version hauptsächlich nur ein Aspekt des Romans thematisiert wird (der im Roman eigentlich zu kurz kommt), nämlich die menschliche Ebene oder vielmehr die problematische Beziehung zwischen Kelvin und den Rheya-Duplikaten. Das war übrigens auch im Tarkowskij-Film nicht anders! Weiterhin muß man von Anfang an wissen, daß Solaris kein Action- oder Horrorfilm von der Machart ist, die heutzutage generell als Science Fiction gehandelt wird. Derartige Elemente würde man in diesem Film vergebens suchen und sie gehören auch nicht hinein. Jetzt könnte man auf die Idee kommen, daß der Film deswegen langweilig wäre. Gut: wenn man die Story schon kennt, dann kommt keine Spannung auf. Es ist ein langsamer, ruhiger und trauriger Film, kein Thriller. Uninteressant ist Solaris deswegen aber nicht. Und wer die Story nicht kennt, könnte ihn vielleicht sogar spannend finden. Auf jeden Fall wird man einige Taschentücher verbrauchen, wenn man "nah am Wasser gebaut" hat...

Solaris ist vor allem ein visueller und auraler Genuß, denn die Geschichte wird in wunderschönen Bildern in langen Einstellungen erzählt und von einem atmosphärischen Ambient-Soundtrack untermalt. George Clooney ist zwar der Star dieses Films, aber seine Rolle erdrückt ihn (den Film) nicht. Eigentlich spielt Clooney sehr zurückhaltend, dabei aber doch überzeugend. Hätte ich nicht gedacht! Ein wenig enttäuscht war ich von Solaris (also dem "Planeten") selbst. Er sieht zwar sehr schön aus, ist aber immer nur mal im Hintergrund oder aus einem Fenster zu sehen. Anders als im Roman wird nicht auf die eigenartigen Erscheinungen auf der Oberfläche von Solaris eingegangen und die Erforschung dieser Welt sowie die wissenschaftliche Untersuchung der "Besucher" kommt im Film nicht vor. Was nun die Antwort auf die Frage ist, die Kelvin sich stellen muß (siehe Handlungszusammenfassung), bleibt im Film offen. Ich nehme auch an, daß der "echte" Kelvin am Ende des Films tot ist und daß wir es in der letzten Szene, in der er sich in den sofort wieder verheilten Finger schneidet, mit einem Duplikat wie Rheya zu tun haben... Insgesamt ist Solaris ein SF-Film der anderen, intelligenteren, ruhigeren Art, von der man heutzutage kaum mehr etwas zu sehen bekommt.

Die DVD:

Die Extras sind eigentlich hauptsächlich Werbung für den Film, den man gerade gesehen hat. Die zwei Featurettes sind schnell geschnittene, kurze Zusammenstellungen von Filmszenen, Interviewhäppchen und Szenen von den Dreharbeiten, bei denen Clooney ein paar Faxen macht. Einmal sieht er dabei sogar aus wie ein in die Jahre gekommener Kaya Yanar alias Ranjid! Echte Informationen im Sinne eines "Making of" erhält man hier nicht. Dann kann man noch auf ca. 250 Bildschirmseiten das Originaldrehbuch lesen - gähn...

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