Snowpiercer


Snowpiercer (Südkorea/Tschechien/USA/F, 2013)

Blu-ray, Ascot Elite Home Entertainment
Altersfreigabe: FSK 16
Laufzeit: ca. 126 Minuten

Extras:
- Making of (15:09 Min.)
- Special Animated Clip (1:02 Min.)
- Production Sketches (Diashow) (2:36 Min.)
- Teaser, Trailer, Making of Spot

Regie:
Bong Joon Ho

Hauptdarsteller:
Chris Evans (Curtis Everett)
Song Kang-ho (Namgoong Minsu)
Ko Ah-seong (Yona)
John Hurt (Gilliam)
Tilda Swinton (Mason)
Ed Harris (Wilford)




Story

Im Jahre 2014 wird eine Substanz in der Erdatmosphäre versprüht, mit der die globale Erwärmung gestoppt werden soll. Das Experiment gelingt, aber das Weltklima pegelt sich nicht auf einem angenehmen Level ein. Stattdessen sinken die Temperaturen drastisch. Innerhalb kürzester Zeit ist der Planet von Schnee und Eis bedeckt. Fast die gesamte Menschheit wird ausgelöscht. Nur die Passagiere eines vom Industriemagnaten Wilford konstruierten Zuges überleben. Vor der Katastrophe hat Wilford seinen Lebenstraum verwirklicht und die Schienennetze aller Länder so vereinigt, dass eine viele tausend Kilometer lange Strecke entstanden ist, auf der ein High-Tech-Zug innerhalb eines Jahres rund um den Globus fahren kann. Der Zug besteht aus zahlreichen Waggons, die ein völlig autarkes Ökosystem mit Gewächshäusern und Einrichtungen zur Nutztierhaltung bilden. Er wird von einer unerschöpflichen Energiequelle angetrieben und durchstößt selbst kleine Gletscher problemlos. Jahre später sind die letzten Menschen immer noch davon überzeugt, dass draußen kein Leben möglich ist und dass die von Wilford betreute Maschine niemals angehalten werden darf. Wilford residiert im abgeriegelten Triebkopf. In den anschließenden Waggons führen die Menschen ein angenehmes Leben. In den strikt von diesem Bereich getrennten hinteren Waggons herrschen ganz andere Bedingungen. Dort vegetiert die Unterschicht auf engstem Raum in Dreck und Elend dahin. Die Bevölkerung wird regelmäßig durchgezählt. Manchmal werden kleine Kinder ihren Eltern entrissen und nach vorne gebracht. Oberhaupt der verarmten Massen ist ein alter Mann namens Gilliam.

Im Jahre 2031 erheben sich die Bewohner der hinteren Waggons gegen ihre Unterdrücker. Gilliams Zögling Curtis Everett hat durch einen unbekannten Informanten die Nachricht erhalten, dass sich im Gefängniswaggon ein Mann namens Namgoong Minsu befindet, der die Schließmechanismen der Verbindungstüren konstruiert hat und diese somit öffnen kann. Nachdem Curtis den Beweis erbracht hat, dass die mit Gewehren bewaffneten Wachen ihre gesamte Munition bei früheren (gescheiterten) Aufständen verbraucht haben, dringt er mit seinen Kämpfern in die verbotenen Zonen vor. Sein Ziel ist die Maschine - wer sie kontrolliert, beherrscht den Zug. Namgoong und dessen Tochter Yona werden befreit. Nach harten Kämpfen, bei denen sie schwere Verluste erleiden, gelingt es den Revolutionären, die Ministerin Mason gefangen zu nehmen. Mit ihr als Geisel gelangen sie in den vorderen Zugbereich, werden aber immer wieder angegriffen und weiter dezimiert. Außerdem stellt sich heraus, dass sehr wohl noch Munitionsvorräte vorhanden sind. Diese werden an Curtis' Trupp vorbei nach hinten geschmuggelt, so dass die dort zurückgebliebenen Wachen ein Massaker anrichten können, dem auch Gilliam zum Opfer fällt.

Verzweifelt drängt Curtis immer weiter voran. Als er vor der Tür zum Triebkopf steht, leben außer ihm nur noch Namgoong und Yona. Hier erklärt Namgoong, dass er die Tür nicht öffnen will, sondern ein Seitenschott, durch das man den Zug verlassen kann. Er glaubt schon vor längerer Zeit gesehen zu haben, dass der Eispanzer der Erde zurückgeht. Als er sich anschickt, das Schott zu sprengen, öffnet sich die Tür zum Triebkopf. Wilfords Assistentin erscheint, schießt Namgoong nieder und "bittet" Curtis, ihr zu folgen. Wilford begrüßt ihn freundlich, denn Curtis soll sein Nachfolger werden. Das Gleichgewicht innerhalb des in sich geschlossenen Lebensraumes der Waggons, so erklärt Wilford, muss stets gewahrt bleiben, damit die Menschheit überleben kann. Wenn die Bevölkerung zu stark wächst, muss sie eingedämmt werden. Zu genau diesem Zweck haben Wilford und Gilliam in den letzten Jahren zusammengearbeitet. Alle Aufstände wurden von ihnen gemeinsam initiiert. Auch diesmal sollte ein bestimmter Prozentsatz der Menschen sterben. Es war jedoch nicht geplant, dass Curtis so weit nach vorn gelangt.

