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Sie leben Sie leben (USA, 1988)
- They live -

DVD - Regionalcode 2, Kinowelt
FSK: 18
Laufzeit: ca. 89 Minuten

Extras
Audiokommentar von John Carpenter und Roddy Piper, Making of, Profile

Regie:
John Carpenter

Hauptdarsteller:
Roddy Piper (John Nada)
Meg Foster (Holly Thompson)
Keith David (Frank)




Inhalt:

John Nada, ein Arbeitsloser, der sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hält und in einem Obdachlosencamp lebt, wird auf seltsame Vorgänge in einer nahe gelegenen Kirche aufmerksam. Er stellt fest, dass eine Gruppe von Aktivisten dort unter anderem eine Art Piraten-Fernsehsender betreibt, mit dem eine phantastisch klingende Botschaft in die laufenden Sendungen eingespeist wird. Von Fremden ist da die Rede, die das Wirtschaftssystem der ganzen Welt unterwandert haben sollen. Angeblich verbreiten diese Fremden über das Fernsehsignal eine Strahlung, die die Menschen in einer Art Hypnose hält, so dass die Fremden unerkannt bleiben und die Erde ungestört ausbeuten können. Dass an dieser Behauptung etwas dran sein muss, erfährt Nada am eigenen Leib: In der Nacht rückt nämlich ein riesiges Polizeiaufgebot an, räuchert die Kirche aus und walzt auch gleich noch das Obdachlosencamp platt.

Als Nada sich am nächsten Tag in der Kirche umschaut, findet er in einem Versteck einen Karton, der ganz gewöhnlich aussehende Sonnenbrillen enthält. Als er allerdings eine dieser Brillen aufsetzt, verändert sich für Nada die Realität. Anstelle bunter Reklametafeln sieht er Befehle wie "Gehorche", "Konsumiere", "Schlafe", "Sieh fern" und so weiter. Ähnliche Befehle füllen die Seiten der Illustrierten. Und auch die Menschen verändern sich, wenn Nada die Brille aufsetzt - oder wenigstens all jene, die der Oberschicht angehören. Sie sehen aus wie gehäutet, haben eigenartige Augen und können sich scheinbar in Nichts auflösen, wenn sie in Gefahr geraten. Nada begreift, dass tatsächlich Außerirdische insgeheim die Macht übernommen haben. Sie sitzen in allen hohen Positionen, kontrollieren die Wirtschaft und verändern mit dem Treibhauseffekt sogar das Klima der Erde, so dass es für sie angenehmer wird.

Die Außerirdischen merken schnell, dass Nada ihnen auf die Spur gekommen ist, und verfolgen ihn. Er bewaffnet sich, schießt einige Fremden nieder und flieht mit einer Frau namens Holly Thompson, die er als Geisel nimmt. Diese schlägt ihn jedoch nieder, so dass er erneut fliehen muss. Dabei verliert er seine Sonnenbrille, aber er hat noch mehr davon. Nada und sein ebenfalls eingeweihter Freund Frank werden von einem Widerständler kontaktiert und nehmen an einem Untergrund-Treffen teil. Dort trifft Nada zu seiner Überraschung auch Holly, die behauptet, sie habe die Wahrheit erkannt. Die Polizei sprengt das Treffen, viele Widerständler werden getötet. Nada und Frank gelangen auf der Flucht in die weit verzweigten unterirdischen Kommandozentralen der Außerirdischen, wo sie feststellen, dass viele Menschen sich auf die Seite der Fremden gestellt haben, wofür sie reich belohnt worden sind. Nadas Ziel ist es, den Zentralsender für das Hypnosesignal auszuschalten. Das gelingt ihm auch, obwohl Holly ihn verrät und Frank tötet (auch sie ist von den Fremden korrumpiert worden). Als Nada den Sender zerstört, werden den Menschen überall im Land im wahrsten Sinne des Wortes die Augen geöffnet...

Der Film:

Wie John Carpenter selbst sagt, ist "Sie leben" in erster Linie ein Actionfilm. Aber er hat natürlich darüber hinaus eine nicht zu übersehende Botschaft. Dass die Reichen auf Kosten der Armen leben und dass bei der Jagd nach Profit nicht nur sie auf der Strecke bleiben, sondern bald auch der ganze Planet Erde, ist eine Binsenweisheit. Der einzige Punkt, in dem Film und Realität sich unterscheiden, besteht darin, dass wir es sind, und nicht irgendwelche Außerirdischen, die den Planeten ausbeuten und zugrunde richten. Und dass wir im Gegensatz zu den Film-Außerirdischen nicht die Möglichkeit haben, zum nächsten Planeten weiterzuziehen, wenn der alte nichts mehr hergibt... Es ist auch nichts Neues, dass Werbung, Film und Fernsehen uns eine Scheinwelt vorgaukeln. Leider gibt es in der Realität keine so praktischen Hilfsmittel wie Nadas Sonnenbrille, die es uns ermöglichen würden, alle Täuschungen zu durchschauen.

Die Botschaft des Films ist also ziemlich simpel. Sie wird aber sehr treffend, zynisch und auf visuell interessante Weise vermittelt. Die schwarzweiße Welt mit den übergroßen Befehlstafeln ist ebenso sehenswert wie die eigenartigen Außerirdischen. Leider geht dieser Teil des Films ein wenig unter. Es dauert nämlich recht lang, bis Nada herausfindet, was eigentlich gespielt wird. Als es dann endlich soweit ist, nähert der Film sich auch schon sehr schnell dem etwas überhastet wirkenden Finale. Nadas Wandlung vom einfachen Arbeiter, der an die Werte der USA glaubt, zum gnadenlosen Einzelkämpfer kommt etwas zu schnell. Auch wirkt seine sofortige Bereitschaft zu brutalster Gewalt (die sich allerdings ausschließlich gegen die Außerirdischen richtet) recht unmotiviert. Gut - die Außerirdischen sind wohl Schuld daran, dass seine Bleibe im Obdachlosencamp zerstört wurde, aber im Grunde haben sie ihm persönlich nichts getan. Was bringt ihn also dazu, einen Außerirdischen nach dem anderen zu erschießen?

Der Film enthält eine ziemlich lange Prügelszene, die bei der Ausstrahlung im TV regelmäßig der Schere zum Opfer fällt. Um diese Szene richtig würdigen zu können, muss man wissen, dass Roddy Piper ein sehr bekannter Wrestler war. Entsprechende Techniken setzt Nada bei seinem Kampf gegen Frank ein. Warum diese Szene aber so furchtbar lang sein musste, bleibt mir ein Rätsel... Insgesamt also ein Kultfilm mit Schwächen - aber immerhin nicht ganz ohne Botschaft.

Die DVD:

Der Audiokommentar in Spielfilmlänge ist sehr informativ und unterhaltsam, denn Carpenter und Piper sind gut aufgelegt und geizen nicht mit Anekdoten und Scherzen. Das "Making of" aus dem Jahre 1988 ist nur ca. 8 Minuten lang. Es besteht hautpsächlich aus Interviews mit Carpenter und den Hauptdarstellern sowie aus kurzen Aufnahmen von den Dreharbeiten. Etwas versteckt sind je ca zweieinhalb Minuten lange Filmclips, die als "Profile" von Carpenter, Piper und Foster bezeichnet werden. Sie enthalten hauptsächlich Material, das schon im "Making of" vorkommt. Hinzu kommt noch ein ebenfalls etwas verstecktes Bild von Carpenter und Piper aus dem Jahre 2001.

J. Kreis, 16.10.2006
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