Curtis schwankt, doch dann erkennt er, aus welchem Grund die Kinder entführt werden. Da es keine Ersatzteile für die Maschine gibt, müssen einzelne Bestandteile in ihrem Inneren manuell bedient werden, wenn es zu Ausfällen kommt. In den Eingeweiden der Maschine haben Erwachsene keinen Platz. Curtis schlägt Wilford nieder und ermöglicht es Yona, einen Sprengsatz am Schott anzubringen. Der verwundete Namgoong wehrt die nachdrängenden Zugbewohner ab. Curtis holt einen kleinen Jungen aus dem Räderwerk der Maschine, wodurch er diese schwächt. Curtis und Namgoong opfern sich, um Yona und das Kind vor der Explosion zu schützen. Durch den Explosionsdonner wird eine gewaltige Lawine ausgelöst, die den Zug zerstört. Yona und das Kind überleben. Sie sehen einen Eisbären - also muss es doch noch Leben auf der Erde geben.


Kringels Meinung

Wow, wie kommentiere ich jetzt diesen Film? Aufgrund unübersehbarer Parallelen könnte ich ihn vielleicht als Mischung aus Metropolis und Brazil bezeichnen. Der Zug ist natürlich ein Sinnbild für unsere Welt, denn so wie der Zug durch die Eiswüste einmal rund um die Erde rast, kreist unser Heimatplanet in der Kälte des Alls um die Sonne. Der Zug und die Erde sind in sich geschlossene Ökosysteme, deren Fragilität im Falle des Zuges nur offensichtlicher ist als im Falle des Planeten. Man kann den Zug ebenso wenig verlassen (das ist übrigens ein Gefühl, das ich inzwischen ganz gut kenne) wie wir mal eben auf eine neue Erde auswandern können, sobald wir die alte erst einmal zugrunde gerichtet haben. Die reichen Erster-Klasse-Passgiere leben auf Kosten der verarmten Unterschicht in unvorstellbarem Luxus. Beide Seiten werden permanent indoktriniert und mit Drogen (hier: Abfallprodukte der Maschine!) ruhiggestellt, so dass sich nach Möglichkeit nichts an den starren Strukturen ändert. Das totalitäre System missbraucht seine eigenen Gegner, um seine Herrschaft weiter zu festigen. Und die Maschine frisst buchstäblich ihre Kinder, weil sie sonst nicht weiterexistieren könnte. Das alles dürfte uns ebenfalls bekannt vorkommen! Nur die Sache mit der Bevölkerungskontrolle wird in unserer Welt (noch) nicht auf so zynische Art und Weise gelöst wie im Zug. Obwohl - wer weiß...

Der Film bietet also reichlich Stoff zum Nachdenken, aber das kommt womöglich erst hinterher, denn "Snowpiercer" legt ein hohes Tempo vor, strotzt nur so vor bizarren Ideen, enthält recht viel Action und einen überraschend hohen Gewaltgrad, und bleibt von Anfang bis Ende unvorhersehbar - jedenfalls in Bezug auf das, was die Revoluzzer wohl im nächsten Waggon erwarten mag (den Plottwist, also die künstlich inszenierten Aufstände, kann man dagegen schon früh vorhersehen). Der ständige Wechsel des "Tonfalls" hat mich dabei etwas irritiert. Der Film beginnt in den hinteren Waggons. Passend zu den erbärmlichen Lebensbedingungen ist die Atmosphäre ist düster und ernst. Man konspiriert, schmiedet Pläne, Gewalt schwebt in der Luft. Mitten hinein platzt die grotesk überzeichnete Figur der Ministerin, die eine geradezu lächerliche Ansprache hält. Jemand wirft einen Schuh und wird dafür auf unmenschlich grausame, aber auch wieder witzige Weise bestraft. Es folgen toll choreografierte Kampfszenen bei der Befreiung Namgoongs sowie in jenem Waggon, in dem die Revolution eigentlich hätte enden sollen. Blut spritzt in Mengen, eine wichtige Nebenfigur stirbt - aber immer wieder wird das durch kleine humorvolle Einsprengsel gebrochen. Der Gipfelpunkt der genialen Absurdität wird erreicht, als Curtis den Schulwaggon betritt. Bunte Farben, lustige Deko, die properen Schüler haben Spaß. Eifrige Kinder und eine beängstigend fröhliche Lehrerin, die schon bald zur Maschinenpistole greifen wird, singen ein Loblied auf Wilford. Terry Gilliam hätte seine wahre Freude an diesen Szenen gehabt!

Der besondere Clou liegt bei der Inszenierung natürlich darin, dass sich alles innerhalb der eng begrenzten Umgebung einiger Waggons des unaufhaltsam dahinrasenden Superzuges abspielt. Das wurde wirklich glaubwürdig umgesetzt. Je weiter Curtis nach vorne kommt, desto auffälliger wird der Luxus, bis er in Dekadenz abgleitet. Jeder Waggon ist buchstäblich eine völlig neue Welt, bei deren Gestaltung mit viel Phantasie und noch mehr Detailverliebtheit vorgegangen wurde. Ausstattung und Kostüme sind einfach wunderbar. Es gibt aber auch einzelne Szenen, die ich für nicht so gut gelungen halte. Das betrifft vor allem die Außenansichten des Zuges. Insgesamt kann ich "Snowpiercer" als Erlebnis abseits gängiger Sehgewohnheiten nur empfehlen, leichte Familienunterhaltung ist dieser Film aber definitiv nicht. Gut so.


Blu-ray-Features

Das Making of verdient diesen Namen nicht, denn es enthält eine nur wenig aussagekräftige Mixtur aus Filmausschnitten, kurzen Blicken hinter die Kulissen und noch kürzeren Interviews. Immerhin ist zu erfahren, dass der Film lose auf einer französischen Graphic Novel mit dem Titel "Schneekreuzer" ("Le Transperceneige") basiert. Im "Special animated Clip" erzählt Yona, welche Ereignisse dem Aufbruch des Zuges unmittelbar vorausgegangen sind, diese werden in animierten Bildern dargestellt.


J. Kreis, 04.05.2015




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